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Immer Schwefel. Er verfolgt einen durch konventionelle und durch biologische Welten und ist fortwährender Diskussions- und Streitpunkt. An ihm scheiden sich die Geister, die selbst bei Maischegärungen, Ganztraubenpressung oder Amphorenausbau noch Konsensfähigkeit demonstriert haben. Umso erfreulicher, dass sich bei Angelo Muto zwar auch vieles um Schwefel dreht, allerdings in einem wesentlich entspannteren Diskurs. Seine Reben wurzeln darin. Seit drei Generationen bewirtschaftet seine Familie fünf Hektar Weingärten in Tufo und zwar genau über einer Mine, in der im 19. Jahrhundert bis zu 900 Menschen beschäftigt waren und Schwefel abbauten.

War Tufo früher für seinen Schwefel bekannt, punktet die kleine Stadt heute mit Greco, einer weißen Rebsorte, die zu den spannenderen Süditaliens zählt und offensichtlich bestens mit den eigenwilligen geologischen Bedingungen umgehen kann. Greco ist im Grunde genommen keine einzelne Sorte, sondern eine Sortenfamilie, die zum einen so kompliziert miteinander vernetzt ist und zum anderen so viele Unterschiede innerhalb der Familie aufweist, dass es sich lohnt ihr (demnächst) einen eigenen Artikel zu widmen. In aller Kürze lässt sich allerdings sagen, dass manche (aber beim besten Willen nicht alle) Greco-Sorten wahrhaftig griechischen Ursprungs sind und die meisten davon (aber beim besten Willen nicht alle) in Kalabrien ihren Ursprung und ihr Hauptausbreitungsgebiet haben. Tufo ist nicht nur eine solche Ausnahme, es ist gleichzeitig auch das bekannteste aller Greco-Anbaugebiete und erfreut sich seit 2003 über DOCG Status.

Angelo Muto und seine Vorgängergenerationen setzen seit jeher einzig und allein auf Greco. Angebaut wird in zwei unterschiedlichen Weingärten, wobei beide steil & spektakulär sind und an manchen Stellen über 500 Meter hoch. Drei Hektar umfasst die Lage rund ums Weingut, die, einem Amphitheater ähnlich, von früh bis spät Sonne abbekommt; der zweite Weingarten ist älter, von Wald umgeben, noch ein wenig höher und folglich mikroklimatisch anders (weniger Wind, noch mehr Sonne). In beiden wird, trotz der in Richtung Süden schauenden Lage nicht  vor Mitte Oktober gelesen, in kühlen Jahren kann es auch November werden. Greco reift spät, ohne dabei zu viel an Alkohol aufzubauen oder Säure zu verlieren (das sind übrigens mit zwei Gründe, warum man die Sorte mittlerweile auch gerne in Kalifornien und Australien anbaut). Die Bewirtschaftung ist biologisch.

Im Keller macht man das Notwendigste und hat zudem ein paar grundsätzliche Entscheidungen gefällt. Seit ein paar Jahren vergärt man spontan, reguliert allerdings die Temperatur, um laut Angelo, die Klarheit der Aromen zu erhalten. Vergoren werden ganze Trauben und zwar generell in Stahltanks, ausgebaut ebenfalls, und zwar für gewöhnlich über ein knappes Jahr auf der Hefe. Danach geht es in die Flasche, wo der Wein noch vier Monate weiterreift.

Aus dem Amphitheater stammt der Miniere, der in der Nase wie am Gaumen deutlich von Kräutern und Steinen geprägt ist, Heuaromen ergänzen dezent. Die Frucht bleibt im Hintergrund, wobei sich das im Laufe der Jahre vermutlich ändern wird. Richtig spannend wird es am Gaumen, wo zum einen die Säure zupackt, zum anderen aber auch der Boden seine Spuren hinterlässt und dem Wein eine vertikale, dynamische und nie ausladende Richtung gibt. Dem gegenüber steht ein Körper, der durchaus Kraft besitzt und Zug und Druck in Richtung Gaumen aufbaut. Der Torrefavale unterschiedet sich von den Aromen nicht allzu sehr. Zu den Kräutern und Steinen kann man diesmal eher Blütenaromen dazu addieren, die Frucht spielt auch hier eine untergeordnete Rolle. Am Gaumen allerdings wirkt er runder, saftiger und weicher, ohne allerdings an Säure und Druck zu verlieren. Ein wenig Luft schadet beiden Weinen nicht.

