WINZER

GIOIA DEL COLLE & PRIMITIVO

Guttarolo (Gioia del Colle)
L’Archetipo (Castellaneta)
Patruna Periola (Gioia del Colle)
Chiaromonte (Acquaviva delle Fonti)
Pietraventosa (Gioia del Colle)
Fatalone (Gioia del Colle)
Patruna Periola (Gioia del Colle)
Polvanera (Gioia del Colle)
Plantamura (Gioia del Colle)

TARANTO, MOTTOLA & MANDURIA

Pantun (Móttola)
Mille Una (Lizzano)
Antiche Cantine de Quarto (Lizzano)
Morella (Manduria)
Attanasio (Manduria)
Vinicola Savese (Sava)

UVA DI TROIA & der NORDWESTEN

Giancarlo Ceci (Andria)
Petrilli (Lucera)
Cafalicchio (Canosa di Puglia)
Valentina Passalacqua (Gargano)

SALENTO

Natalino del Prete (San Donaci)
Francesco Marra (Ugento)
Cantina Supersanum
Valle dell’Asso (Galatina)

GOOD WINES FOR GOOD PEOPLE

Weiß

Cristiano Guttarolo: Amphora bianco (Fiano/Bianco d’Alessano)
Tenuta Macchiarola: Belle Vignole (Fiano)
L’Archetipo: Greco Bianco
L’Archetipo: Fiano
Fatalone: Spinomarino
Mille Una: Maviglia
Morella: Mezzogiorno

Rosso

Cristiano Guttarolo: Lamie delle Vigne
Cristiano Guttarolo: Primitivo di Puglia Amphora
L’Archetipo: Primitivo
Fatalone:  Primitivo Riserva
Chiaromonte: Primitivo Muro Sant’Angelo Contrada Barbatto
Pantun: FàTù
Pantun: Pantun
Tenuta Macchiarola: Uno di Noi (Primitivo)
Tenuta Macchiarola: Sole di Rosa (rosato – Primitivo)
Plantamura: Primitivo Etichetta Nera
Mille Una: Mantonero (Negroamaro)
Attanasio: Primitivo di Manduria
Morella: Mezzanotte
Natalino del Prete: Aleatico Sorso Antico
Natalino del Prete: Salice Salentino Il Pionere
Francesco Marra: Negroamaro
L’Astore Masseria: Albarelli di Negroamaro
Cefalicchio: Romanico (Uva di Troia)
Giancarlo Ceci: Castel del Monte Parco Marano (Uva di Troia)
La Motticella: Il Guerro (Uva di Troia)

Anfangs ein paar Zahlen. In Apulien stehen auf 96000 Hektar Weinreben. Das ist ziemlich genau doppelt so viel wie in ganz Österreich und ein paar tausend Hektar weniger als in Deutschland. Einzig Sizilien verfügt in Italien über mehr Rebfläche. Man produzierte laut Atlante dei Territori del Vino Italiano im Jahr 2011 601.177.700  oder anders gesagt 601 Millionen Liter Wein, was in Italien wiederum die zweiten Stelle, diesmal hinter dem Veneto (dem Prosecco sei Dank), bedeutet. Diese Zahlen sind, so aberwitzig sie erscheinen mögen, rückläufig. Die Rebfläche reduzierte sich seit 2003 um knapp 4%, die Produktionsmenge verringerte sich im gleichen Zeitraum um immerhin 30 Millionen Liter. Von einer Krise zu sprechen, wäre übertrieben, Fakt scheint jedoch, dass sich Apulien langsam aber doch umorientieren muss. Weg von einem Weinbau der einzig auf Menge abzielt, hin zu Weinen, die zumindest die simpelsten Ansprüche erfüllen. Denn obwohl Apulien über ein kaum nachvollziehbares und komplexes System von immerhin 28 DOCs und 4 DOCGs verfügt, haben gerade einmal 5% der Weine einen entsprechenden Status. Weitere 40% sind IGTs, der Großteil der Weine geht jedoch als meist extrem billiger und, wesentlich schlimmer, billig schmeckender Wein über den Ladentisch.

So ernüchternd das klingen mag, so erfreulich sind die vereinzelten Zuckungen, die man quer durch die apulischen Weinbaugebieten spürt. Die gehen oft, aber nicht immer von kleinstrukturierten Einzelkämpfern aus, die sukzessive ihren unterschiedlichen Terroirs auf den Grund gehen. Allerdings, und das ist mindestens ebenso erfreulich, schließen sich auch immer mehr Großwinzer und Genossenschaften an. Zwar fehlt es letzteren meist an wirklich außergewöhnlichen Weinen, doch keltern sie zumindest gelungene Repräsentanten ihrer Rebsorten und Regionen.

