Valpolicella (2)Den besten Eindruck über die Qualität eines Weinguts im Valpolicella bekommt man, indem man die Basis probiert. Simple, oft im Stahl ausgebaute Weine, die als tägliche Begleiter zu Bigoli gute Figur machen sollten. Der Valpolicella Classico ist nämlich der einzige Wein der Region, der ohne die Finten elaborierter Viinifikation auskommt. Alle andere Weine eines Weinguts werden durch die mehr oder weniger lange Trocknung (Amarone, Recioto) bzw. Wiederverwertung ihrer Trester (Ripasso) hergestellt.

Dagegen gibt es qualitativ nichts einzuwenden, im Gegenteil, die Weine können wie der Amarone Corte Vaona von Novaia, ein Sammelsurium an Aromen in sich tragen, Tabak- & Obstkuchennoten offerieren und den profunden Körper auch noch mit entsprechend Säure (wirklich wichtig beim Amarone) und Gerbstoff ausgleichen. Fakt ist jedoch, dass durch das Antrocknen der Beeren ein Prozess eingeleitet wird, der allen gängigen Interpretationen von Rotwein entgegensteht. Der einfache Valpolicella von Novaia ist eine Cuvèe aus Corvina, Corvinone und Rondinella und stammt von den Lagen, die sich vom Weingut aus bis auf 450 Meter hochziehen. Frische und Lebendigkeit sind also zwei Grundkomponenten, dazu gesellen sich rote Fruchtnoten, ein wenig Pfeffer und basta. Simpel aber subtil aber vor allem schön zu trinken. Eine gute Stufe über dem Classico steht der Valpolicella Superiore aus der von vulkanischen Böden geprägten Lage I Cantoni – hier wird zwar nicht wie beim Amarone über drei Monate, sondern nur über 30 Tage getrocknet, die wirken sich jedoch elementar (und auch positiv) auf die Textur des Weins und auf die Intensität der Aromen aus.

Kein Kind von Traurigkeit ist der Amarone Le Balze: mächtig, üppig und intensiv ist er laut Marcello Vaona, Meditationswein, ein Ausdruck, der im Valpolicella immer wieder fällt und stets leichte Beunruhigung hervorruft. Für all jene, die mit Meditation nicht so viel am Hut haben, ist er vollgepackt mit Frucht, Würze, Tabak und Schoko, vor allem aber ist er barock, opulent und recht früh auch belastend. Die perfekte Brücke zwischen der Wucht des Amarone und der Einfachheit des Classico schlägt wie so oft der Ripasso, die vielleicht genialste Idee der stets kreativen Winzerszene der Region. Ein Ripasso ist – wenn man so will – eine Cuvèe aus Valpolicella und Amarone. Der Grundwein ist dabei der ganz klassische Einstiegswein des Weinguts, der mittels der, bei der Amaroneherstellung übriggebliebenen Trester, eine Zweitgärung erfährt und dadurch an Substanz, Dichte und Konzentration gewinnt und dabei doch Vitalität und Trinkfluss beibehält. Über ein Jahr in gebrauchten Holzfässern ausgebaut, punktet der Ripasso mit Blüten- und Kirscharomen, ist saftig und tiefgründig und in guten Jahrgängen (2011/13/15) steht einer langen Entwicklung nichts im Weg.