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Im Eisacktal

Müller-Thurgau

Wahrheit: die Freude bei M-T hält sich im Allgemeinen in Grenzen. Garliders Basiswein überrascht also umso mehr: hier wurde auch mit Bedacht gepflanzt, die Stöcke stehen ganz oben (850 Meter: M-T verträgt Kühle bestens) oder ganz unten (500 Meter: M-T kann auch mit schattigeren Platzen leben), die Gärten werden biologisch bewirtschaftet, spät gelesen, spontan vergoren und in großen Holzfässern ausgebaut. Die Eingriffe sind minimal. Müller Thurgau in  Hochform.

Dichtung: straff und schlank, jedoch nicht im Geringsten dünn, im Gegenteil, druckvoll, elegant, voller Kräuter und mit leicht exotischem Touch, lebendiger Säure, glaskar und mit guter Länge. Einfach aber perfekt ins seiner Einfachheit

Grauburgunder

Wahrheit: Nicht umsonst spricht Kerschbaumer von Pinot Gris. Lichtjahre entfernt von dem oft dünnen Zeug aus dem Süden bildet er vielmehr einen Südtiroler Brückenschlag ins Elsass ohne dabei die Frische und Kühle des hohen Eisacktals preiszugeben. Hier wird biologisch gearbeitet, bei den Niederschlagsmengen kein einfaches Unterfangen, der ständig blasende Wind hilft. Spontanvergärung ist in der Zwischenzeit längst selbstverständlich, der Ausbau erfolgt im großen Holz, geschwefelt wird minimal, gefiltert gar nicht.

Dichtung: Würzige Noten kombinieren sich mit ein wenig Honig und einer leichten Rauchigkeit, der man auch Mineralität unterstellen könnte. Dicht, druckvoll, kräftig, präzis, vital und lang

Sylvaner

Sylvaner ist ja eigentlich eine alte österreichische Sorte (in Franken nennt man ihn auch manchmal Österreicher) doch findet man ihn in seiner alten Heimat nur noch sporadisch reinsortig (Falkenstein) und sonst in Gemischten Sätzen. Da passt es nicht schlecht, dass eine seiner heutigen Zentren ebenfalls einst zu Österreich gehörte, was wieder einmal beweist, dass man sich hierzulande schwer tut, die guten Dinge festzuhalten. Christian Kerschbaumers Sylvaner ist ein Paradebeispiel seiner Zunft. Neben Frucht und Blüten kommen hier auch noch die Attribute des Eisacktales zu tragen: Frische, Mineralität, Saftigkeit. Die Steillagen werden durch die Bank biologisch bearbeitet, die Erträge sind minimal, die Trauben reif und gesund. Deshalb gibt es dann auch im Keller keine dramatischen Eingriffe, im Gegenteil, die Gärung startet spontan, der Ausbau erfolgt in großem Holz, geschwefelt wird dezent und spät.

Dichtung: Blüten und zwar nicht zu knapp, zudem noch feine Zitrusnoten, Heu und ein wenig Steinobst, was die Nase insgesamt komplex, vor allem aber einladend macht. Tiefer unten wird es saftig, dicht und lebendig, die Säure sitzt perfekt, der Körper passt auch und zu guter Letzt passt auch die Länge. Eleganz dominiert von der Zungenspitze bis zum Gaumensegel. Heute toll, morgen noch besser, in fünf Jahren am Zenit.