Hintergrund

Rossese ist sensibel, filigran, subtil und hat einen Körper wie ein tuberkulöser Intellektueller des 19. Jahrhunderts. Ihre Farbe ist so transparent wie Kontaktlinsen und heller als Blut. Nach ein paar Jahren wechselt sie in ein rostfarbenes Orange. Sie altert mittelmäßig, oxidiert leicht und macht nur Arbeit. Dass es insgesamt also nur knapp 80 ha davon gibt, ist nachvollziehbar. Dass daraus trotzdem einer der besten leichten Rotweine Italiens gekeltert wird, ist bemerkenswert und zumindest erklärungsbedürftig.

Wobei auch das nicht ganz leicht fällt. Woran es nun genau liegt, dass Antonio Perrino mit seinem Testalonga Rossese di Dolceacqua Welten zu öffnen versteht, weiß vermutlich nur er allein – und Antonio ist diesbezüglich nicht besonders gesprächig. Also stellen wir ein paar Vermutungen an und hoffen, dass ein paar davon ins Schwarze treffen. Da ist zuallererst der Winzer selbst. 2018 steht seine 57. Lese an, man kann also davon ausgehen, dass er weiß, was er tut. Trends und Moden interessieren ihn nicht, er macht seit jeher ganz einfach das, was er für richtig hält und was ihm schmeckt. Nachdem er gerade einmal über einen Hektar verfügt, erledigt er alles per Hand. Er arbeitet biologisch, wobei er sich nie zertifizieren hat lassen. Sein Weingarten ist steil und baut auf einem Gestein, das er selbst sgruttu nennt, während Geologen Flysch dazu sagen. Das Meer ist nah, das Gebirge ebenfalls und die Thermik beider trägt mit Sicherheit zur Eleganz bei. Im  Keller, der in Wirklichkeit seine Garage ist, lässt er den Wein in aller Ruhe werden. Die Vergärung ist spontan, der Ausbau in kleinen, gebrauchten Holzfässern. Gefiltert und geschwefelt wird nicht.

Stil

Transparent und hell, ein Wein, wie unter einem roten Schleier. Wilde Erdbeeren, Rosen, Macchia und Salz setzen die Geruchs- und Geschmacksnoten. Das Tannin ist samtig und weich, die Säure pulsiert, drängt sich jedoch nie in den Vordergrund. Die Textur wirkt geschmeidig und dabei doch erhaben, der Körper ist elegant. Trinkfluss kombiniert sich mit Substanz und Tiefe, das Finale ist kräuterbetont und nachhaltig.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Rossese
Bewirtschaftungsart: nicht zertifiziert
Weingarten: Steile Einzellage über Dolceacqua. Nahe am Meer und quasi schon im Gebirge und folglich von beiden beeinflusst. Sandige Verwitterungsböden, Flysch. Alte Rebstöcke (50 Jahre+) Erziehungssystem: Albarello;
Lese: Per Hand in 25 Kilo fassende Kisten
Vergärung: Spontan | wilde Hefen, ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: Achtzehntägige Mazeration, 18 Monate in gebrauchten Holzfässern
Filtration: Nein
SO:Ungeschwefelt
Alkoholgehalt: 14,00 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 14-16 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2026