DIE WEINE VON ALEKS KLINEC

KlinecDie Weine von Aleks vergären spontan. Die weißen Traube bleiben für ca. vier Tage auf der Maische, nur der Rebula darf fünf bis sechs Tage mazerieren. Das war vor einigen Jahren noch anders. Damals experimentierte Aleks mit wesentlich längeren Mazerationszeiten. Heute ist er der Meinung, dass er, um die Sorte und das Terrain entsprechend zu Wort kommen zu lassen, mit kürzeren Standzeiten besser fährt. Die Rotweine liegen je nach Jahr für zwei bis drei Wochen auf der Maische.

Anschließend kommen die Weißweine mitsamt der Hefe für ein Jahr in 500 Liter-Akazienholzfässern; die Roten dürfen ins Kirschholz. Danach wandern sie in große Akazienholzfässer, wo sie ein weiteres Jahr reifen. Ein drittes Jahr liegen die Weine im Stahltank, wo sich Trub und Sedimente setzen. Ungeschönt und ungefiltert werden die Weine dann mit einem Gesamt-Schwefelgehalt von 25 mg/l auf die Flaschen gebracht.

Ein paar Notizen zu Weinen, die ich in letzter Zeit probiert habe.

Gardelin 2009

Lage/Böden: Ponka
Rebsorte: Sivi Pinot (Grauburgunder)
Mazeration: ja, ca. 4 Tage
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in 500 Liter-Akazienfässern
Schönung: nein
SO₂ total: 28mg
Gefiltert: nein

Dichtung: Weich und warm und welke Rosen, balanciert und einladend, weicher als der Rest Klinecschen Weine, cremig aber eben doch auch lebendig, vollmundig und tief, intensiv und kraftvoll wie kaum ein anderer seiner Weine, sehr lang, sehr langlebig und sehr gut.

Wahrheit: In der Steiermark wird ganz gerne Grauburgunder ausgerissen und Sauvignon angepflanzt, im slowenischen Collio ist es genau umgekehrt. Klinec riss seinen Sauvignon aus, weil er meinte, dass er ohnehin keine Tradition in Slowenien hat, ob er stattdessen, die Grauburgunderstöcke für den Gardelin gesetzt hat, weiß ich nicht genau. Fakt ist, Klinec hat Grauburgunder und jeder Schluck, den man davon macht, rechtfertigt die Sorte. Die Gärung setzt wie immer bei Klinec spontan ein, interveniert wird nur dann, wenn der Wein von den Akazienfässern in Stahltanks gepumpt wird, gefiltert und geschönt wird gar nicht, geschwefelt wird spät und mit minimalen (ca. 25 mg) Mengen.

JAKOT 2010

Lage/Böden: Ponka
Rebsorte: Tokaj
Mazeration: ja – ca. 4 Tage
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in 500 Liter Akazienfässern
Schönung: nein
SO₂ total: 25mg
Gefiltert: nein

Dichtung: Kräuter, balsamisch, leicht rauchige Noten, die langsam einer tiefen reifen Fruchtnote weichen, ein Wein, der sich in Schichten öffnet und das über Minuten, saftig, präsenter aber feiner Gerbstoff, der die Struktur vorgibt, die Säure spielt die zweite Geige, extrem bekömmlich, lebendig, lang

Wahrheit: Über die Tatsache, dass sich die Ungarn so einfach den Namen Tokaj krallen durften, kann man sich immer wieder mal und völlig sinnlos aufregen. Teilen wäre eigentlich die europäische Devise der Stunde gewesen. Aber was solls. Einmal umgedreht klingt Tokaj-jakoT auch nicht schlechter. Aleks Klinec ist mit seiner Interpretation zwar einer Avantgarde zuzurechnen, doch die greift bekanntlich auch immer wieder und ganz bewusst auf Traditionen zurück. Im slowenischen Collio wird seit jeher mazeriert und so wundert es nicht, dass die mitunter besten orangen Weinversionen aus dieser Ecke der Welt stammen. Die Gärung startet spontan, der Ausbau erfolgt für ein Jahr in Akazie, ehe es für ein weiteres in den Stahltank geht, wo sich die Trubstoffe langsam am Boden sammeln. Drei-vier Jahre dauert es bis der Wein auf den Markt kommt und wie alle Weine von Aleks ist auch der Jakot absolut beeindruckend.

