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An Vittorio Graziano sind die 80er Jahre nicht spurlos vorbeigegangen.  Seine Frisur legt davon Zeugnis ab und erst recht seine Hemden. Beide trägt er mit einem Selbstbewusstsein, die auf eine starke Persönlichkeit schließen lassen und unterhält man sich erstmal mit ihm, wird einem schnell klar, dass man es hier mit einem Mann zu tun hat, dessen Lebensgrundsätze in Stein gemeißelt sind. Gelegentlich fällt Vittorios Blick allerdings noch weiter in die Vergangenheit zurück, in eine Zeit als man in der Emilia nicht nur aus ein paar Lambruscosorten Wein fabrizierte, sondern den Bauern (einzig Winzer zu sein, ist ein Privileg der letzten drei Generationen) noch ein Arsenal an anderen Sorten zur Verfügung stand: Uva Tosca beispielsweise.

Uva Tosca: Daraus keltert Vittorio den Smilzo, einen sprudelnden rosato, der uns – gemeinsam mit seinen beiden anderen Frizzante, dem Ripa di Sopravento und dem Fontana dei Boschi – recht regelmäßig durch die letzten Wochen begleitet hat. „Die Uva Tosca verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie in Weingärten auf fast 1000 Meter wuchs, dort wo der emilianische in den toskanischen Apennin übergeht und die Grenzen zwischen den beiden Zonen verschwimmen – es ist ein emiilianisches Tribut an den Nachbarn, an eine Region, die heute in einer Stunde, vor ein paar hundert Jahren, in der Blütezeit der Uva Tosca, allerdings nur in ein paar Tagen erreichbar und folglich eine fast exotische Welt war.“

Die heute quasi inexistente Rebsorte fiel Vittorio bei einem seiner – zumindest unter den Bauern der Emilia – berüchtigten Streifzüge durch alte oft abgelegene Weingärten in die Hände. Er pflanzte sie – neben einer Vielzahl anderer wenig bekannter, bisweilen namenloser Sorten – in die drei Hektar rund um sein Weingut in Castelvetro di Modena und stellte schnell ihre Eigenheiten fest, die sich in wenigen Worten zusammenfassen lassen: feine, rotbeerige Aromen, ein filigraner Körper und eine stets helle Farbe (vermutlich mit ein Grund, warum sie der Weinmoderne zum Opfer fiel). Eine Sorte, für all jene, die auch der Leichtigkeit von Rotwein etwas abgewinnen können.

Vittorio überlässt im Smilzo der Uva tosca die Hauptrolle, assistiert von Grasparossa und zwei Sorten, deren Namen er nicht kennt (Universitäten und Ampelographen könnten mit Sicherheit herausfinden, worum es sich dabei dreht. Allerdings hat Vittorio verständlicherweise keine Lust € 600/Rebsorte für eine Leistung zu bezahlen, die das kulturelle Erbe der Emilia betrifft und folglich eigentlich von der Region übernommen werden sollte aber nicht wird.) Der Grundwein wird spontan vergoren, nach ein paar Tagen abgepresst und im Zementbottich ausgebaut, die zweite Gärung erfolgt in der Flasche. Die einzige und zumindest für mich erstaunliche Konzession an seine Konsumenten macht Vittorio, indem er den Wein, entgegen der Tradition degorgiert – das heißt, er entfernt die Hefe aus dem Wein. Dosiert wird danach nicht.

Schmecken tut der Smilzo letztlich brillant (vor allem der 2016er): ein paar rote Beeren, ein bisschen Salz, Zitrus und leicht erdige Noten prägen das Aromaprofil, eine animierende und lebhafte fördert den Trinkfluss und ein schlanker („smilzo“)  aber dynamischer Körper erledigt den Rest.

Der Smilzo ist im österreichischen und deutschen Fachhandel leider nicht erhältlich. Wer etwas davon haben will, kann sich entweder an mich oder direkt an Vittorio Graziano wenden.

