Tasted

Die Weine von Vittorio Graziano (Emilia-Romagna)
Die Weine von Cardinali (Emilia Romagna)
Die Weine von Ca’de Noci (Emilia Romagna)
Die Weine von Denny Bini (Emilia Romagna)
Die Weine von Cinque Campi (Emilia Romagna)
Die Weine von Il Pratello (Emilia Romagna)
Die Weine von Casè (Emilia Romagna)
Die Weine von Luciano Saetti (Emilia Romagna)
Die Weine von Andrea Bragagni (Emilia Romagna)
Die Weine von Vigne dei Boschi (Emilia Romagna)
Die Weine von Monteforche (Veneto)
Die Weine vom Castello di Lispida (Veneto)
Die Weine von Casa Belfi (Veneto)
Die Weine der Vignale di Cecilia (Veneto)
Die Weine von Daniele Piccinin (Veneto)
Die Weine von Davide Spillare (Veneto)
Die Weine von Filippo Filippi (Veneto)
Die Weine von La Biancara (Veneto)
Die Weine von Daniele Portinari (Veneto)
Die Weine von Ca’Orologio (Veneto)
Die Weine von Novaia (Veneto)
Die Weine von Monte dall’Ora (Veneto)
Die Weine von Il Monte Caro (Veneto)
Die Weine von Le Boncie (Toskana)
Die Weine von I Mandorli (Toskana)
Die Weine von Al Podere di Rosa (Toskana)
Die Weine von der Podere Casaccia (Toskana)
Die Weine von Il Paradiso di Manfredi (Toskana)
Die Weine von Colombaia (Toskana)
Die Weine von Campinuovi (Toskana)
Die Weine der Fabbrica di San Martino (Toskana)
Die Weine von Le Chiuse (Toskana)
Die Weine von Massavecchia (Toskana)
Die Weine von La Busattina (Toskana)
Die Weine der Podere Concori (Toskana)
Die Weine von I Bottri di Ghiaccioforte (Toskana)
Die Weine der Podere Orto (Latium)
Die Weine von Damiano Ciolli (Latium)
Die Weine von La Distesa (Marken)
Die Weine von Cristiano Guttarolo (Apulien)
Die Weine von I Clivi (Friaul)
Die Weine von Franco Terpin (Friaul)
Die Weine der Vignai da Duline (Friaul)
Die Weine von Le Due Terre (Friaul)
Die Weine von Paolo Vodopivec (Friaul)
Die Weine von Matej Skerlj (Friaul)
Die Weine von Pranzegg (Südtirol)
Die Weine von Garlider (Südtirol)
Die Weine von Radoar (Südtirol)
Die Weine von Aleks Klinec (Slowenien)
Die Weine von Nando (Slowenien)
Die Weine von Collecapretta (Umbrien)
Die Weine von Elisabetta Foradori (Trentino)
Die Weine von Eugenio Rosi (Trentino)
Die Weine vom Castel Noarna (Trentino)
Die Weine der Tenuta Migliavacca (Piemont)
Die Weine von Vittorio Bera e figli (Piemont)
Die Weine von Ezio Trinchero (Piemont)
Die Weine von Eugenio Bocchino (Piemont)
Die Weine von der Tenuta Grillo (Piemont)
Die Weine von Carlo Colombera (Piemont)
Die Weine von Cascina Corte (Piemont)
Die Weine der Cascina Tavijn (Piemont)
Die Weine von La Possa (Ligurien)
Die Weine von Francesco Guccione (Sizilien)

DIE WEINE VON CRISTIANO GUTTAROLO

2004 übernahm Cristiano 2,2 Hektar alte, in albarello erzogene Primitivo-Weingärten von seinem Opa und machte sich auf den steinigen Weg Primitivo ein neues Gesicht zu verleihen. Dafür schaffte er sich erstaunlicherweise gleichmal ein paar umbrische Amphoren an (die Arbeit eines Freundes) und probierte aus.

Holz, meinte er, hätte dem ohnehin wuchtigen Primitivo noch mehr Gewicht verliehen, er wollte allerdings Leichtigkeit, Eleganz und Frische. Stahl wäre eine Möglichkeit gewesen (er verwendet es für seine Basisweine), der Ausbau in der Amphore war der andere. Heute stehen gut und gerne 25 Amphoren in seinem Keller herum und darin wird nicht nur Primitivo gekeltert sondern auch Verdeca. Ausgebaut wird rot wie weiß übrigens über 12 Monate, manchmal auch länger, je nachdem, ob er die Amphoren für den Folgejahrgang braucht oder nicht.

Struktur und Vitalität sind dann auch die herausragenden Komponenten all seiner Weine, sei es nun der Lamie delle Vigne (ein reinsortiger primitivo) oder auch den IOHA, eine Cuvée aus Negroamaro und Primitivo, der seine 14% bestens hinter dunklen, kühlen Fruchtnoten und mächtig Pfeffer versteckt. Der Kracher des Sortiments ist allerdings der Anfora (2010), der lang, saftig, vielschichtig und lebendig Primitivo auf eine neue Ebene hebt und von dem man, einst unvorstellbar beim Gedanken an die Rebsorte, auch problemlos eine ganze Flasche wegtrinken kann.

Lamie delle Vigne 2012

Dichtung: ein Gegenentwurf zu klassischen Primitivowelten. Und was für einer. Struktur, Säure und Frische dominieren den Wein, kein schlappes, zerkochtes Dörrobst, vielmehr saftige dunkle Fruchtaromen und ordentlich Pfeffer. Kräuter in der Nase und am Gaumen. Druckvoll vom Anfang bis zum Ende. An Alkohol mangelt es nicht (14%-14,5%, doch ist der bestens gepuffert) Ein Bruch mit Erwartungshaltungen, doch einer den man unbedingt probieren sollte.

