Vittorio Graziano

Via Lungha 7b
41014 Castelvetro di Modena
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graziano.vignaiolo@gmail.com
Vittorio Graziano

In den Hügeln südlich von Modena stellt Vittorio Graziano die dort vorherrschenden Gegebenheiten der Lambuscoproduktion seit gut drei Jahrzehnten auf den Kopf. Als man dort in den 80er Jahren mittels Kunstdünger die Erträge in immer absurdere Höhen hinaufschraubte, der Biodiversität mit Herbiziden  und Pestiziden den Garaus machte und man mit Begeisterung alte autochtone Rebsorte ausriss, kaufte er in Castelvetro di Modena einige Parzellen Land und machte genau das Gegenteil.

Er sammelte alte Rebsorten der Emilia und setzte sie neben die paar Stöcke Lambrusco (Grasparossa) und Malbo Gentile, die ohnehin schon dort wurzelten. Er verweigerte jeglichen Einsatz chemischer Mittel und antwortete einst auf die Frage wie er denn in der notorisch trockenen Zone bewässere, mit der Sentenz: wenn es regnet.

Heute wachsen auf Vittorios fünf Hektar knapp 15 Rebsorten, von denen ca. 10 bekannt sind, der Rest wurzelt namenlos in für die Gegend eher kargen Böden. Zwei Trebbianosorten bilden beispielsweise das Fundament für einen brillianten weißen Frizzante (Riva di Sopravento), die weiteren drei Sorten sind in der offiziellen Ampelographie (Wissenschaft der Rebsorten) der Weinwelt nicht mehr vertreten. Wobei Vittorios Projekt auch weiterhin ein work-in-progress ist. Erst vor kurzem hat er auf einem Bauernhof ein paar Kilometer entfernt sechs neue Rebsorten entdeckt, die er nicht zuordnen kann und die demnächst auch auf einer seiner Parzellen wachsen sollen. Verbunden mit seiner Suche nach alten Sorten hat sich Vittorio auch tief in die Geschichte der Emilia bewegt. Wein spielte darin immer eine eher untergeordnete Rolle. Die agrarische Hierarchie begann beim Vieh, beim Fleisch und der Produktion des Parmesans, der immer den Takt der Region vorgab. Obst, Gemüse und Wein folgten und wurden in klassischer Mischkultur angebaut – Vittorio folgte diesem Beispiel und pflanzte zwischen seine Rebreihen Ulmen und Kräuter und überließ die restliche Vegetation dem naturgemäßen Zufall. Die traditionellen Methoden bedeuteten auch den völligen Verzicht jedweder Pestizide und Fungizide und während die Winzer und vor allem die Genossenschaften immer größer wurden, schaffte es Vittorio klein zu bleiben (eine Kunst im Lambrusco mit seiner Niedrigpreispolitik, gegen die auch er nicht ankam – wer kauft schon einen Lambrusco für mehr als 10 Euro?) und sukzessive Qualitäten zu produzieren, die all das, was man an Lambrusco kennt, wegwischen (die Ausnahmen sind die paar wenigen Winzer für die Vittorio das große Vorbild war).

Dabei setzt er im Keller zunehmend auf große Holzfässer, die Gärung beginnt spontan, die zweite Gärung findet (bei seinen Schaumweinen) in der Flasche statt. Die einzige Konzession, die Vittorio macht, besteht darin, dass er degorgiert (methode champenoise) und derart die Trubstoffe aus der Flasche entfernt. In früheren Zeiten störte man sich nicht an dem bisschen Trub und schenkte eben ein weniger vorsichtiger ein – das kriegen die durchschnittlichen Weintrinker heute anscheinend nicht mehr hin.

Vittorios Lambrusco ist reinsortig Grasparossa, die am spätesten reifende Lambruscosorte, dunkel wie die Nacht, mit lebendigem Tannin, kräftiger schwarzer Frucht, erdigen Noten, Eisen und Blut. Dabei bleibt er doch leichtfüßig, belebend, und erfüllt vollends die Idee eines frischen Speisenbegleiters zur emilianischen Herzinfarktküche (Cotecchino, gefüllte Schweinsfüße & Co. – toll aber tödlich). Das absolute Meisterwerk Vittorios ist der Sassoscuro, der zu 80% aus Malbo Gentile und zu 20% aus sechs weiteren (teils unbekannten) Rebsorten besteht. Schwarz wie Kohle, mit Aromen, die sich von Kaffee bis Oliven und Lakritze ziehen, zählt er definitiv zu den großen Rotweinen der Region und Italiens.

Rebsorten: Grasparossa, Malbo Gentile, Trebbiano + 12-15 autochthone teilweise unbekannte Sorten
Rebfläche: 5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer, Schwefel
Biologisch: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein
On the road: Vittorio trifft man eher selten auf Verkostungen – manchmal kommt er auf die Sorgente del Vino.