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Paulo Ghiddi vereint auf seinem 7 Hektar großen Weingut bei Castelvetro di Modena gleich mehrere Professionen: er praktiziert vorrangig als Winzer, ist aber zudem noch als Hotelier (ein kleiner Agriturismo), Getreide- & Gemüsebauer (Dinkel, Gerste, Artischoken), Essigproduzent (Aceto Balsamico) und Gastwirt tätig. Er arbeitet seit der Steinzeit der offiziellen Zertifizierung biologisch und keltert Weine, die sich zwar vorwiegend lokalen Traditionen gelegentlich aber auch Vorlieben von Paolo verdanken. So hat er neben die in der Zone omnipräsente Lambruscovariante Grasparossa und Trebbiano di Spagna auch ein wenig Cabernet Sauvignon und Chardonnay gepflanzt und dabei den Schmähungen diverser Kollegen widerstanden. Vinifiziert wird allerdings so wie sich das für diesen Teil der Emilia gehört. Einer ersten Gärung in Zement oder Stahl folgt eine Zweitgärung in der Flasche und folglich Weine, die allesamt ordentlich sprudeln und schmecken.

WEINE: Richtig spannend und gut wird es dabei gleich beim ersten Wein, dem Matris Album, einer nach der methode ancestrale vinifizierten Cuvèe aus Trebbiano di Spagna, mit mikroskopischen Anteilen Garganega und Chardonnay. Voluminös, ausladend und üppig kontert sie spät aber dafür nachhaltig mit Säure und punktet am Gaumen wie in der Nase vor allem mit hefigen Noten, Kamille und Minze. Die Nummer zwei der Matris Rubellum, ein ebenfalls flaschenvergorener Rosato, ist straff und zurückhaltend, die ist Textur elegant und kühl, die Hefearomen weichen floralen Noten. Die Nummer drei im Matristrio ist der Matris rubrum, in dem ebenfalls Grasparossa den Ton angibt, allerdings nicht allein – unterstützt wird er von Uva Tosca und dem bereits erwähnten Cabernet Sauvignon – (im einstelligen Prozentbereich). Der hat – zumindest aromatisch – eher wenig zu melden, sorgt allerdings dafür, dass der ohnehin nicht tanninarme Grasparossa nochmals zusätzlich Rückgrat bekommt. Die Aromen sind dunkel und saftig, die Struktur ist, dank einer sehr lebhaften Perlage, animierend und der Körper ist kraftvoll aber elegant.

ps: Paolo Ghiddi hat in Form der Podere Cervarolo quasi einen Untermieter – das kleine, eben erst gegründete Weingut von Andrea della Casa vinifiziert seine Weine im Keller von San Polo. Wer also in die Gegend aufbricht, bekommt am Hof von Paolo die Weine von gleich zwei ausgezeichneten Winzern zu probieren.

Azienda San Polo
Via San Polo 5
Castelvetro di Modena
Tel: +39 348 0738343
info@agrisanpolo.it
www.agrisanpolo.it

WEINE

Matris album
Matris rubellum
Matris rubrum

Die Weine kosten ab Hof um die € 8 (2017).

Jahresproduktion: ca.30000 Flaschen
Rebsorten: Trebbiano di Spagna, Garganega, Lambrusco grasparossa, Uva Tosca, Cabernet sauvignon
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Die Gruppe Renaissance des Terroir wurde 2008 in Frankreich ins Leben gerufen. Federführend dabei war Nicolas Joly, einer der bekanntesten Vertreter biodynamischer Bewirtschaftungsmethoden. Eine italienische Gruppe, die unter denselben Statuten und Richtlinien arbeitet, formierte sich wenig später – unter ihnen finden sich eine Vielzahl exzellenter, vor allem toskanischer Winzer (Podere Concori, Fabbrica di San Martino, Montesecondo, Pian d‘Orino etc) aber auch Winzer aus anderen Teilen Italiens (Foradori, Bocchino, La Visciola, Monte dall‘Ora etc). Sie alle eint die Idee, ihr Terroir mittels biologischer oder biodynamischer Bewirtschaftung so präzis und adäquat wie möglich in ihren Weinen nachzuerzählen. Alle Mitglieder folgen dabei einer ziemlich rigorosen CARTA DI QUALITÀ, deren wichtigste Punkte hier nachzulesen sind.