Rebula 2009

Rebsorte: Rebula (Ribolla Gialla)
Mazeration: ja – 6 Tage
Hefen: wilde
Ausbau: in 500 Liter-Akazienfässern
Schönung: nein
SO₂ total: 28mg
Gefiltert: nein

Dichtung: intensive & reife Frucht in Kombination mit ein wenig Unterholz. Ein brillanter Herbstwein, saftiger und dominanter Gerbstoff, eine dichte Textur, die von der feinen Säure durchbrochen wird, druckvoll, erdig, dynamisch, toll

Wahrheit: Raunzer behaupten ja ganz gerne, dass Rebula (Ribolla Gialla) eine viel zu delikate Rebsorte wäre, um sie der Mühsal einer Mazeration auszusetzen. Die Blütennoten gingen dann flöten und die feine Frucht würde sich verabschieden. Franco Terpin, Dario Princic, Stanislao Radikon, Andrej Kristancic, Josko Gravner und definitiv auch Aleks Klinec treten auf beeindruckende Weise den Gegenbeweis an. Ribolla ist fraglos auch in klassisch weißer Facon brillant. Allerdings eben auch dann, wenn der Sorte vier Tage lang die Gerbstoffe, Pigmente und Aromen rausgesaugt werden und der Wein dann für einige Zeit in Akazienfässern verschwindet.

Rebula 2010

Rebsorte: Rebula
Mazeration: ja, ein paar Tage
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in großen gebrauchten Holzfässern
Schönung: nein
SO₂ total: < 30mg/l
Gefiltert: nein

Dichtung: Golden wie die Pistolenkugel von Scaramanga. Reife Früchte, ein bisschen Erde und Moos und ein ganzer Haufen weißer Blüten; dazu gesellen sich ein paar Zitrusnoten und insgesamt ist das alles so animierend, dass man längst getrunken hat, bevor man mit dem Riechen fertig ist. Am Gaumen überschlagen sich dann die Ereignisse. Vitale Säure trifft auf einen vitalen Körper, der wiederum vitalen Tanninen ausreichend Platz einräumt, um ein zusätzliches Strukturspektrum zu öffnen. Aromatisch, dicht, intensiv. Keine Spur von Holz, obwohl man weiß, dass der Wein Jahre darin verbracht hat. Lang, beeindruckend, substanziell.

Wahrheit: Aleks Klinec 2010er-Serie ist schlicht gesagt sensationell. Von vorne bis hinten, von Jakot bis Malvasia und der Rebula setzt dem ganzen Fest die Krone auf. Von Aleks ist man ja generell an das Beste gewöhnt, der Grund, warum der 2010er Jahrgang dem Fass den Boden ausschlägt, ist ganz sicher der Kühle des Jahres geschuldet, die sich analog im Wein wiederfindet. Frische und Substanz, zwei Grundkomponenten für große Weine sind folglich in tiefstem Einvernehmen verwoben. Der Rest: eine relativ steil abfallende Lage, ein seit Jahren kerngesunder, vitaler und biologisch bearbeiteter Weingarten, perfektes Traubenmaterial, ein paar Tage Mazeration (vier oder fünf, Aleks hat den Kontakt mit der Schale reduziert, um auch das Terroir entsprechend zu Wort kommen zu lassen), keine Filter, kein Schönen, keine Temperaturkontrolle, Wein in seiner ursprünglichsten Form, der Ausbau findet in großen Akazienfässern statt, Sulfit (minimal) gibt es beim einmaligen Umziehen und dann nie wieder. Besser mit 14°C als mit 9°C zu trinken und möglichst in Burgunder- und nicht in Rieslinggläsern.