Wer sich auf der Autobahn zwischen Venedig und Florenz befindet und zu früh dran ist oder doch keine Lust auf die Uffizien, David und ein paar Hundertausend Touristen hat, der kann bei Bologna einen Schlenker in Richtung Osten machen, bei Faenza einmal rechts abbiegen und dann weiter hinein in die Colli Romagnoli fahren. Nach ein paar Kilometer kommt man nach Brisighella, was für sich schon eine Reise wert wäre und wer sich dann schon mit den romagnolischen Hügeln angefreundet hat (sie gehen völlig nahtlos in die Toskana über und man kommt auch von dort bestens nach Florenz), der sollte weiter zu Filippo Manetti fahren.

Dem gehört das Anwesen Campiume und ganze 4 Hektar Wein, die sich durchwegs in Gehdistanz befinden. Anwesen ist eigentlich das falsche Wort: Campiume ist eine steinalte Kirche, die er über 15 Jahre soweit renoviert hat, dass das Kirchenschiff sein Wohnzimmer ist und der Fernseher wohl da steht, wo einst der Altar war. Alles freilich mit dem Segen der offiziellen Kirche gemacht und das noch dazu wunderschön. Wer das genauer inspizieren möchte, kann sich bei Filippo (er hat sechs Zimmer) einmieten, es lohnt sich.

Befindet man sich auf vinophiler Entdeckungsreise, ist man in den Hügeln rund um Brisighella zudem bestens aufgehoben. Filippo ist Mitglied der Bioviticultori, einer sechsköpfigen Gruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat mit nachhaltigen, biologisch zertifizierten Weinbau große Weine aus – zumeist – autochthonen Rebsorten zu produzieren. In Filippos Fall sind das vor allem Sangiovese, Albana und Trebbiano, wobei er auch Merlot und Cabernet angepflanzt hat.

Die Rebzeilen selbst beginnen auf knapp 200 Metern – es ist dort vor allem sandig – und ziehen sich den Monte Bicocca hinauf, auf knapp 350 Meter. Dort oben ist nicht nur das Mikroklima ein anderes auch der Boden hat sich verändert. Gipsartige Mineralien dominieren hier und mit ihnen der Sangiovese. Filippos Zugang ist dezidiert chemiefrei, er spritzt weder Herbizide noch Fungizide und setzt schwer auf die selbstregulierenden Fähigkeiten seiner Rebstöcke. Gelegentliche Gründüngungen sind zwar gezielte Eingriffe, doch dazu ist ein Winzer eben auch da.

Im Keller geht es ähnlich weiter. Minimalintervention ist das Grundprinzip, spontane Vergärung, keine Temperaturregulierung, wenig Schwefel und der spät, keine Filtrierung, viel Zeit im Fass – die Gebinde sind durchwegs aus Holz, wobei Filippo in den letzten Jahren sukzessive von Barriques auf große Holzfässer umsteigt. Der Trebbiano verbringt als einzige Rebsorte seine Zeit im Stahltank. Tendenziell waren Filippos Weine immer ein wenig zu sehr vom Alkohol getragen, einem Faktum, dem er in den letzten Jahren entgegenarbeitete, was sich seit 2009 in zwar noch immer dichten und konzentrierten Weinen manifestiert, die jedoch generell von beeindruckender Eleganz und exzellenter Balance getragen sind.

Vigne di San Lorenzo ist Mitglied der Bioviticultori

Jahresproduktion: 10000 Flaschen
Rebsorten:
Trebbiano, Albana; Sangiovese, Merlot, Cabernet Sauvignon
Rebfläche:
4 ha
Manuelle Lese:
ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert:
ja
Direktverkauf:
ja
Wohnmöglichkeit:
ja