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Fanti

Fanti

Pressano ist einer dieser netten Flecken im Trentino, die sich dann auftun, wenn man das EtschtaIs verlässt und in die Hügel hinauffährt. Gar nicht hoch und in Schlagdistanz zu den Obst-und Weinplantagen in der Ebene tun sich da oben plötzlich gänzlich andere Dorfstrukturen und auch unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Wein auf. Alessandro Fanti, der Sohn von Giuseppe, dem Namensgeber des Weinguts, ist einer der 10 Köpfe der Dolomitici und wie die anderen einer individuellen und innovativen Weinkultur verpflichtet, deren Konzept dem industrialisiert geprägten Weinbau der Ebene diametral entgegengesteht. Neben einem respektvollen Umgang mit seinen Böden setzt er vor allem auch zunehmend auf die singuläre Vinifizierung seines autochton geprägten Rebmaterials. Nosiola und Incrocio Manzoni (einer seit Jahrzehnten im Trentino angebauten Kreuzung) geben bei den Weißweinen den Ton an Teroldego macht den schon vor langer Zeit ausgesetzten Merlot und Cabernet S. zumindest Konkurrenz.

Da Alessandro fast nur im Garten und weniger im Keller zu finden ist, macht es Sinn kurz auf ein paar Eckdaten zu ersterem einzugehen. Die Gärten ziehen sich über fast 600 Meter die Hänge hinauf, entsprechend heterogen präsentieren sich die Böden, wobei der Megaanteil der Rebstöcke in mit Kalk durchsetzter Tonerde wurzelt. Die Arbeit auf seinen 4 Hektar läuft manuell ab, gedüngt wird gar nicht und gespritzt wird nur im äußersten Notfall ein wenig Kupfer und Schwefel. Der Vitalität der Pflanze wird größte Aufmerksamkeit geschenkt, alte Rebstöcke für die Zukunft sind ein angestrebtes Ziel. Gelesen wird spät und selektiv,die Erträge sind niedrig und mehr als durchschnittlich 16000 Flaschen springen dabei nicht raus. Im Keller wird minimalst interveniert. Angestrebt wird ein kühler, nordischer, mineralischer Stil, lebendig, präzis und langlebig, wobei der Isidor, sein reinsortiger Incrocio Manzoli eine Messlatte für sämtliche Weißweine des Trentino darstellt und auch der Nosiola zeigt, was man aus einer allgemein unterschätzten Rebsorte alles rausholen kann.

Elisabetta zwischen Amphoren

Elisabetta zwischen Amphoren

Für Elisabetta Foradori ist Stillstand ein Fremdwort. Seit sie 1985 das Weingut ihres Vaters übernommen hat, hat sie ziemlich eigenhändig den Teroldego gerettet, ihren Betrieb zuerst auf Bio und 2002 dann auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt, dem Trentino einen bis dahin ungekannten qualitativen Status in der Weinwelt Italiens verschafft und mit einem Haufen Experimente sich stets intellektuell weiterentwickelt und auch den Konsumenten stets gefordert.

Heute nennt sie stattliche 25 Hektar ihr Eigen, 80% davon sind mit Teroldego bepflanzt, im Rest wurzelt Nosiola, Incrocio Manzoni und seit kurzem keltert sie auch aus Pinot Grigio ein weiteres Meisterwerk. 14 Parzellen sind das insgesamt, wobei anfangs jede einzeln vinifiziert wird.

Der größte Teil fließt in den einfach TEROLDEGO (Ausbau in Zement) genannten Wein, eine saftige, temperamentvolle, animierende und doch tiefe und substantielle Variante der Sorte – ein Einstiegswein der besonderen Art. Der Rest geht in den Granato (Ausbau im Holz), einen der großen Klassiker der italienischen Rotweinwelt. Profund, dicht, beharrlich, komplex und langlebig – wobei er gerade in kühlen Jahren die besten Ergebnisse zeitigt, da in warmen Jahren die Konzentration und Kraft bisweilen den Trinkfluss hemmt. Der Incrocio Manzoni wird nach einer kurzen Mazeration im Stahltank ausgebaut, Zitrus & Kräuteraromen verbinden sich mit einem geradlinigen, nie ausladenden Körper, dem ein paar Jahre Flaschenreife immer wieder erstaunlich neue sensorische Dimensionen verleihen.

Das letzte Projekt, das sie angepackt hat, sind ihre Einzellagenweine: Morei und Sgarzon, zwei Teroldegos und der fantastiche Fontansanta, ein Nosiola. Ausgebaut wird in Amphoren (spanischen Tinajas), die den Weinen die ideale Umgebung liefern, um sukzessive das ganze Potenzial des Terroirs und der Rebsorten auszuloten. Dazu Elisabetta: „The clay of the tinajas gives full freedom of expression to the grapes and gives the wine the chance to reconnect to the earth. These containers are strongly energetic: their broad and elongated shape welcomes and embrace. (siehe WEINE)

Im Weingarten lebt sie ihre biodynamische Intention in vollen Zügen und versucht dabei ihre Methoden und Herangehensweisen auch wissenschaftlich zu fundieren. Kooperationen mit der Universität in Mailand und dem Forschungszentrum in San Michele verfolgen stets das Ziel, die Sinnhaftigkeit ihres Ansatzes zu verifizieren. Ein erstes Fazit liest sich folgendermaßen: Little do we know of the life that beats beneath a plant, of the soil that lives thanks to an infinite profusion of microorganisms. Yet, it is thanks to the increase in microbiological activity arising from the use of biodynamic preparations, to the care invested in soil management, to the balance reached by the very plant that has interacted positively with the soil that we contribute to maintain and increase the fertility of the soil. Only with a soil that is alive can we harvest fruits that are alive.

Daneben allerdings lebt sie ihren ganzheitlichen Ansatz, der auch soziale Komponenten mitinkludiert (was dann letztlich auch wirklich nachhaltig ist). Sie weiß um die Auswirkungen der natürlichen und kosmologischen Zyklen auf ihre Weine und Weingärten und kennt deren geologische Voraussetzungen (Granit und Kalk) bis ins Detail.

Elisabetta Foradori ist ein beredtes und charismatisches Beispiel dafür wie man Wein und seine Produktion leben kann – stets aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen, bereit zur Innovation, mit Freude am Experimentieren. Ihr gebührt auch das letzte Wort: There are no numbers or data, but simply perceptions: thus we feel we are part of a natural cycle, are able to combine our knowledge with the intuitive understanding of nature, to be part of its rhythms. We have finally started listening and have understood.

 


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