Azienda Agricola Luciano Saetti

Via S. Maria 397
Soliera/Modena
Tel./Fax:+39 059 850046
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Luciano Saetti

Luciano Saetti hat es nicht leicht, doch er trägt sein Schicksal mit Würde und Gelassenheit. Luciano wurde vor etwas mehr als 50 Jahren in der Ebene nördlich von Modena geboren, quasi mitten hinein in eine Welt, deren Lebenselixier den meisten Weintrinkern allein beim Hören des Namens den kalten Schweiß auf die Stirn treibt: LAMBRUSCO. Bei Lambrusco fallen sogar klassische Weisheiten wie die, dass man über Geschmack nicht streiten kann. Lambrusco möchte man bestenfalls seinem schlimmsten Feind vorsetzen und kriegt man bei einem gemütlichen Sommerfest ein Glas zu trinken bekommt, weiß man, dass man sich im Hause eines kulturlosen Banausen befindet. Fluchtgedanken kommen auf.

Luciano entzieht diesen Vorurteilen ganz schnell die Basis. An Flucht ist bei ihm nicht zu denken. Im Gegenteil. Luciano produziert drei Lambruschi, die so gut, bekömmlich und lebendig sind, dass man sie von früh bis spät trinken möchte – doch bevor wir damit beginnen, schauen wir in seinen Weingarten, ein drei Hektar großes Quadrat, knappe 10 Kilometer von seinem Weingut entfernt. Warum er nicht in seiner Nähe einen Weingarten gekauft hat, ist schnell erklärt. „Ich mag Salamino lieber“, erzählt er und stößt auf den Gesichtsausdruck stupender Ahnungslosigkeit. Da er den Ausdruck vermutlich kennt, redet er weiter. Lambrusco ≠Lambrusco (≠ Lambrusco)Salamino ist nur eine von drei Rebsorten, die in der Gegend von Modena zu einem Weinstil gekeltert werden, der im Rest der Welt unter dem viel zu simplen Begriff Lambrusco zusammengefasst ist. Sorbara und Grasparossa sind die beiden anderen und die paar wenigen Produzenten, die Lambrusco ernst nehmen, wissen ihre Unterschiede zu schätzen. Grasparossa wächst vor allem südlich von Modena an den Ausläufern des Apennins, hat kräftiges Tannin, reift spät und geht in eine dunkle Aromarichtung, während Sorbara weicher und runder ist und generell mehr Säure in die Flasche bringt.

Salamino dagegen ist aromatisch filigraner, rotbeerig und floral, delikat und dezent. Vorausgesetzt man weiß, was man im Weingarten macht und welche Intentionen man mit seinem Lambrusco verfolgt. Luciano lässt diesbezüglich nicht die geringsten Zweifel aufkommen. Die alte Tendone-Erziehung, eine Art Pergola hat er in eine bis zu 2,60 Meter hohe Spaliera-Erziehung umgewandelt. Die gibt ihm die Möglichkeit, seine Trauben vor der emilianischen Sonne zu schützen und ihnen doch auch die nötige Luftigkeit zu geben, um nicht permanent mit Peronospora und Botrytis kämpfen zu müssen. Die Böden, in denen jeweils eine Reihe Salamino aus dem Jahr 1964 mit einer Reife aus dem Jahr 1996 abwechselt, werden nicht gedüngt, da der Untergrund ohnehin fruchtbar genug ist. Stark verdünnter Kupfer und Schwefel sind die einzigen Pflanzenschutzmittel, die Luciano verwendet. Und zwar nicht erst seit gestern. Luciano arbeitet seit 1988 so, seit 1998, als er begonnen hat seine eigenen Trauben zu vinifizieren, ist er biologisch zertifiziert.

Der Keller ist ein Meisterwerk der Improvisation. Über einem ausrangierten Tiefkühler hat er ein Holzgitter gelegt, in dem er seine, nach der Methode champenoise gekelterten Weine degorgiert (die Zweitgärung in der Flasche hatte in der Ecke des Lambruscos Tradition, bis nach dem 2. Weltkrieg die methode charmat – die Tankgärung – eingeführt wurde. Degorgiert wurde allerdings nie und erst seit der Weinhandel es geschafft hat, den Konsumenten Sedimente und Trubstoffe madig zu machen, schießt Luciano die gefrorenen Hefepfropfen mittels Champagnermethode aus der Flasche), ein alter Eimer und aufgeschnittener Stahltank fangen die austretende Flüssigkeit auf. Danach wird die Flasche zugekorkt und drei bis fünf Monate lang weggelegt. Auch Lucianos Lambruschi wollen jung getrunken werden. Eine Presse sucht man übrigens vergebens, Luciano verwendet einzig und allein den von selbst ablaufenden Most – ein Umstand, der seinen Wein zusätzlich feiner und eleganter macht. Außerdem findet man auch keine Säcke voller Bentonit, keine Filteranlage oder sonstwelche Additiva. Lucianos Lambruschi sind so viel Natur, wie das ein Kulturprodukt wie Wein eben zulässt.

Nach ein paar Stunden unter der Sonne kappen wir die erste Flasche, ein Salamino Rosé Frizzante, der vieles was rosa ist und perlt in tiefsten Schatten stellt. Duftig, floral, mit feinen roten Beerennoten trägt er eine Lebendigkeit und Frische in sich, die ihn zu einer brillanten Alternativen zu bierseligen Terrassennachmittagen macht. Nebenbei würde er sich blendend mit Fisch vertragen. 11% Alkohol und kein bisschen dünn und fade.

Der klassischen Lambrusco Salamino unterscheidet sich vor allem am Gaumen, wo ähnliche Aromen mit einem mehr an Tannin und Druck ausgestattet werden. Zu guter Letzt hat Luciano auch noch einen Salamino Fermo, eine Lambrusco ohne bubbles in petto. Kräuter und ein paar dunklere Noten gesellen sich in den Wein, der bekömmlich, saftig und rund Lucianos spektakuläres Trio abschließt.

Ps: Luciano hat auf seiner lesenswerten (auch englischen) Homepage übrigens einige Rezepte gelistet, die zum einen bestens zu seinen Weinen passen, zum anderen einen Einblick in die lokale Küche geben. Absolute Killer sind das Risotto mit Würsten und Zimt und Calzagatti, eine Mischung aus Maismehl, getrockneten Bohnen, Speck und Tomaten.

Rebsorten: Lambrusco Salamino
Rebfläche: 3 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer, Schwefel
Biologisch: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein
On the Road: Luciano trifft man in Fornovo, in Cerea, auf der Sorgente del Vino

Weine:

Lambrusco Rosso Viola
Rosato dell’Emilia
Rosso dell’Emilia