Alfonso Soranzos Weine

Alfonso Soranzos Weine

Ein Wein, der jung getrunken werden will, ist Alfonsos RIF (für rifermentato in bottiglia – flaschenvergoren). Gekeltert wird der Sprudel aus Serprino -was ich anfangs als autochtone Rebsorte der Colli verortete, ist lediglich ein Synonym für die Glera, die wiederum ein Synonym für Prosecco ist. Fakt ist, dass es eine eigene DOC dafür in den Hügeln gibt und dass sich Alfonsos federleichte und blütenreiche Version locker mit den besten Interpretationen der Kernregion des Glera/Prosecco messen kann. Ähnliches kann man über seinen Garganega sagen, den Vigneto Carantina, der saftig, konzentriert, und rauchig den Vergleich mit den besten Exemplaren aus Soave und Gambellara nicht scheuen muss. Malvasia, Garganega und Moscato Bianco sind die Bestandteile des Cassiara, einer staubtrockenen, mineralischen und aromatischen Cuvée, dem Kontrapunkt zum Pinot Grigio, der gehaltvoll, dicht und substantiell das weiße Quartett abschließt. Die Vinifikation unterscheidet sich dabei kaum. Alfonso schwefelt die Maische minimal (die pH-Werte in den Hügeln sind seiner Ansicht nach nicht so niedrig, dass er darauf verzichten will), danach wird spontan und ohne Temperaturregulierung vergoren und der Wein – weiß wie rot – in Zementfässern gelagert. Geschönt und gefiltert wird nicht, geschwefelt erst wieder vor der Einflaschung.

Neben dem brillanten Cabernet Franc (siehe Detailbesprechung), dem definitiv trotz (oder gerade wegen) einer beeindruckenden Jugend eine große Zukunft bevorsteht, keltert Alfonso einen geradlinigen und erstaunlich fruchtigen Carmenere und zu guter Letzt einen Wein, der in seiner Zusammensetzung definitiv einzigartig auf der Welt ist. In einem Projekt mit der Universität Padua hat Alfonso Soranzo eine Parzellen seiner Weingärten alten autochtonen Sorten gewidmet: seit einigen Jahren kultiviert er Marzemina Nera, Pattaresca und Cavrara und keltert daraus einen Wein, dem er den Namen „Vecchie varieta“ (alte Rebsorten) verpasst hat – rustikal, saftig, ledrig, dunkel und kraftvoll.

Cabernet Franc: Die Colli Euganei fristen ein stiefmütterliches Dasein in der italienischen Weinwelt. Das mag damit zusammenhängen, dass sie heutzutage kaum etablierte und autochthone Rebsorte aufweisen können. Hier wachsen Kraut und Rüben nebeneinander, Tokai neben Garganega, Merlot neben Sangiovese oder Barbera neben Cabernet Franc. Letzterer macht sich allerdings blendend auf dem kargen vulkanischen Gestein. Alfonso macht den Rest. Das heißt, dass der Wein spontan vergoren wird, ein paar Wochen auf der Maische verbringt und dann in Zementfässern zu Ende reift. Das ergibt letztlich einen Wein, der Efeu und Asche auf einem Bett aus erstaunlich dunklen Fruchtnoten vereint. Und dann natürlich Pfeffer. Am Gaumen runde, saftige Tannine, ein kompakter Körper, die dunklen Noten bleiben erhalten, ein wenig Leder kommt dazu, ordentliche Länge