Die Weine von La Busattina

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Bei all seinen Weinen lässt sich Emilio Falcione Zeit, viel Zeit. Der jüngste seiner vier Weine ist die Cuvèe San Martino (2015) aus Trebbiano, Malvasia und Ansonica, die eine griffige Textur mit einem dichten Körper kombiniert und darin ein Aromaspektrum offeriert, das eigenartigerweise an gute Chenin Blancs von der Loire erinnert – Honig, Quitten und so weiter. Der Legnotorto, eine Cuvée aus Sangiovese (85%) und Ciliegiolo (15%) stammt aus dem Jahr 2009 und setzt ohne wennundaber und trotz seines langen Ausbaus auf Frische und Lebendigkeit. Frucht frisch, Textur lebendig, Säure frisch, Abgang lebendig, total ok, und jeden Tag gerne. Eine zweite Cuvèe mit identischer Rebsortenzusammensetzung hört auf den Namen TerreEteree.  Der ist samtig und saftig und neben der roten Frucht findet sich vor allem auch Raum für florale und erdige Aromen. Das Gleichgewicht passt, Säure und Gerbstoff sind bestens integriert in Textur und Körper – alles recht weich, sanft und fein.

Die Nummer vier in Emilios Sortiment ist eine Rarität, die es unbedingt öfter geben sollte. Der reinsortige Ciliegiolo verzichtet auf irgendwelche Fantasienamen und nennt sich selbstbewusst und deutlich CILIEGIOLO – Jahrgang 2011 bedeutet im Jahr 2018 ein gewisses Alter, das man dem Wein allerdings nicht anmerkt. Ciliegiolo ist eine jener großen Unbekannten im Rebsortensammelsurium Italiens, die es leider nicht auf die Bühne der großen Weinwelt geschafft hat. Behauptet man, dass Ciliegiolo nach Kirschen schmeckt, verrät man nicht zuviel, schließlich bedeutet Ciliegia nichts anderes als Kirsche. Wobei Kirsche nicht gleich Kirsche ist – diejenige von La Busattina ist saftig, dunkelrot und süß (in einem positiven Sinne) und dabei nie auch nur eine Sekunde aufdringlich. Der Trinkfluss ist tiptop, geradlinig und nie ausladend, zu den Fruchtaromen gesellt sich zudem eine kräuterige Note.

Einziger Nachteil für potenzielle Leser dieser Zeilen ist, dass La Busattina zurzeit weder in Germania noch in Austria erhältlich ist.