La Possa

La Possa

Canaiolo und der großartige Bonamico („guter Freund“) sind die Basis für den U Neigru, einen saftigen, erdigen & kräuterigen Rotwein, in dem sich am Gaumen erstmals das manifestiert, was seine Weine absolut einzigartig macht: Salz. Viel Salz. Das Meer hinterlässt nicht nur im Rotwein seine Spuren, noch ausgeprägter findet es sich im Sciacchetrà, einem Süßwein aus im Wind und in der Sonne getrockneten Boscotrauben (ebenfalls eine alte autochthone Sorte), das fast alles, was es an Süßwein gibt in tiefsten Schatten stellt. Jenseits klassischer Süßweinaromen macht sich das Meer im Mund breit und zwar für Minuten und Stunden – sollte man je in die Verlegenheit kommen einem Wein irgendein Punktemaximum geben zu muessen, der Sciacchetrà von La Possa würde sich anbieten.

Die Bewirtschaftung ist – das sei kurz noch erwähnt – biologisch zertifiziert. Die Lese wird, aufgrund der Steilheit und Unwegsamkeit, teils mit einer Art Zahnradbahn abtransportiert. Früher, und das ist auch das finale Ziel Heydis – wurde sie in Boote und mit ihnen über das Meer in den Keller gebracht.

Die erste Lese fand 2004 statt und ergab exakt 450 Flaschen Weißwein und 65 Flaschen Sciacchetrà. Seither hat sich ein einiges getan, wobei das Terrain, trotz der dichten Bestockung (8000 Reben/ha) nur minimale Erträge zulässt. Hinzu kommt der durch das Trocknen der Trauben entstehende Saftverlust beim Sciacchetrà (2013: 425 Flaschen) und bei seinem zweiten Süßwein, dem nicht minder spektakulären, stockdunklen Rinascita, ebenfalls eine Cuvèe aus Bonamico und Canaiolo, die nach der Gärung noch 31 Tage auf der Maische liegt und alles, was sich noch an Gerbstoff, Säure und Aromen in den Schalen befindet in den Wein integriert. Und das ist soviel, dass man am besten schweigt und genießt – oder sich darüber Gedanken macht, wie man schnellstmöglich an ein paar der insgesamt 356 produzierten Flaschen kommt (in Ö, CH und D gibt es nichts davon).

Ausgebaut wird der die süße wie auch die trockene Canaiolo/Bonamico-Version im Holzfass, wobei bei der trockenen Version (U Neigru) neben Eiche auch noch Kastanie ins Spiel kommt. Vergoren wird alles spontan und abgesehen von einer Schwefelung am Ende, geschieht nicht allzu viel. Wer zu den 2 Millionen Touristen gehört, die alljährlich die Cinque Terre terrorisieren, sollte unbedingt die Gelegenheit nutzen und sich ein paar Flaschen mit nach Hause nehmen.