Rote Bastionen finden sich in Italien seit den Tagen, als die Griechen in Kalabrien den Krimisa kelterten, ihn über das Ionische Meer schipperten und ihn, u. a. ihren Olympiasiegern als Geschenk überreichten. In der Zwischenzeit gibt es hunderte rote Hochburgen, teils mit internationaler Reputation (Barolo, Montalcino & Co) teils mit immerhin lokaler Bedeutung (Vulture, Ovada, Dogliani, Conerò etc.). Es gibt aber auch orange Epizentren (allen voran der Karst und der Collio im Norden und die Colli Piacentini weiter im Süden), sprudelnde (Prosecco, Franciacorta, Lambrusco) süße (Marsala, Valpolicella, Gambellara) und sogar rosafarbene (Abruzzen).

Im Verhältnis dazu, tut man sich WEISS vergleichsweise schwer. Orte, mit dem Renommee von Barolo & Co. sucht man vergebens. Potenzial wäre freilich vorhanden und gelegentlich dürfte das auch ausgeschöpft worden sein. Im Soave beispielsweise, wo man bis in die fünfziger Jahre große Weine gekeltert haben dürfte, ehe die Industrie übernahm und den Qualitätsgedanken durch biedere Profitgedanken ersetzte. Vor ca. 20 Jahren setzte glücklicherweise wieder ein Umdenken ein, dass allerdings noch zu Ende gedacht werden muss.

Gelegentlich muss man aber erst anfangen, den natürlichen Voraussetzungen vollends gerecht zu werden. Im Aostatal beispielsweise finden sich Bedingungen, die besser kaum sein könnten – kühles Klima, spannende oft autochthone Sorten, ideale Böden und Exposition – doch nur im seltensten Falle die Bereitschaft, auf die chemischen Optionen im Weingarten und die invasiven Manipulationen im Keller zu verzichten. Besser spät als nie schlagen erste Winzer in Italiens kleinster Provinz jedoch seit kurzem neue, nachhaltigere Wege ein.

Der Collio, das Eisacktal, die Gegend rund um Avellino – die Liste mit potenziell großen Terroirs ließe sich über Seiten hinweg fortsetzen (das es potenziell große Terroirs sind, beweisen auch immer wieder einzelne Winzer). Ganz hoch oben auf dieser Liste sollte auch ein Ort stehen, der in der Weinwelt noch immer fast unbekannt ist. Cupramontana liegt 30 Kilometer westlich von Ancona, im Herz der Marken. Verdicchio – von vielen Ampelographen und Kritikern als beste weiße Rebsorte Italiens ausgemacht – gibt hier den Ton an, Kalk bildet die geologische Basis. Corrado Dottori von La Distesa der mit dem Gli Eremi den bis heute besten Wein der Gegend und einen der besten Italiens produziert, meinte einmal das Cupramontana das Chablis Italiens sein könnte (will man das?), wenn… ja wenn… man das Potenzial auch wirklich ausschöpfen würde. In seinem Schatten haben sich nun einige Winzer darangemacht, Corrados Hypothese in die Tat umzusetzen. La Marca di San Michele keltert mit den Passolento und dem Capovolto zwei Versionen, die sowohl der Sorte wie auch der Umgebung gerecht werden. Di Giulia produziert mit dem Grottesco und dem Gentile ebenfalls zwei Weine, mit denen man Spaß haben, sich aber auch längere Zeit beschäftigen kann.

Seit kurzem gesellt sich zu diesem Trio auch noch Ca’liptra dazu, ein kleines Weingut, das sich aus Giovanni Loberto, Roberto Alfieri, Agostino Pisani und Antonella Traspadini zusammensetzt, einem Quartett, das in verschiedensten Funktionen bei anderen Winzern (Dottori, Pievalta, Colonnara) gesehen hat, wie man gute und exzellente Weine macht. Mit dem Kypra keltert man nun seit ein paar Jahren einen Wein, der einen Grund mehr liefert, Cupramontana in der Hierarchie italienischer Weißweinzonen hoch oben anzusiedeln. Die Basis bilden 40jährige Verdicchioreben und der schon erwähnte Kalksockel, durch den sich zudem ein paar Gipsadern ziehen. Die Exposition weist nach Osten. Da man sich genau über dem Cesola, einem unweit von Copramontana entspingendem Wildbach befindet, verfügt man zudem über ein – speziell im Sommer – regulierendes Mikroklima. Im Weingarten wird konsequent biologisch gearbeitet, im Keller setzt man anfangs auf wilde Hefen und verzichtet auf eventuelle Gärhilfen. Ausgebaut wird über 9 Monate in Zement, danach wird gefiltert, geschwefelt und gefüllt.

