Die Vinifikation im Castel Noarna ist von klaren Prinzipien getragen. So vergärt man sämtliche Weine spontan, schwefelt weder Trauben noch Most, verzichtet auf physikalische Eingriffe (Umkehrosmose, Thermovinifikation, Pasteurisation, Sterilfiltration usw.) schönt nicht und filtert nur grob.

Das Resultat sind acht Weine, die ziemlich paritätisch in jeweils drei Weißweine und drei Rotweine sowie zwei Schaumweine aufgeteilt sind. Für jeden etwas. Vor allem auch aufgrund der Tatsache, dass jeder einzelne Wein seine eigene Geschichte von Rebsorte und Terroir erzählt und natürlich auch von der Konzeption und Handschrift des Winzers geprägt ist.

Der Nosiola (eine Rebsorte, der man auch mal ein Special widmen könnte) beispielsweise wird mit den Schalen angegoren, die zwar nach vier Tagen abgepresst werden, in der Zwischenzeit jedoch ihre Spuren hinterlassen haben. Die Säure wird folglich um eine Gerbstoffkomponente ergänzt, das Aromaspektrum, das beim Nosiola vor allem auf Blüten und Kräuter setzt, um ein paar Fruchtaromen erweitert. Ausgebaut wird in Stahl und gebrauchten Barriques, was sich in einer – für den mäßigen Alkohol – erstaunlich stoffigen Textur manifestiert. Beim Chardonnay verzichten die beiden auf längere Maischestandzeiten, setzen auf 100% Stahl und eine lange Hefelagerung und folglich auf Frische, Stringenz und die Ausdruckskraft des Bodens. Der Sauvignon blanc ist glücklicherweise ein Vertreter des traditionell europäischen Gedankens, weshalb sich dann auch reife gelbe Früchte gegen Gras und Maracuja behaupten. Bei den Rotweinen setzt man durchwegs auf 12-18 monatigen Holzausbau (teils neue, teils gebrauchte, teils große, teils kleine Fässer). Der Lagrein ist würzig, dicht und dunkel und ein durchaus kraftvoller Vertreter seiner Art. Der Teroldego ist strukturiert und druckvoll, profund und saftig und getragen von Kirschen und einer Lebenserwartung, die definitiv im zweistelligen Bereich liegt. Abgerundet wird die rote Noarnawelt von Mercuria, einer Cuvèe aus Cabernet und Merlot. Das ist zwar keine besonders originelle Rebsortenkombination, schmecken tut sie allerdings allemal: vor allem nach Leder und Fleisch aber auch noch nach roten Beeren und Kräutern. Geduld tut gut.

Abgerundet wird mit Sprudel. Was eigentlich immer erfreulich ist. Seit kurzem gibt es den Rethium, flaschenvergoren, unbeschwert, ein extrem einladender und animierender Vertreter seiner Art. Ein anderes Kaliber ist der Blanc de Blanc. Chardonnay in purezza. 30 Monate auf der Hefe. Brotig, saftig, Zitrus, zupackend und eindeutig mit der Ambition gekeltert, das ganze Potenzial seiner Umgebung auszuloten.