„T“ TREBBIANO

Lage/Böden: Ton, Steine, Sand
Rebsorte: Trebbiano
Mazeration: ja, kurz
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in Holzfässern diverser Größe und in einem Stahltank
Schönung: nein
Gefiltert: nein

Dichtung: wenn es wirklich wahr ist, dass vom Meer her Winde bis nach San Cipirello hinaufwehen, dann ist das Salz, das zwischen Gaumensegel und Nasenflügel herumwabert eventuell von dort. Eventuell kommt es aber auch aus dem Boden (Sand/Mergel), vielleicht ist das Salz aber auch – wie so oft – metaphysischer Natur. Egal. Es ist da. Genauso wie mediterrane Kräuter und Orangen und ein paar Nüsse. Die Säure ist knapp, die Balance aufgrund dezenter Mazeration perfekt und insgesamt wirkt der Wein stringent und lebendig. Toller Trinkfluss. Topp.

Wahrheit: Trebbiano und Lambrusco waren die Entdeckungen des Jahres 2014. Vielleicht gerade deswegen, weil jedermann/frau damit zwingend Scheußliches verbindet. Hier herrscht so große Einigkeit, dass sogar Weisheiten wie die, dass man über Geschmack nicht streiten darf, schlagartig fallen. Wenn dann Winzer im tiefsten Sizilien plötzlich mit einem Trebbiano dastehen, der nahezu sämtliche Weißweine des Jahres toppt, staunt man nicht wenig und fängt an zu fragen und zu forschen (der Gambero Rosso hat ihm 3 Gläser umgehängt). Francescos Trebbiano ist ein work-in-progress. Drei verschiedene Gebinde (zwei unterschiedlich große Holzfässer und ein Stahltank) sind damit gefüllt und wie genau cuvetiert wird, weiß er immer erst ein paar Tage vor dem Füllen. Der Rest verläuft quasi interventionsfrei sieht man von ein paar Milligramm Sulfiten ab.

„P“ PERRICONE

Lage/Böden: Ton, Sand, Mergel
Rebsorte: Perricone
Mazeration: ja
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: im großen Holzfass
Schönung: nein
Gefiltert: nein

Dichtung: dunkel, dicht, mediterran, elegant und saftig, Kirschen und Blüten und all das unaufdringlich, subtil und einladend. Wir sind zwar in Sizilien und genau dort wo die Sonne 330 Tage im Jahr scheint, doch das ist dem Perricone völlig egal. Er bleibt cool. Frisch. Lebendig. 12,5% Alk. Mit einem Tannin, dass perfekt ausgereift ist und doch Gerbstoff für ein paar Schuhe hat. Das macht ihn noch strukturierter und linearer; tief und substantiell ist er ohnehin die ganze Zeit. Toll und wie quasi jeder gute Wein zu jung, wenn man nur eine Flasche davon hat.

Wahrheit: Wer hat schon mal Perricone getrunken? Vermutlich unbewusst ein ganzer Haufen, da er leidenschaftlich gerne und in der Zwischenzeit mit dem Anspruch der Tradition Nero d`Avola unterstützt. Perricone reinsortig findet man leider so selten wie wirklich guten Nero d´Avola, was insofern schade und ungerecht ist, da es die wesentlich spannendere Rebsorte der beiden zu sein scheint. Wachsen tut sie quer durch den sizilianischen Westen, allerdings in immer geringeren Mengen. Bei Francesco scheint sie optimale Bedingungen vorzufinden. Auf knapp 500 Metern bläst der Wind durch die Rebreihen, die Kühle und die Höhe sorgen für einen langen Vegatationszyklus, der Alkohol ist trotz später Lese bei gerade einmal 12,5% und die Traubenhaut ist dick wie Leder und tut auch im Glas nicht so als wäre sie Seide. Die Gärung beginnt und endet spontan, Filter usw. finden sich keine im Keller, dafür große Holzfässer, in denen der Perricone für knapp zwei Jahre ruht. Grande.

NM“ NERELLO MASCALESE

Lage/Böden: sandig, Mergel
Rebsorte: Nerello Mascalese
Mazeration: ja
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in 600-Liter Holzfässern
Schönung: nein
Gefiltert: nein

Dichtung: Kräuter und zwar eine ganze Menge und eine Handvoll roter Beeren – dass sich zwischendurch steinige Aromen dazumischen, nimmt man gerne in Kauf und eigentlich auch die 14,5% Alkohol. Das ist ganz sicher nicht zu knapp und ein Tick weniger wäre eventuell kein Nachteil gewesen. Aber zum einen sind wir in Sizilien zum anderen kann man sich ja gelegentlich auch damit helfen, dass man den Wein nicht bei der Zimmertemperatur des 21.Jahrhunderts (24°C), sondern bei der des, sagen wir 11. Jahrhunderts (15°C) trinkt. Dann kommt auch die Klarheit der Frucht und die Kräutervielfalt besser zum Ausdruck, und der Wein wirkt balanciert und ausgewogen.

Wahrheit: Francesco Guccione keltert Nerello Mascalese auf der Westseite der Insel aus Rebstöcken, die sein Großvater von den Hängen des Ätna mitgebracht hat und mit denen er einen Kontrapunkt zum ewigen Nero d´Avola setzen wollte. Francescos Version ist brillant, auch wenn ihm die salzigen Eleganz des vulkanischen Terroirs abgehen. Francesco arbeitet biodynamisch, die Erträge sind minimal, die Interventionen im Keller ebenfalls. Er filtert nicht, schönt nicht, schwefelt kaum und baut seine Nerello-Version in großen Holzfässern aus.