Das Resultat ist kühl, präzis und animierend. Die Aromen decken, wie so oft bei gutem Verdicchio, vor allem das florale und gelbfruchtige Spektrum ab. Die Säure packt zu und sorgt für Spannung, Vitalität und Zug. Die Textur ist saftig und kompakt. Der pH liegt bei 3,2, die Säure bei 6,5‰ der Alkohol bei 13,5 und was sich analytisch recht ausbalanciert liest, sorgt auch sensorisch für Ausgewogenheit. Ein paar Jahre Flaschenreife tun mit Sicherheit gut.

Autozertifikation Kypra: angefertigt von Ca’liptra für die (brillante) mailändische Organisation La Terra Trema 

Jahrgang: 2015

Weingarten

Name des Weingartens: Vigna Bassa
Boden: Kalk-Gips
Exposition: süd-ost
Höhe: 350-250 Meter.

Rebsorte: Verdicchio
Unterlagsrebe:
Erziehungssystem: doppelter Guyot
Mittleres Rebstockalter: 40 Jahre
Pflanzdichte (Reben/ha): 3500
Ertrag pro Rebstock (kg/pianta): 1,2
Hektarertrag (kg/ha): 5000

Behandlungen (Art und Häufigkeit): Schwefel und Kupfer – mit einem Abstand von ein bis zwei Wochen zwischen den Spritzungen (abhängig von den Niederschlägen)
Dünger: kein Dünger
Lesebeginn: 2. September
Art der Lese: manuell, in 15 kg Kisten
Zukauf von anderen Winzern: nein
Zertifizierung (biologisch, biodynamsich): nein
Zusätzliche Informationen: In Umstellung auf biologische Bewirtschaftung

Önologie

Rebeln: mit kleinem Rebler
Presse: hydraulische Presse
Vergoren in: Zement
Mazeration: keine Mazeration
Sulfite (Menge und Zeitpunkt der Zugabe): vor der Füllung. 60 mg\L Gesamt SO2 
Verwendung von Reinzuchthefen: nein
Methoden zur Stabilisierung des Weins: keine
Filter (wenn ja, welche): ja, Karton
Klärung (wenn ja, wie): mit Bentonit

Ausbau in Zement (Dauer): 9 Monate
Weitere Flaschenreife: 2 Monate
eventuelle Korrekturen: nein

Verhältnis Trauben/Wein (%): 50%

Produzierte Flaschen: 5000
Flaschentyp: Burgund
Verschluss: Kork

Verwendung der Trester: werden im Weingarten ausgebracht

Chemische Charakteristika

Alkohol: 13,5 % 
Säure (g/l): 6,5
Ph: 3,2
Freier Schwefel (mg/l bei der Füllung): 15
Gesamtschwefel (mg/l bei der Füllung): 60 mg/L

Antonio Perrino ist Garagenwinzer. Er war es schon, bevor man im Bordeaux den Begriff aufgriff, ihn seiner eigentlichen Bedeutung beraubte und daraus eine Marketingidee und Kommunikationsstrategie formulierte und sie, konsequent wie immer im Bordeaux, umsetzte.

An Perrino zogen diese Ideen vorbei wie die aufkonzentrierten und schwarzen Merlots, die man ab den 90er Jahren auch rund um seine Heimat in Dolceacqua/Ligurien immer öfter kelterte. Er setzte weitere  auf seinen klösterlichen und blassen Rossese, einen der erhabendsten, filigransten und raffiniertesten Rotweine Italiens. Und auf seinen Vermentino, der sich ebenso konsequent wie sein roter Bruder, den überregionalen Trends verweigerte.

Antonio mazeriert den Vermentino über fünf Tage. Doch – und hier zitiere ich mal die Worte anderer, die treffender nicht sein könnten – „ist die Mazeration nicht dazu gedacht, dem Wein Tannin und ein schweres Chassis mit auf den Weg zu geben, sondern hat vielmehr die Funktion die Geschmacksnuancen zusätzlich zu betonen“ (Castagno & Co.: Vini da Scoprire).

Das bisschen Gerbstoff im Wein ist so mürb und fein, dass man es kaum wahrnimmt – für die Struktur hauptverantwortlich ist eine Mischung aus mineralischer Substanz und Säure, die dem Wein Druck und Zug gibt und Kräuter, Steine und Salz ohne Schlenker in Richtung Gaumen trägt. Dort und ein bisschen weiter unten bleiben sie dann für die nächsten Minuten.

