DIE WEINE DER VIGNALE DI CECILIA

2014-11-12 14.29.58Im Keller geht es Paolo Brunello darum, die Unterschiede, die ihm sein Terroir bietet zu bewahren. Dabei stehen ihm diverse Gebinde zur Verfügung. Paolo verwendet für seine Weißweine und einen kleinen Teil seiner Rotweine Zementfässer, für den Rest (drei Rotweine) kleine gebrauchte Holzfässer. In einer 1000 Liter Holzfass befindet sich zudem der Moro, eine lebendige, zutiefst mineralische und saftige Carmenere/Cabernet Franc Cuvée (anders als oft angenommen, sind Cabernet und Merlot in Italien schon seit hunderten Jahren heimisch und nicht erst seit die Antinoris mit dem Sassicaia die zweifelhafte Mode der Supertuscans einführten.  Verantwortlich dafür war vor allem die Freundschaft des Schlossherrn des Castello di Lispida mit einigen Bordelaiser Chateaus und dem folgenden Versuch, in den Colli Euganei eine kleine französische Wein-Dependance einzurichten. Heute wachsen die vier Sorten (inkl. Carmenere) in fast allen Weingärten der Hügel und liefern Weine, die viel mehr Beachtung finden sollte (wobei sowohl der Slow Wine Guide wie auch der Gambero Rosso beständig auf die immensen Qualitäten hinweisen).

Neben dem El Moro keltert Paolo auch noch den Cóvolo (ME/CS, 14 Tage Maische, 18 Monate in Holz und Zement – meine Nr.1) – lebhaft, mineralisch, fruchtpräzis und den Passacaglia (CS/ME/Barbera, 20 Tage Maische, nur Holz), der etwas kräftiger und cabernetlastiger ist und konzentrierter und voller wirkt. Beiden Weine attestiert Paolo eine gewisse Nervosität, eine Beschreibung, die gut passt und die man vielen Weinen prinzipiell wünscht. Er mag es nicht, wenn es zu weich und charmant wird, die Struktur, der Gerbstoff und die metaphysischen Komponenten (Mineralität/Terroir) sollten dem Wein eine wie auch immer geartete Richtung geben. Das trifft auch auf die Weißweine zu, wenngleich diese etwas einfacher gestrickt sind. Zumindest der Benavides, sein Hauswein, der frisch, lebendig und aromatisch erstaunlicherweise eher von Garganega als von Moscato geprägt ist. Tiefer, profunder und substantieller wird es dann beim „Cocai“ (Paolos namentliche Neudeutung des Tokai – den Ungarn sei Dank) spritzig, vital und animierend bei seinem flaschenvergorenen Frizzante „Val di Spin“, den man nur bei ihm zu Hause oder in der USA bekommt (50% seiner Weine werden zwischen New York und L.A. getrunken). Ein Grund mehr also ihn zu besuchen. Andere sind der kleine Agriturismo (nur für angekündigte Gruppen), die imposanten Hügel, Paolo in persona und eben die Weine, für die man schon mal Mozart & Co. opfern kann.