Stefano Amerighi

Stefano Amerighi macht die beiden besten Syrah Italiens.
Keine üppig-aufgeblasenen in aufgerüsteten und hochtechnisierten Kellern entstandenen Versionen, sondern puristisch-elegante Syrah, die auf den besten Methoden und Traditionen der lokalen Bauernschaft basieren.
Lokal bedeutet in seinem Fall Cortona im äußersten Südosten der Toskana, auf halbem Weg zwischen Siena und Perugia. Touristen verirren sich nur selten hierher und das obwohl die Ecke zu den schönsten der Toskana zählt.
Stefano ist seit 2002 in Cortona zu Hause, genauer in Poggiobello di Farneta. Dort gehören ihm mittlerweile knapp 10 Hektar Land, dessen Zentrum zwei nach Südwesten schauende Hügel ausmachen. Darin wurzeln vor allem Syrahrebstöcke, die er zertifiziert biodynamisch bewirtschaftet. Den Rest des Landes nehmen Obstbäume, Getreidefelder und Gemüsegärten ein.
Nach mittlerweile knapp 20 Jahren ist so ein sich im Gleichgewicht befindliches Umfeld entstanden, das ihm genau das Rohmaterial bietet, das er für seine Idee eines terroirgeprägten Syrah haben will.
Per Hand gelesen, wird es teils mit den Füßen eingemaischt, teils mit den ganzen Trauben spontan und ohne Temperaturkontrolle in Zementzisternen vergoren. Der Ausbau findet über zwei Jahre hinweg in Zement- und großen Holzfässern statt.
Für gewöhnlich reduziert er sich dabei auf einen einzigen, ganz simpel Syrah genannten Wein. Nur in Ausnahmejahren fügt er dem noch den „Apice“, einen über insgesamt fünf Jahre in Fass und Flasche ausgebauten Lagensyrah (Vigneto dei Canonici), hinzu.

Die Weine

Syrah: Auf zwei nach Südwesten schauenden Hügeln entstanden. Teils mit den Füßen angequetscht, teils mit den ganzen Trauben ohne Temperaturkontrolle in Zementbottichen spontan vergoren und in Zement und Holz ausgebaut. Saftig, kühl-strukturiert, präzis. Rote Früchte, dunkle Gewürze. Pfeffer. Dicht und fokussiert. Ausgewogen und weich. Druckvoll und lang. Hat Potenzial für ein paar Jahrzehnte.

Syrah Apice: Stammt aus einem ausgesuchten Weingarten, den Vigneto dei Canonici, der zwar mehr Sonne aber eine kühlere Thermik als seine anderen Weingärten hat. Das führt zu einem gleichermaßen straffen wie auch kraftvollen Körper und vielschichtigen Aromen. Intensiv, konzentriert und doch elegant. Obwohl er erst nach 5 Jahren in die Regale kommt, lohnt sich Geduld. Ist wie der Syrah vinifiziert, einzig die Ausbauzeit ist etwas länger.

Kontakt

Amerighi Stefano
Poggiobello di Farneta – 52044 Cortona (AR)
Tel. +39 0575 648340 – Mob:. +39 335 6095187 – Fax +39 0575 642828
info@stefanoamerighi.it
www.stefanoamerighi.it

Datenblatt

Rebsorten: Syrah
Rebfläche: 8 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja (Demeter)
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Weingut

Valentino Dibenedetto ist kein gewöhnlicher Weinbauer. Zwar keltert auch er eine Batterie optimaler Weine, doch unterscheidet ihn das nicht allzu sehr von anderen, die das ebenfalls regelmäßig hinbekommen. 

Vielmehr ist es sein landwirtschaftlicher Ansatz, durch den er sich von anderen Winzern abhebt. Und auch sein Wille stets noch einen Schritt weiterzugehen und weiterzudenken. Schon in den 1980er Jahren begann er – damals gemeinsam mit seinem Vater Carlo – die Weingärten biologisch zu kultivieren. Nach der Lektüre von Rudolf Steiners Schriften über die Landwirtschaft stellte er auf biodynamische Bewirtschaftung um, später – nach dem Studium der Bücher Masanobu Fukuokas – sich an der Permakultur zu probieren. 

Mittlerweile betreibt er „agricoltura sinergica“ – synergetische Landwirtschaft – bei der es in wenigen und vermutlich zu simplifizierenden Worten darum geht, dass sich die Bodengesundheit einzig durch ein reziprokes Verständnis der Pflanzen miteinander einstellt. Natürlicher Humusaufbau durch fallendes Laub oder spontan wachsende Kräuter hat oberste Priorität. Die Eingriffe sind minimal. Er verzichtet auf schweres Gerät, um die Böden nicht zu verdichten und lässt die Finger von Pestiziden & Co.

Auf diese Art und Weise pflegt er gemeinsam mit Frau und Kindern in der apulischen Murgia, einer felsig-kalkigen Hochebene zwischen Bari und Taranto, erstaunliche 25 Hektar Rebfläche. In ihnen wächst eine Batterie lokaler Sorten, die sich nicht in Primitivo und Negroamaro erschöpft, sondern auch Susumaniello, Greco, Aglianico, Fiano, Verdeco, Maresco und Marchione Platz einräumt. 

Nachdem Valentino im Weingarten auf Chemikalien jeglicher Art verzichtet, lässt er naheliegenderweise auch im Keller – mit Ausnahme von ein wenig SO2 vor der Füllung – die Finger davon. 

So entsteht ein 13-teiliges Panorama meist reinsortig vinifizierter Weine (10 Stillweine, 3 Schaumweine), die in ihrer Klarheit, Präzision und Straffheit einen erstaunlich-vitalen Gegenentwurf zu den oft üppig-fetten Interpretationen liefert, die man sonst aus der Gegend kennt.

Weine

Litrotto bianco: Wie der Quotiano von La Felce und der Litrozzo von Le Coste ein Wein für die Leute der Umgebung: aus vier weißen Rebsorten (Verdeco, Falanghina, Marchione und Fiano) gekeltert, im Liter abgefüllt, günstig, ein Tischwein, einfach aber nie banal. Suggeriert Zitrusaromen, Blüten, Kräuter und gelbe Früchte.  

Litrotto rosso: Das rote Pendant. Die Basis dafür stammt aus Montepulciano, Merlot, CS, Primitivo und Susumaniello. Ungeschönt und ungefiltert. Rote Früchte, Kräuter, Unterholz, straff aber stoffig.

Fiano: Nicht aus Fiano di Avellino, dem viel berühmteren Namensbruder, sondern aus Fiano Minutolo gekeltert. Ungeschönt, ungefiltert und ohne die Beigabe von Sulfiten abgefüllt. Salzig, kräuterig. Macht ordentlich Druck am Gaumen. Ist persistent, saftig und vom Kalk geprägt. Top.

Verdeca Sette Lune: Nach sieben Monden (ein Tribut an Winnetou?), also ungefähr sieben Monaten Schalenkontakt abgepresst. Verdeca ist eine der spannendsten weißen Rebsorten des italienischen Südens, die sowohl mazeriert wie auch klassisch weiß richtig gute Weine ergibt. Floral, kräuterig, Laub, Grapefruit. Hat Grip und Säure.

Aglianico: Anders als die Versionen, die man für gewöhnlich aus Kampanien bekommt. Weniger opulent und auch niedriger im Tannin. Dafür halt auch eleganter und nicht so erschlagend. War erst zwei Jahre im Edelstahl und danach noch zwei Jahre im gebrauchten Holzfass. Brombeeren, Pfeffer, Gewürznelken, Kräuter. Fließt stoffig und mit genau der richtig Menge Säure über den Gaumen. 

Niuru Maru: 100% Negroamaro. Abbild seines Terroirs. Das ist, anders als im Salento, der eigentlichen Heimat des Negroamaro, wesentlich kühler und von Kalk geprägt. Der Niuru Maru ist folglich straff und saftig, mit lebendiger Frucht, feiner Säure und erfrischendem Trinkfluss.

Daneben gibt es auch noch einen gleichfalls erstaunlich leichtfüßigen Primitivo, eine Primitivo-Agianico Cuvèe, einen exzellenten Greco, über den die Autoren des brillanten Buches Vini da scoprire eine Laudatio geschrieben haben und die drei Spumante, die ich allerdings noch nie probiert habe.

Die Weine von L’Archetipo gibt es bei vinifero in Wien und bei callmeweine in Italien. Sie kosten zwischen 10 und 18 Euro.     

L'Archetipo

C.da Tafuri sp21, km7
Coordinate
16° 51’ 40,00’’ Est
40° 41’ 19,00’’ Nord

Castellaneta Taranto/Puglia 74011
Tel:+39 3286014607
email: info@larchetipo.it
www.larchetipo.it

Datenblatt

Rebsorten: Greco, Fiano minutolo, Verdeca, Marchione, Susumaniello, Primitivo, Negroamaro, Aglianico, Merlot, CS
Rebfläche: 25 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Weine erzählen: Guarini Plus 2016

Hintergrund: Der Guarini Plus ist Aldo Violas Leidenschaft für Syrah geschuldet. Überzeugt davon, dass die Sorte in gut ventilierten und nach Norden exponierten Lagen auch in Sizilien exzellente Ergebnisse zeitigen könnte, machte er sich vor gut zwei Jahrzehnten auf die Suche und wurde in Feudo Guarini fündig, einem mikroskopischen Ort, 30 Kilometer von seinem Weingut in Alcamo entfernt. Nachdem Aldo kein Mann für halbe Sachen ist, setzte er neben ein paar bereits vorhandene Stöcke gleich noch ein paar Hektar mehr aus, sodass Syrah heute gut die Hälfte seiner Rebfläche einnimmt. Die Exposition weist wie gewünscht in Richtung Norden, die Böden sind von Kalk & Ton geprägt. Das Klima ist so trocken und warm, dass er in normalen Jahren lediglich zweimal auf den Traktor steigt und Schwefel gegen Oidium ausbringt. Kupfer gegen Peronospora verwendet er für gewöhnlich überhaupt nicht. Trotz der trockenen Bedingungen verzichtet Aldo auf Bewässerung („haben wir nie gemacht“) und setzt auf die natürliche Überlebensinstinkte der Rebe.

Im Keller werden die Trauben bei 25-30° spontan vergoren. Der fertige Wein wird danach in neue und gebrauchte 600 und 800-Liter-Tonneaux  umgezogen, wo er für 6 Monate ohne jegliche Intervention reift. Der Guarini Plus wird weder geschönt, gefiltert noch geschwefelt.

Stil: Dunkel, elegant, vertikal & dunkelfruchtig und mediterran. Aldo Viola gelingt es mit dem Guarini Plus in der Hitze Siziliens einen strukturierten und puristischen Syrah zu keltern, der eine Brücke zwischen den Aromen des südlichen Languedoc und der Textur der nördlichen Rhone baut. Am Gaumen kombiniert sich kompaktes Tannin mit einem stoffigen und samtigen Körper.

