La Visciola – Cesanese aus der Ciociaria (Lazio)

Piero Macciocca und Rosa Alessandri und ihr Weingut La Visciola sind in Piglio zu Hause. In den Weingärten rund um den kleinen Ort entstehen die mitunter besten Rotweine des Latiums. Die sind – obwohl seit 2008 immerhin DOCG – zwar außerhalb der Region quasi unbekannt, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Verdient wäre es allemal. Was zum einen an Personen wie Piero und Rosa liegt, zum anderen aber auch an Cesanese, der großen roten Rebsorte Piglios. Piero und Rosa machen die vielleicht besten, ganz sicher aber die elegantesten Cesanese – was nicht immer ganz leicht ist, tendiert die Sorte doch dazu, reichlich Zucker in ihren Trauben einzulagern und folglich recht alkoholreiche Weine zu ergeben.

Palazzo Tronconi – Lazio autochthon

Palazzo Tronconi ist ein Gesamtkunstwerk. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil es das Weingut erst seit 2010 gibt. Es geht auf die Kappe von Marco Marrocco und ist, anders als es der Name suggeriert, kein altes Gemäuer, sondern perfekt in die Landschaft eingepasste Gegenwartsarchitektur. Darin befinden sich ein Restaurant und die Kellerei, in der derzeit acht verschiedene Weine vinifiziert werden, die abgesehen davon, dass sie durch die Bank sehr gut schmecken, auch eine Kulturleistung darstellen. Zum einen weil Marco seine Weingärten biodynamisch bewirtschaftet, vielmehr aber weil er sie mit Rebsorten bepflanzt hat, die einen weiten Blick zurück in die Weingeschichte des Latiums werfen. 

Raina – Sagrantino & Trebbiano spoletino (Umbrien)

Raína, soviel sei schon einmal vorausgeschickt, gehört zu den besten Weingütern Umbriens und Zentralitaliens – und zwar nicht nur in einem, ausschließlich auf den Wein bezogenen, qualitativen Sinne, sondern in seiner gesamten Herangehensweise und Konzeption. Es geht auf die Kappe von Francesco Mariani, einem diplomierten Philosophen, der jahrelang als Koch in italienischen Top-Restaurants arbeitete, ehe er zum Weinbauern mutierte. Er erwarb das 10 Hektar Weingärten umfassende Weingut in Turri di Montefalco 2001 und gab ihm den Spitznamen des einstigen Besitzers – nicht die einzige Referenz an die Vergangenheit.

Weinbars in Italien

Man kann in Rom, Bologna oder Venedig natürlich auch andere Dinge tun, als in Weinbars herumzuhängen. Es spricht aber auch nichts dagegen, abends statt in einem Cafè am Markusplatz oder an der Piazza Navona über den Tisch gezogen zu werden, im Santo Bevitore oder im Pentagrappolo am Tresen zu hocken und sich durch die besten Weine des Landes zu trinken.

Wohnen bei Winzern

Wohnen bei Winzern ist mitunter das beste, was einem passieren kann. Vor allem dann, wenn es gute Winzer sind. Und schöne Unterkünfte. Die liegen zwar meistens ein wenig abseits vom Schuss, aber dafür wird man, wenn alles glatt läuft, in die Kunst der Weinwerdung eingeführt, hat ansonsten seine Ruhe und kriegt zu jeder Tages- und Nachtzeit problemlos Nachschub.

Weine kaufen - vinonudo online

vinonudo geht auf das Konto von Dominik Portune, einem langjährigen Weggefährten auf der Suche nach biologisch und biodynamisch hergestellten Weinen aus Italien. Viele der Weine, die sich in seinem Laden befinden, haben wir zusammen entdeckt; für einige haben wir auch gemeinsam recherchiert und Beschreibungen verfasst, die sich nun hier und dort finden. Wem an puristischen, animierenden, vitalen und tiefgründigen Weinen von handwerklich arbeitenden Winzern liegt, dem sei vinonudo wärmstens empfohlen.  

Sardinien und seine Winzer

Sardinien, meinen die Sarden, sei ein Kontinent für sich. Das mag für all jene, die vom Festland rüber auf die 24000 qkm große Insel schauen, maßlos übertrieben klingen, ist man allerdings erstmal dort, kann man dieser Einschätzung allerdings einiges abgewinnen. Vermutlich war diese Wahrnehmung vor ein paar Jahrzehnten (und Jahrhunderten sowieso) noch wesentlich ausgeprägter, als man sich, fernab vom Festland und vom Fernseher, zumindest in weiten Teilen des Landes auf sardisch unterhielt und ansonsten in Dialekten, die oft mehr französische als italienische Anklänge hatten.

Die geographische Sonderstellung mitten im Mittelmeer und die topographische Konstellation der Insel sorgten jedenfalls dafür, dass es in vielen Teilen der Insel Einflüsse von außen nur selten gab. Setzte sich jedoch irgendwann ein Habitus durch, dann blieb er auch, wurde weiter kultiviert und irgendwann auch Bestandteil sardischer Identität. Kulinarisch spiegelt sich das in einer völlig eigenständigen Esskultur wider, die zwar gelegentliche Überschneidungen mit der italienischen Küche aufweist, meist jedoch ganz eigene Wege eingeschlagen hat.

Seit gut 3000 Jahren wird auf Sardinien Wein gekeltert, länger als irgendwo sonst im heutigen Italien. Verantwortlich dafür dürften zuallererst die Phönizier gewesen sein, die nicht nur Cagliari gründeten, sondern auch ein paar Rebstöcke in die Böden der Insel setzten. Sollte es sich dabei tatsächlich um Nuragus und Malvasia gehandelt haben – wie nicht nur eingefleischte Sarden, sondern auch seriöse Ampelographen behaupten –  wären die beiden auch heute noch gerne kultivierte Sorten, die mitunter ältesten der Welt. Etrusker, Punier, Römer, Byzantiner, Araber und Spanier machten damit weiter und sorgten zudem auch immer wieder für neue Anpflanzungen. Auf das Konto der Spanier geht beispielsweise Monica, lokal auch Mora di Spagna genannt, die heute in Punkto Quantität drittwichtigste Sorte der Insel, vor allem aber Cannonau, international besser bekannt unter den Namen Grenache oder Garnacha. Cannonau dürfte im Zuge der Eroberung Algheros 1354 durch Peter IV von Aragon nach Sardinien gebracht worden sein. Im Laufe der Jahrhunderte hat sie dann langsam ihren Siegeszug über die gesamte Insel angetreten; 7700 Hektar Rebfläche legen davon Zeugnis ab.