Ausgebaut wird über ungefähr 18 Monate in nicht allzu großen Holzfässern, wobei Antonio, anders als seine französischen Kollegen, zu 100% auf gebrauchtes Holz setzt.

Den Testalonga Bianco gibt es bei Vino nudo in Wien für € 19,90

EzioTrinchero.350w_263hAuch wenn Barbera die Nummer eins im Rebsortenaufgebot von Ezio Trinchero ist, lohnt es sich mit einem anderen Wein anzufangen. Der Freisa Runchet ist strukturiert, saftig, floral, vereint Kraft und Lebendigkeit und lässt am Gaumen nicht zu knapp rote, frische Fruchtnoten zum Zug kommen. Die Freisa ist eine jener Sorte, die kaum bekannt, fähig ist, die Basis für ganz fantastische Weine zu liefern. Ihre genetische Verwandtschaft zum Nebbiolo sollte Grund genug sein, sie beizeiten mal auszuprobieren.
Vergoren wird (wie bei allen seinen Weinen und jedem Wein, die hier besprochen werden) spontan, die Mazerationszeiten sind zwar von Jahr zu Jahr unterschiedlich lang, allerdings selten unter 30 Tagen. Ausgebaut wird in großen slawonischen Holzfässern, danach wandert der Wein ungefiltert und ungeschönt und lediglich mit minimalem Schwefel vor der Füllung in die Flasche, wo er in aller Ruhe weiterreifen kann. An Gerbstoff mangelt es in den ersten Jahren nicht (auch das zieht sich – mit Ausnahme des Grignolino – durch sämtliche Weine von Ezio) und wer Geduld hat, wird generell belohnt.
Exzellent sind auch seine einfach(er)en Barberas, die sich 2010 kühl und frisch, strukturiert und engmaschig aber eben auch animierend, lebendig, fruchtbetont und saftig präsentierten.
Der Vigna del Noce 2008 (siehe auch Text zum Weingut) ist das auch, aber was sich nebenbei noch in dem Wein abspielt, entzieht den Vorurteilen, die man dem Barbera gegenüber gelegentlich zum Ausdruck bringen mag, endgültig den Boden unter den Füssen. Substantiell & komplex, ist es ein Wein mit so vielen Schichten und Nuancen, dass man sich dafür wirklich Zeit nehmen sollte. 90 Jahre haben die Rebstöcke auf dem Buckel und sollte man mit 90 ebenfalls so viel Energie und so viel zu erzählen haben, wie dieser Wein, hat man einiges erlebt. Die Nase ist balsamisch, erdig, dunkel, voller Laub und reifer Beeren, am Gaumen jedoch macht sich eine Frische und Saftigkeit breit, die verkündet, dass die Reise erst begonnen hat.
Bleibt der Bianco, dessen Farbe nach 10-12 Tagen auf der Maische eher an Kastanienhonig erinnern. Da sich in der Cuvèe Malvasia di Candia Aromatica befindet, eine Sorte, deren Schalen so dick wie Panzerglas sind und auch ungefähr die gleiche Konsistenz haben, darf man sich auf ordentlich Gerbstoff gefasst machen. Dahinter wird es allerdings spannend: Salbei, Kamille und reife Marillen sorgen für ein angenehme aromatische Antwort aus das Tannin, die Textur ist saftig, streng und konzentriert. Ein Wein, der fordert und dem Luft (und Zeit ) nicht schadet.

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Luciano Saetti lebt in Soliera bei Modena. Jeden zweiten Donnerstag bricht er nach Ferrara – meiner Stadt – auf, parkt seinen Lieferwagen am Rande der Altstadt, holt ein altes Fahrrad daraus hervor und schnürt sich vier Kisten Wein auf einen zusammensgeschweißten Grillrost, eine selbstfabrizierte Spezialkonstruktion, mit der er seinen Lambrusco zu den besten Vinotheken und Trattorien der Stadt bringt.