Datenblatt

Rebsorte: Syrah
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Guarini, Kalk- & Tonböden, Nordexposition, auf 350 Meter Seehöhe
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan     | wilde Hefen, in Edelstahl
Ausbau: 6 Monate im 600/800-Liter Tonneaux
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt, freies SO₂: 0 mg/l, Gesamt-SO₂: 3 mg/l
Alkoholgehalt: 14 % vol.
Säure: 6 g/l
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 15-17 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

 

Den Guarini Plus gibt es bei vinonudo in Wien

Vernaccia di San Gimignano ist eine weiße Insel in einem roten Meer. Zwar haben die meisten Weingüter quer durch die Toskana auch weiße Rebsorten (an der Küste vor allem Vermentino und Ansonica, in den Hügeln des Chianti Trebbiano Toscano und Malvasia di Chianti) im Sortiment, doch spielen sie quasi flächendeckend nur Nebenrollen gegen den omnipräsenten Sangiovese und seine roten Weggefährten. 

Rund um San Gimignano ist das anders. Dort heißt die klare Nummer eins Vernaccia. Sie wurde  1966 in den DOC-Status und 1993 in den DOCG-Status erhoben, was allerdings nichts daran ändert, dass ich mich eigentlich nie mit ihr anfreunden konnte. Die leichten Versionen waren oft zu nichtsagend und simpel, die gewichtigen Versionen zu holzbetont (was auch an der unsinnigen Verordnung liegt, dass Vernacciareserven für ein Jahr ins Holzfass wandern müssen.).

Den goldenen Mittelweg scheint Federico Montagnani gefunden zu haben. Der keltert Vernaccia, der – subtil und feingestrickt aber substantiell – Licht ins Dunkel der Sorte wirft.

Federicos Familie besitzt seit 1685 Land in San Gimignano und es steht zu vermuten, dass sich bereits damals Vernaccia in ihren Weingärten befand. Richtig ernst wurde es mit Federicos Großvater Dino, der 1966 – anlässlich der Verleihung des DOC-Status – seine Fassweine erstmals in Flaschen füllte. Federico stieg 2006, nach einigen Lehrjahren in anderen Weingütern, bei sich zu Hause ein. Von Anfang an setzte er ohne Kompromisse auf biologische Bewirtschaftung: nicht nur in den sieben, mit Reben bepflanzten Hektar, auch in den Olivenhainen, Getreidefeldern und Safrananpflanzungen.

Vernaccia spielt in den Weingärten naturgemäß die Hauptrolle. Sie werden größtenteils in Alberello und Guyot erzogen, nachdem Federico erkannt hatte, dass die zudem praktizierte Kordon-Erziehung zu kompakte und folglich recht krankheitsanfälligere Trauben produzierte. Die Weingärten sind mit Leguminosen begrünt; an ihren Rändern stehen Obst- und Olivenbäume, die Refugien für Vögel und Insekten bilden.

Vernaccia ist jedoch nicht die einzige Sorte, die es darin gibt. Seit Generationen befinden sich in den ältesten Weingärten auch einige Reihen einer Rebsorte, von der niemand weiß, wie sie dorthin gekommen ist und deren Namen – bis vor kurzem – niemand kannte. Gemeinsam mit Ampelographen aus dem Veneto machte sich Federico daran ihre Identität zu bestimmen und entdeckte schließlich, dass es sich um Verdacchio handelte, eine Sorte, die man eigentlich für ausgestorben (sagt man bei Pflanzen so) hielt – und die es anscheinend nur noch bei ihm gibt. Sich seiner Verantwortung bewusst, keltert er daraus seither einen in der Flasche vergorenen Frizzante (rifermentato). 

Die beiden Vernaccia vergärt er hingegen spontan zu klassischen Weißweinen und baut sie über ein knappes Jahr in Zementbottichen aus.

Co’l Botto

Verdacchio! Der einzige seiner Art. Uralte Rebstöcke. Erstgärung in Zement, Zweigärung in der Flasche. Nicht degorgiert. Steinig. Mineralisch im eigentlichen Sinne. Zitrusnoten. Kalk. Sehr straff und animierend. Druckvolles und belebendes Finish. 

Vernaccia Assolo

Aus den Trauben seines ältestes Weingarten gekeltert. In Zement vergoren und ausgebaut. Stoffig, saftig und profund. Nie aufdringliche Blütennoten. Balsamisch. Grapefruit. Minze. Am Gaumen exotische Anklänge. Druckvoll-langer Abgang. Federicos bester Wein.  

Vernaccia Frammenti

Spontane Vergärung im Stahltank. Ausbau in Zement. Etwas einfacher gestrickt als der Assolo. Floral, Zitrusaromen, Salz. Knochentrocken. Stahlig. Hat Substanz und Energie. Fließt belebend über den Gaumen. Perfekter Begleiter zu Fisch.

Kontakt

Federico Montagnani
Località Casale 36, San Gimignano
+ 39 3467514155 / +39 346512363
tenutamontagnani@gmail.com

Datenblatt

Rebsorten: Vernaccia, Verdacchio
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Fattoria di Bacchereto

Viel Geschichte und zwei Monumente

Die Fattoria Bacchereto liegt in Montalbano, ein paar Hügel westlich von Florenz auf dem Weg nach Pisa. Die Geschichte hat hier gleich in mehrfacher Hinsicht ihre Spuren hinterlassen. Das 167 Hektar große Anwesen von Rossella Bencini Tesi, in dem Olivenbäume auf 60 Hektar die Hauptrolle spielen und Wein auf acht Hektar nur eine vermeintlich untergeordnete Rolle einnimmt, war in seiner Blütezeit das Jagdquartier der Medici. 

Katharina von Medici, ab 1547 Regentin von Frankreich, ließ in seinen Weingärten Cabernet Sauvignon anpflanzen, der auch heute noch in quasi jede Cuvée der Gegend einfließt – nicht aus modischen Gründen, sondern weil es ihn eben immer schon gab (angeblich nennen die alten Weinbauern Cabernet Sauvignon aufgrund seiner Herkunft hier immer noch uva francesca). Die Gegend heißt übrigens Carmignano und ist, gemeinsam mit dem klassischen Chianti, Val d’Arno di Sopra und Pomino, das älteste geschützte Herkunftsgebiet der Welt. Schon im frühen 18. Jahrhundert hielt man die Weine für die mitunter besten der Toskana. 1716 ließ Cosimo III de Medici das Gebiet genau begrenzen und Direktiven für die Weinbauern verfassen – mehr als 200 Jahre bevor man in Frankreich auf die Idee kam, die Appellation d’Origine Contrôlée, die geschützten Herkunftsgebiete, einzuführen.

Heute keltern Rossella Bencini Tesi und ihr kongenialer Kellermeister Marco Vannucci in der Fattoria di Bacchereto Weine, die vermutlich auch den Medici geschmeckt hätten. Sie setzen dabei auf die, seit jeher in der Gegend beheimateten Rebsorten – Sangiovese, Canaiolo und Cabernet Sauvignon (rot), Trebbiano und Malvasia (weiß) –, die in mittlerweile seit gut 15 Jahren biodynamisch kultivierten Weingärten heranreifen. Sangiovese in einem, kühlen, nach Osten hin ausgerichteten, vor allem auf Ton basierenden Weingarten, Malvasia und Trebbiano in einem ebenfalls nach Osten exponierten und von Alberese, der klassischer Kalkform der Toskana, durchsetzten Boden. Die Canaiolo- und Cabernet Sauvignon-Reben wurzeln ebenfalls in Alberese, schauen jedoch in die Mittagssonne.  

Daraus werden insgesamt nur ein Rotwein, ein Weißwein und ein Süßwein produziert. Zumindest die trockenen Weine gehören zum Besten, was die Toskana in diesen Kategorien zu bieten hat (den Süßwein kenne ich nicht). Während der Vinifikation wird generell kaum interveniert – die Gärung läuft spontan und ohne Temperaturkontrolle in Zementbottichen ab, der Ausbau findet über 18 Monate hinweg in 350-Liter fassenden gebrauchten Holzfässern und für weitere 6 Monate in der Flasche statt. Geschönt und gefiltert wird nicht, geschwefelt wenig.

Die Weine

Terra a Mano 2015: 75% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon, 10% Canaiolo. Schon in der Nase intensiv, kraftvoll und tief. Balsamische Noten, Kräuter und rote Früchte. Ausdrucksstark, fleischig und druckvoll. Hat trotz seiner Dichte und Energie Trinkfluss. Ist erdig und dunkel am Gaumen. Lang und nachhaltig. Toll. Bei callmewine.com für € 27,50 plus Versandkosten zu haben.

Sassocarlo 2016: 80% Trebbiano, 20% Malvasia di Chianti. Hat wie das rote Pendant Power und Energie. Breit, warm und gehaltvoll, hat dank einer kurzen Maischegärung allerdings auch eine kompakte Textur. Kräuter, reife, gelbe, Frucht, weich und persistent. Ein extrem gelungener Gegenentwurf zum Trend immer mehr Eleganz in die Flasche zu bringen und dabei bisweilen zu dünne Weine zu produzieren. Bei callmewine.com für € 31,50 plus Versandkosten zu haben.

Fattoria di Bacchereto

Rossella Bencini Tesi
Via Fonte Morana 179
59015 Bacchereto
Tel: +39 338 873 9577

Datenblatt

Rebsorten: Sangiovese, Canaiolo nero, Cabernet Sauvignon, Trebbiano, Malvasia
Rebfläche: 8 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Das Quinto Quarto, das fünfte Viertel, ist eigentlich ein Ausdruck aus der italienischen Volksküche und bezeichnet die Teile des Tieres, die nicht zu den „Tagli nobili“, den edlen Stücken gehören. Vor allem also Innereien, aber auch Füße (Zampone – eine winterliche Spezialität in der Emilia), Schwänze, Köpfe und im Grunde einfach alles, was sich essen lässt. Geprägt haben den Begriff meines Wissens die Römer, finden tun sich Abwandlungen des Quinto Quarto allerdings in ganz Italien vom Piemont bis nach Sizilien.

Franco Terpins Quinto Quarto ist ein alljährlich wechselnder Rebsortenmix, der aus den Trauben stammt, die nicht in seine Top-Serie einfließen. Das liegt nicht daran, dass die Trauben marod wären, sondern dass sie von Rebstöcken stammen, die – seiner Ansicht nach – noch zu jung sind, um ganz auf sich allein gestellt, ihr ganzes Potenzial zum Ausdruck zu bringen. Also cuvetiert er: in unserem speziellen Fall, Pinot grigio mit Pinot bianco.

Vor der Assemblage hat der Quinto Quarto einige Tage Kontakt mit seinen Schalen. Das gibt ihm Farbe, Struktur und Charakter. Nach der der Gärung baut Franco die beiden Weine separat in Stahltanks aus und cuvetiert sie nach ein paar Monaten. Die Weine sind weder geschönt noch gefiltert.