WEINE

Miniere
Torrefavale

Die Preise der Weine liegen zwischen € 15 und € 20 (2016)

LINKS

Kampanien

Angelo Muto
Via Santa Lucia 32
Tufo
Tel. 0039 0825998073
oder 338 4512965
email: info@cantinedellangelo.com
www.cantinedellangelo.com

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Greco
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Simona de Vecchis und Giuliano Salesi pflanzten 2007 ihre ersten Rebstöcke in die Erde der Alta Tuscia, einen umwerfend schönen Landstrich, der sich noch in Lazio und fast schon in der Toskana und Umbrien befindet. Davor betrieben die beiden in Rom ein Übersetzungsbüro, doch irgendwann hatten sie von der Stadt, dem Verkehr, den Touristen, dem Lärm und was es sonst noch alles gegen Rom anzuführen gibt die Schnauze voll und zogen hinauf an die Grenze und auch hinauf in die Hügel (ein paar Jahre früher als die beiden, schlugen Gian Marco Antonuzzi und Clementine Bouveron vom heute zu Kultstatus gekommenen Weingut Le Coste fast denselben Weg ein – sie zogen von Rom nach Gradoli und keltern dort seither Weine, die in ihrer radikal interventionsfreien Herangehensweise neue Maßstäbe für die Region setzten, an denen sich auch Simona und Giuliano orientieren).

Auf 602 Meter liegt ihr neues Domizil, die Podere Orto die bis ins 18. Jahrhundert hinein als Rinderfarm für das nahegelegene Castello di Trevinano fungierte und von den beiden über Jahre hinweg restauriert wurde. Hinter dem Haus, auf einem leicht abfallenden, einen einzigen Hektar umfassenden Hang, stehen heute allerdings keine Kühe mehr rum, sondern Reben, um genauer zu sein, Moscato Bianco, Procanico, Verdello,  Greco, Grecchetto, Romanesco, Malvasia, Roscetto, Sangiovese, Greghetto Rosso und Ciliegiolo, Klassiker der Region, allesamt in albarello erzogen. Ein Teil des Hanges exponiert sich nach Norden, was sich definitiv positiv auf den Trinkfluss der Weißweine auswirkt, der andere Teil mit den roten Sorten schaut nach Süden. Die Böden basieren auf Quarz. Gewirtschaftet wird ökologisch, traditionell, biodynamisch und hauptsächlich per Hand. Der Moscato und die roten Sorten werden separat gelesen, die übrigen 6 weißen Sorten dagegen liefern die Basis für einen Gemischten Satz.

Man keltert insgesamt drei Weine, wobei die Prinzipien grundsätzlich ähnlich sind. Die Trauben der beiden Weißweine werden im  Keller nochmals durchselektiert und danach abgepresst. Die Gärung startet spontan, Temperaturkontrolle gibt es keine. Der biologische Säureabbau findet meist im Frühjahr statt, danach bleibt der Wein noch ein paar Monate auf der Hefe, ehe sowohl der reinsortige Moscato wie auch die weiße Cuvèe nach ca. 1 Jahr unfiltriert gefüllt werden. Vergoren und ausgebaut wird in Stahl, wobei vor allem der Moscato schwer beeindruckt. Die Aromen sind filigran und ehe von Kräutern als von tiefer Frucht geprägt, die Struktur ist glasklar, druckvoll, saftig, der Stil puristisch und streng. Die rote Cuvèe gärt spontan für gewöhnlich zehn bis 15 Tage, danach geht es in Stahl oder Glasbehältnisse – es wird wie schon bei den weißen Weinen ein Jahr lang gewartet und dann unfiltriert gefüllt. Sulfitbeigaben gibt es nur dann, wenn es Simona und Giuliano notwendig erscheint. Anders als beim Moscato, dominiert beim Rosso die Frucht: rote Beeren & Kirschen, die aber sukzessive von Pfeffer und Blütenaromen aufgepeppt werden. Der Wein ist geradlinig, dicht, saftig, lebendig und spiegelt die Höhe und Topographie der Alta Tuscia wieder.

Zum Weingut gehört auch ein kleines Bed & Breakfast und wenn man den Bildern und den Erzählungen von Simona glauben darf, lohnt es sich allemal dort abzusteigen, um ein paar Tage die Gegend und die Weine zu erkunden.


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