Vigne-dei-Boschi-vigneti-estatePaolo Babini hat sich ein ganzes Sammelsurium an Rebsorten in seine Hänge über Valpiano gesetzt, darunter so schräge Sachen wie Riesling (16 Anime) und Pinot Noir (Nero Selva). Während erstere ein wenig irritierend wirkt – relativ breit, konturlos und erstaunlich kräuterig – macht sich der Pinot blendend: Kühl, fleischig und erdig gibt er sich als veritabler Rebsortenvertreten zu erkennen (für diejenigen, die das interessiert) und gleichzeitig den Stil vor, der sich durch Paolos Rotweine zieht. Der Longrè, ein reinsortiger Syrah ist fleischig & erd… und dazu noch mit einer Ladung Pfeffer und viel dunkler Frucht ausgerüstet und der Sette Pievi, ein Malbo Gentile, dem noch ein paar alte autochthone Sorten assistieren, ist fleischi…. und hat ausserdem Gerbstoff, dass es kracht, in petto.

Bleibt der Poggio Tura, ein Sangiovese, über den man genauer berichten sollte…

Sangiovese Poggio Tura:

Dichtung: Leder, Blut und Efeu – kein Titel eines Italo-Western, vielmehr die erste Wahrnehmung, die der Poggio Tura in der Nase auslöst. Bohnen mit Speck würden vermutlich bestens dazupassen. Allerdings auch Steaks und Wild. Kraftvoll, saftig und kompakt geht es am Gaumen weiter, die Gerbstoffe packen zu, die Frucht ist dunkel und der Pfeffer schwarz, der Körper ist gewichtig aber nie fett, der lebendigen Säure sei Dank. Erst 1999 bestockt, kann man sich schon mal ausmalen, was in dreißig Jahren aus dem Poggio Tura kommen wird (wobei man sich dabei natürlich selbst mitdenken muss, was weniger lustig ist).

Wahrheit: Sangiovese, „das Blut Jupiters“, macht in Paolo Babinis Poggio Tura seinem Namen alle Ehre. Die Aromen sind intensiv und komplex, der Grund dafür liegt vor allem in einem sehr speziellen Terroir und einer erstaunlichen Klonvielfalt. Babinis Weingärten befinden sich auf 500 Meter, direkt über der kleinen mittelalterlichen Stadt Brisighella. Dass Sangiovese in der Romagna eine ähnliche historische Bedeutung hat wie in der Toskana, beweisen die 15 verschiedenen Sangioveseklone, die allesamt in der Romagna beheimatet, dicht an dicht (8000 Reben am Hektar) im Vigna del Roccolo wurzeln. Erzogen wird im traditionellen albarello-romagnolo-System, einer Niedrigstockerziehung, die Erträge pro Stock liegen bei ca. 700 Gramm. Gelesen wird, der Höhe des Weingartens wegen, erst Anfang Oktober, die darauffolgende Gärung findet in Holzbottichen statt, der Ausbau erfolgt über weitere 28 Monate in gebrauchten Barriques.

… und der MonteRè:

Manche Rebsorten brauchen Jahrzehnte und Jahrhunderte bis sie ihre wahrhaftige Legitimation finden: die Albana gehört definitiv in diesen Zirkel. Zuerst war sie über Jahrhunderte der trockene Schankwein der Romagna, der tagtägliche Tischwein zu Tortellini, Salami und Porcini. Dann entdeckte man seine süßen Vorzüge, die sich in der Erhöhung der Sorte und Region im DOCG-Status niederschlug. Vor ein paar Jahren dann hatten ein paar findige und experimentelle Winzer der Romagna die Idee, die Albana erstmal ein paar Tage zu mazerieren, bevor sie sie abpressten und siehe da, kaum eine andere Sorte in Italien scheint sich so sehr für eine alternative, orange Version zu eignen wie die Albana. Die Traubenhäute sind im Allgemeinen dick und der Gerbstoff gibt in Kombination mit tiefer Frucht dichte und kraftvolle Weine, die man definitiv zu den besten in den Hügeln der Romagna zählen kann (und dort gibt es in der Zwischenzeit einiges zu entdecken).

Einer der besten Albana ist der MonteRè (die anderen sind der Rigogolo von Andrea Bragagni und der Arcaica von Paolo Francesconi). 5 Tage verbringt Paolos Albana-Most auf den Schalen und nach einer langsamen Gärung wandert er für 12 Monate in gebrauchte Barriques und danach noch für einige Zeit in Flaschen, wo man ihn auch möglichst über ein paar Jahr lassen sollte.

ps: Paolo hat vor kurzem erstmals einen Albana Spumante abgefüllt – Methode traditionelle. Kenne ich leider (noch) nicht. Sollte aber dank der enormen Säure, die die Albana in die Waagschale werfen kann und paolos vinifikatorischem Talent ein ziemlicher Spaß sein.