Cinque Campi Bora Lunga

Cinque Campi Bora Lunga

Vanni Nizzolis Liebe ist paritätisch verteilt. Zum einen mag er Spumante, weshalb die Hälfte seiner Produktion sprudelt. Zum anderen mag er auch die Unaufgeregtheit stiller Weine und so widmet er ihnen die andere Hälfte. Mit rot und weiß hält er es ähnlich, einzig bei der Wahl der Sorten ist er kategorisch und setzt auf traditionelle und autochtone Reben. Weiß dominiert die Spergola, eine elegante und lebendige Sorte, deren Attribute sich vor allem im Artiglio, seinem Spumante manifestieren. Neben animierender Frische und griffigen Gerbstoffen hat der Artiglio auch noch Grapefruit und weiße Blüten in petto. Der Artiglio (ca. € 20) wird 5 – 8 Tage mazeriert und liegt 2-3 Jahre auf der Hefe, erfährt eine lediglich minimale Schwefelung und ist von der Kühle des Apennins geprägt. Der Trebianc (ca. € 10) ist die simplere Schaumweinversion aus Trebbiano und wird von Kräutern, ein bisschen Honig und weißen Früchten getragen und schießt mit Ausnahme von Costadilá vermutlich so gut wie jeden Prosecco weg.

Und weil Vanni natürlich auch eine Lambruscosorte besitzt (Grasparossa), besitzt, zeigt er mit dem Cinquecampi Rosso (€ 7), dass man mit dieser Rebsorte auch Besseres machen kann, als das, was man bei uns sonst so zur Pizza hingeknallt kriegt. Staubtrocken und in klassischer Champagnertradition vinifiziert, beißt man hier erstmal auf ein paar feine Tannine, die aber von dichter roter Frucht, spürbarer Mineralität und lebendiger Säure gepuffert werden.

Bora Lunga (€12): Laut Vanni wächst die Spergola nur in der Region um Reggio Emilia (insgesamt gibt es davon 200ha) und zwar nur an den Ausläufern des Apennins zwischen 200 und 400 Metern Höhe. Schon wie beim Malbo kann es auch hier zu Verwechslungen kommen, in dem Fall heißt der Doppelgänger Sauvignon. Das war auch mein erster Tipp, daneben, wie sich schnell herausstellte, aber eben nicht weit: Kräuter, Zitrus- und mit der Zeit auch ein paar reife Apfelnoten führten mich in die Irre, auf der Zunge zischt die Säure, wird aber aufs Beste von einer intensiven Saftigkeit und einem feinen Gerbstoffgripp gepuffert, bekömmlich, elegant und intensiv. Die Rebstöcke sind teilweise 60 Jahre alt, die Gärung startet nach einer 5-tägigen Mazeration spontan und der Ausbau erfolgt in großen Holzfässern.

 

Le Marcone (€ 15): Die Heimat des Malbo Gentile ist die apenninische Vorhügellandschaft, südlich von Reggio Emilia. Die ersten vier Buchstaben sind vermutlich Überbleibsel der Idee, dass es sich bei Malbo auch um Malbec handeln könnte. Die Parallelen sind zumindest sensorisch nicht zu leugnen, Malbo hat genauso wie der bekannte Namensvetter viel Gerbstoff, viel Säure und im Allgemeinen nicht zu wenig Alkohol. Holz – in diesem Fall großes – verträgt er bestens. Mazeriert wurde über knapp drei Wochen und zu guter Letzt kamen auch noch 2-3% Marzemino und 2-3% Cabernet S. dazu. Der weitere Ausbau zieht sich dann über gut zwei Jahre, gefiltert wird gar nicht und geschwefelt nur in Ausnahmefällen.

Mit Vanni Nizzolis Handschrift versehen macht das einen dunklen, schon in der Nase von ausgeprägte Frucht und  Pfeffer getragenen, aromatischen und intensiven Wein; im Mund ist er offen (kein Schwefel!) und erstaunlich weich aber nur im ersten Moment, dann übernehmen die Polyphenole und Säure. Das ist insgesamt durchaus harmonisch, saftig, dicht und konzentriert und außerdem recht lang.