Tasted

Die meisten der hier beschriebenen Weine entstammen Produktionsmethoden, die in ihrer Gesamtheit für gewöhnlich unter dem Begriff Naturwein zusammengefasst werden: was darunter exakt verstanden wird, ist Gegenstand diverser Debatten und gesetzlich nicht geregelt.

Folgende Kriterien haben für mich entscheidende Bedeutung:

  • Biologische oder biodynamische Bewirtschaftung im Weingarten
  • Spontane Vergärung
  • Kein Einsatz von Chemikalien mit Ausnahme von SO₂
  • Keine Aufsäuerung und Chaptaliserung
  • Verzicht auf eine Vielzahl physikalischer Interventionen (z.B. Umkehrosmose, Mikrooxidation, Zentrifugierung, Mikrofiltration)

Irritierend am Begriff Naturwein sind vor allem zwei Aspekte. Zum einen wird durch die Betonung der Natur der kulturelle Faktor ignoriert oder zumindest stark relativiert. Dabei sind gerade die Handschrift des Winzers, seine Herangehensweise, seine Ideen und seine Erfahrung essentiell für die Entstehung guter und großer Weine.

Zum anderen und in gewisser Weise ergänzend sind es vor allem jene Winzer, die ganz bewusst den Blick auf lokale Traditionen (Rebsorten, Erziehungs- und Ausbaumethoden, tradiertes Wissen) richten und ganz wesentlich dafür verantwortlich sind, dass die Weinwelt divers bleibt. Beide Aspekte spielen folglich in meinem Selbstverständnis von Wein eine wesentliche Rolle.

Die Weine von Vittorio Graziano (Emilia-Romagna)
Die Weine von Cardinali (Emilia Romagna)
Die Weine von Ca’de Noci (Emilia Romagna)
Die Weine von Denny Bini (Emilia Romagna)
Die Weine von Cinque Campi (Emilia Romagna)
Die Weine von Il Pratello (Emilia Romagna)
Die Weine von Casè (Emilia Romagna)
Die Weine von Luciano Saetti (Emilia Romagna)
Die Weine von Andrea Bragagni (Emilia Romagna)
Die Weine von Vigne dei Boschi (Emilia Romagna)
Die Weine von Monteforche (Veneto)
Die Weine vom Castello di Lispida (Veneto)
Die Weine von Casa Belfi (Veneto)
Die Weine der Vignale di Cecilia (Veneto)
Die Weine von Daniele Piccinin (Veneto)
Die Weine von Davide Spillare (Veneto)
Die Weine von Filippo Filippi (Veneto)
Die Weine von La Biancara (Veneto)
Die Weine von Daniele Portinari (Veneto)
Die Weine von Ca’Orologio (Veneto)
Die Weine von Novaia (Veneto)
Die Weine von Monte dall’Ora (Veneto)
Die Weine von Il Monte Caro (Veneto)
Die Weine von Le Boncie (Toskana)
Die Weine von I Mandorli (Toskana)
Die Weine von Al Podere di Rosa (Toskana)
Die Weine von der Podere Casaccia (Toskana)
Die Weine von Il Paradiso di Manfredi (Toskana)
Die Weine von Colombaia (Toskana)
Die Weine von Campinuovi (Toskana)
Die Weine der Fabbrica di San Martino (Toskana)
Die Weine von Le Chiuse (Toskana)
Die Weine von Massavecchia (Toskana)
Die Weine von La Busattina (Toskana)
Die Weine der Podere Concori (Toskana)
Die Weine von I Bottri di Ghiaccioforte (Toskana)
Die Weine der Podere Orto (Latium)
Die Weine von Andrea Occhpinti (Latium)
Die Weine von Damiano Ciolli (Latium)
Die Weine von La Distesa (Marken)
Die Weine von Cristiano Guttarolo (Apulien)
Die Weine von I Clivi (Friaul)
Die Weine von Franco Terpin (Friaul)
Die Weine der Vignai da Duline (Friaul)
Die Weine von Le Due Terre (Friaul)
Die Weine von Paolo Vodopivec (Friaul)
Die Weine von Matej Skerlj (Friaul)
Die Weine von Pranzegg (Südtirol)
Die Weine von Garlider (Südtirol)
Die Weine von Radoar (Südtirol)
Die Weine von Aleks Klinec (Slowenien)
Die Weine von Nando (Slowenien)
Die Weine von Collecapretta (Umbrien)
Die Weine von Elisabetta Foradori (Trentino)
Die Weine von Eugenio Rosi (Trentino)
Die Weine vom Castel Noarna (Trentino)
Die Weine der Tenuta Migliavacca (Piemont)
Die Weine von Vittorio Bera e figli (Piemont)
Die Weine von Ezio Trinchero (Piemont)
Die Weine von Eugenio Bocchino (Piemont)
Die Weine von der Tenuta Grillo (Piemont)
Die Weine von Carlo Colombera (Piemont)
Die Weine von Cascina Corte (Piemont)
Die Weine der Cascina Tavijn (Piemont)
Die Weine von La Possa (Ligurien)
Die Weine von Francesco Guccione (Sizilien)