STIL

Trockenfrucht, Zimt und Apfelstrudel. Ein bisschen welkes Laub. Im Friaul. Im Herbst. In der Sonne. In der Nase. Im Mund ist dann allerdings gleich Schluss mit der Romantik. Da finden sich die süßen Aromen in einer staubtrockenen Struktur wieder. Der Gerbstoff macht ordentlich Druck und trägt Apfelstrudel & Co. geradlinig zum Gaumen. Das Territorium (Kalk) hinterlässt seine Spuren. Saftig und einladend. Begleitet tatsächlich aufs Beste Innereien.

Datenblatt

Rebsorte: Pinot grigio & Pinot bianco
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Lagen rund um das Weingut. Junge Reben. Boden: Ponka
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan     | wilde Hefen, in Edelstahltanks
Ausbau: 10 Monate in Edelstahltanks
Filtration: nein
SO: < 50 mg/l
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2025

Für gewöhnlich bei vinonudo erhältlich.

Das Weingut

Das erste Mal hörte ich von Gianluca Bergianti 2017 bei einer Verkostung in Vignola, der Stadt mit den besten Kirschen der Emilia Romagna. Luciano Saetti, seines Zeichens eine unumstößliche Größe unter den Lambruscowinzern der Region, machte mich auf ihn aufmerksam und meinte, dass ich unbedingt seine Weine probieren sollte. Gesagt, getan – und seither auch immer wieder mit großer Freude und immer neuem Interesse, da Gianluca seinem 2017 noch sehr kleinem Sortiment mittlerweile noch einige Weine mehr hinzugefügt hat.

Gianlucas Familie stammt ursprünglich aus Carpi, einer kleinen Stadt im ebenen Kernland des Lambrusco. Mit Wein hatte die Familie nie wirklich zu tun. Auch Gianluca anfangs nicht, der nach dem Liceo Ingenieurswissenschaften zu studieren begann. Nach einem Jahr sah er jedoch ein, dass Ingenieur nichts für ihn war und beschloss erstmal durch Italien zu reisen, sich umzuschauen und über seinen künftigen Weg nachzudenken. Ein halbes Jahr später schrieb er sich an der Uni Pisa in den Fächern Agrarwissenschaften und Önologie ein und dabei blieb es dann auch. Glücklicherweise, denn Gianluca ist heute einer der interessantesten (im absolut im positiven Sinne des Wortes) und besten Winzer der Emilia. Gemeinsam mit seiner Frau Simona, gleichfalls Agrarwissenschaftsabsolventin und verantwortlich für die landwirtschaftliche Produktion des insgesamt 16 Hektar großen Hofes in Gargallo (man kann ihr Gemüse Freitag nachmittag direkt ab Hof oder am Samstag am Markt in Carpi kaufen). Die Bewirtschaftung basiert seit den Anfängen auf biodynamischen Prinzipien, wobei Gianluca und Simona den Begriff traditionell bevorzugen. Der ampelographische Fokus liegt auf Salamino und Sorbara, den beiden Lambruscosorten der Gegend, die von der weißen Pignoletto und demnächst auch noch von ein wenig Trebbiano Modenese ergänzt werden.

Der Keller von Gianluca ist inspiriert von einem unweit entfernten „Kühlhaus“ aus dem 16. Jahrhundert – einem aufgeschütteten kuppelförmigen Hügel, in dem es stabil zwischen 14 und 16°C hat. Darin vinifiziert er mittlerweile insgesamt sieben Weine, fünf sprudelnde Frizzante & Spumante und zwei weiße Stillweine, mehrere davon in Betoncleyver. Die Gärung ist durch die Bank spontan, die Eingriffe sind minimal (keine Schönung und Filterung, wenig Schwefel). Generell sind die Weine extrem elegant, griffig, mit knackiger Säure, ordentlich Druck in Richtung, filigraner Frucht und einer Menge Charakter.

Il Bianco: Nicht mein Lieblingswein von Gianluca. Pignoletto gehört eigentlich in die Colli Bolognesi und als Grecchetto Gentile nach Umbrien und ich bin mir nicht so sicher, ob er dort nicht besser aufgehoben ist. Breit, weich und doch säurebetont, floral, gelbe Frucht, aber irgendwie unrund.

Perfranco: Einer der Klassiker des Hauses. 100% Lambrusco Salamino di Santa Croce. Nach einer spontanen Erstgärung im Cleyver, fand eine Zweitgärung und nachfolgende zweijährige Lagerung in der Flasche statt. Saftig, kernig und vital. Blüten und Grapefruit in der Nase. Hat Substanz und Tiefe, bereitet aber doch auf unkomplizierte Weise Spaß.

Bergianti Fine: Nochmals Rosato, diesmal allerdings aus Lambrusco di Sorbara. Kein Rifermentato, sondern ein metodo classico (methode champenois). Knochentrocken, vertikal, voller Spannung, und Energie. Beeren und Zitrusfrüchte auf der Zunge. Sehr gut.

Bergianti rosso: Mix aus Salamino und Sorbara, wobei der Salamino klar den Ton angibt. Klassischer Lambrusco, allerdings als metodo classico vinifiziert. Rotbeerig, Waldfrüchte, Kirschen, Kräuter. Staubtrocken wie immer bei Gianluca. Mit ordentlich Rückgrat. Vertikal, linear und belebend.

Weitere Weine von Gianluca Bergianti sind der Rosato Frizzante Saint Vincent und der Primo, die allerdings immer ausverkauft sind, wenn ich ihn treffe.

Zudem vinifiziert er den Stiolorosso (Lambrusco di Sorbara, Oliva und Ancelotta – sehr gut) und den Resmaior (Lambrusco di Sorbara – solala – fein, filigran aber ein bisschen zu mager) von Casalpriore und ist nach dem Tod von Eigentümer Gabriele Ronzoni auch für die Bewirtschaftung verantwortlich.

Bergianti - Terrevive

Via Paganelle Guerri 15
41012 Gargallo di Carpi (MO
simonazerbinati80@gmail.com
g.bergianti@gmail.com
Cell: (+39)349-5227337 Gianluca
Cell: (+39)338-6382870 Simona
www.terrevive.net

Datenblatt

Rebsorten: Pignoletto, Trebbiano modenese, Lambrusco Sorbara, Lambrusco Salamino
Rebfläche: 5 ha
Reberziehung: Guyot
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

Weingut

Riesling Spumante, der Maßstäbe setzt

In Italien gibt es eine Handvoll exzellenter Winzer, die ihr Weingut nicht am Land, sondern in der Stadt haben. Heinrich Mayr (Nusserhof), Martin Gojer (Pranzegg) und Christoph Unterhofer (Reyter) keltern ihre Weine am Stadtrand von Bozen, Marco Lanzotti (Angol d’Amig) an der Peripherie von Modena und Marco Merli an der von Perugia. Giuliano Micheletti wiederum zeigt, dass man auch in Trento ein ideales Umfeld für Reben vorfindet; wobei sich zugegebenermaßen nur ein Teil davon innerhalb der Stadtgrenzen von Trento befindet, den Rest – die Basis für seinen fantastischen Riesling Spumante und den (mir bisher leider unbekannten) Riesling Limen – befindet sich auf 500 Meter 20 Kilometer entfernt im Valle dei Laghi in Drena. 

Am San Rocco in Trento pflegt er dagegen seit mittlerweile über 20 Jahren Merlot und Chardonnay. Anfangs produziert er für die omnipräsenten Genossenschaften der Gegend, doch erkennt er schon früh, dass dieser Weg keinen Platz für eigene Ziele und Ideen lässt. Er stellt bereits 1998 auf biologische Bewirtschaftung um, 2006 geht er noch einen Schritt weiter und lässt sich biodynamisch zertifizieren – ein Schritt, der seiner Meinung nach unumgänglich ist, um das Jahr, das Terrain aber auch seine eigenen Vorstellungen und Empfindsamkeiten im Wein auszudrücken. 

Auf etwas mehr als drei Hektar produziert Giuliano insgesamt vier Weine. Den Limen bianco und den Limen rosso (zwei Stillweine, die ich beide leider noch nicht kenne) und zwei Schaumweine, die er nach der metodo classico, dem klassischen Champagnerverfahren vinifiziert und die mit zum besten gehören, was ich in Sachen italienischer Sprudel jemals im Glas hatte.

Weine

Fuori Schema dossaggio zero: Ein Riesling Spumante, der Maßstäbe setzt. Vor zwanzig Jahren auf 500 Metern in einem steinigen, bestens ventilierten Terrain im Valle dei Laghi (nördlich des Gardasees) ausgesetzt. Spontan vergoren und über ein Jahr im Stahltank ausgebaut. Minimal geschwefelt. Zweitgärung über ein paar Jahr in der Flasche. Danach degorgiert und ohne Dosage verkorkt. Das Resultat ist knochentrocken, kompromisslos zuckerfrei, herb, eigenständig, steinig und fordernd. Kühl, geradlinig und total fokussiert. Feine Perlage. Ordentliches Säurerückgrat.  Delikate Aromen. Fantastisch.

MAN 273 dossaggio zero: Keine Ahnung, was MAN bedeutet, 273 sind jedoch die Meter über den Meeresspiegel, auf denen sich Giulianos Chardonnay-Weingarten befindet. Die hat er ganz bewusst auf das Etikett gesetzt, um der Mär entgegenzutreten, die besagt, dass die Trauben für guten trientinischen Spumante auf mindestens 300 Meter wachsen müssen. Nach einer klassischen Zweitgärung in der Flasche, Null-Dosage und einem weiteren Jahr in der Flasche, kann man diesen Mythos in Ruhe ad acta legen. Der MAN 273 ist wie schon der Riesling steinig und staubtrocken, doch etwas ausladender und fülliger. Auch er zieht bestens strukturiert seine Bahn in Richtung Gaumen, wo er fein perlend, fruchtig-floral ausklingt. 

Giuliano Micheletti

Via Enrico Conci 78, Trento
Tel: +39 0461912995
email:gm.limina@gmail.com

Datenblatt

Rebsorten: Chardonnay, Riesling, Merlot
Rebfläche: 3,3 ha
Reberziehung: Guyot
Rebstockalter: zwischen 50 (Chardonnay) und 20 Jahren (Riesling)
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

 

Das Weingut

La Felce, das ist vor allem Andrea Marcesini. Der führt seit 1998 das Weingut, das sein Großvater in Ortonovo, in der Nähe von La Spezia gegründet hat. Wie schon die Vorgängergenerationen scheinen Andrea Zeitgeist und Moden ziemlich kalt zu lassen – im Gegenteil, er produziert eisern an ihnen vorbei. Gelegentlich kommt es allerdings vor, dass die Moden ihn einholen, was guten Produzenten, die kompromisslos und intelligent ihre Sache durchziehen, immer wieder passiert. Er macht dann, wie könnte es anders sein, einfach weiter wie davor.