Luciano liebt Erfindungen. Durch seinen Weingarten, in dem er einzig und allein Salamino, das eleganteste Mitglied der achtköpfigen Lambrusco-Familie hegt und pflegt, fährt er, wenn es denn notwendig ist, mit einem von ihm zusammengebauten Traktor. Salamino, genauer Salamino di Santa Croce, stammt aus der Ebene nördlich von Modena. Hügel, Hänge & Terrassen sucht man dort vergebens. Die Böden bestehen hauptsächlich aus Lehm und Sand, das Klima ist heiß und feucht, kurz: die Bedingungen für gute Weine könnten nicht ungeeigneter sein.

Aber da ist dann auch noch Luciano Saetti und der weiß mit diesen Voraussetzungen seit Jahrzehnten umzugehen. Die alte Tendone-Erziehung, eine Art Pergola hat er in eine bis zu 2,60 Meter hohe Spaliera-Erziehung umgewandelt. Die gibt ihm die Möglichkeit, seine Trauben vor der emilianischen Sonne zu schützen und ihnen doch auch die nötige Luftigkeit zu geben, um nicht permanent mit Peronospora und Botrytis kämpfen zu müssen. Die Böden, in denen jeweils eine Reihe Salamino aus dem Jahr 1964 mit einer Reife aus dem Jahr 1996 abwechselt, werden nicht gedüngt, da der Untergrund ohnehin fruchtbar genug ist. Stark verdünnter Kupfer und Schwefel sind die einzigen Pflanzenschutzmittel, die Luciano verwendet. Und zwar nicht erst seit gestern. Luciano arbeitet seit 1988 so, seit 1998, als er begonnen hat seine eigenen Trauben zu vinifizieren, ist er biologisch zertifiziert.

Der Keller ist ebenfalls ein Meisterwerk der Improvisation. Über einem ausrangierten Tiefkühler hat er ein Holzgitter gelegt, in dem er seine Weine degorgiert. Danach wird die Flasche zugekorkt und drei bis fünf Monate lang weggelegt. Eine Presse sucht man vergebens, Luciano verwendet einzig den frei ablaufenden Most – ein Umstand, der seine Weine zusätzlich feiner und eleganter macht. Außerdem findet man auch keine Säcke voller Bentonit, keine Filteranlage und keinen Schwefel. Lucianos Lambrusco ist so viel Natur, wie das ein Kulturprodukt wie Wein (und Lambrusco im besonderen) eben zulässt.

Rebsorte: Lambrusco Salamino di Santa Croce
Pflanzdatum: 1964 und 1994
Boden: Ebenen nördlich von Modena. Lehm und Sand
Bewirtschaftung: biologisch – mit möglichst wenig Kupfereinsatz
Lesezeitpunkt: Ende September, manuelle Lese
Gärung: spontan, bei etwas über 20°C, dreitägige Mazeration
Ausbau: Edelstahl über ein paar Monate, danach Zweitgärung in der Flasche.
Gefiltert: nein
Geschönt: nein
Schwefel: ungeschwefelt
Alkohol: 11,5%
Preis: ca. €10

LINK: BEST OF LAMBRUSCO

Und das schmeckt man. Sein 2015er Lambrusco Rosso Viola ist filigran, subtil, aromatisch, leicht aber nie banal, im Gegenteil, schwebend aber substantiell. Das trifft sowohl auf das vorwiegend florale, von roten Beerennoten unterstützte Aromaprofil zu wie auf den Körper, der Trinkfluss mit Beharrlichkeit verbindet. Die Textur ist weich und leicht cremig, die Säure ausbalanciert, das Tannin samtig. Wer Lambrusco wieder einmal eine Chance geben will, sollte sich einfach ein paar Flaschen von Lucianos Interpretation besorgen – zu kaufen gibt es seinen Lambrusco(und  auch seinen ähnlich beeindruckenden Rosato Il Cadetto) direkt bei ihm, jeden zweiten Donnerstag in Ferrara und meines Wissens auch bei VINIFERO in Wien.

Ps: Salamino leitet sich wirklich und wahrhaftig von Salame ab. Die hat rund um Modena einige ihrer Hochburgen (wobei es in ganz Italien ca. 250 verschiedene Sorten gibt) und passt auch bestens zu Lambrusco. Den Namen hat die Salamino jedoch nicht aufgrund ihrer kulinarischen Kompatibilität abbekommen, sondern wegen ihrer langgestreckten eher kurzen Form, die frappant an Salamis erinnert.


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