Le Chiuse

Le Chiuse

Rosso di Montalcino (2013)

Dichtung: rotbeerig, Blüten und würzig, frisch und dynamisch, Sangiovese eben – zumindest so wie ich ihn mir vorstelle, saftig, druckvoll, einladend, mit enormem Trinkfluss ohne dabei auch nur andeutungsweise banal zu sein, im Gegenteil, nuanciert, präsentes Tannin, bekömmlich, gute Länge

Wahrheit: Rossi di Montalcino sind, wenn sie ambitioniert und gut gemacht sind, fantastische Alltagsweine und phänomenale Essensbegleiter. Das liegt zum einen an einer der besten Rebsorten des Globus, zum anderen sind die Rossi selten überholzt. Dazu kommt, dass Sangiovese auch in jungen Jahren schon einiges zu bieten hat, nämlich präzise Frucht, eine lebendige Struktur und fast immer eine saftige und animierende Textur. Le Chiuse liefert diesbezüglich ein Paradebeispiel: der Sangiovese wird Anfang Oktober gelesen, gerebelt, spontan im Stahltank vergoren und in großen Holzfässern ausgebaut. Gefiltert wird nicht, geschwefelt schon aber dezent (56mg/l).

Brunello di Montalcino (2011)

Dichtung: Dunkle Beeren, mineralisch, weich, elegant, komplex, fruchtpräzis, floral, kompakt, präsentes ziemlich kräftiges Tannin, intensiv und doch vor allem von filigranen Andeutungen geleitet, jetzt gut und wie so oft bei Brunelli, in ein paar Jahren noch besser.

Wahrheit: Brunello ist schon super, vor allem dann, wenn er nicht von kleinen Holzfässern totgeschlagen wird bzw. seine eigentliche Substanz und Struktur von Vanille und Toffifee unmöglich gemacht wird. Punkt. Wird er hier nicht. Holzfässer sind zwar schon im Spiel, die fassen aber 2000 Liter, genau die richtige Größe, sofern man so viele Trauben hat. Bis er dorthin gelangt wird über mehrere Stockwerke die Gravitation genutzt, erst wird gerebelt, dann fallen die leicht angepressten Trauben in Stahltanks, dort wird spontan und temperaturkontrolliert vergoren, mittels Delestage ordentlich extrahiert und schließlich fällt der Wein an seinen tiefsten Punkt, nämlich ins Fass. Und zwar für drei Jahre.

Die Riserva von Nicolò und Simonetta hat es ebenfalls in sich, doch sollte man ihr, wie so vielen Riservas ein bisschen Zeit gönnen. Noch ist die Summe der Einzelteile größer als die des Gesamtergebnisses und es wird wohl noch ein paar Jahre brauchen bis sich eine perfekte Balance einstellt. Prinzipiell werden für die Riserva 20% Sangiovesetrauben des klassischen Brunello abgezweigt, die schönsten und besten, versteht sich. Die Gärung verläuft spontan, der Maischekontakt liegt bei satten 35 Tagen, die Zeit im 2000 Liter Fass bei 46 Monaten.