In wenigen Worten bedeutet das: eine akribische Auseinandersetzung und biologische Bewirtschaftung vieler mikroskopischer Parzellen an zwei unterschiedlichen Orten (in den Hügeln von Castelnuovo Magra wachsen seine weiße Sorten, während in der Ebene in Ortonovo die roten Sorten stehen). Ein Gleichgewicht roter und weißer Rebsorten, die er oft als Cuvée, gelegentlich als Gemischte Sätze und eher selten reinsortig verarbeitet. Und ein konsequent handwerklicher Ansatz im Keller, in dem man sich vor allem auf Gerätschaften verlässt, die schon vom Vater und Großvater erfolgreich verwendet wurden.

Seine Weine fangen Traditionen ein, lassen sich allerdings nicht darauf reduzieren – es geht ihm aber entscheidend darum die Geschichte seiner Gegend in seinen Weinen nachzuerzählen. Was nicht immer einfach ist, weshalb er aus seinen fünf Hektar Rebfläche nicht nur ein oder zwei, sondern gleich zehn Weine keltert, die einen repräsentative Blick zurück und – das bleibt aufgrund ihrer Klasse zu hoffen – auch einen Entwurf für zukünftige Generationen liefern.

Die Weine

Der Felcebianco ist ein fantastisches Projekt, das man sich von mehr Winzern wünschen würde. Es ist ein im Literformat abgefüllter Tischwein, der sich ohne groß nachzudenken dahintrinken lässt, richtig gut schmeckt und nicht viel kostet. Er besteht aus biologisch kultivierten Malvasia-, Vermentino- und Trebbianotrauben, wird über 48 Stunden mazeriert, spontan vergoren und danach im Stahltank ausgebaut. Er ist leichtfüßig, salzig, hat Kräuter- und Zitrusnoten, eine feste Struktur und animierende Lebendigkeit.

Damit ist es allerdings nicht getan. Andrea hat mit dem Felcerosso auch noch eine rote Litervariante zu bieten, die genauso viel Spaß macht wie die weiße Version. Sie besteht aus Canaiolo, Massaretta, Merlot, Sangiovese, Barbera und Cabernet, bleibt für fünf Tagen in Kontakt mit den Schalen und wird nach einer spontanen Gärung in Zement im Stahltank ausgebaut. Sie hat rote Beerenaromen, eine einladende Würze und eine Menge Trinkfluss.

Die Trauben für den Bianco „In Origine 400“ stammen aus von 60 Jahre alten Vermentino-, Trebbiano- und Malvasia di Candia Aromatica-Reben, die gemeinsam gelesen und vinifiziert werden. Der Schalenkontakt beträgt 10 Tage, die Gärung ist spontan, das Resultat mehr als beeindruckend. Florale Noten gehen Hand mit gelber Frucht, eine wenig Honig und Herbstlaub. Die Textur ist dichtgewoben, die Tannin verleihen Nachdruck, der Körper wirkt kraftvoll aber stringent. 

Der „Non sempre“ ist ein reinsortiger Vermentino, der nach einer kurzen Maischestandzeit (ca. 48 Stunden) abgepresst und spontan vergoren wird. Der Wein von Andrea, der am stärksten das um die Ecke gelegene Meer suggeriert. Neben dem Salz machen sich in Nase und Gaumen auch noch mediterrane Kräuter, Zitrusaromen und weiße Fruchtnoten breit. Wirkt nach einem Jahr auf der Hefe weich aber saftig. 

Der „Monte dei frati“ stammt von 40-jährigen Vermentinoreben. Die Vinifikation läuft wie beim „Non Sempre“ ab, allerdings beträgt der Ausbau nur vier Monate. Das Resultat ist fruchtig, salzig, relativ weich am Gaumen. 

Der Rosso Reconteso ist eine leichtfüßige Mixtur aus Massaretta, einer komplett vergessenen Sorte und dem weltweit omnipräsenten Merlot. Alicante spielt eine Nebenrolle. Vergoren wird wie immer spontan, ausgebaut im Stahltank. Rote Beeren und Kräuter dominieren die Nase, eine runde, weiche Textur das Mundgefühl. Lebendig und animierend. Ein Wein für alle Tage. 

Weitere (noch zu probierende) Weine

Riassunto Sedici

Passito Non sempre 139

La Felce

19034 – Via Bozzi, 52
Ortonovo (SP), Liguria
lafelce.marcesini@libero.it​

Ein paar Fakten

Jahresproduktion: derzeit ca. 30000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Candia Aromatica, Vermentino, Trebbiano, Massaretta, Merlot, Cabernet sauvignon, Alicante, Barbera
Rebfläche: 5,5 ha
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Schwefel und Kupfer
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Das Weingut

Le Vieux Joseph, der alte Joseph, ist so alt eigentlich nicht und heißt auch nicht Joseph sondern Ilaria. Ilaria Bavastro. Nachdem das geklärt ist, kann man in Ruhe gleich noch ein paar weitere Informationen nachschieben. Joseph alias Ilaria hat ihre Weingärten auf rund 700 Meter am linken Ufer des Dora Baltea, der – wie geeichte Bergweintrinker wissen – das Aostatal teilt. Die Weingärten schauen folglich in Richtung Südosten, was wiederum bedeutet, dass Ilaria ab den frühen Morgenstunden in der Sonne werkt – und zwar ausschließlich per Hand, da die Weingärten für größere Maschinen zu steil und zu eng sind. 

Ilaria hat Le Vieux Joseph im Jahr 2009 ins Leben gerufen. Das nötige Wissen dafür hatte sie sich davor bei Arbeitsaufenthalten im Piemont, der Schweiz und im Aostatal angeeignet. Sie startete in einem 3000 qm großen Weingarten, in dem sie alte Cornalis und Vien du Nus-Rebstöcke wieder aufpäppelte. Sukzessive kamen quer durch das mittlere Aoastatal noch weitere Mikroanlagen dazu, sodass sie heute zwischen Aosta, Nus und Quart insgesamt zwei Hektar ihr Eigen nennt. 

Meist ganz auf sich allein gestellt klettert sie durch ihre Weingärten, die sie trotz der widrigen Topographie biologisch bearbeitet (eine Tendenz, die bei den lange recht skrupellos agierenden Aostatalwinzern derzeit Schule macht). 

Im Keller tut sie das, was zu tun ist und nicht wesentlich mehr. Das funktionierte zwar anfangs nicht immer so, wie sie sich das vorstellte, hat sich aber durch die Hilfe von Fabien Bonnet, dem Kopf hinter dem exzellenten Weingut Le Petit Riens, längst normalisiert. 

Mittlerweile keltert Ilaria insgesamt drei Weine, die nach einer spontanen Gärung für ein gutes Jahr in Stahltanks oder kleinen, gebrauchten Holzfässern landen und ungefiltert und ungeschönt gefüllt werden.

Ilarias Weine sind klar, geradlinig und einladend, einfach aber nie banal, animierend und doch profund.

Die Weine

Petite Prince: Pinot gris. 12000 Stöcke am Hektar. Steinobst, Salbei, Honignoten. Mineralisch, kühl. Stoffig, dichte Textur. Saftig. Elegant. 

Mariadzo: Cuvée aus Cornalin, Vien de Nus und Pinot Noir. 12000 Stöcke am Hektar. Auf Moränengestein gewachsen. Über 24 Monate im Stahltank ausgebaut. Erdig, balsamisch, Ribisel. Klar, kühl, vertikal. Frisch und mineralisch. Trinkfluss mit Tiefgang.

Clos de Cartesan: Cuvée aus Petit rouge, Fumin, Nebbiolo, Cornalin, Ciliegiolo und Barbera. Alte Stöcke. 30 Tage auf den Schalen, zwei Jahre im Stahltank (80%) und Holzfass (20%). Erde und Unterholz, Wacholder, rote Beeren. Kühl, geradlinig, präzis. Fein strukturiert. Elegant und schlank und doch mit ordentlich Zug in Richtung Gaumen. Sehr gut

Le Vieux Joseph

Ilaria Bavastro
Via Parigi 170
Aosta
Tel.3485637107

Ein paar Fakten

Rebsorten: Pinot Grigio, Cornalin, Vin de Nus, Nebbiolo, Fumin, Ciliegiolo, Barbera
Rebfläche: 2 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: –
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: –
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Das Weingut

Fährt man von Soave und Gambellara weiter in Richtung Norden, kommt man nach Roncà, in eine der kühlsten und interessantesten Weinbauzonen des Veneto – dort keltert eine Handvoll Winzer Weine, die diejenigen ihre viel bekannteren Nachbarn im Süden ziemlich oft ziemlich alt aussehen lässt. Das mag zum einen an den sehr speziellen klimatischen und geologischen Verhältnissen (Vulkangestein) liegen, die am Fuße der Dolomiten vorherrschen; noch wichtiger scheint mir allerdings das Vorherrschen der Durella zu sein, einer Rebsorte, die du einzig und allein an den Hängen der Monte Lessini findest. Meiner Ansicht nach gehört sie zu den besten weißen Rebsorten Italiens und eignet sich wie kaum eine andere für die Herstellung fantastischer Schaumweine. 

Cristina Meggiolaro und Riccardo Roncolato von der 2004 gegründeten Azienda Meggiolaro machen genau das. Zwei Weingärten am Monte Calvarina ein paar hundert Meter über Ronca liefern dafür den Rohstoff – biologisch kultivierte Trauben, die sie auf unterschiedliche Art und Weise verarbeiten. Der Sotoca’ ist ein brillanter Rifermentato, während der flaschenvergorenen Spumante Corte Roncolato zeigt, was in den venetischen Bergen (und jenseits des Prosecco) in Sachen Schaumwein alles möglich ist.

Unten am Talgrund in Roncà haben die beiden außerdem einen Weingarten mit Garganegareben, aus deren Trauben sie einen präzis-geradlinigen aber durchaus stoffigen Weißwein keltern. Und hoch oben, auf gut 600 Metern, läuft gerade ein Projekt an, dem man mit Spannung entgegensehen darf. Dort haben die beiden gerade einen Weingärten mit Pinot Nero Reben bestockt, von dem es allerdings frühesten in zwei, drei Jahren erste Proben geben wird. 

Die Weine

Durella Sotoca’: In vulkanischen Böden am Monte Calvarina gewachsen. 30 Jahre alte Rebstöcke.  Alte Pergolaerziehung. Spontanvergoren. Zweitgärung in der Flasche. Straff, geradlinig, klar. Mineralisch. Feinfruchtig. Lebhafte Säure. Saftig. Vitales, animierendes Finish. Besser als nahezu alles, was aus dem Prosecco kommt.

Durella Corte Roncolato: Meggiolaros Opus Magnum. 95% Durella, 5% Garganega. 30 Jahre alte Rebstöcke. Vulkanische Böden. Spontanvergpren. Zweitgärung über 36 Monate in der Flasche. Pas dose. Streng, mineralisch. Zischt mit ordentlich Dampf durch die Adern. Belebt. Hat eine ordentliche Säure allerdings auch die nötige Substanz, um ihr Contra zu geben. Hefig, feinfruchtig, lang. sehr gut.