  • Zur Stärkung der Bodenvitalität sind einzig organische Produkte (Kompost) zugelassen. Kunstdünger sind verboten, weil sie den Boden und den Stoffwechsel im Boden ruinieren.
  • Für die Bekämpfung von Krankheiten sind einzig natürliche Produkte zugelassen (der Charta des biologischen Weinbaus folgend). Systemische Pflanzenschutzmittel sind strikt verboten.
  • Genetische manipulierte Pflanzen haben im Weingarten nichts verloren, sind also verboten.
  • Pro Jahr ist die Verwendung von 4kg Kupfer im Weingarten erlaubt.
  • Die Lese erfolgt per Hand und in mehreren Stufen
  • Die Mitglieder sind allesamt entweder biologisch oder biodynamisch zertifiziert
  • Der Einsatz von Reinzuchthefen während der Weinbereitung ist verboten. Gleiches gilt für den Einsatz von Enzymen, Bakterien, Tanninen und anderen Zusatzstoffen (Ausnahme SO₂)
  • Man respektiert die natürliche Substanz des Weins: Cyro-Extraktion, Alkoholentzug oder Aufkonzentrationen (Umkehrosmose etc.) sind verboten.
  • Der Traubenmost und auch der Wein dürfen weder auf- noch entsäuert werden und auch die Zugabe von Zucker ist verboten.
  • Bei der Verwendung von SO₂ folgt man den Richtlinien von ICEA (meines Wissens 100mg/l)
  • Schönungen und Klärungen sind verboten
  • Sterilfiltration (Filter mit weniger als 2 Mikron) sind verboten.

ps: alle mir bekannten Winzer der Gruppe keltern exzellente Weine. Die Wahrscheinlichkeit, dass das auch auf die anderen Mitglieder zutrifft, ist folglich relativ groß.

Die Mitglieder von Renaissaince Italia

1701 Franciacorta
Campinuovi
Casa Belfi
Casa Wallace
Cascina degli Ulivi
Corte Sant’Alda
Cosimo Maria Masini
De Fermo
Denis Montanar / Borc Dodon
Emidio Pepe
Eugenio Bocchino
Fabbrica di San Martino
Fattoria Calcabrina
Fattoria Castellina
Fattoria Cerreto Libri
Fattoria di Bacchereto
Foradori
Francesco Guccione
Fuorimondo
I Cacciagalli
Il Paradiso di Manfredi
La Visciola
Loacker Tenute
Macchion dei Lupi
Monte dall’Ora
Monte dei Roari
Montesecondo
Orsi – Vigneto San Vito
Paolo Francesconi
Pian dell’Orino
Podere Casaccia
Podere Concori
Podere La Cerreta
Poggio Trevvalle
Porta del Vento
San Fereolo
San Polino
Stella di Campalto
Tenuta di Valgiano
Tenuta Migliavacca
Tenuta Selvadolce
Tenute Dettori
Valentina Passalacqua
Villa Terlina

Nach ausgedehntem Winterschlaf stehen im Frühjahr Verkostungen im größeren und kleineren Rahmen an.

Im kleineren Rahmen und für all jene die rund um und in Wien wohnen, sei kurz darauf hingewiesen, dass man sowohl in der Weinhandlung Rudolf Polifka /Reindorfgasse 22, Wien 15 (Do./Fr.) wie auch bei vino nudo/Westbahnstraße 30, Wien 7, Woche für Woche beste Weine auch trinken/kosten & kaufen kann.

Wer weite Wege nicht scheut, kann sich aber auch auf den Weg nach Mailand machen. Dort findet in einem alten Eispalast vom 5.-7. März die Live Wine statt und fast alle, die in Italien exzellente, unverfälschte & authentische Weine keltern, sind dort am Start.

Eine Woche später (12./13.3.) findet in Köln zum zweiten Mal der Wein Salon Natürel statt. Insgesamt eine wenig kleiner, sind die Intentionen ebenso unverfälscht wie in Mailand, der Schwerpunkt wird sich allerdings von italienischen zu französischen Weinabuern verlagern.

Die wichtigste Woche im italienischen Weinkalender (allerdings auch mit vielen internationalen Produzenten) liegt zwischen dem 8. und 13. April, wenn sich zwischen Cerea (Viniveri), Vicenza (Vinnatur) und Verona (Vivit – anlässlich der Vinitaly) gleich drei Messen dezidiert dem Thema Naturwein widmen. Lohnen tun sich alle drei – die beste, weil entspannteste Veranstaltung, findet in Cerea statt.

Wer wissen will, was sich in Frankreich tut (immer viel), kann sich bestens bei vinsnaturel informieren.


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