Im Nordwesten Apuliens – zwischen Foggia und Bari – dominieren zwar ebene Flächen, doch finden sich auch immer wieder leicht gewellte, auf Kalk und Sand basierende Hügellandschaften, auf denen vor allem Uva di Troia (oft wird auch das Synonym Nero di Troia verwendet) angebaut wird. In ihren besten Beispielen ergibt die Sorte dichte, klar strukturierte und elegante Weine, die mit allergrößter Wahrscheinlichkeit das Potenzial hätten, allen anderen apulischen Rotweinsorten in kürzester Zeit den Rang abzulaufen – doch auch wenn man immer wieder sehr ordentliche Beispiele im Glas hat, wird man das Gefühl nicht los, dass es eigentlich noch besser ginge. Tatsache ist jedoch, dass sich immer mehr Winzer (Petrilli, Cefalicchio, Giancarlo Ceci) eingehend mit Uva di Troia beschäftigen und es nur eine Frage der Zeit ist, bis erste, wirklich große Weine, das Licht der Welt erblicken.

Auch wenn sich in Apulien immer wieder kleine Weißweinenklaven (Valle d’Itrai und Gravina in der Murgia, einer karstartigen, kargen, von Schafen, Gestrüpp und Oliven geprägten Region) befinden, ist die generell Weinfarbe Rot. Das macht schon deswegen Sinn, weil die natürlichen Voraussetzungen der meisten Zonen von extrem warmen Bedingungen geprägt sind und die immensen Alkoholgradationen und kaum vorhandenen Säurewerte nur durch entsprechendes Tannin gepuffert werden können – oder eben gar nicht. In der Gegend um Taranto, in Móttola und Manduria wählt man generell den kompromisslosen Weg. Alkoholwerte jenseits der üblichen Schallmauer von 15% sind die Regel und nicht die Ausnahme. Eine paar wenige Winzer (allen voran Pantun) schaffen es trotzdem, aus diesen Vorgaben nicht nur trinkbare, sondern gute und ausbalancierte Weine zu keltern, die freilich nie elegant sondern stets üppig, intensiv, dunkel und warm wirken. Hinzu kommen ein paar Bilderstürmer, die erstaunlicherweise die Gegend um Manduria auserwählt haben, um sämtliche Facetten des Primitivo auszuloten: dafür setzen sie (Mille Una, Gianfranco Fino, Mottola, Attanasio) auf biologische Bewirtschaftung in den Weingärten, alte, oft im klassischen apulischen albarello erzogene Rebstöcke, niedrige Erträge und Handlese und keltern daraus Weine, die den üblichen Attributen der Region noch Struktur, Saftigkeit und Zukunft hinzufügen – sich allerdings auch verständlicher- und verdienterweise außerhalb des klassischen Preisgefüges der Region befinden.

50 Kilometer nördlich von Taranto liegt Gioia del Colle, die zweite Bastion und ursprüngliche Heimat des apulischen Primitivo. Die Bedingungen sind gänzlich andere. Die tongeprägten Böden der Manduria sind in einen Kalksockel übergegangen, der sich 250, manchmal aber auch 400 Meter über dem Meer befindet und auf dem der Primitivo zwar nicht friert aber doch wesentliche kühlere Bedingungen vorfindet. In den Weinen spiegelt sich das naheliegenderweise wieder – sie sind frischer, bekömmlicher und lebendiger und auch wenn die Gradationen meist jenseits der 14,5% Marke liegen, werden sie doch von balancierender Säure gepuffert. In seiner extremsten aber auch besten Form sind sie – auch wenn man es kaum glauben will – sogar elegant. Bestes Beispiel dafür sind die Primitivointerpretationen von Cristiano Guttarolo, der mit seinen Weinen nicht nur den Winzern der Manduria, sondern auch denen rund um Gioia di Colle einen beeindruckenden und unbedingt zu probierenden Gegenentwurf liefert. Neben Primitivo gelingen auch die weißen Versionen (Minutolo, Verdeca) in dieser Ecke Apuliens oft erstaunlich gut (auch hier setzt Guttarolos Amphorenverdeca den Maßstab).

Östlich der Primitivowelten schließt das Salento die grob gegleiderten Weinregionen Apuliens bis zum Stiefelabsatz hin ab. So schön und kulinarisch spannend die Gegend zwischen ionischem Meer und Adria auch sein mag, so unspektakulär präsentiert sie sich in vitikultureller Hinsicht. Primitivo gibt es zwar auch dort, die wesentlich wichtigere Rebsorte ist allerdings Negroamaro, die immer wieder von Malvasia Nera und Montepulciano ergänzt wird. Im besten Fall bekommt man es mit weichen, runden und dunkelwürzigen Weinen zu tun, die als rosato oft besser schmecken als in der klassischen roten Version. Doch wie fast überall in Italien regt sich auch hier Widerstand gegen den Durchschnitt. Viele Winzer stellen auf biologische Bewirtschaftungsmethoden um, andere beginnen auch im Keller experimenteller zu arbeiten und dabei Charakter und Originalität von Region und Sorte zu betonen. Ein alter Mann weist dabei den Weg. Natalino del Prete zeigt mit seinen kompromisslos natürlichen Vinifizierungen (wilde Hefen, keine Enyzme, keine Temperaturkontrolle, Ausbau in großem Holz, keine Schönungen) wohin die Reise führen könnte – weg von plumpen, von überreifen Fruchtaromen und zuviel Alkohol geprägten Weine, hin zu vitalen, saftigen und animierenden Versionen.

Amphoren Guttarolo

DIE WINZER AUS APULIEN