Garganega Sarò: Vom Talgrund in Roncà. Wurzelt gleichfalls in vulkanischem Basalt. Spontanvergoren. Über sechs Monate im Stahltank ausgebaut. Battonage. Cremige Textur. Weicher und geschmeidiger als die Schaumweine. Nie aufdringliche, delikate Frucht. Fein.

Kein Vertrieb im deutschsprachigen Raum

Wer in die Gegend kommt, sollte möglichst auch bei Daniele Piccinin und in der Käserei Roncolato vorbeischauen (Via Nuova 1, Roncà)

Meggiolaro

Cristiana Meggiolaro & Riccardo Roncolato
Via Roncolati, 43/B
37030 Roncà
Cristiana Meggiolaro +39 335 69 58 085
Riccardo Roncolato +39 320 26 44 965
info@meggiolarovini.it
www.meggiolarovini.it

Ein paar Fakten

Rebsorten: Durella, Garganega
Rebfläche:
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja, organisch
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Das Weingut

Gaetano Solenghi ist ein Handwerker im besten Sinne des Wortes. Seit er als Weinbauer anfing, verzichtet er auf große Gerätschaften und erledigt vom Rebschnitt bis zur Lese alles manuell. Mittlerweile unterstützt ihn dabei sein Sohn Nicolo. Gelernt hat er das Winzerhandwerk von einem alten Lohnarbeiter seiner Tante Maria Teresa, die ihm Mitte der 80er Jahre insgesamt drei Hektar Weingärten vermachte. Den „bäuerlichen Weisheiten“ seines Lehrers folgt er bis heute, wobei nach mittlerweile mehr als 30 Lesen auch die eigene Erfahrung eine nicht unwichtige Rolle spielt.
In wenigen Worten bedeutet das, dass er im Weingärten weder Dünger, Herbizide noch Pestizide verwendet, Rebschnitt und -erziehung perfekt auf die natürlichen Verhältnissen in seinen Weingärten abgestimmt hat und zwar wenige aber ausdrucksstarke Trauben einfährt – mehr als 10000 Flaschen im Jahr kommen nie zusammen. Die Rebsorten sind die Klassiker der Zone: Malvasia di Candia Aromatica & Ortrugo liefern die Basis für einen Passito und einen Rifermentato (in Gaetanos Fall ein metodo ancestrale), Barbera & Bonarda (die Sorte ist generell besser unter dem Namen Croatina bekannt), für zwei Rotweine und einen roten Frizzante.
Vinifikation und Ausbau laufen langsam und ohne unnötige Eingriffe ab. Die Gärung startet spontan in Glas- oder Stahlbehältern, wobei die weißen Trauben sofort abgepresst werden, während die roten Trauben oft lange auf der Maische bleiben. Der Ausbau der Weine findet in gebrauchten Tonneaux statt und zieht sich über mindestens zwei Jahre. Gaetano schönt und filtert nicht.
Seine Reserven sind wuchtig, kompakt und rustikal, stoffig und kraftvoll und tief mit den Tradition der Gegend verwoben (wer Eleganz bevorzugt sollte ein paar Kilometer weiter zu Casè fahren). Beide sind Antworten auf die deftigen Fragen, die die piacentinische Küche aufwirft.

Die Weine

Gutturnio Riserva Battorossa: Cuvée aus Barbera und Bonarda. Frühestens nach 4-5 Jahren in Fass und Flasche auf dem Markt. Intensiv, würzig, Waldbeeren, Wacholder. Hat dank der Barbera (la Barbera è una donna) eine ordentliche Säure und Energie. Die Bonarda steuert dunkle Aromen, Rückgrat und Power bei. Reift folglich hervorragend. Wer die Möglichkeit hat, Gaetano persönlich zu besuchen (und anders kommt man an seine Wein kaum ran), sollte ihn nach alten Jahrgängen fragen.

Barbera L’Attesa: Der Name verdankt sich dem langen Warten (L’Attesa) auf den Wein. Erst während des Ausbauprozesses (mindestens zwei Jahre im gebrauchten Fass und danach zwei weitere in der Flasche) später beim Warten auf die perfekte Trinkreife (ein paar Jahre Geduld tun gut). Rotbeerig, straff, temperamentvoll. Fleischig. Pfeffer. Hat Power und Körper aber auch Zug und Säure. Macht ordentlich Druck am Gaumen.

Gutturnio Frizzante
Ortrugo Frizzante
Danza del sole (passito)

Gaetano Solenghi

Loc. Battibò di Corano 160, 29010 Borgonovo Val Tidone
Tel.0523860352
info@solenghigaetano.com
solenghigaetano.com

Die Fakten

Jahresproduktion: derzeit ca. 10000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Barbera, Bonarda (syn. für Croatina)
Rebfläche: 3 ha
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Croci

Massimiliano Croci macht in einer jener Ecken Italiens Wein, die international (und auch innerhalb des Landes) wenig bekannt sind und doch auf eine lange Geschichte verweisen. Sein Weingut in Castel Arquato im Val d’Arda, östlich von Piacenza, ist zwar nur einen Katzensprung östlich der Kernzone des Lambrusco gelegen, hat damit allerdings so gut wie nichts mehr zu tun. Die Rebsorten sind völlig andere und auch wenn sich die Gegend seit knapp 100 Jahren durch die Erzeugung von Gutturnio Frizzante (eine Antwort auf Lambrusco) eine gewisse Reputation für ordentlichen Sprudel erarbeitet hat, gibt es auch eine Menge spannender Stillweine, eine Vielzahl davon in weiß.

Massimilianos höhergelegene Reben wachsen auf dem 250 Meter hohen Monterosso. Das Terrain ist rötlich und von Eisenoxid geprägt und erweist dem Namen des Hügels alle Ehre. Weiter unten geht es in kalkhaltigen Sand über, ein geologisches Überbleibsel aus Zeiten als die Poebene noch von einem Ur-Meer bedeckt war. 

Die pedologischen Verhältnisse sind karg, für Weinbau jedoch bestens geeignet. Seit 1935 kultiviert die Familie Croci hier Reben, wobei man in Weiß seit jeher auf die fantastische Malvasia di Candia aromatica, Ortrugo, Marsanne und Sauvignon Blanc setzt – die beiden Letzteren sind bekanntlich französische Sorten allerdings bereits seit der Invasion Napoleons auch zwischen Parma und Piacenza zu Hause. Rot beschäftigt sich Massimiliano einzig und allein mit Barbera und Bonarda, den beiden Klassikern der Region. Die Bewirtschaftung der 10 Hektar Weingärten ist seit jeher biologisch, seit einigen Jahren ist er auch offiziell zertifiziert. 

Die Weine  

Gutturnio Frizzante: Barbera und Bonarda, per Hand gelesen. Spontane Erstgärung. Zweigärung über mind. 10 Monate in der Flasche, nicht degorgiert. Rustikal, würzig, dunkelfruchtig, festes Tannin. Mit Zug, Druck, Frische und ordentlich Energie am Gaumen. Trinkfluss mit Tiefgang.  Exzellente Lambruscoalternative.

Colli Piacentini Monterosso Campedello: Frizzante aus Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Trebbiano, Sauvignon Blanc und Marsanne. Spontane Erstgärung. Zweigärung über mind. 10 Monate in der Flasche, nicht degorgiert. Blütennoten, Maulbeeren. Tonic. Fein und subtil am Gaumen. Delikate Perlage. Sehr gut.

Lubigo Frizzante: Eine Rarität: Ortrugo in purezza. 15 Tage mit den Schalen vergoren. Zweigärung über mind. 10 Monate in der Flasche, nicht degorgiert. Floral. Brot und Hefenoten. Steinobst. Das Tannin strukturiert spürbar, wird allerdings von der lebendigen Perlage relativiert. Klingt salzig aus.

Valtolla (orange): Eine jener fantastischen Malvasia di Candia Aromatica Versionen, die keinen Raum für Kompromisse lassen. 30 Tage Mazeration. Fordert vom ersten Schluck weg, macht aber dennoch oder gerade deswegen Spaß. Reife, gelbe Frucht und Kräuterteenoten. Saftig und kompakt. Macht mächtig Druck zum Gaumen hin. Kann man sich über Jahre hinweg in den Keller legen.

Valtolla (rot): Barbera & Bonarda – in der Zement vergoren und gelagert. Dunkel, kraftvoll und saftig – hat von allem nicht zu wenig: Säure, Tannin, Frucht, Würze & Power.  Ist dennoch im Gleichgewicht. Lang und nachhaltig. Lohnt sich sehr.

Adresse

Massimiliano Croci
Monterosso 8
29014 Castell’Arquato
croci@vinicroci.com
tel/fax +39 0523 80332

Cold facts

Rebsorten: Malvasia di Candia Aromitica, Sauvignon Blanc, Marsanne, Ortrugo, Barbera, Bonarda
Rebfläche: 10 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: –
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Der Südwesten Sardiniens ist Kohlerevier. Die Gegend heißt Carbonia, womit eigentlich schon alles gesagt ist. Enrico Esus Vater kann ein Lied davon singen. 1953, gerade 18 Jahre alte geworden, steigt er zum ersten Mal in die Dunkelheit hinunter. 5 Jahre später wird die Mine in Cortoghiana, in der er arbeitet, geschlossen und er zieht nach Seruci weiter, wo es ebenfalls eine Mine gibt. Er beschließt zu bleiben und erwirbt Land, in das er noch im gleichen Jahr Reben setzt: Carignano oder – wie man früher sagte – S’axina di Spagna, eine Referenz an die spanische Herkunft der Sorte (die Spanier machten sich ab dem 13. Jahrhundert in Sardinien breit und brachten neben Carignano auch noch Cannonau – Garnacha – nach Sardinien, die nach wie vor wichtigste Sorte der Insel) und Monica (10%). Er betreibt Weinbau im Nebenerwerb, bewirtschaftet die Weingärten, wann immer er Zeit hat und liefert die Trauben bei der Genossenschaft in Santadi ab.

Wurzelechte Reben

Das ändert sich erst 2013, als Enrico das Ruder in die Hand nimmt und anfängt erste Chargen selbst zu vinifizieren. Und er tut gut daran. Denn die natürlichen Voraussetzungen, die sich den Trauben bieten, sind zu außergewöhnlich, um sie in eine x-beliebige Genossenschaftscuvée einfließen zu lassen. Die heute 70-jährigen Rebstöcke wurzeln in Sand und folglich in einem Material, in dem Rebläuse nicht überleben können. Niemals auf Unterlagsreben gepfropft, macht es sie zu seltenen Vertretern wurzelechter Rebstöcke. Im Alberello erzogen – um der Hitze und dem Wind besser standzuhalten – und selbst vermehrt (aus dem um 1900 angelegten Weingarten seines Urgroßonkels Deidda), sind sie repräsentative Zeugen einer jahrhundertealten Weinbautradition. Und da sich Enrico der kulturelle Bedeutung seiner Reben bewusst ist, pflegt er sie entsprechend weiter und arbeitet auch im Keller mit spartanischen Mitteln (er hat daneben mittlerweile einen neuen Weingarten ausgesetzt, der ihm in Zukunft mehr Optionen geben wird).

