Hintergrund

In den 1990er Jahren hatte Nero d’Avola seinen Popularitätshöhepunkt, der paradoxerweise Hand in Hand mit seinem qualitativen Tiefpunkt einherging. Zu unfassbar niedrigen Preisen überschwemmten Nero d’Avola-Versionen, die sich nicht einmal zum Strecken von Saucen eigneten, die Supermärkte der Welt. Irgendwann hatten das auch die leidenschaftlichsten Billigtrinker verstanden und Nero d’Avola wanderte aus den Aktionsregalen palettenweise zurück nach Sizilien. Und dort blieben sie auch. Damit war es fürs erste vorbei mit dem Boom der Sorte und die Reputation war dermaßen im Eimer, dass man wiederum zwei Jahrzehnte brauchte, um sie wieder einigermaßen geradezubiegen. Mitverantwortlich für die Wiederauferstehung des Nero d’Avola waren unter anderem die Brüder Gueli, die bislang ungekannte Seiten der Rebsorte aufdeckten und zeigten, dass man aus Nero d’Avola auch Weine keltern kann, die elegant, profund und dynamisch erstaunlich präzis von ihrer Herkunft erzählen können.

Der U Russu stammt von diversen Weingärten rund um das Weingut in Grotte, wird per Hand gelesen und über 6-8 Tage spontan in 2000 Liter großen Zementzisternen vergoren. Danach wird er in kleinere Zementbehältnissen umgezogen, wo er bis zum darauffolgenden Mai lagert, ehe er ungefiltert und ungeschwefelt gefüllt wird und für ein halbes Jahr weiterreift.

Stil

Dunkel, lebhaft und intensiv. Der U Russu mag zwar der Einstiegswein von Gueli sein, doch lässt er sich das nicht wirklich anmerken. Lokale Kräuter und dunkle rote Fruchtaromen sorgen für eine mediterrane Nase, eine feine Erdigkeit legt aromatisch am Gaumen noch nach. Die Textur ist dicht und stoffig, das Tannin ist samtig, die Säure animierend aber bestens integriert.

Datenblatt

Rebsorte: 80% Nero d’Avola + 20% alte autochthone Sorten
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Diverse leicht abfallende Lagen auf 450-550 Meter Seehöhe rund um Grotte (Provinz Agrigento/Sizilien) Kühle Winde und Tendone, ein Pergola-ähnliches Erziehungssystem relativieren die intensive Sommerhitze. Kalk- und Tonböden.
Lese: Per Hand in 25 Kilo fassende Kisten
Vergärung: spontan      | wilde Hefen, in 2000 Liter großen Zementzisternen
Ausbau: 7 Monate in vetrifiziertem Zement
Filtration: nein
SO:ungeschwefelt
Alkoholgehalt: 13,50 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2026
Flaschenformat:0,75 l