Le Due Terre

Le Due Terre

Sacrisassi Bianco 2010

Dichtung: steinig, kühl, strukturiert, mehr Kräuter als Frucht (Zitrusnoten, Grapefruit), spürbares und kompaktes Tannin, lebendig, sehr stringent in Richtung Gaumen, eine durch und durch kühle und elegante Stilistik.

Wahrheit: Das Weingut Le Due Terre besteht, wie es der Name schon andeutet, aus zwei unterschiedlichen geologischen Einheiten, wobei der Tokai (70%) und der Ribolla Gialla (30%) des Sacrisassi Bianco (früher stand hier eine Kirche, deshalb der Name „Heilige Steine“) auf ponca stehen, dicken bröseligen Mergelschichten. Die Stöcke wurden 1991 gepflanzt und werden seit jeher biologisch bewirtschaftet, die Erträge liegen bei knapp über einem Kilo pro Stock (bei insgesamt 4500 Stöcken am Hektar). Die Gärung erfolgt spontan, danach wird über 10 Tage mazeriert (was definitiv nicht erkennbar ist), der folgende Ausbau findet über 22 Monate in großen und kleinen, jedenfalls gebrauchten Holzfässern statt und abgesehen von einer sanften Filtration wird Verzicht geübt. Die Struktur ist Jahr für Jahr elegant, mineralisch und kühl.

Sacrisassi Rosso 2010

Dichtung: Dicht, kompakt, erfrischende Säure und vibrierendes Tannin sind bestens eingebettet in eine konzentrierte aber samtige Textur, kraftvoll aber elegant, Kräuter und dunkle Frucht. Lang und mit einem langen Leben.

Wahrheit: der Sacrisassi rosso gehört zu den fundamentalen Rotweinen des Friaul. Zum einen aufgrund der beiden Rebsorten, Refosco und Schioppettino, die im Friaul seit jeher heimisch, die Basis für die Cuvée liefern, zum anderen aufgrund der Qualität, die man in Sachen rot im übrigen Friaul vermutlich lange suchen kann (der eigene Pinot macht schwere Konkurrenz aber Pinot ist eben wieder eine andere Sache). Der Schioppettino liefert wie immer das strenge Rückgrat, der Refosco sorgt für das (Frucht)-fleisch drumherum. Die Gärung verläuft spontan, der Ausbau in großem und kleinem Holz eigentlich auch, eingegriffen wird nur wenn notwendig (pressen, kosten, füllen).

Pinot Nero 2010

Dichtung: elegant, lebendig, strukturiert, saftig und mineralisch, kühl und geradlinig (in einem sehr positiven Sinne – nie ausladend), feines, seidiges Tannin, erdig, steinig, dezente rote Frucht, sehr lang, sehr delikat, sehr komplex.

Wahrheit: ein Wein, der Leidenschaft geschuldet. Friaul ist so sehr Pinot-Territorium und dort so häufig zu finden wie Blaufränkisch in der Steiermark. Was im einen wie im anderen Falle nicht bedeutet, dass er nicht exzellente Bedingungen vorfindet. Silvana Forte und Flavio Basilicata lieben Pinot, auch wenn er, laut Silvana vor allem Ärger bedeutet (fault gern, friert ungern). Die Vergärung startet spontan, der Ausbau findet in gebrauchten Holzfässern über knapp zwei Jahre statt, gefiltert, geschönt und geschwefelt wird nicht und doch oder gerade auch deswegen gehört er definitiv zu den besten Pinots Italiens. Der große Luigi Veronelli, Italiens fast sakral verehrter Chefkritiker meinte einst, dass er die Finesse und Originalität des Pinots von Le Due Terre stets erkennen würde. Ich vermutlich nicht, beeindruckend ist er trotzdem.