Sieht man vom Ausbau in den Stahltanks ab, dürfte sich seine Art der Vinifikation kaum von der seiner Vorläufer unterscheiden. Die Gärung startet spontan, gepresst wird im Torchio, einer alten Spindelpresse, geschönt und gefiltert wird nicht.

Das Resultat ist vorerst ein Wein, der Nerominiera, zu dem sich in naher Zukunft noch eine Reserve gesellen wird. Dunkel wie Kohle, würzig, erdig und intensiv, braucht man darin Eleganz nicht lange zu suchen. Der Nerominiera ist – unter sardischer Sonne gewachsen – opulent, saftig und kraftvoll.

ps: Enrico hat mir gerade mitgeteilt, dass es nun auch einen zweiten, ebenfalls aus Carignano gekelterten Wein gibt – den Se Ruci Miniera, über den hier hoffentlich in nächster Zukunft erzählt werden wird.

Adresse

Enrico Esu
Via Vasco da Gama 64
Carbonia
Tel: +39 3478256871
enricoesu@alice.it
www.nerominiera.it

Weine

Nero Miniera
Se Ruci Miniera

Die Preis liegt bei € 18,50 (www.inke.it), zzgl. Versandkosten

Cold facts

Jahresproduktion: derzeit ca.5000 Flaschen
Rebsorten: Carignano, Monica
Rebfläche: 10 ha
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Vermentino

Wein der Küste

Vermentino ist die große weiße Traubensorte der italienischen Westküste. Ihre Ursprünge sind in den ereignisreichen Zeitläuften am Mittelmeer und den stets wechselnden mediterranen Besitz- und Handelsverhältnisse nur schwer zu bestimmen. Manche (die Iberer) vermuten, dass die Sorte ihre eigentlich Heimat in Spanien hat, andere (die Italiener) glauben, dass Vermentino aus der Toskana oder Ligurien stammt. Ähnlich heikel stellt sich die Abgrenzung zu anderen Rebsorten dar. Über Jahrhunderte hinweg ging man davon aus, dass Vermentino, die ligurische Pigato und die piemontesische Favorita drei unterschiedliche Sorten wären. Heute ist man sich diesbezüglich nicht mehr so sicher. Während Ampelographen von der Deckungsgleichheit der drei Sorten ausgehen, widersprechen die oft seit Jahrzehnten mit ihr arbeitenden Winzer.

Fakt ist jedenfalls, dass Vermentino viel herumgekommen ist – im ganzen mediterranen Raum findet man Anpflanzungen: in Andalusien (der Tres Uvas von Barranco Oscuro besteht zu einem Drittel daraus) genauso wie in Korsika, der Provence und der bereits erwähnten italienischen Küste. Ihr Hauptanbaugebiet ist allerdings Sardinien, wobei Vermentino in der ältesten Weinbauregion Italiens ein relativ junges Phänomen ist. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie erstmals im Bolletino ampelografico der Insel erwähnt. Damals nahm sie nicht mehr als 1% der Rebfläche ein. 1960 waren – laut Ian d’Agata – dann bereits 1.366 Hektar damit bestockt, während es heute rund 3.300 Hektar und damit die Hälfte des italienischen Vermentinobestandes sind. 

Die drei naheliegenden Gründe für die eigentlich schon immer große aber immer noch zunehmende Popularität der Sorte sind ihre perfekte Adaption an die mediterranen Lebensräume, ihre Vielseitigkeit und ihre Qualitäten quer durch die aus ihr fabrizierten Weinstile. Sie hat keine Probleme mit salzigen Meerwinden und macht sich vor allem in trockenem und heißem Klima und auf wenig fruchtbaren Böden bestens. 

Sie funktioniert als klassischer Weißwein ausgezeichnet, wobei sie aromatisch vor allem mit Zitrus-, Kräuter- und floralen Aromen punktet. Bei kurzen Mazerationszeiten entwickeln sich feine Tannine, die dem Wein „kein schweres Chassis mit auf den Weg geben, sondern die Geschmacksnuancen (gelbe Frucht, Kräuter) zusätzlich betonen“ (Vini da Scoprire über Testalongas Vermentino). Mazeriert man länger entsteht dagegen im Idealfall ein Wein, der über ein enormes Aromaspektrum verfügt, mundfüllend und lebhaft, geradlinig und substantiell ist und dem das Tannin Richtung und Struktur gibt.

Die Besten, die ich kenne

Dettori: Bianco (Sardinien): Klassiker aus dem hohen Norden Sardiniens. Nichts für Kinder. Hat für gewöhnlich mindestens 15,50 Alkohol und versteckt die auch nicht. Er bettet sie allerdings in ein ordentlich Tanningerüst. Saftig, üppig, oxidativ (im positiven Sinne), reife Früchte

Sa Defenza, Sacava sulle bucce (Sardinien): Kaum bekanntes Weingut auf Sardinien, dass durch die Bank exzellente Weine keltert. 20 Tage auf der Maische, 1 Jahr im Stahl. Warm, wild, kraftvoll & kräuterig

Raìca: Sarraiola (Sardinien): Wurzelt in einem nach Nordosten exponierten Hang in den Colli del Limbara auf 550 Meter Seehöhe. Die Reben sind zwischen 5 und 45 Jahren alt. Der Boden besteht aus Schiefer und Sand. Bleibt über zwei Monate in gebrauchten Barriques, ehe er für weitere 6 Monate in Edelstahltanks umgezogen wird. Mediterrane Kräuter, Salz und reife Früchte. Die Textur ist weich und cremig, die Säure packt aufgrund der Höhe gut zu. www.vinonudo.at

Meigamma, Bianco Quarto (Sardinien): Meigamma heißt auf sardisch Mittagsschläfchen. Das kann man nach ein paar Gläsern Bianco problemlos halten, wobei Meigammas Vermentino eher zu den leichteren sardischen Versionen zählt (13,5%). Maischevergoren. Präzis, intensiv, nachdrücklich.

Rocche del Gatto Vermentino (Ligurien): Von Fausto de Andreis, einem der Großmeister der ligurischen Weinszene, geduldig über mehrere Jahre im Stahltank und in der Flasche ausgebaut. Wesentlich straffer als die sardischen Versionen. Zischt zielstrebig und druckvoll in Richtung Gaumen. Kräuterig, mineralisch und salzig.

Testalonga: Bianco (Ligurien) – Antonio Perrino ist Garagenwinzer. Er war es schon vor 50 Jahren, bevor man im Bordeaux den Begriff aufgriff, ihn seiner eigentlichen Bedeutung beraubte und daraus eine Marketingidee und Kommunikationsstrategie formulierte. Seit über 50 Jahren keltert er Vermentino, der Maßstäbe setzt. Salzig, gelbfruchtig, mediterran – bei www.vinonudo.at

Felce: Non sempre (Ligurien): La Felce pflegt die Kunst des gehobenen Alltagswein. Wobei jeder Wein richtig gut schmeckt und neben Trinkfluss auch Tiefe und Substanz vermittelt. Der Non sempre tanzt hier nicht aus der Reihe. Frische Kräuter, Zirtusfrüchte, elegant, mineralisch

Tenuta Selvadolce, VB1 Vermentino (Ligurien): Aris Bancardi keltert an der Grenze zu Frankreich Weine, die auch auf der anderen Seite der Grenze hoch gehandelt werden. Die Bewirtschaftung ist biodynamisch, der Ausbau durchwegs in Holzfässern größerer Façon. Dicht, substantiell, lang, mediterran und elegant. Top.

Sequerciani, Verment’oro (Toskana): Sequerciani kommt das große Verdienst zu, quasi totgeglaubten toskanischen Traubensorten neues Leben einzuhauchen. Vermentino bildet diesbezüglich eher eine Ausnahme. In Terrakotta-Amphoren ausgebaut. Anis, gelbe Früchte, leicht floral.

Massa Vecchia: Ariento (Toskana) – Massa Vecchias weißes Opus magnum, einer der großen Weißweine der Toskana, ein archaisches Monument, kraftvoll und vielschichtig. Maischevergoren. Im Kastanienfass ausgebaut. Ingwer, Kamille, Rosenblüten, gelbe Fruchtnoten. Mundfüllend und lebhaft, geradlinig und substantiell. Das Tannin gibt dem Wein Richtung, befindet sich jedoch dank enormer Konzentration und Dichte in perfektem Gleichgewicht – bei www.vinonudo.at

I Mandorli, Vermentino (Toskana) Maddalena Pasquetti ist eine der besten Winzerinnen der Toskana. Neben dem fantastischen reinsortigen Sangiovese Vigna del Sughero keltert sie seit kurzem auch einen exzellenten Vermentino: weiße Blüten, weiße Frucht, elegant, dicht und lang  – www.vinifero.at

La Felce „Non sempre“ (Ligurien): Der „Non sempre“ ist ein reinsortiger Vermentino, der nach einer kurzen Maischestandzeit (ca. 48 Stunden) abgepresst und spontan vergoren wird. Der Wein von Andrea, der am stärksten das um die Ecke gelegene Meer suggeriert. Neben dem Salz machen sich in der Nase und auf dem Gaumen auch noch mediterrane Kräuter, Zitrusaromen und weiße Fruchtnoten breit. Wirkt nach einem Jahr auf der Hefe weich aber saftig.

In die Colli Euganei aufzubrechen lohnt sich eigentlich immer. Die Dichte an exzellenten Trattorien, wo man für ein paar Euro selbstgemachte Pasta bekommt, konkurriert mit der Casinokonzentration in Las Vegas und die alten Vulkankegel mitten in der Poebene stehen ähnlich unvorbereitet in der Landschaft wie die Felsbrocken im Monument Valley.

Zumindest eigenwillig ist zudem die Tatsache, dass gleich zwei der sechs Winzer, die an den Hängen und Kuppen der Vulkane außergewöhnliche Weine keltern, in einem früheren Leben exzellente Musiker waren und mit Kontrabass (Paolo Brunello) und Französischem Horn (Alfonso Soranzo) die Konzerthallen der Welt bespielten. Den Kontrabass habe ich schon mal erwähnt, das Französische Horn dagegen ist neu.

Bis er 30 war, habe er darauf gespielt, erzählt Alfonso und ein Leben geführt, dass dem eines klassischen Bohemiens relativ nahe gekommen sein dürfte. Gespielt, gearbeitet und gelebt wurde in der Nacht – mit all seinen positiven und negativen Konsequenzen, der Tag gehörte dem Schlaf; das machte er so lange bis er keine Lust mehr auf diesen Rhythmus hatte und sich der Wunsch bildete, statt Hörnern Töne, Trauben Aromen zu entlocken.

