Ca de Noci Notte di LunaNotte di Luna 2005: Allzu oft bekommt man noch nicht die Gelegenheit gereifte maischevergorene Weine aus weißen Trauben zu probieren. Da in Italien maischevergorene Weine allerdings nicht nur Trend sind, sondern in vielen Regionen auch Tradition haben, hat man zumindest gelegentlich die Möglichkeit zu testen, wie orange Weine nach 10, 15 oder 20 Jahren schmecken. Die meisten und besten Beispiele finden sich im Friaul aber auch jenseits des Collios und Karsts trifft man gelegentlich auf maischevergorene Weine, die bereits ein Jahrzehnt oder mehr Zeit hatten, um Aromen und Texturen zu verändern.

Ca‘ de Noci beispielsweise vergärt seit 1993 den Notte di Luna, eine Cuvèe aus Moscato, Malvasia und Spergola  auf ihren Schalen. Das hat praktische wie sensorische Gründe. Die praktischen haben vor allem mit der stabilisierenden und antioxidativen Wirkung von Tanninen zu tun. Sensorisch nimmt man der Spergola auf diese Art ein wenig ihrer eminenten Säure, holt zusätzliche Aromen aus der Schale und sorgt gleichzeitig mit der feinen Gerbstoffstruktur für ein stabilisierendes Gleichgewicht. Nun sind Gerbstoff und Säure aber auch die zwei wesentliche Faktoren für die Reifung von Weinen und so wundert es wenig, dass sich der Notte di Luna 2005, Ca‘ de Nocis stille orange Version (mit dem Querciole und vor allem mit Riserva di Fratelli gibt es auch zwei exzellente orange Schaumweine) auch noch nach 11 Jahren in bester Verfassung präsentiert. Die Textur ist samtig und dicht aber noch immer von einer feinen Säure getragen, während die Aromen an Orangenschalen, Tee und Gewürze erinnern. Erstaunlich und beeindruckend  sind aber vor allem die Leichtigkeit und Eleganz, die bei gleichzeitiger Tiefe für Trinkfluss und Lebendigkeit sorgen. Der Notte di Luna, das sei auch noch kurz erwähnt, ist komplett ohne Schwefelzugabe produziert worden.

NOTTE DI LUNA 2005

REBSORTEN: Moscato, Malvasia aromatica, Spergola
WEINGARTEN:  10 Jahre alte Reben auf Kalk und Kies; Ertrag  4500 Kilo/ha
VINIFIKATION: 10 tägiger Kontakt mit den Schalen, wilde Hefen
AUSBAU: 12 Monat auf der Feinhefe in Holzfässern und 6 Monate in der Flasche
ALKOHOL: 13%
Ungeschwefelt

Ca de Noci WeineCa‘ de Noci Gheppio 2011: Die Winter werden wärmer, auch im Apennin. Was für die meisten von uns letztlich Statistik und abstrakter Gesprächsstoff bleibt, hat für Alberto Masini von Ca‘ de Noci eminente Bedeutung und direkte Konsequenzen. Beredtes Beispiel dafür sind ein paar Cabernet-Reben, die statt in der Erde zu wurzeln auf der Terrasse liegen und künftig als Brennholz dienen werden. Der ganze Cabernet Weingarten wurde im letzten Winter Opfer der Scaphoideus titanus, der amerikanischen Rebzikade, die seit neuestem ihr Unwesen auch in Regionen treibt, in der es ihr früher zu kalt gewesen wäre. Warum sich das Insekt ausgerechnet Cabernet Sauvigon für seine Attacken ausgesucht hat und Malbo Gentile, Spergola und Lambrusco in Frieden lässt, steht in den Sternen, Fakt ist jedoch, dass Ca‘ de Nocis exzellenter Gheppio in Zukunft ohne Cabernet auskommen wird.

Der Jahrgang 2011 ist also einer der letzten Möglichkeiten, einen der besten Rotweine der Emilia noch in seiner Ursprungsversion zu trinken. Drei Jahre in alten Holzfässern und ein weiteres Jahr in der Flasche haben langsam aber sicher die Ecken und Kanten, die Cabernet im Verbund mit Malbo Gentile liefert, abgeschliffen, ohne dass dabei jedoch Struktur und Tannin verloren gegangen wären. Farblich ist er dunkel wie die Seele des Scaphoideus titanus, sensorisch kombinieren sich dunkle Beeren mit Unterholz und Erde. Der Körper ist dicht und konzentriert, die Textur saftig. Der Gheppio wirkt trotz zweier grundsätzlich sperriger Rebsorten, offen und lebendig, was u.a. mit der Tatsache zusammenhängt, dass Ca‘ de Noci generell nicht schwefelt, dafür aber auf kerngesundes Traubenmaterial zurückgreift. Potenzial für ein gutes Jahrzehnt ist trotzdem (oder gerade deswegen) vorhanden.

Gheppio 2011

REBSORTEN: Cabernet sauvignon, Malbo gentile und ein paar autochthone Sorten
WEINGÄRTEN:  15 Jahre alte Reben auf Kalk-Ton Böden – Ertrag ca. 3000 kg/ha
VINIFIKATION: wilde Hefen, 12 Tage Mazeration
AUSBAU: 36 Monate in alten Holzfässern (auf der Feinhefe)
Alkohol: 14,5%
ungeschwefelt

solfiti naturali attesi inferiori a 30 mg/l