Nandos Weine sind stets spät gelesen und lange mazeriert, vom einfachen Ribolla und Sauvignon mal abgesehen (und was für ein Weißwein). Wobei er sich selbst diesbezüglich keine genauen Vorgaben setzt sondern die jeweiligen Maischestandzeiten von den Jahrgängen und den Rebsorten abhängig macht. Und weil lange Mazerationszeiten (bei ordentlichem Rebmaterial) die Weine ohnehin stabil macht, schwefelt er wenig und spät.

Grundsätzlich kann man bei Andrej Kristancic zwei Linien unterscheiden. Die BLUE LABEL Weine stehen für frische, saftige, früh gefüllte, kurz mazerierte und im Stahltank ausgebaute Versionen, die prinzipiell früh zugänglich sind und doch auch lange gelagert werden können. Die BLACK LABEL sind andere Kaliber, mächtig, kraftvoll und komplex, lange mazeriert und mit einer Lebenserwartung ausgestattet, die meine in den Schattens stellt. Ausgebaut wird meist im Holz (mit Ausnahme des Eugen Rdece, was wiederum sehr eigenwillig ist, da es sich hier um eine Cabernet/Merlot Cuvèe handelt, den Urklassikern des Holzfassausbaus) und das über viele Jahre. Geschönt und gefiltert wird nicht.

 

Zu zwei Weinen habe ich vor einiger Zeit eine längere Verkostungsnotiz verfasst:

Nando Jakot Black Label

Farbe: weiß
Lage/Böden: nordöstliche Lage; Ponka
Rebsorte: Tokai
Pflanzdatum: 2007
Ertrag: 30hl/ha
Mazeration: ca. 7 Tage
Hefen: wilde
Ausbau: in 500 Liter Eichenfässern
Schönung: nein
SO₂ total: ca. 30mg/l
Gefiltert: nein

Dichtung: orange wie die Kittel tibetischer Mönche; danach ähnlich komplex und genauso auf der Suche nach Einfachheit; Kräuter und Orangen in der Nase und zwar in extrem präziser und puristischer Manier; am Gaumen sieht es ähnlich aus; Exaktheit und Klarheit dominieren, Kühle und Frische verstärken diesen Eindruck, dazu wird es saftig und erdig, Marillen gesellen sich dazu, alles wirkt extrem fokussiert; die Säure und das Tannin sind in perfekter Balance, einem langen Leben steht nichts im Weg. Einer der besten Weine des Jahres (2014)

Wahrheit: Tokaj (slowenisch/friulanisch) scheint mir eine perfekte Rebsorte für orange Interpretationen zu sein. Die Tannine und Säure scheinen (vorausgesetzt man weiß was man tut) in perfekter Symbiose zu stehen, der Körper ist kräftig aber nie ausladend, die Aromatik komplex. Dem Wein passiert im Laufe seiner Herstellung wenig. Er wird mazeriert, mal 10 mal 20 Tage, je nach Jahrgang, landet dann in Holzfässern und ruht dann für mindestens ein Jahr, meistens etwas mehr. 31mg SO₂ kriegt er dann doch ab.

Nando Black Label Rebula 

Farbe: orange
Lage/Böden: südliche Lage; Ponka
Rebsorte: Rebula
Ertrag: 30hl/ha
Mazeration: ca. 40 Tage
Hefen: wilde
Ausbau: 18 Monate im Eichenfass und weitere 24 Monate in Edelstahltanks
Schönung: nein
SO₂ total: <10 mg/l
Gefiltert: nein

Dichtung: ebenfalls orange, doch kommen dann neben klassisch balsamischen Noten und reifen gelben/orangen Fruchtnoten auch noch ein paar Blüten ins Spiel. Wenn man sich irgendwann vom Duft trennt, wird es am Gaumen saftig und strukturiert, die Säure ist präsent, das Tannin eher weich, die Zungenspitze ist salzig und in der Mundhöhle liegen ein paar rote Beeren. Wie alle Weine Nandos, lang am Gaumen und mit langen Leben ausgestattet.

Wahrheit: Rebula ist an und für sich weiß vinifiziert meist recht ordentlich, orange zieht sie allerdings noch einige Register mehr. Andrej zollt der Rebsorte doppelt Tribut und interpretiert sie weiß – davon ein andermal – und eben orange. Letztere wird ein paar Tage mazeriert und geht dann ins gebrauchte Barrique. Die Gärung startet – wie immer bei ihm – spontan, danach wird ein Jahr nichts getan – no filtering, no fining, no nothing. Zum Schluss gibt es dann minimal Schwefel, im Fall des 2008 waren 16mg/l.