Das Jahr 1999 wurde somit zum Anfang seiner neuen Zeitrechnung. In den Hügeln über dem kleinen Ort Zovon di Vò, am westlichen Rand der Hügel übernahm Alfonso einen Hektar Weingärten von seinem Vater – nicht viel aber genug, um erste Weine keltern zu können. Anfangs kam die Hilfe von außen – seine Eltern wussten zwar über die elementaren Produktionsschritte Bescheid, doch war es Alfonsos Ziel mehr als nur „vino sfuso“ zu keltern – weshalb er auf die professionelle Hilfe eines Önologen setzte. Zudem hörte er sich bei den älteren Generationen in der Nachbarschaft um und setzte sich so sukzessive seine Vorstellung eines idealen Weins zusammen. Diese Vorstellungswelten wurden 2002 noch einmal radikal verändert als Alfonso Angiolino Maule kennenlernte.

Maule galt damals schon als streitbarer Vertreter der Naturweinnische und erzählte bereitwillig jungen Winzern von alternativen Ansätzen im Weingarten und Keller. Alfonso hörte zu und setzte vieles, was Maule empfahl, in seinen Weingärten um. Die Arbeit im Weingarten musste er dabei kaum verändern. Schon sein Vater verwendete weder Pestizide noch Herbizide. Alfonso machte das offiziell, zertifizierte seine Parzellen BIO und setzte sukzessive auch ein paar neue Weingärten aus. Da auch die im Bioweinbau gebräuchliche Bordeauxbrühe (Kupfer), laut Alfonso „kein Rosenwasser“ ist, experimentiert er zudem mit natürlichen Präparaten.

Insgesamt sind es heute 5,5 Hektar, die er bewirtschaftet, vorwiegend auf kalkhaltigen und vulkanischen Böden und vorwiegend mit Cabernet Franc. In den Colli Euganei werden Bordelaiser Reben seit dem 19. Jahrhundert kultiviert, als italienische Landarbeiter und Tagelöhner die Rebstöcke aus Frankreich mitbrachten. Heute wurzelt in den Colli Euganei und den benachbarten Colli Berici so viel Carmenere wie nirgendwo sonst in Europa und Cabernet Franc, Merlot und Cabernet Sauvignon werden quasi als heimische Rebsorten betrachtet.

Die Weine

Das gleiche gilt auch für die Serprino – doch was ich im ersten Moment als wahrhaft autochtone Rebsorte verortete, ist lediglich ein Synonym für die Glera, die wiederum ein Synonym für Prosecco  ist. Fakt ist, dass es eine eigene DOC dafür in den Hügeln gibt und dass sich Alfonsos Version, der RIF (für rifermentato in bottiglia – flaschenvergoren), locker mit den besten Interpretationen der Kernregion des Glera/Prosecco messen kann. Ähnliches kann man über seinen Garganega sagen, den Vigneto Carantina, der saftig, konzentriert, und rauchig den Vergleich mit den besten Exemplaren aus Soave und Gambellara nicht scheuen muss. Malvasia, Garganega und Moscato Bianco sind die Bestandteile des Cassiara, einer staubtrockenen, mineralischen und aromatischen Cuvée, die 2018 exzellent ausgefallen ist. Die Vinifikation unterscheidet sich dabei kaum. Alfonso schwefelt die Maische minimal (die pH-Werte in den Hügeln sind seiner Ansicht nach nicht so niedrig, dass er darauf verzichten will), danach wird spontan und ohne Temperaturregulierung vergoren und der Wein – weiß wie rot – in Zementfässern gelagert. Geschönt und gefiltert wird nicht, geschwefelt erst wieder vor der Einflaschung.

Neben dem brillanten Cabernet Franc (davon ein anderes Mal detaillierter) keltert Alfonso einen geradlinigen und erstaunlich fruchtigen Carmenere und zu guter Letzt einen Wein, der in seiner Zusammensetzung definitiv einzigartig auf der Welt ist. In einem Projekt mit der Universität Padua hat Alfonso Soranzo eine Parzellen seiner Weingärten alten autochtonen Sorten gewidmet: seit einigen Jahren kultiviert er Marzemina Nera, Pattaresca und Cavrara und keltert daraus einen Wein, dem er den Namen „Vecchie varieta“ (alte Rebsorten) verpasst hat – rustikal, saftig, ledrig, dunkel und kraftvoll.

Monteforche ist Mitglied bei Vinnatur.

Monteforche – Alfonso Soranzo
Vò, Franzione Zovon
Via Rovarolla, 2005
Tel: 3332376035
soranzo1968@gmail.com

Weine

RIF
Pinot Grigio
Cassiara (Garganega, Malvasia)
Vigneto Carantina (Garganega)
Carmenere
Cabernet Franc
Vigne Vecchie (autochthone rote Rebsorten)

Jahresproduktion: 16000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia, Marzemina Bianca, Traminer, Garganega, Pinot Grigio, Moscato; Cabernet Franc, Merlot, Carmenere, Marzemina Nera Bastarda, Turchetta, Recantina, Corbinona, Pattaresca und Cavrara
Rebfläche: 5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja, biodynamische Präparate
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch ja
Direktverkauf:ja
Wohnmöglichkeit: ja
On the road: Villa Favorita, Fornovo, La Terra Trema

Pacina ist vielmehr als nur ein Weingut. Es ist ein kleiner, in einem Wald versteckter Ort nahe Castelnuovo Berardenga, wo BIODIVERSITÄT groß geschrieben wird und neben Reben auch noch Dinkel, Oliven und Kichererbsen kultiviert werden. Es ist – als Agriturismo – auch ein Rückzugsort für all jene, die lieber die Crete Senesi erforschen als die Uffizien (wobei Florenz auch nur eine Stunde entfernt liegt), vor allem aber ist es das Lebensprojekt von Giovanna und Stefano Tiezzi, die gemeinsam mit ihren erwachsenen Kindern Maria und Carlo, Pacina bewirtschaften.

Pacinas noch immer bestens erhaltene Mauern wurden im zehnten Jahrhundert errichtet und damals von Mönchen bewohnt. Weinbau auf den umliegenden Feldern dürfte allerdings schon zu Zeiten der Etrusker betrieben worden sein, von deren Gott des Weins, Pacna, sich auch der Name des heutigen Guts ableitet.

Die Familie von Giovanna Tiezzi hat das Anwesen dann vor gut einem Jahrhundert übernommen und die Acker- und Rebflächen stets ohne den Einsatz von Pestiziden oder anderweitiger, in der Landwirtschaft verwendeter Chemikalien gepflegt. Im Gegenteil: Ihr Vater Enzo, ein Naturschützer und Umweltaktivist bevor es die Wörter überhaupt gab, veranstaltete 1980 auf Pacina das erste Treffen von Legambiente, einer der führenden italienischen Umweltorganisationen; und Giovannas Mutter war eine Biologin, die in diversen Schriften schon früh auf die elementare Bedeutung der Biodiversität für das natürliche Gleichgewicht in einer zunehmend auf Monokulturen basierenden Landwirtschaft hinwies.

Giovanna und Stefano (ein diplomierter Landwirt) haben im Sinne der beiden weitergemacht. In den 10 Hektar Rebfläche, deren geologisches Fundament größtenteils auf von Kalk durchsetzten Sanden und Ton basiert, wurzelt größtenteils Sangiovese, ergänzt von Ciliegiolo, Canaiolo, Syrah und den beiden weißen Sorten Trebbiano di Toscana und Malvasia di Chianti. Die Interventionen im Weingarten beschränken sich auf bewusste Interaktionen zwischen den Winzern und ihren Rebstöcken, wobei einzig und allein, die aus Beobachtung des eigenen Territoriums entwickelte Erfahrung zählt.

Im Keller setzt sich diese Erfahrung fort. Man verzichtet auf das stets umfangreicher werdende Arsenal intervenierender und manipulierender Produkte und lässt den Wein einfach werden. Dabei setzt man nach einer durch wilde Hefen initiierte Gärung in Zementzisternen auf verhältnismäßig lange Ausbauzeiten, die mit Ausnahme des Il Secondo, Pacinas Einstiegswein, in gebrauchten Holzfässern stattfinden.

ps: Pacina war bis vor kurzem Mitglied des Chianti Konsortiums. Aufgrund von Regulativen, die die lange Tradition des Chianti in immer stärker werdendem Maße durch internationale Rebsorten und Trends ersetzt und manipuliert, beschlossen Giovanna und Stefano jedoch aus dem Konsortium auszutreten. Ihre eigentlich klassischen Chiantis sind der Pacina (der einer Chianti Classico Riserva entspricht) und der Il Secondo.

Pacina

Via Pacina 2 –
53019 Castelnuovo Berardenga (SI)

TELEFON

+39 0577-352040
+39 335-6657449
+39 335-5448565

FAX

+39 0577-352040
 
pacinatiezzi@gmail.com

Datenblatt

Jahresproduktion: ca. 50000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Chianti, Trebbiano di Toscana; Sangiovese, Ciliegiolo, Canaiolo, Syrah
Rebfläche: 10  ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Die Weine

Il Secondo: Junge Reben, die 2005 bzw. 2008 ausgepflanzt wurden, sind die Basis für Pacinas Einstiegswein. Die Rebsorten sind Sangiovese, Canaiolo, Colorino, der Boden Tufo di Siena, der übrigens während des Palio in Siena über die Pflasterstein der Piazza del Campo gestreut wird. Die Aromen sind rotbeerig, erdig und von Blüten geprägt, die Textur ist geradliniger als beim Pacina, die Säure wirkt frischer, der Gerbstoff rustikaler. Wer mag, kann darauf warten, dass er weicher und mürber wird, gelegentlich ist es allerdings auch schön einen Wein mit seinen noch jugendlichen Ecken und Kanten zu trinken.

Pacina: Der Pacina besteht zu 95% aus Sangiovese und zu 5% aus Ciliegiolo und Canaiolo, wächst auf Tufo di Siena, dem klassischen Untergrund des südlichen Teils der Region und wird über 14 Monate in Holzbottichen unterschiedlicher Größe (500-2500 l) und danach noch für weitere 12 Monate in der Flasche ausgebaut. Er hat Kraft & Säure, ist profund und dicht, ausgewogen und druckvoll und hat Aromen, die rote Frucht, Pfeffer und Lakritze integrieren.

La Malena: reinsortiger Syrah, dunkelfruchtig, erdig; sehr kraftvoll

La Sorpresa: Trockenfrüchte, Marmelade, ölig, saftig, puffert mit einer erstaunlich lebhaften Säure die immense Süße, brillant.

La Cerrettina: Pacinas Weißwein aus Trebbiano Toscano & Malvasia – noch nicht probiert

Die beiden erstgenannten Rotweine von Pacina gibt es bei vinonudo

Am Ätna gibt es eine ganze Menge exzellenter Weingüter. SRC, abgeleitet von den Anfangsbuchstaben ihrer Protagonisten Sandra, Roti und Cinzia gehört definitiv zu ihren besten. Und das obwohl das Weingut gerade erst seit 2013 existiert.

