Vignale di Cecilia – Veneto

Vignale di Cecilia 

Paolo Brunello
Via Croci 14, Baone
tel: +39 0429 51420
www.vignaledicecilia.it
vignaledicecilia@vignaledicecilia.it

Vignale di Cecilia

In den Colli Euganei ist es spürbar Herbst geworden. Es regnet in Strömen. Paolo Brunello kann das prinzipiell egal sein, die Trauben sind seit einem Monat in den Fässern und Bottichen – allerdings, meint er, sei es während des Jahres oft ähnlich gewesen wie heute. Nicht nur in Österreich war es also nass, wobei die Dimensionen definitiv andere waren. Die Gradation blieben zwar auch hinter den Jahresmitteln zurück aber das ist bei meist um die 14% Alkohol kein dramatisches Manko.

Paolo lebt in Baone, dort wo die Hügel langsam in die Po-Ebene auslaufen und bewirtschaftet 10 Hektar Weingärten – biologisch aber dezidiert undogmatisch. Wobei nur der Weingarten zertifiziert ist, nicht die Arbeit im Keller, da er – und da ist beim besten Willen nicht der einzige – die Kellerrichtlinien für Biowein für Unsinn (da viel zu locker) hält.

1998 stand Paolo vor der Entscheidung die Weingärten seines Grossvaters nebenberuflich weiterzuführen – definitiv ein Quereinstig war er doch bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich Cellist (Violoncello); und zwar ein richtig guter, der mit größeren und kleineren Orchestern um die Welt tourte. Da man allerdings nicht die ganze Zeit unterwegs ist, beschloss er, die ruhigeren Phasen zu nutzen, um sich als Winzer zu versuchen. Anfangs mit der Hilfe von Önologen, später dann mit eigenen Ideen, einem eigenen Konzept und ab 2006 dann hauptberuflich. Der Welt ist damit zwar ein talentierter Musiker abhanden gekommen, sie hat dafür einen brillanten Winzer gewonnen.

Der über seine Rolle als Weinbauer jedoch – wie so viele exzellente Winzer – den Mantel der Bescheidenheit breitet. Er begleitet seine Weine heute nur mehr, schaue dass sich alles im Gleichgewicht befinde und versuche eben so wenig wie möglich einzugreifen. Sein dezidiertes Ziel ist es dabei sein Territorium und den Jahrgang sprechen zu lassen – Spiegelbilder in Form von Wein zu entwerfen. Das Ausgangsmaterial, das ihm dabei zur Verfügung steht ist spannend und einzigartig. Die einst vom nahen Meer bedeckten Colli Euganei sind die geologische und topographische Folge einer Reihe vulkanischer Eruptionen, die zum einen den Hügeln ihre konische Form gaben zum anderen basaltische Lava an die Oberfläche brachte. Hand in Hand wurden zudem unzählige Fossilien und Sedimente auf die Hügel gespült – sie bilden heute im Verbund mit etwas Ton, die kalkreiche Basis der meisten Weingärten. In denen wurzeln meist alte Rebstöcke, die Paolos Nonno 1966 auspflanzte. Die Eruptionen ließen auch topographische Verwerfungen entstehen, die dazu führen, dass jeder Weingarten anders  exponiert ist und folglich auch stets klimatischen Unterschieden ausgesetzt ist.

Im Keller geht es dann naturgemäß darum diese Unterschiede zu bewahren. Wobei Paolo diverse Gebinde zur Verfügung stehen, um sein Terroir adäquat zu repräsentieren. Er verwendet für seine Weißweine und einen kleinen Teil seiner Rotweine, die alten Zementfässer seines Opas, für den Rest (drei Rotweine) kleine gebrauchte Holzfässer. In einem 1000 Liter Holzfass befindet sich zudem der Moro, eine lebendige, zutiefst mineralische und saftige Carmenere/Cabernet Franc Cuvée, was kurz die Frage nach der Vielfalt Bordelaiser Sorten in den Colli aufwirft: anders als oft angenommen, sind Cabernet, Carmenere und Merlot in Italien schon seit hunderten Jahren heimisch und nicht erst seit die Antinoris mit dem Sassicaia die zweifelhafte Mode der Supertuscans einführten.  Verantwortlich dafür war vor allem die Freundschaft des Schlossherrn des Castello di Lispida mit einigen Bordelaiser Chateaus und dem folgenden Versuch, in den Colli Euganei eine kleine französische Wein-Dependance einzurichten. Heute wachsen die vier Sorten (inkl. Carmenere) in fast allen Weingärten der Hügel und liefern Weine, die viel mehr Beachtung finden sollte (wobei sowohl der slow wine guide wie auch der gambero rosso beständig auf die immensen Qualitäten hinweisen).

Neben dem El Moro keltert Paolo auch noch den Cóvolo (ME/CS, 14 Tage Maische, 18 Monate in Holz und Zement – meine Nr.1) – lebhaft, mineralisch, fruchtpräzis und den Passacaglia (CS/ME/Barbera, 20 Tage Maische, nur Holz), der etwas kräftiger und cabernetlastiger ist und konzentrierter und voller wirkt. Beiden Weine attestiert Paolo eine gewisse Nervosität, eine Beschreibung, die gut passt und die man vielen Weinen prinzipiell wünscht. Er mag es nicht, wenn es zu weich und charmant wird, die Struktur, der Gerbstoff und die metaphysischen Komponenten (Mineralität/Terroir) sollten den Wein eine wie auch immer geartete Richtung geben. Das trifft auch auf die Weißweine zu, wenngleich diese etwas einfacher gestrickt sind. Zumindest der Benavides, sein Hauswein, der frisch, lebendig und aromatisch erstaunlicherweise eher von Garganega als von Moscato geprägt ist. Tiefer, profunder und substantieller wird es dann beim „Cocai“ (Paolos namentliche Neudeutung des Tokai – den Ungarn sei Dank) spritzig, vital und animierend bei seinem flaschenvergorenen Frizzante „Val di Spin“ (Garganega, Glera), den man nur bei ihm zu Hause oder in der USA bekommt (50% seiner Weine werden zwischen New York und L.A. getrunken). Ein Grund also ihn zu besuchen. Andere sind der kleine Agriturismo (nur für angekündigte Gruppen), die imposanten Hügel, Paolo in persona und seine Weine, für die man schon mal Mozart & Co. opfern kann.

Jahresproduktion: 20000 Flaschen
Rebsorten: Tocai, Garganega, Glera, Moscato, Cabernet, Merlot, Carmenere, Barbera
Rebfläche: 9 ha
Reberziehung: Guyot
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Zertifiziert: biologisch
Sprachen: italienisch, englisch
Direktverkauf: ja

Weine:

Cocai (Tocai)

Benavides (Garganega, Moscato)

Val di Spin (Frizzante, Glera, Garganega)

Passacaglia (Cabernet S., Merlot, Barbera)

Covolo (Cabernet S., Merlot)