FONDO SAN GIUSEPPE

Fondo San Giuseppe
Via Tura, 48013 Brisighella
tel. +39 392 9887690
http://www.fondosangiuseppe.it
info@fondosangiuseppe.it

Brisighella ist eines dieser Dörfer, über die man eigentlich nicht schreiben sollte, da ansonsten wirklich noch tonnenweise Touristen hinkommen und ihnen Ruhe und Schönheit austreiben. Ich mache es trotzdem (auch weil die Winzer dauernd raunzen, wie schlecht es ihnen im Vergleich zur Toskana geht). Olivenhaine ziehen sich über Hügelkuppen und werden gelegentlich von Weingärten und Wäldern durchbrochen, während unten im Tal der Lamone dahinblubbert. Das war auch das Bild das Stefano Bariani im Kopf hatte, als er sich vor einigen Jahren dazu entschloss seine beratende Tätigkeit für andere Winzer an den Nagel zu hängen und seine eigene Winzervisionen Wirklichkeit werden zu lassen. 2008 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Mariagrazia Rizzati den Fondo San Giuseppe, ein knapp fünf Hektar umfassendes Weingut hoch oben in den romagnolischen Hügeln, ein paar wenige Kilometer von der toskanischen Grenze entfernt. 11 Hektar Wald kamen auch noch dazu, die sich wie ein schützender Wall um seine Weingärten legen.

Stefano fühlte sich von der ersten Sekunde weg den ethischen Fundamenten der Naturweinbewegung verpflichtet. Seit seiner Studentenzeit (Agrarwissenschaften in Bologna) hegt er Zweifel und Abneigung gegenüber dem Einsatz systemisch wirkender Chemikalien, vertraut vielmehr auf die Prinzipien der Biodynamik und blickt auch nicht ungern in die agrarischen Annalen des 18. Jahrhundert, als man noch totalen Verzicht üben konnte (und musste – allerdings gab es damals weder Falschen noch Echten Mehltau, weshalb minimale Schwefel- und Kupfermengen in Stefanos Weingarten zum Einsatz kommen).

Die Rebstöcke wurzeln in einer Mischung aus Ton und Sand, wobei sich teilweise eine ganze Menge Kalk und organische Substanzen dazumengen. Die relativ kühle Positionierung hoch oben in den Hügeln hat zur Folge, dass sich Stefano vor allem mit weißen Rebsorten auseinanderzusetzen hat: mit der Albana, dem völlig unterschätzten Urklassiker der Romagna, bekannt vor allem für ihre süßen Interpretation aber trocken mindestens genauso spannend, vor allem aber auch mit einem ungewöhnlichen Trio internationaler Sorten. So hat Stefano neben Chardonnay auch eine, zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftige Rieslingversion auf Lager und einen beeindruckenden, weil delikaten und filigranen Marsanne. Die roten Trauben sind ganz der Region verpflichtet und so bekannt wie das Städtchen selbst: die rote Albana ergibt gemeinsam mit Centesemino den Collamina, eine erstaunlich tanninige Cuvée, rotbeerig und ledrig.

Der Tradition wird auch im Keller Tribut gezollt. Stefano lässt die Beeren über Nacht stehen (natürliche Kühlung) rebelt danach, presst sanft und lässt sowohl Gärung wie auch weiterführend den Ausbau in 1000 Liter umfassenden Zementtanks ablaufen. Die Temperatur wird dabei nicht reguliert, SO₂ gibt es erst vor der Füllung. Auf jegliche andere Art von Additiva wie Gummi Arabicum, pektolytische Enzyme, Gelatine, Isinglass, Lactalbumin, Milchsäurebakterien, Lysozyme und was es halt sonst noch gibt, wird gerne verzichtet. Im Allgemeinen erfahren die Weine eine natürliche Klärung, weshalb sich in den Weinen auch beizeiten ein kleines Depot bilden kann, beizeiten allerdings verwendet Stefano auch ein wenig Bentonit. Eine grobe Filterung findet vor der Füllung statt. Generell sind Stefanos Weine auf der fruchtigen Seite angesiedelt, wobei steinige und oft auch dezent kräutrige Noten das Aromaspektrum immer wieder erweitern, die Textur ist frisch, lebendig und doch gehaltvoll.

Der Fondo San Giuseppe ist Mitglied der Bioviticultori

WEINE

Téra (Albana)
Fiorile (Albana)
Ciarla (Riesling)
Caramore (Chardonnay)
Rundinera (Marsanne)
Esor (Chardonnay/Moscato Rosa)
Collanima (Albana Rossa, Centesemino)
Vocame (Alabana Rossa, Centesemino – süß)

Jahresproduktion: 7000 Flaschen
Rebsorten: Albana, Riesling, Chardonnay, Marsanne, Moscato Rosa, Albana Rossa, Centesemino
Rebfläche: 4,5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein