Ribelà

Ribelà ist ein junges Projekt in einer steinalten Weinregion. Ins Leben gerufen wurde es von Chiara Bianchi und Daniele Presutti in Monte Porzio Catone an der Peripherie von Rom, innerhalb des wunderschönen Parco dei Castelli Romani.

Ribelà liegt damit innerhalb der berühmt-berüchtigten Frascati-Zone. Ihre Weine haben allerdings mit dem, was hier sonst so produziert wird, wenig zu tun. Wobei den beiden durchaus an der Geschichte ihrer Region liegt, doch wollen sie diese verständlicherweise neu deuten und nicht so, wie das über die vergangenen Jahrzehnte von nahezu allen Frascati-Produzenten getan wurde. 

In wenigen Worten bedeutet das: Biodynamischer statt hyperkonventioneller Weinbau, Biodiversität statt Monokultur, geringe Erträge statt Masse vor Klasse, Individualität statt Uniformität, handwerkliche Vinifikation statt computergesteuerte Industrieproduktion und vieles mehr.

Die Voraussetzungen dafür sind ideal. Das Klima ist maritim, aufgrund der Höhenlage und der unterschiedlichen Expositionen der Weingärten jedoch selten zu warm; die Böden basieren grundsätzlich auf vulkanischem Gestein. Sie sind fruchtbar – müssen folglich kaum gedüngt werden – und gut wasserdurchlässig. 

Essentiell für ausdrucksstarke Weine ist es, den prinzipiell üppigen Traubenbehang einigermaßen in den Griff zu bekommen und den richtigen Lesezeitpunkt zu erwischen. Chiara und Daniele gelingt das fast immer. Mit ihrem für die bewirtschaftete Rebfläche recht breitem Rebsortenspektrum, zu dem neben den traditionell weißen Varietäten der Gegend auch die – früher in der Region weit verbreitete – rote Cesanese gehört, zeigen die beiden, was im Frascati alles möglich wäre, wenn sich der Ehrgeiz nicht darauf reduzieren würde, die Vorstadtbars von Rom und die Discounter der Welt zufriedenzustellen.


Chiara Bianchi und Daniele Presutti
Adresse: Via San Eusebio 3, Monte Porzio Catone
Telefon: –
E-mail: info@cantinaribela.it
Webseite: cantinaribela.it

 

Weine – eine Auswahl

Chiara und Daniele orientieren sich im Keller an den Prinzipien der Naturweinbewegung. Für ihre Holzfässer vertrauen sie auf die Handwerkskunst von Alfredo Sannibale aus Albano, dem letzten noch verbliebenen Küfer der Castelli Romani.

Ribelà Bianco: Der paradigmatische Weißwein von Ribelà besteht zu gleichen Teilen aus Malvasia Puntinata, Trebbiano und Bombino Bianco, wurde sofort abgepresst und im Stahltank ausgebaut. Er ist erfrischend, leichtgewichtig und riecht subtil nach Blüten und Äpfel. Er ist mürb und leicht cremig, mit einer bestens eingebundenen nie aggressiven Säure und viel Trinkfluss. Einfach, aber genauso wie man sich Frascati grundsätzlich wünschen würde. (ca. € 15)

Saittole: Gewichtiger und profunder als der Bianco. Besteht größtenteils aus Malvasia Puntinata, ergänzt von Trebbiano. Wird für einige Tage mazeriert und danach teils in Stahl und teils in Holz vinifiziert. Ist druckvoll, saftig und aromatisch. Vereint Substanz mit einer geradlinigen Textur. Sehr gut. (ca. € 25)

Pentima: Ein reinsortiger Malvasia Puntinata, der über einigen Monate mazeriert und in einem Kastanienholzfass ausgebaut wird. Vielschichtig und intensiv. Ist trotz seines langen Schalenkontakt nicht sperrig. Wirkt erstaunlich elegant und animierend. (ca. € 25)

Ferrigno: Cesanese. Leichtgewichtiger und eleganter als die meisten Beispiele aus den beiden Cesanese-Hochburgen Piglio und Olevano Romano. Rotfruchtig, frisch, einladend. Vereint Tiefe mit Trinkfluss. Eine etwas andere aber absolut gelungene Version der großen roten Rebsorte des Latiums. (ca. € 25)


Rebsorten: Malvasia, Trebbiano, Bombino Bianco; Cesanese, Sangiovese
Rebfläche: 2 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein
Weitere Produkte: Italian Grape Ale, Olivenöl, Grappa


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: Rocket Wine (Berlin); Origin Kiosque (München)

 

Castelsimoni

Manuela Castellani und Paolo Simoni, kurz Castelsimoni, haben ein Weingut an einem Ort gegründet, wo andere Bauern Linsen und Kartoffeln anbauen und Hirten ihre Schafe weiden lassen – wohin sich aber bisher keine anderen Winzer gewagt haben.

Auf 800 Metern Höhe, direkt am westlichen Hangfuß des Gran Sasso, des mit knapp 3000 Metern höchsten Berg des Apennins, haben die beiden inmitten 2009 ihren ersten Reben ausgepflanzt – keinen Montepulciano und keinen Trebbiano, wie sonst in den Abruzzen üblich, sondern Pinot Nero, Riesling, Chardonnay und Traminer, Rebsorten, die wesentlich besser mit den recht kühlen Bedingungen dort oben umzugehen wissen.

Man kann davon ausgehen, dass die beiden wussten, was sie taten – Manuela ist Biologin und Paolo Geologe. Beide sind felsenfest davon überzeugt, dass die Zukunft des Weinbaus in der Höhe liegt; und damit dürften sie angesichts der Klimaveränderungen der letzten Jahre wohl auch recht haben. 

Auch wenn Spätfrost ein nicht unwesentliches Problem darstellt, gedeihen ihre Trauben grundsätzlich prächtig. Weshalb Manuela und Paolo auch jedes Jahr aufs Neue ein paar Reben mehr in das felsige, von Kalk durchsetzte Terrain setzen und mittlerweile auf ein kleines aber feines Sortiment bauen können.

Das ist bei Rot- wie Weißweinen, wie nicht anders zu erwarten, generell schlank und elegant und von kühlen, klaren und präzisen Aromen geprägt.


Manuela Castellani und Paolo Simoni
Adresse: Via Solferino – Preturo
Telefon: +39 347 246 1700
E-mail: info@castelsimoni.it
Webseite: castelsimoni.it

 

Weine – eine Auswahl

Lupa Bianca: „Die weiße Wölfin“ – die vermutlich auch gelegentlich durch die Weingärten streift – ist ein Riesling, der auf einem Südhang gewachsen über sechs Monate bei sukzessiver Battonage auf der Hefe bleibt, danach ungefiltert gefüllt wird und schlussendlich über 40 Monate in der Flasche sein Gleichgewicht findet. Er ist kühl, ausgewogen und elegant, riecht nach Zitrusfrüchten, Kräutern und weißen Blüten und klingt knochentrocken, straff und vital aus.

Tramè: Traminer, der bei kühlen Temperaturen über einige Tage in Kontakt mit seinen Schalen bleibt. Das gibt ihm Struktur, die zudem von einer präsenten aber nie vordergründigen Säure ergänzt wird. Die Aromen sind wie es sich für einen Traminer gehört: intensiv, floral und ein wenig exotisch.

Diamante Nero: Ein Pinot Nero, der über ein Jahr in einem großen Holzfass ausgebaut wird und danach noch ein weiteres in der Flasche reift. Riecht nach Kräutern und Waldbeeren, ist leichtgewichtig, spielerisch und elegant, mit durchaus spürbaren Gerbstoffen und einer kühlen, strukturierenden Säure. Endet subtil, fein-aromatisch und lang.


Rebsorten: Riesling, Traminer, Chardonnay; Pinot Nero
Rebfläche: 2 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: nein
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: –

AT/DE/CH: –

 

Caprera

Im Herzen der Abruzzen, zwischen den beiden eindrucksvollen Gebirgszügen der Majella und des Gran Sasso, befindet sich Caprera, das 2013 von Alfonso Morelli und Luca Virgilio gegründete Weingut.

Wobei das Wort Weingut hier – wie so oft in den Abruzzen – zu kurz gegriffen ist. Auf den insgesamt 22 Hektar wachsen insgesamt vier Hektar Reben – hinzu kommen rund 500 Olivenbäume, einige Hektar Getreidefelder mit alten Sorten, aus denen die beiden Pasta machen, und viel Wald. 

Entscheidende Bedeutung in ihrem Konzept hat das sie umgebende Ökosystem, das in seiner Vielfalt bewahrt und in seiner immensen Komplexität verstanden werden soll. Ziel der beiden ist es, ein Gleichgewicht zwischen Kulturpflanzen und wild wachsender Flora und Fauna herzustellen – weshalb ihre komplette Fläche selbstredend biologisch bewirtschaftet wird. Abgesehen davon haben sie zwischen die kultivierten Flächen Hecken und Kräuter gepflanzt, die Bodenarbeiten auf ein Minimum reduziert. Zur Boden- und Pflanzenstärkung bringen sie eigene und biodynamische Präparate aus. 

Die Weingärten sind mit den üblichen Verdächtigen der Region bestockt. In den tiefgründig lehmigen Flächen wurzelt Montepulciano, in den gleichfalls lehmigen aber etwas kompakteren Böden hingegen Trebbiano abruzzese.

Gefüllt werden insgesamt drei Weine: ein Weißwein, ein Rosé und ein Rotwein, die allesamt nach den Prinzipien der Naturweinbewegungen vinifiziert sind. In wenigen Worten bedeutet das, dass spontan und ohne Gärhilfen vergoren, weder geschönt noch gefiltert und nur minimal geschwefelt wird. Die Weine haben aufgrund der sonnigen, nachts aber oft sehr frischen Verhältnisse Struktur und Substanz, sind glasklar, direkt und sehr lebendig.

Weine – eine Auswahl

Trebbiano d’Abruzzo Fortuna: In einem Weingarten auf rund 400 Metern gewachsen. Im Stahltank ausgebaut. Frisch, einladend und präzis. Kamille, Kräuter, Zitrusnoten, Blüten. Ausgewogen. Verfügt über eine engmaschige aber animierende Textur. Kühles Finish. Sehr gut.

Cerasuolo d’Abruzzo: Rosé aus Montepulciano. Kurzer Schalenkontakt. Ausbau im Stahltank. Kirschen, Rosen und Kräuternoten. Straff und lebendig, dabei durchaus mit Körper und Substanz. Exzellenter Essensbegleiter. 

Montepulciano d’Abruzzo: Gleichfalls im Stahltank ausgebaut. Kräftig, intensiv, stoffig; ist dank ausreichender Säure und engmaschigem Tannin bestens strukturiert. Reife Kirschen, Lakritze und Tabaknoten prägen das Aromaprofil. Endet konzentriert, dunkelfruchtig und lang. Sehr gut.


Alfonso Morelli und Luca Virgilio
Adresse: Via Vasca, Pietranico
Telefon: 3281913589
E-mail: info@agricolacaprera.it
Webseite: agricolacaprera.it


Rebsorten: Trebbiano abruzzese; Montepulciano
Rebfläche: 4 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: –

Podere San Biagio

Wörter und Bilder spielen eine wichtige Rolle bei der Podere San Biagio, dem Weingut von Jacopo Fiore. Das beginnt schon mit dem Ort, an dem 1980 der Bauernhof der Familie entstanden ist: Controguerra – gegen den Krieg – heißt die kleine Ortschaft, die zwischen sanft dahinrollenden Hügeln liegt, die mit Olivenbäumen, Getreide und Reben bepflanzt sind.

Zum Meer sind es mit dem Auto 20 Minuten, in die Berge – die Monte Gemelli und die Monte Sibellini – dauert es unwesentlich länger. Wer hier also einen vielseitigen Urlaub verbringen will, macht keinen Fehler und kann das auch im Agriturismo von Jacopo und seiner Familie tun.

Dort lassen sich selbstredend auch ihre Weine probieren und kaufen. Die stammen allesamt aus lange praktizierter biologischer Bewirtschaftung. Jacopos Eltern beschlossen bereits in Zeiten, als es diesbezüglich noch kein bindendes Regulativ gab, auf Pestizide & Co. zu verzichten. Und als ihr Sohn dann 2014, nach Jahren als Musiker und Tätowierer, wieder nach Hause zurückkehrte, änderte er daran nichts. Im Gegenteil: Er wagte es, auch im Keller zunehmend auf Gärhilfen zu verzichten und dem Geschmack der natürlich fermentierten Trauben das erste und letzte Wort zu überlassen.

Abseits der Produktionsschritte veränderte er auch die Etiketten, die einen Blick zurück auf seine Vergangenheit als Tätowierer werfen. Und er benannte die Wein um: Sein Montepulciano heißt beispielsweise Cafone, ein alter neapolitanischer Ausdruck, der auf die Unsicherheiten der Bauern in der Großstadt verweist, wo sie ihre Kinder auf den umtriebigen Plätzen vorsichtshalber an einer Leine (ca’ fune) führten. Der Migrante, Jacopos Pecorino, verdankt seinen Namen hingegen der Tatsache, dass er von herumschweifenden Hirten in der Gegend um Controguerra eingeführt wurde. 

Neben den beiden wichtigsten Rebsorten der Nordabruzzen wurzeln in den kalk- und lehmreichen Böden der Podere San Biagio auch noch Passerina und Trebbiano abruzzese. Aus ersterer wird ein quicklebendiger Frizzante produziert, aus letzterem ein strukturiert-gehaltvoller Amphoren-Weißwein. Außerdem gibt es bei den Fiores selbstproduzierte Pasta und selbstgepresstes Olivenöl.

Weine – eine Auswahl

Sgarzella: Passerina Frizzante. Zweitgärung in der Flasche (rifermentato). Passerina eignet sich aufgrund ihrer stets hohen Säure perfekt für vitale Schaumweine. Sie zischt folglich auch in Jacopos Version belebend über den Gaumen und hinterlässt dort Spuren von Grapefruits, Äpfeln und Kräutern.

Trebbiano Colle Aprutini: In der Amphore vergoren und ausgebaut. Druckvoll, intensiv, ein Wein mit Spannung und Energie. Gelbfruchtig, Blüten und Zitrusnoten. Wirkt straff und gleichzeitig gehaltvoll. Braucht für gewöhnlich etwas Zeit.

Pecorino Migrante: Zweitägige Mazeration. Ausbau im Stahltank. Kräuter, Heu, saftige Kernobstnoten. Kraftvoller Körper. Ist geradlinig und dank einer zupackenden Säure bestens strukturiert. Wirkt kühl und ausgewogen am Gaumen.

Montepulciano Cafone: Sehr zugänglicher, eher leichtfüßiger Montepulciano. Relativ kurz in Kontakt mit den Schalen. Saftige Kirschnoten, Pfeffer, Gewürznelken. Dynamisch und vital bei meist nicht zu knappem Alkohol. 

Kontakt

Jacopo Fiore
Adresse: Contrada da San Biagio, Controguerra
Telefon: (+39) 349 8746769
E-mail: info@fiorepoderesanbiagio.it
Webseite: fiorepoderesanbiagio.it

Rebsorten: Pecorino, Trebbiano, Passerina; Montepulciano
Rebfläche: 5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: rollingwine.it

AT/DE/CH: –

Oltretorrente

Oltretorrente, das sind Chiara und Michele, zwei junge Agronomen aus Mailand, die nach ihrem Studium ihrem Wunsch Winzer/in zu werden, Taten folgen ließen. Ohne auf große Reserven oder ein paar geerbte Hektar zurückgreifen zu können, wagten sie 2010 den Sprung ins kalte Wasser und fingen mit eineinhalb Hektar Weingärten in Paderna in der Colli Tortonesi an.

Nach absehbar schwierigen ersten Jahren, sind mittlerweile weitere 5,5 Hektar hinzugekommen, genau soviel wie die beiden zu zweit bewirtschaften können. Bestockt sind die insgesamt 10 Parzellen mit den klassischen Rebsorten der Gegend, allen voran Barbera und Timorasso. Die Reben sind größtenteils alt, manche haben 100 Jahre auf dem Buckel.

Die Bewirtschaftung ist seit den Anfängen biologisch, zertifiziert ist man seit 2012. Abgesehen von der grundsätzlichen Notwendigkeit ihren Reben und sich selbst ein möglichst lebenswertes Ambiente zu schaffen, sind die beiden auch felsenfest davon überzeugt, dass sich nur in einem gesunden und biodiversen Umfeld die Geschichte ihrer Region in ihren Weinen nacherzählen lässt.

Und genau darum geht es den beiden. Sie wollen mit durchaus zeitgenössischen Methoden, die Traditionen und das Terroir der Colli Tortonesi einfangen. Im Keller vertraut man auf wilde Hefen für die Vergärung und auf große Zementbottiche und alte Barriques für den Ausbau. Entstanden ist so ein Sortiment, das in weiß wie in rot zum spannendsten gehört, was man in der ohnehin umtriebigen und an exzellenten Weinen nicht armen Ecke bekommen kann.


Oltretorrente 
Adresse: Via Cinque Martiri, Paderna
Tel: 3484027271 oder 339 8195360
Email: info@otretorrente.com
Webseite: www.oltretorrente.com

Weine – eine Auswahl

Colli Tortonesi Derthona: 100% Timorasso. Sanfte Ganztraubenpressung. 10-monatiger Ausbau in Zement + weitere 5 Monate in der Flasche. Klassischer Timorasso. Weiße Früchte, weiße Blüten, Stein. Lenkende Säure. Salzig. Lang. (ca. € 20)

Bianco Colli Tortonesi: weiße Cuvée aus Cortese, Favorita, Timorasso und Moscato.  Ausbau über acht Monate im Stahltank und weitere drei in der Flasche. Gleichfalls Blütennoten, generell allerdings aromatischer und auch etwas breiter als der Derthona. (ca. € 15)

Colli Tortonesi Rosso: Größtenteils Barbera, ein wenig Dolcetto. 30-tägige Mazeration. Über acht Monate in Zement ausgebaut. Lebendig, dicht, saftig. Rotfruchtig und würzig. (ca. € 15)

Barbera superiore: Trauben von steinalten Reben. Minimaler Ertrag (30hl/ha). Gärung und Mazeration in Zement. Ausbau über 18 Monate in gebrauchten Barriques und sechs Monate in der Flasche. Intensive Aromatik. Vielschichtig. Dunkle rote Frucht, Pfeffer und Gewürze. Knackige Säure trifft auf eine profunde Textur. Bestens strukturiert. Tief. Hat bis zum Ende und darüber hinaus Substanz und Energie. Brillant. Einer der besten Barbera Italiens. (ca. € 25)


Rebsorten: Timorasso, Cortese, Favorita, Moscato, Barbera
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: tannico

AT/DE/CH: –

 

Col di Corte

Col di Corte liegt mitten im Herzland des Verdicchio. Die Rebflächen des Weinguts erstrecken sich über sanfte Hügel rund um die kleine Gemeinde Montecarotto.

Es geht auf das Konto von drei Freunden, unter ihnen Giacomo Rossi, der federführend bei der Planung von Jonathan Nossiters mehr als sehenswerten Film über die italienische Naturweinszene „Resistanza naturale“ war. Es verwundert also wenig, dass Giacomo und seine beiden Kumpels den im Film vermittelten Ideen folgen. Seit 2015 ist Col di Corte biologisch zertifiziert, seit 2016 werden zudem biodynamische Präparate ausgebracht.

Insgesamt 11 Hektar werden auf diese Art und Weise bewirtschaftet, wobei Verdicchio mit vier Hektar zwar die größte Fläche innehat, der Schwerpunkt jedoch generell auf roten Rebsorten liegt. Allen voran Montepulciano, aber auch Sangiovese und Lacrima (Lacrima heißt auf italienisch Träne und genau so schauen die Beeren auch aus). Vinifiziert werden derzeit insgesamt sieben Weine, zwei Rifermentati, zwei Verdicchio und drei Rotweine.

Die Weinwerdung vollzieht sich nach den Prinzipien der Naturweinszene: es wird spontan und ohne Gärsteuerung vergoren, weder geschönt noch gefiltert und minimal geschwefelt. Die Weine sind früh antrinkbar, zeichnen sich durch Klarheit, Vertikalität, kühle und harmonische Aromen und viel Trinkfluss aus.


Col di Corte
Adresse: Via San Pietro 19/a, 60036 Montecarotto
Telefon: +39 0731 89435
E-mail: info@coldicorte.it
Webseite: www.coldicorte.it

 

Weine – eine Auswahl

Becce: Col di Cortes geglücktes Tribut an den Lambrusco, vinifiziert aus 100% Lacrima di Morra. Zweitgärung in der Flasche. Kein Degorgement. Schwarze Kirschen, Lavendel, Rosen. Lebendig und voller Energie. Zischt frisch und fruchtig durch die Adern. Hat Tiefe und macht Spaß.

Vigneto di Tobia: Verdicchio von 1975 gepflanzten Reben. Lehmig-kalkiger Untergrund. In Stahl vergoren und gereift. Saftig, kühl und klar. Präzise Fruchtaromen. Hat Substanz und Frische. Sehr schöner Einstieg in die Welt des Verdicchios. 

Sant’Ansovino: Col di Cortes Top-Verdicchio. Stammt von alten Reben. Wird spät aber ohne Botrytis gelesen. Kurzer Schalenkontakt. Wird über 12 Monate teils in Edelstahl und teils in Holz gereift. Kraftvoll, dicht, geradlinig. Weiße Blüten, feine Würze, reife gelbe Frucht. Hat viel Zug zum Gaumen hin, verharrt dort lang und nachhaltig. Sehr gut.

Esino Rosso: Sehr sympathische Montepulcianointerpretation. Leichtgewichtiger und trinkiger als die Versionen aus den Südmarken oder den Abruzzen. Hat dabei doch alle Attribute, die guten Montepulciano auszeichnen: rote und schwarze Waldbeernoten, eine griffige Textur, eine spürbare aber nie aufdringliche Würze, eine bündelnde Säure und ein balsamisch-erdiges Finish. 


Rebsorten: Verdicchio; Montepulciano, Lacrima, Sangiovese
Rebfläche: 11 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: –

 

Casa Coste Piane

Loris Follador ist der Veteran unter den Rebellen des Prosecco, die anarchistische Gegenstimme, die Urquelle des Widerstands, der poetische Apologet seines Terroirs.

Sein Weingut Coste Piane ist der Ort, an dem die Tradition des Col Fondo – jener, in der Flasche vergorenen, nicht degorgierten und oft knochentrockenen Frizzante – wiederbelebt wurde und an dem sich all jene Winzer orientieren können, die keine Lust haben, den süßlich-klebrigen Weg des offiziellen Prosecco-Komitees und der meisten seiner Winzer mitzugehen. 

Loris – mittlerweile unterstützt von seinen beiden Söhnen Adelchi und Raffaele – produzierte ab 1970 allein auf weiter Front selbst dann flaschenvergorene Weine als sie völlig aus der Mode waren. Er glaubte an sie – an ihre Lebendigkeit, Harmonie und Finesse und nicht an das, was rund um ihn in die Flasche kam: sterile, aufgezuckterte, mikrofiltrierte Industrieware ohne Grazilität und Seele, deren bester Verwendungszweck oft genug darin besteht, sie mit Aperol zu vermischen.

Seine insgesamt sechs Hektar Weingärten verteilen sich auf die mitunter besten Lagen von Cartizze, der qualitativen Top-Zone des Prosecco: in Campea, einer auf sandigen Böden basierenden Riede, sind die Reben in Oliven und Kastanienhaine eingebettet. Höher oben, in der Combai regieren Schotter und Kalk und geben den Weinen, laut Loris, Mandelaromen mit auf den Weg, während in Santo Stefano, einer Zone mit viel Mergel, die spätere Weinaromatik von Lakritze geprägt ist.

Loris glaubt fest an den Einfluss des Bodens auf die Aromen im Wein und versucht sie so präzis wie möglich in ihm nachzuerzählen. Dafür tut er das, was seiner Ansicht nach im Keller notwendig ist. Und das ist nie nichts. Im Gegenteil. Auch wenn er auf keine chemischen Additiva zurückgreift, weiß er – besser als viele andere –, dass Wein letzten Endes ein Kulturprodukt ist, das fortwährender Pflege bedarf. Er achtet penibel auf den Lesezeitpunkt und die Qualität seiner Trauben,  presst behutsam, gibt dem Most ausreichend Zeit, um sich von selbst zu klären,  zieht die Weine vor der Füllung mehrfach um und versucht so jeden Fehlton zu vermeiden. In der Folge entstehen klare, oft hochmineralisch, kühl-strukturierte Weine, die das Prosecco und sein komplexes Terroir detailreich repräsentieren. 

Weine – eine Auswahl

Prosecco di Valdobbiadene ‚Frizzante … naturalmente: 100% Glera. Federleicht. Elegant. Subtil. Feine Perlage. Weiße Blüten, mineralisch, leichte Hefenoten, ein wenig Zitrus. 

‚Brichet Frizzante… naturalmente’: 90% Glera, 10% Verdiso. Stammt von einem Weingarten der Lage Combai. Kühl, straff, feingliedrig. Elegant und delikat. Steinige und kräuterige Noten. Minze und Melisse. Staubtrocken. Subtile Perlage. 

Kontakt

Loris Follador
Adresse: Strada Coste Piane 2
Telefon: 349 4317292
E-mail: info@casacostepiane.it
Webseite: www.casacostepiane.it


Rebsorten: Verdiso, Glera
Rebfläche: 7 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine, enoteca galli

AT/DE/CH: –

Palazzo Tronconi

Palazzo Tronconi ist ein Gesamtkunstwerk. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil es das Weingut erst seit 2010 gibt. Es geht auf die Kappe von Marco Marrocco und ist, anders als es der Name suggeriert, kein altes Gemäuer, sondern perfekt in die Landschaft eingepasste Gegenwartsarchitektur. Darin befinden sich die Büros, ein Restaurant und die Kellerei, in der derzeit acht verschiedene Weine vinifiziert werden, die abgesehen davon, dass sie durch die Bank sehr gut schmecken, auch eine Kulturleistung darstellen. 

Zum einen weil Marco seine Weingärten biodynamisch bewirtschaftet, vielmehr aber weil er sie mit Rebsorten bepflanzt hat, die einen weiten Blick zurück in die Weingeschichte des Latiums und speziell der Region rund um Arce werfen, wo sich das Weingut befindet: Maturano Bianco, Pampanaro, Capolongo, Olivella und Lecinaro wurden zwar angeblich schon im Königreich Neapel begeistert konsumiert, heute findet man die Rebsorten allerdings so gut wie nirgendwo mehr.

Zumindest bis Marco Marrocco begann, sie im Valle del Liri am nördlichen Ausläufer des – mehr als sehenswerten – Drei-Regionen-Nationalparks Abruzzen, Molise und Lazio neu auszusetzen oder wieder instandzusetzen. Bei seinem Projekt behilflich waren ihm der Biodynamik-Experte Michele Lorenzetti und Piero Macciocca vom gleichsam exzellenten Weingut La Visciola.

Dessen elegante Handschrift hat im Keller seine Spuren hinterlassen, wo die Weine spontan in Zement vergoren, für gewöhnlich in 500 Liter Holzfässern gereift und ungeschönt und ungefiltert abgefüllt werden.


Palazzo Tronconi

Via Corte Vecchia, 44
03032 Arce (Fr) – Italia
+39 0776 539678
info@palazzotronconi.com
palazzotronconi@legalmail.it
www.palazzotronconi.com

 

Weine – eine Auswahl

Fregellae: Pampanaro, Maturano bianco und Capolongo. In Akazienfässern ausgebaut. Zitrusnoten, floral, filigrane Frucht. Hat Tiefe ohne anstrengend zu sein. Fließt ausgewogen und unbeschwert über den Gaumen. Sehr gut.

Fatìa: Die kleine Schwester des Fregellae. In Zement vergoren und ausgebaut. Der weiße Einstieg. Blüten, Zitrus, frisches Kernobst. Geradlinig, strukturiert, erfrischend. 

Mocevò: Aus autochthonen roten Sorten gekeltert. In 500 Liter Fässern gereift. Trockenobst, reife rote Früchte, süße Würze, Pfeffer. Rund. Kein forderndes Tannin. Recht kräftig und intensiv. Leichter Holzton.

Gizziello: Rifermentato, ergo: Rosato Frizzante mit einer Zweitgärung in der Flasche. Nicht degorgiert. Die Rebsorte ist Lecinaro, die sich aufgrund ihrer hohen Säure und ihres generell leichten Körpers optimal für den Ausbau von Rosé und Frizzante und natürlich Rosé Frizzante eignet. Straff, vibrierend, saftig. Rosen, Zitrus und rote Früchte.

Donnicò: 100% Olivella. Wurde über 12 Monate im Tonneaux gereift. Gleichfalls eine alte rote Rebsorte aus dem südlichen Lazio. Mediterran. Rotfruchtig. Kräuter und Pfeffer am Gaumen. Elegant und direkt. Weiche Tannine. Präsente Säure. Nie ausladend. Ausgewogen und saftig. Sehr gut.


Rebsorten: Maturano Bianco, Pampanaro, Capolongo, Sauvignon Blanc; Olivella, Syrah und Lecinaro
Rebfläche: 18 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja, Demeter
Wohnmöglichkeit: ja


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: vinisud

AT/DE/CH: –

 

La Visciola

Piero Macciocca und Rosa Alessandri und ihr Weingut La Visciola sind in Piglio zu Hause. In den Weingärten rund um den kleinen Ort entstehen die mitunter besten Rotweine des Latiums. Die sind – obwohl seit 2008 immerhin DOCG – zwar außerhalb der Region quasi unbekannt, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Verdient wäre es allemal. Was zum einen an Personen wie Piero und Rosa liegt, zum anderen aber auch an Cesanese, der großen roten Rebsorte Piglios. 

Piero und Rosa machen die vielleicht besten (andere exzellente Versionen stammen von Carlo Noro, Riccardi Reale und Damiano Ciolli), ganz sicher aber die elegantesten Cesanese – was nicht immer ganz leicht ist, tendiert die Sorte doch dazu, reichlich Zucker in ihren Trauben einzulagern und folglich recht alkoholreiche Weine zu ergeben. Die beiden profitieren jedoch gleich von gleich mehreren Faktoren, die ihre Interpretationen der Sorte straffer und weniger korpulent als die anderer Winzer werden lassen – zum einen liegen ihre vier Weingärten auf ca. 400 Metern Höhe und sehen sich dort oben kühlen Winden ausgesetzt, die aus der an sie anschließenden Hügellandschaft der Ciociaria herabwehen. Zum anderen sind ihre Reben alt und bestens an ihr Terroir angepasst. Und zu guter Letzt bewirtschaften die beiden seit der Gründung des Weinguts 2005 ihre Rebflächen biodynamisch, was grundsätzlich zu einer etwas früheren Lese als in konventionell kultivierten Weingärten führt.

Im Keller – der mehr einer Garage ähnelt – werden die Trauben auf höchstem handwerklichem Niveau verarbeitet. Alle vier Cesanese Weingärten werden separat vinifiziert und ausgebaut. Hinzu kommt auch noch eine Charge mit der weißen Passerina. Vergoren wird spontan, geschönt und gefiltert wird nicht, geschwefelt minimal.

Weine – eine Auswahl

Priore ist gleichbedeutend mit Cru oder Einzellage.

Priore Vignali: 100% Cesanese. Leicht, spielerisch, elegant. Blüten und rote Früchte. Weiche Tannine. Ausgewogen. Fließt belebend und doch lang über den Gaumen.

Priore Ju Quarto: 100% Cesanese. Das Gegenteil des Vignali. Kraftvoll, intensiv, mit ordentlich Fleisch am Körper. Dunkler und würziger. Präsente Tannine. Warmes Finish.

Priore Ju Lattaro: 100% Cesanese. Schlägt die Brücke zwischen den beiden vorangegangenen Weinen. Hat Power und zudem Finesse. Bettet seine Energie in einen strukturierten Körper. Macht Druck in Richtung Gaumen. Langes Finish. Sehr gut.

Priore Mozzatta: Normalerweise die Nummer eins unter den vieren. Ist subtil, komplex, geradlinig, elegant, kraftvoll und ausdrucksstark. Vereint rote Fruchtaromen mit süßer Würze und Blütennoten. Hat Zug und Tiefe. Top.


Piero Macciocca
Adresse: Contrada Carcassanno 40/76, Piglio
Telefon: +39 0775 501950
E-mail: macciocca.piero@libero.it


Rebsorten: Cesanese; Passerina
Rebfläche: 3 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: vinotecanezionale.it

AT/DE/CH: –

 

Raìna

Raìna, soviel sei schon einmal vorausgeschickt, gehört zu den besten Weingütern Umbriens und Zentralitaliens – und zwar nicht nur in einem, ausschließlich auf den Wein bezogenen, qualitativen Sinne, sondern in seiner gesamten Herangehensweise und Konzeption. 

Es geht auf die Kappe von Francesco Mariani, ein diplomierter Philosoph, der jahrelang als Koch in italienischen Top-Restaurants arbeitete, ehe er zum Weinbauern mutierte. Er erwarb das 10 Hektar Weingärten umfassende Weingut in Turri di Montefalco 2001 und gab ihm den Spitznamen des einstigen Besitzers – nicht die einzige Referenz an die Vergangenheit. Von 2002 bis 2008 bepflanzte er mehrere Lagen vornehmlich mit den Rebsorten der Gegend: allen voran Sagrantino, Sangiovese und Montepulciano aber auch Trebbiano Spoletino und Grechetto. Ergänzt wurde das regionale Quintett von den zwei internationalen Klassikern Merlot und Syrah.

Die Weingärten befinden sich zwischen 220 und 300 Metern Höhe, exponieren sich fast durchwegs in die Morgensonne und haben als Untergrund Kalk und Kiesel. Die Bewirtschaftung ist seit jeher zertifiziert biologisch. Seit 2012 setzt Francesco auch biodynamische Prinzipien in seinen Weingärten um, ein Schritt, der – meines Wissens – bisher nicht offiziell vollzogen wurde. Wie auch immer: Er verzichtet auf chemische Pflanzenschutzmittel, verwendet zur Stärkung der Reben Infusionen und Pflanzenpräparate und borgt sich zur Unkrautbeseitigung die Schafe des Nachbarn aus. Die Energie für den Betrieb stammt aus Solarzellen, das Wasser aus einem eigenen Brunnen.

Im Keller wird gleichfalls komplett auf Chemie verzichtet, mit der Ausnahme einer mikroskopischen Menge SO2 vor der Füllung. Die Gärung startet spontan, auf unnötige Interventionen (Verwendung von Enzymen, Mannoproteinen, Schönungsmittel etc.) wird verzichtet. Ausgebaut wird je nach Weintyp in Stahl, Zement oder Holz.

Francescos Weine sind durch die Bank ausgewogen, animierend, profund, lebendig und  gehaltvoll – bei ihm in Umbrien vorbeizuschauen, lohnt sich also allemal. Wer in größeren Gruppen unterwegs ist, kann – nach Voranmeldung und sofern es seine Zeit erlaubt – auch bei ihm essen.


Francesco Mariani
Adresse: Turri case sparse, 42
Telefon: +39 347 6014856
E-mail: info@vini-raina.it
Webseite: www.raina.it

Weine – eine Auswahl

Grechetto: Grechetto ist eine der langweiligsten Rebsorten, die ich kenne. Umso erfreulicher, dass Francesco es schafft, ihr erstaunlich spannende Seiten abzugewinnen. Nach zweitägigem Schalenkontakt, einem halben Jahr im Stahltank und einigen weiteren Monaten in der Flasche ist der Wein saftig, dicht, dynamisch, fruchtbetont und leicht kräuterig. (ca. € 11)

Trebbiano Spoletino: Ein anderes Kaliber. Einer achttägigen Zeit auf der Maische folgt ein halbjähriger Ausbau in Zement. Hat Druck und Zug, Eleganz und Finesse, herbstliche Aromen, Körper und Ausgewogenheit. Wirkt kühl und einladend und hat doch Tiefe und Substanz. Toller Wein. (ca. € 15)

Montefalco rosso: 70% Sangiovese und jeweils 15% Merlot und Sagrantino. Wird über zwei Jahre im großen Holz und danach noch weitere sechs Monate im Stahltank und in der Flasche gereift. Floral, dunkelfruchtig, erdig. Hat ein feingewobenes Gerbstoffgerüst und einen spürbaren Säurekern. Braucht für gewöhnlich etwas Luft und Zeit.  (ca. € 15)

Rosso della Gobba: 70% Sangiovese, 15% Montepulciano, 15% Sagrantino. 18 monatiger Ausbau im Stahltank. Feine Kräuternoten, dunkle Kirschen, süße Gewürze. Straff, dicht, unkompliziert. Toller Wein für alle Tage (ca. € 12)

Sagrantino di Montefalco: 100% Sagrantino. Ausbau über vier Jahre in Holz, Stahl und in der Flasche. Kompromisslos Sagrantino, ergo: Hat Power, Körper, Tannine und Alkohol und versteckt sie auch nicht. Hat aber auch Säure, Energie und saftige Aromen, die dem Wein Struktur und Trinkfluss geben. Übersteht problemlos zehn Jahre Kellerreife und profitiert vermutlich noch davon. Exzellent. (ca. € 26)

Vermouth: Ein paar hundert Liter Sagrantino und Peschiera di Pacina (ein Weißwein, den ich nicht kenne) zweigt Francesco ab und versetzt sie mit Kräutern (Lakritze, Zimt, Chinarinde, Rhabarber, Enzian und Zitrusfrüchte) und etwas Rohrzucker. Das ergibt dann einen Vermouth mit unzähligen ineinandergreifenden und bestens miteinander korrespondierenden Aromen, ordentlich Gerbstoff und lebendigem Säureprofil, einer konzentrierten Textur und immens langem Finale. Ein Meisterwerk.  (ca. € 30)


Rebsorten: Trebbiano Spoletino, Grechetto, Sagrantino, Sangiovese, Montepulciano, Merlot, Syrah
Rebfläche: 10 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Essmöglichkeit: ja, nach Voranmeldung


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine, decanto.it

AT/DE/CH: vinonudo.at

De Fermo

Es gibt mehrere Gründe, Loreto Aprutino einzuplanen, wenn man sich auf den Weg in die Abruzzen macht. Der kleine Ort liegt ziemlich genau auf halbem Weg zwischen dem Meer und dem schwer beeindruckenden Massiv des Gran Sasso. Er besitzt mit der Chiesa Santa Maria in Piano eine der schönsten romanischen Kirchen der Gegend (und in den Abruzzen gibt es eine ganze Menge davon), einen hübschen Ortskern, das beste Olivenöl der ganzen Region und die fantastischen Weine von Stefano Papetti und Eloisa de Fermo.

Stefano wuchs in Bologna auf. Obwohl seine Familie keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft hatte, begeisterte er sich bereits in seiner Gymnasialzeit für Wein. Mit 18 belegte er einen Sommelierkurs und machte erste Reisen ins Piemont, die Toskana und ins Friaul. Als Berufsziel kam Wein jedoch nicht in Frage. Stattdessen studierte er Jura in Bologna. Dabei lernte er seine spätere Frau Eloisa kennen, deren Familie aus den Abruzzen stammte und dort ein Gut besaß, das allerdings niemanden wirklich interessierte und verpachtet war. 

Für Stefano, der das Anwesen erst nach einigen Jahren zum ersten Mal zu Gesicht bekam, war es Liebe auf den ersten Blick – was wiederum nicht bedeutete, dass die beiden in Bologna alles an den Nagel hingen und in Richtung Abruzzen aufbrachen. Doch machte speziell er sich immer öfter in den Süden auf und eines Tages begann er einen ersten Hektar Reben selbst zu bewirtschaften. 

Im Gut selbst befand sich bereits damals ein (zwar renovierungsbedürftiger) Keller, sodass Stefano 2010 damit beginnen konnte, einen ersten Montepulciano zu vinifizieren. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Nach positiven Reaktionen von befreundeten Winzern kamen 2012 ein Weißwein und ein Cerasuolo (der berühmte Rosato der Gegend) hinzu. 2013 bewirtschaftete er bereits die kompletten 16 Hektar des Weinguts  – damals noch biologisch, mittlerweile biodynamisch.

So entstehen gegenwärtig sechs Weine – allesamt spontan vergoren, ungeschönt und ungefiltert und jeder auf seine ganz eigene Art und Weise spannend und eindrücklich. Absolut beeindruckend sind dabei vor allem die Weißweinen, allen voran der Chardonnay Launegild, ganz sicher einer der besten Weißweine Zentralitaliens. 

Weine – eine Auswahl

Concrete bianco: Pecorino, Chardonnay und Trebbiano. Relativ früh gelesen. Wird teils ganztraubengepresst, um die Struktur zu forcieren. Über 6-7 Monate in Zement ausgebaut. Frisch, saftig, einladend. Kräuter und Blütennoten. Animierend und früh antrinkbar.

Pecorino Colline Pescaresi Don Carlino: Stammt von 25 Jahre alten Pecorino-Trauben. Wird ohne Temperaturkontrolle in Zement und Holz vergoren. Floral, Ingwer, Gestein. Kräftiger und ausladender als der Concrete. Dicht und energetisch. Profitiert mit Sicherheit von etwas Flaschenreife. Sehr gut.

Chardonnay Launegild: Stammt von 1926 gepflanzten Chardonnay-Reben. Findet im Tonneaux über zwölf Monate sein Gleichgewicht. Salzig, steinig, dicht und druckvoll. Mineralisch. Blüten & gelbe Frucht. Konzentriert, stoffig und dabei immer elegant. Fließt ruhig aber direkt über den Gaumen. Öffnet sich zunehmend mit Luft. Exzellent.

Montepulciano Prologo: De Fermos erster, 2010 vinifizierter Wein. 2-3 wöchige Mazeration. In großen Holzfässern über 18 Monate ausgebaut. Dunkel, erdig, fleischig. Kirsche. Blüten und Kräuter. Intensiv und nachhaltig. Ein exemplarischer Repräsentant des etwas kräftigeren Montepulciano-Stils.


Kontakt

Stefano Papetti
Adresse: Contrada Cordano
Telefon: +39 085 8289136
E-mail: info@defermo.it
Webseite: www.defermo.it


Rebsorten: Montepulciano; Pecorino, Chardonnay, Trebbiano
Rebfläche: 16 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: freiheit-vinothek; Rohstoff Wein

 

Rabasco

Iole Rabasco hat 2005 ihr 10 Hektar großes Weingut in Pianella gegründet. Der kleine Ort liegt in unmittelbarer Umgebung von Loreto Aprutino, der abruzzesischen Hochburg für exzellentes Olivenöl und spannende Weine (Loreto Aprutino ist die Heimat von Valentini, der gleich mehrfach vom Gambero Rosso als bestes Weingut Italiens geadelt wurde und von De Fermo, dessen Weine man ebenfalls adeln sollte).

Die geographische Position und mit ihr das Terroir von Pianella sind einmalig. Im Schnittpunkt der Adria und der beiden Gebirgszüge des Gran Sasso und der Majella gelegen, profitieren die sich dort befindlichen Reben von einem Mix unterschiedlicher Mikroklimata. Iole bewirtschaftet Weingärten in vier Großlagen (Cancelli, La Conchetta, La Salita, San Desiderio) rund um Loreto und Pianella und nutzt die heterogenen Verhältnissen, um daraus ein erstaunlich diverses Bild ihrer näheren Umgebung zu entwerfen – wobei sie für ihre Weine lediglich auf zwei Rebsorten zurückgreift: Trebbiano d’Abruzzo (weiß) und Montepulciano d’Abruzzo (rot und rosa). Wer also wissen will, was Terroir tatsächlich bedeutet und wie sich die Unterschiede der natürlichen Voraussetzungen auf kleinstem Raum auf die Weine auswirken können, sollte sich durch ihre Interpretationen durchprobieren.

Vinifiziert werden sie alle mehr oder weniger gleich (spontane Vergärung, keine Zusatzstoffe, auch kein SO2, keine Filterung oder Schönungen), wobei naturgemäß auf individuelle Eigenheiten Rücksicht genommen wird.