CA’DE NOCI GHEPPIO 2011: Die Winter werden wärmer, auch im Apennin. Was für die meisten von uns letztlich Statistik und abstrakter Gesprächsstoff bleibt, hat für Alberto Masini von Ca‘ de Noci eminente Bedeutung und direkte Konsequenzen. Beredtes Beispiel dafür sind ein paar Cabernet-Reben, die statt in der Erde zu wurzeln auf der Terrasse liegen und künftig als Brennholz dienen werden. Der ganze Cabernet Weingarten wurde im letzten Winter Opfer der Scaphoideus titanus, der amerikanischen Rebzikade, die seit neuestem ihr Unwesen auch in Regionen treibt, in der es ihr früher zu kalt gewesen wäre. Warum sich das Insekt ausgerechnet Cabernet Sauvigon für seine Attacken ausgesucht hat und Malbo Gentile, Spergola und Lambrusco in Frieden lässt, steht in den Sternen, Fakt ist jedoch, dass Ca‘ de Nocis exzellenter Gheppio in Zukunft ohne Cabernet auskommen wird.

Der Jahrgang 2011 ist also einer der letzten Möglichkeiten, einen der besten Rotweine der Emilia noch in seiner Ursprungsversion zu trinken. Drei Jahre in alten Holzfässern und ein weiteres Jahr in der Flasche haben langsam aber sicher die Ecken und Kanten, die Cabernet im Verbund mit Malbo Gentile liefert, abgeschliffen, ohne dass dabei jedoch Struktur und Tannin verloren gegangen wären. Farblich ist er dunkel wie die Seele des Scaphoideus titanus, sensorisch kombinieren sich dunkle Beeren mit Unterholz und Erde. Der Körper ist dicht und konzentriert, die Textur saftig. Der Gheppio wirkt trotz zweier grundsätzlich sperriger Rebsorten, offen und lebendig, was u.a. mit der Tatsache zusammenhängt, dass Ca‘ de Noci generell nicht schwefelt, dafür aber auf kerngesundes Traubenmaterial zurückgreift. Potenzial für ein gutes Jahrzehnt ist trotzdem (oder gerade deswegen) vorhanden.

brazanI CLIVI FRIULANO BRAZAN 2013: Der Friulano (Tocai) Brazan stammt von der gleichnamigen drei Hektar großen Riede am Monte Quarin, die sich zwar nur ein paar Kilometer vom Weingut aber doch in einer anderen Weinbauregion – dem Collio – befindet. Laut Mario Zanussi gibt es keine geologischen, sehr wohl allerdings klimatische Unterschiede zu seiner anderen Lage, Galea, die sich rund um das Weingut im Collio Orientale del Friuli befindet. Fundament für beide ist Flysch, ein marines Sedimentgestein, das – so zumindest meine Vermutung – ein wesentlicher Grund für die strenge und geradlinige Textur ist. Asketisch sind beide Weine, wobei der Brazan in Sachen Kühle, Präzision und Klarheit Alleinsteinungsstatus genießt (nicht nur gegenüber dem Galea sondern gegenüber allen friulanischen Weinen, die ich kenne). Die Nase suggeriert Kräuter, Gras, Koriander, weißer Pfeffer und Kreide, alles Mögliche, nur keine Frucht. Die kann man auch am Gaumen lange suchen und eventuell wird man am Ende auch ein paar Grapefruit – und Zitrusnoten wahrnehmen. Die Textur ist direkt, dynamisch und druckvoll, das Aromaprofil subtil und komplex. Wer auf der Suche nach mineralischen Weinen ist, wird definitiv fündig. Der Körper vermittelt Leichtigkeit ohne dabei schlank zu sein, der Abgang ist lang, kühl und stringent. Das Potenzial ist, trotz stets niedriger Gradation, mit Sicherheit enorm.