Damals hatte Rori die Idee, seiner Frau Cinzia einen halben Hektar Land mit alten Reben am Nordhang des Ätna zu schenken. Eine Idee, die nachhaltig ihr Leben ändern sollte. Mittlerweile sind  noch weitere 12 Hektar dazugekommen, auf denen insgesamt allerdings gerade einmal die Basis für 18000 Flaschen Wein entsteht.

Der minimale Ertrag hat viel mit einem rigorosen Qualitätsdenken zu tun, ist aber ebenso den natürlichen Umständen am Ätna geschuldet. Viele der Rebstöcke sind mehr als 50 Jahre alt, manche von ihnen wurden allerdings noch in der Postkutschenära Siziliens gepflanzt. Sie alle werden von Rori, Cinzia und Tochter Sandra penibel per Hand gepflegt – wie mittlerweile die meisten Weinbauern am Ätna verzichten sie ausnahmslos auf Herbizide und Pestizide, sind allerdings vielen ihrer Kollegen im Keller einen Schritt voraus, wo sie eine natürliche Vinifikation ohne den  Einsatz jedweder Zusatzstoffe praktizieren.

Die wichtigsten beiden roten Rebsorten im Repertoire von SRC sind Nerello mascalese und Nerello capuccio, wobei im „Rivaggi“, einer seiner beiden großen Einzellagenweine, interessanterweise auch Garnacha eine kleine aber tragende Rolle spielt. Erfreulicherweise räumen die drei aber nicht nur den roten Trauben Platz ein, sie keltern aus Carricante auch einen Weißwein, der zumindest meiner Ansicht nach zu den besten am Ätna und in ganz Sizilien zählt.

Die Weine

SRC Etna Rosso

Weist den Weg hin zu den beiden großen Lagenweinen. Stammt aus Weingärten mit bis zu 80 Jahre alten Reben auf 700 Metern Höhe in Crasà und Calderara. Minimaler Ertrag, makellose Trauben, spontane Gärung und eine behutsamer, interventionsfreier Ausbau ergeben einen grazilen, tiefgründigen, mineralischen, von Kräutern und kühlen Beerenaromen geprägten Wein.

SRC Rosato 

Ein Rosato, der eher zu den kräftigeren seiner Zunft gehört und eine Brücke hin zu den Rotweinen schlägt. Stammt aus 50 Jahre alten Reben und wird dezidiert mit dem Ziel gekeltert ein vielschichtiger und aussagekräftiger Rosato zu sein (und kein Nebenprodukt der Rotweinproduktion). Dabei assistieren auch Minella und Carricante, zwei weiße Rebsorten, die dem Rosato zusätzliche Frucht, Eleganz und Frische verleihen.

SRC Pirao

Carricante in purezza. Wächst hoch oben am Ätna und profitiert dabei nicht nur vom vulkanischen Untergrund und der sorgfältigen Pflege der SRC-Squadra, sondern vor allem auch von Sommertemperaturen auf 30° und mehr klettern und nachts auf 15° und weniger abfallen. Riecht und schmeckt nach Mandeln, Kamille und Zitrusfrüchten. Macht heute Spaß und hat doch auch immenses Potenzial.

SRC Rivaggi

Ein weicher, runder und stoffiger Kontrapunkt zum SRC Alberello. Geschuldet ist diese geschmeidigere Textur vor allem den 20% Grenache, die irgendwann in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ihren Weg auf den Ätna gefunden haben. Spontan vergoren, in Holzfässern ausgebaut und ungeschwefelt abgefüllt bietet der Rivelli dunkle Frucht und einen fein-nuancierten Unterton aus Kräutern, rotem Fleisch und Blüten.

SRC Alberello

So gut, dass sein gerade erschienener Jahrgang von Robert Parkers Italienbeauftragtem gerade einmal 90 Punkte bekommen hat. Chapeau. Diese absurde Punktezahl ist vermutlich seiner feingliedrigen Eleganz, den dezenten erdig-steinigen Aromen, der kühlen Frucht und strengen Struktur zu verdanken, mit denen die Epigonen von RP nichts anfangen können (wenigstens kann man sich darauf verlassen). Auf gustodivino.it einem italienischen Weinblog wurde Roris Alberello dagegen mit so viel Leidenschaft und Verve beschrieben, dass ich das hier zumindest auszugsweise wiedergebe.

„Nie laut, wartet ein wenig bis er von sich erzählt… Jeder Schluck verursacht neue Emotionen, die immer ansprechender und komplexer werden; und ohne dich zu fragen oder sich aufzudrängen, fordert er dich auf weiter zu trinken, um gleich wieder etwas Neues erzählen zu können…

…Die Flasche auszutrinken ist so, wie wenn man ein Buch beendet, das man Seite für Seite verschlungen hat – es lässt einem mit einem subtilen Gefühl der Leere zurück.“

Die Weine von SRC gibt es bei vinonudo.at in Wien und in Italien bei callmewine.it

SRC

Sandra, Rori & Cinzia Parasiliti

Strada Statale 120 6 – 95012 Solicchiata

www.srcvini.com

Datenblatt

Rebsorten: Nerello mascalese, Nerello capuccio, Grenache, Carricante, Minella
Rebfläche: 12 ha am Ätna
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

25 Okt / 2019

Weine zum Entdecken

Allzu viele Weinführer gibt’s nicht, die man gerne aufschlägt. Am besten gefiel mir in der letzten Zeit Vini da scoprire (Weine zum Entdecken) ein dünnes Büchlein von drei italienischen Journalisten. Darin geht es um Weine, die den dreien richtig gut geschmeckt haben, die man für gewöhnlich allerdings nicht bei jedem x-beliebigen Händler bekommt. Weine aus den eher unbekannten Ecken Italiens oder aber Weine von eher unbekannten Winzern aus den bekannteren Regionen.
Da sich die drei auch richtig Zeit für ihre Recherchen nahmen, die Winzer besuchten und sich mit ihnen unterhielten, waren die Besprechungen von Wein und Winzer tatsächlich neu und spannend und nebenbei auch richtig gut geschrieben. Insgesamt wurden allerdings gerade einmal ca. 120 Weine portraitiert, es wurde aber auch nie der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Und entdeckt haben die drei tatsächlich viel. Weshalb hier auch kurz das Inhaltsverzeichnis abgedruckt sei. Richtig gute Weine, die ich mittlerweile probiert habe, sind markiert.
Rotweine

Italienische Schaumweine boomen, wobei man dieses Statement auch deutlich präziser formulieren kann. Das Prosecco und seine Frizzante boomen – und zwar so sehr, dass auch die frechen Gebietsvergrößerungsdiskussionen und Pestizidskandale sanft wie ein frischer Frühlingswind an ihnen vorbeistreifen und so schnell in Vergessenheit geraten wie die meisten Prosecchi, die man je im Glas hatte. Obwohl sich die meisten Händler, Supermarktketten, Wirtsleute und Tankstellenbetreiber vor allem am potenziellen Profit orientieren und bezüglich italienischer Frizzante folglich meist exklusiv auf Prosecco setzen, ist es erfreulich, dass sich viele gebietsfremde Winzer davon nicht irritieren lassen und dem süßlichen Kommerzsprudel für das gleiche Geld oft wesentlich hochklassigere Beispiele entgegensetzen.

10 Beispiele exzellenter Proseccoalternativen

Claudio Plessi, Tarbianein (Emilia-Romagna): Ein fantastischer, barocker, mundfüllender nur sanft sprudelnder Frizzante aus Trebbiano di Spagna, der Rebsorte, die ansonsten fast ausschließlich für Aceto Balsamico verwendet wird.  (Leider nur vor Ort erhältlich)

Cirelli, Wines Of Anarchy (Abruzzen): Francesco Cirelli ist ein exzellenter Winzer, der normalerweise mit Stillweinen aus Montepulciano und Trebbiano punktet. Aus letzterer Rebsorte keltert er seit kurzem auch einen rifermentato, der rustikal und frisch nach Salz, weißen Blüten und gelben Früchten schmeckt. (wineyou.it – verschickt nach AT und DE)

Nevio Scala, Gargante (Veneto): extrem vitaler, feingliedriger und klarer Garganega-Sprudel aus den Colli Euganei vom ehemaligen italienischen Fußballnationalspielers und Trainer des BVB und AC Parma. www.vinonudo.at

Bera, Moscato d’Asti (Piemont): Der beste Moscato d’Asti, den ich kenne. So filigran, fein, und zurückhaltend, dass man die begleitende Süße nur als dezentes Detail wahrnimmt. Gianluigis Moscato ist, so unwahrscheinlich das klingen mag, ein leiser Wein, dessen florale und fruchtige Aromen sich hinter kühler Mineralität verstecken. Toll.  (Leider habe ich keine Ahnung, wo man den Wein im deutschsprachigen Raum bekommen kann)

Ca’ de Noci, Querciole (Emilia-Romagna): Animierend, geradliniger und profunder Frizzante der Brüder Masini aus den Hügeln südlich von Reggio Emilia. Aus der wenig bekannten aber für Schaumwein prädestinierten Sorte Spergola gekeltert. Elegant und pulsierend, von Grapefruit und Tonic geprägt. Ungeschwefelt. www.vinonudo.at

Camillo Donati, La mia Malvasia (Emilia Romagna): Einer der Großmeister in Sachen natürlicher Schaumweinvinifizierung. Aromatisch, intensiv duftig, filigran und persistent. Macht Spaß und hat doch genug Charakter, um sich ein paar Gedanken darüber zu machen. (Findet sich bei einigen italienischen Händlern, die für gewöhnlich auch nach AT und DE verschicken.)

Castello di Stefanago, Blanc de Blancs ancestrale (Lombardei): Eigenwillige aber exzellente Cuvée aus Chardonnay, Müller-Thurgau und Riesling. Ein rifermentato mit einer Reifezeit in der Flasche wie ein Champagner. Ungefähr wie ein solcher – lebhaft, strukturiert, mit weißen Blüten und Hefearomen – schmeckt er dann auch. www.vinonudo.at

La Marca di San Michele, Numero Zero: Exzellentes Weingut aus Cupramontana, dem Epizentrum des Verdicchio. Daraus entsteht auch der Numero Zero, ein vitaler, mineralischer und von Blüten unterlegter Extra-Brut. Top. (aus Italien verschickt die Enoteca Galli)

Cascina Boccaccio Infernot (Piemont): 100% Cortese. Rifermentato. Ohne irgendwelche Zusätze in der Flasche vinifiziert. Ungeschwefelt und ungefiltert. Ein großer Trinkspaß. Fruchtig, dynamisch und für gewöhnlich knochentrocken. 

Davide Spillare L1 (Veneto): Davides L1 riecht nach Holunderblüten und Zitrusfrüchten, ist dank eines fünfprozentigen Anteils der stark säurehaltigen Durella spritzig und lebendig und ansonsten doch von der weichen Textur der Garganega geprägt. www.vinonudo.at


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