Hintergrund

Der Tonsur entsteht auf der anderen Seite des Eisacktals, in einem Weingarten auf dem Ritten, dem Hausberg der Bozner. Die Lage heißt Oberplatten. Nachdem Martin Gojers Weine allerdings als IGT oder einfach nur als Vino Bianco deklariert sind, darf er die Lage nicht aufs Etikett drucken. Aber er kann den Namen als Inspiration verwenden. Und aus Oberplatten einen TONSUR machen.

Die Lage Oberplatten ist ein Pachtweingarten, den sich vermutlich nicht alle Winzer angemietet hätten. Zwei Drittel Müller-Thurgau sind prinzipiell kein riesiger Reizfaktor, die auch von einem Drittel Chardonnay, Pinot Bianco und Sylvaner nicht kompensiert werden können. Allerdings gehört Martin Gojer nicht wirklich zu den Stereotypen der Südtiroler Winzerwelt – die Namen der Rebsorten haben nur bedingt Bedeutung für ihn. Viel wichtiger ist ihm das Terrain, in dem die Reben wurzeln, die Umgebung, das Klima und auch die Geschichte der Reben. Die gehören eigentlich dem für seine Bio-Apfelsäfte in ganz Italien bekannten Thomas Kohl und wurden folglich also auch schon vor seiner Pacht sorgsam gepflegt. Das Terrain ist vulkanisch geprägt, während sich die klimatischen Bedingungen als Schnittstelle zwischen alpinen und maritimen Einflüssen erst in den Trauben und später auch im Wein entsprechend manifestieren.

Martin Gojer bewirtschaftet den Weingarten biodynamisch und per Hand und kann so jeden Rebstock individuell betreuen.

Im Keller wird knapp die Hälfte der Traubenmasse nach einer kurzen, fünfstündigen Mazeration in einem großen Tonneaux vergoren, der Rest bleibt für den Verlauf der Gärung mit den Schalen in Kontakt. Während des einjährigen Ausbaus in großen Holzfässern verweilt der Wein auf der Hefe. Martin Gojer schönt und filtert nicht und schwefelt minimal.

Stil

Gelb – im Auge und in der Nase. Kamille & Steinobst. Kompakt, fest strukturiert und doch geschmeidig. Kühler Unterton. Druckvoll, saftig und stoffig. Steht gerade am Anfang seiner Entwicklung.

Datenblatt

Rebsorte: Müller Thurgau (55%), Chardonnay, Pinot Bianco & Sylvaner
Bewirtschaftungsart: biodynamisch
Weingarten: Oberplatten, Südexposition, Porphyr
Lese: Per Hand in 25 Kilo fassende Kisten
Vergärung: spontan | wilde Hefen, knapp 50% mit Schalenkontakt, die restlichen 50% werden nach einer 5-stündigen Mazeration abgepresst.
Ausbau: 12 Monate im groβen Holzfass
Filtration: nein
SO: < 30 mg
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12°C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2026