Massavecchia

Massavecchia

Notizen von der Vini Veri 2013: Oberstes Ziel ist es, Weine von allerhöchster Qualität zu machen, ohne dabei Kompromisse einzugehen – d.h. wenn das Jahr keinen ordentlichen Wein hergibt, dann gibt es eben auch keinen Wein, so geschehen 2008, wo von 30000 potenziellen Flaschen ganze 2000 übrigblieben. Die Hälfte davon war Rosé, doch wer glaubt, dass man es hier mit dem üblichen leichten Sommerzeugs zu tun hat, liegt gewaltig daneben.

Massa Vecchias Rosato 2011 toppt alles bisher in diesem Genre dagewesene (einzig bei Franz Strohmeier und Jörg Bretz habe ich kürzlich ein ähnliches Erlebnis gehabt), er ist ein Produkt aus klassischem Saftabzug und hat floral-aromatische Noten, eine feine Ledrigkeit kombiniert mit Himbeeren und erinnert nicht nur in seinen Aromen an Pinot, vielmehr hat er auch den Körper eines kräftigen Burgunders. Francesca tut ihn zwar als Sommerwein ab, doch ist das definitiv zu viel an Understatement.

Andererseits durfte ich davor schon den Bianco probieren, dem vielleicht noch mehr Superlative gebühren. 10 Tage Maischestandzeit verwandeln Vermentino (40%) Malvasia (40%) und Ansonica (20%) in eine Cuvée, die floral und fruchtig, vor allem aber saftig, kompakt, kraft- und druckvoll war und so lang am Gaumen hing, dass mir Francesca in der Zwischenzeit die Vorteile von Kastanienholz (besserer Luftaustausch) gegenüber der Eiche erklären konnte. Manchmal kommt auch noch etwas Kirsche ins Spiel (Tradition in der Gegend), zumeist gebraucht, manchmal freilich neu, denn zuerst muss man ein Fass ja auch mal verwenden, bis es gebraucht ist.

Jeder Schritt im Weingarten wird genau durchdacht und bemessen und gleiches gilt auch für den Keller. Wenn möglich wird dort so gut wie nichts unternommen, Schwefel wird nur im äußersten Notfall beigegeben und dann auch nur in mikroskopischen Mengen. Den Weinen selbst scheint dies nur gut zu tun. Der Berace, eine Cuvèe aus Cabernet Sauvignon und Merlot, ist fleischig und weich, kompakt, süffig, strukturiert – es ist der einfachste Wein, allerdings auch ein Trinkspass von der 1 bis zur 100 Sekunde, denn lang ist auch die simpelste Variante. Der Querciola dagegen ist dann (von der gleichnamigen Einzellage – 80% Sangiovese/20% Alicante, erdige Waldbeernoten, robust, mit Ecken und Kanten, doch druckvoll, saftig, kraftvoll, ein Wein mit riesigem Potenzial) ein letzter Höhepunkt einer völlig fulminanten Serie von Weinen.