Wahrheit: Diesen Sommer (2015) vor Ort gelernt: Primitivo ≠Primitivo. Warum auch. In Apulien gibt es genauso klimatische, geologische, pedologische, topographische und was sonst noch für Unterschiede, die sich entsprechend im Wein bemerkbar machen. In Österreich, Deutschland und selbst in Italien kennt man (leider) vor allem die Beispiele aus Manduria (auf quasi ZERO Meter, nahe am Meer, heiß), die schwer und überladen, jeden Schluck zur Tortur werden lassen – der erste ist erschlagend, nach dem fünften hängt man in den Seilen, nach dem siebten liegt man am Boden, nach dem zehnten im Koma.

Primitivo aus Gioia del Colle dagegen basiert auf anderen natürlichen Voraussetzungen und auch wenn es nicht viele Winzer schaffen die Essenz des Ortes (Weingärten bis zu 500 Meter, karge, karstige Kalkböden und Nächte, die selbst im Hochsommer so frisch sind, dass man eine Decke braucht) einzufangen, gibt es doch ein paar phänomenale Beispiele dafür, wie gut Primitivo sein kann. Cristiano Guttarolos Lamie delle Vigne gehört dazu. Der Weingarten ist gut 30 Jahre alt, seit langem biologisch bewirtschaftet und hat – das ist ganz entscheidend – selbst in heißen Jahren niedrige pH-Werte und folglich ausreichend Struktur und Säure. Der Ertrag ist mit 2000-4000 Kilo/ha extrem niedrig; ausgebaut wird der Lamie delle Vigne im Stahl, danach verbringt er weitere Monate in der Flasche. Gefiltert und geschönt wird nicht, geschwefelt erst am Ende und zwar in minimalen Mengen (weniger als 30mg/l Gesamt)

CA’DE NOCI GHEPPIO 2011: Die Winter werden wärmer, auch im Apennin. Was für die meisten von uns letztlich Statistik und abstrakter Gesprächsstoff bleibt, hat für Alberto Masini von Ca‘ de Noci eminente Bedeutung und direkte Konsequenzen. Beredtes Beispiel dafür sind ein paar Cabernet-Reben, die statt in der Erde zu wurzeln auf der Terrasse liegen und künftig als Brennholz dienen werden. Der ganze Cabernet Weingarten wurde im letzten Winter Opfer der Scaphoideus titanus, der amerikanischen Rebzikade, die seit neuestem ihr Unwesen auch in Regionen treibt, in der es ihr früher zu kalt gewesen wäre. Warum sich das Insekt ausgerechnet Cabernet Sauvigon für seine Attacken ausgesucht hat und Malbo Gentile, Spergola und Lambrusco in Frieden lässt, steht in den Sternen, Fakt ist jedoch, dass Ca‘ de Nocis exzellenter Gheppio in Zukunft ohne Cabernet auskommen wird.

Der Jahrgang 2011 ist also einer der letzten Möglichkeiten, einen der besten Rotweine der Emilia noch in seiner Ursprungsversion zu trinken. Drei Jahre in alten Holzfässern und ein weiteres Jahr in der Flasche haben langsam aber sicher die Ecken und Kanten, die Cabernet im Verbund mit Malbo Gentile liefert, abgeschliffen, ohne dass dabei jedoch Struktur und Tannin verloren gegangen wären. Farblich ist er dunkel wie die Seele des Scaphoideus titanus, sensorisch kombinieren sich dunkle Beeren mit Unterholz und Erde. Der Körper ist dicht und konzentriert, die Textur saftig. Der Gheppio wirkt trotz zweier grundsätzlich sperriger Rebsorten, offen und lebendig, was u.a. mit der Tatsache zusammenhängt, dass Ca‘ de Noci generell nicht schwefelt, dafür aber auf kerngesundes Traubenmaterial zurückgreift. Potenzial für ein gutes Jahrzehnt ist trotzdem (oder gerade deswegen) vorhanden.

brazanI CLIVI FRIULANO BRAZAN 2013: Der Friulano (Tocai) Brazan stammt von der gleichnamigen drei Hektar großen Riede am Monte Quarin, die sich zwar nur ein paar Kilometer vom Weingut aber doch in einer anderen Weinbauregion – dem Collio – befindet. Laut Mario Zanussi gibt es keine geologischen, sehr wohl allerdings klimatische Unterschiede zu seiner anderen Lage, Galea, die sich rund um das Weingut im Collio Orientale del Friuli befindet. Fundament für beide ist Flysch, ein marines Sedimentgestein, das – so zumindest meine Vermutung – ein wesentlicher Grund für die strenge und geradlinige Textur ist. Asketisch sind beide Weine, wobei der Brazan in Sachen Kühle, Präzision und Klarheit Alleinsteinungsstatus genießt (nicht nur gegenüber dem Galea sondern gegenüber allen friulanischen Weinen, die ich kenne). Die Nase suggeriert Kräuter, Gras, Koriander, weißer Pfeffer und Kreide, alles Mögliche, nur keine Frucht. Die kann man auch am Gaumen lange suchen und eventuell wird man am Ende auch ein paar Grapefruit – und Zitrusnoten wahrnehmen. Die Textur ist direkt, dynamisch und druckvoll, das Aromaprofil subtil und komplex. Wer auf der Suche nach mineralischen Weinen ist, wird definitiv fündig. Der Körper vermittelt Leichtigkeit ohne dabei schlank zu sein, der Abgang ist lang, kühl und stringent. Das Potenzial ist, trotz stets niedriger Gradation, mit Sicherheit enorm.