Iole Rabasco
Adresse: 23/A Contrada, 65019 Pianella PE
Telefon: 320-3019628
E-mail: iolerabasco@tiscali.it
Webseite: www.agricolarabasco.it

Weine – eine Auswahl

Damigiano Rosso: Montepulciano. Stammt von einem dem Meer zugewandten Weingarten (San Desiderio). Wird in Holzfässern vergoren und in 54 Liter fassenden Glasgefäßen (Damigiana) ausgebaut. Reife rote Frucht, süße Gewürze. Warm, weich und dank eines präsenten Tanningerüsts auch strukturiert. (ca. € 20)

Damigiano Bianco: Trebbiano. Wird ebenfalls in Damigiane ausgebaut. Die Trauben stammen allerdings von einer kühleren, vom nahen Apennin geprägten Lage (La Salita). Gelbfruchtig, kräuterig, Zitrusfrucht. Dynamisch und vertikal. Lebendig, voller Energie, mit Trinkfluss und Tiefe. Sehr gut. (ca. € 20)

Vino Rosso Cancelli: Montepulciano. von 40 Jahre alten Reben. Im Stahltank ausgebaut. Sehr schöner Tischwein. Mit viel reifer roter Frucht und einladend würzigen Noten. Fängt die entspannte, legere Seite der Rebsorte ein.  (€ 11)

Rosso Contrada: Montepulciano. Spezialvinifikation aus den besten Trauben des Weingartens Cancelli. Im offenen Holzbottich vergoren und in gebrauchten Holzfässern ausgebaut. Intensiv, würzig, dunkel. Vereint Kraft und Energie. Geradlinig und druckvoll. Baut bis zum Finale Spannung auf. Sehr gut. (€ 22)

La Salita Bianco: Trebbiano. Ein steiler, kalkdominierter Weingarten in nordöstlicher Exposition. Im offenen Holzbottich vergoren und in einem Glasbehälter ausgebaut. Saftige, frische Frucht, kühl, balsamisch. Vital und elegant. Vereint Substanz und Trinkfluss. (€ 14)


Rebsorten: Trebbiano, Montepulciano
Rebfläche: 10 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine; decanto.it

AT/DE/CH: –

 

Antonelli San Marco

Filippo Antonelli keltert im besten Sinne klassische Weine. Das bedeutet keineswegs, dass er nicht fortwährend ausprobiert und experimentiert – allerdings tut er das mit dem Ziel weiterhin klassische Weine zu produzieren, nur noch bessere.

Zu Hause ist die Familie Antonelli seit fünf Generation in Montefalco, dem Herzen des umbrischen Weinbaus. Auf stolzen 170 Hektar wird hier Landwirtschaft betrieben und zwar so, wie man sich das gemeinhin wünscht: biologisch, biodivers, mit großen Waldflächen und Endprodukten, die man gerne isst und trinkt und die preislich fair kalkuliert sind. Alte Getreidesorten, aus der Mehl und Pasta produziert werden, sind ein Steckenpferd, eine kleine Schweinezucht ein weiteres, Olivenöl ein drittes. Mit Abstand am wichtigsten sind jedoch die Weingärten, die lange Zeit quasi ausschließlich mit Sagrantino und Sangiovese bepflanzt waren, zu denen aber in den letzten Jahren glücklicherweise auch noch die exzellente weiße Rebsorte Trebbiano Spoletino hinzugefügt wurde.

Die Terrains sind aufgrund der Größe des Weinguts naturgemäß recht heterogen, basieren aber größtenteils auf Kalk und Lehm und sind fast immer von Wäldern umgeben, die als Temperaturregulatoren fungieren. Der Keller ist mit Behältnissen in jedweder Façon ausstaffiert. Stahl, Zement und Holz finden sich darin genauso wie Terracottaamphoren (für den exzellenten Trebbiano Spoletino Anteprima Tonda) oder Betoneier. Vinifiziert wird ohne großen Schnickschnack. Die Arbeitsschritte regelt die Schwerkraft und keine Pumpen, die Hefen sind wild und nicht gezüchtet, der Ausbau ist dort, wo es sich lohnt, unaufgeregt und langsam. So entsteht eine Palette an Weinen, die Montefalco und seine Geschichte in allen möglichen Varianten nacherzählt – mal einfach und lebendig, mal stoffig und substantiell, mal extravagant und originell.

ps: Man kann bei Antonelli San Marco auch sehr schön wohnen. Und für alle jene, die an der regionale Küche Umbriens interessiert sind (und wer ist das nicht), werden Kochkurse angeboten.


Filippo Antonelli
Adresse: Località San Marco 60, Montefalco
Telefon: +39 0742 379158
E-mail: info@antonellisanmarco.it
Webseite: www.antonellisanmarco.it

 

Weine – eine Auswahl

Trebbiano Spoletino Anteprima Tonda: In der Amphore vergorener Einzellagentrebbiano. Wächst in einem auf 350 Meter Höhe gelegenen Weingarten, der seit jeher als prädestiniert für Trebbiano Spoletino angesehen wird. Ohne Temperaturkontrolle vergoren, ungefiltert gefüllt. Stringent, substantiell, druckvoll. Hat ordentlich Körper aber auch die passende Säure, um ihn zu bündeln. Delikate Aromen. Kräuter, Zitrusfrüchte, Steinobst. Steht erst am Anfang seiner Karriere. Exzellent.

Trebbiano Spoletino: Der kleine Bruder, über sechs Monate in Edelstahl gereift. Auch sehr gut, doch in vielerlei Hinsicht eben doch der kleine Bruder.

Montefalco rosso: Montefalco rosso gehört, in seinen besten Varianten – und dazu zählt auch diejenige von Antonelli – zu den spannendsten Cuvées Italiens. Sagrantino liefert Power und Tannine, Sangiovese Richtung, Vitalität und Finesse. Über neun Monate im großen Holz ausgebaut. Strukturiert, ausgewogen, lebhaft. Hat Körper und Trinkfluss.

Sagrantino di Montefalco: Auf ca. 400 Metern Höhe gewachsen. Mitte Oktober gelesen. Über knapp 40 Tage mit den Schalen vergoren. Danach 18 Monate im Holzfass gereift. Verbrachte vor der Füllung noch einige Monate im Beton. Ungefiltert. Intensiv und kraftvoll. Ein klassischer Sagrantino, den man sich besser zu zweit als alleine vorknöpft. Hat ordentlich Körper und tiefe, einladende Aromen. Flaschenreife tut hier immer gut.


Rebsorten: Sagrantino, Sangiovese, Trebbiano Spoletino
Rebfläche: 50 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: ja


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine;

AT/DE/CH: artevino.ch; biowein-erlesen.de

Mani di Luna

Mani di Luna steht in vielerlei Hinsicht für den langsam einsetzenden aber doch spürbar positiven Umbruch im umbrischen Weinbau.

Betrieben wird das Weingut von Rocco Trauzzola und zwei Mitstreitern, Simone Lazzarin und Alessandro de Filippis, die auf altem Lungarotti-Territorium (die das genaue Gegenteil von Mani di Luna symbolisieren) acht Hektar Weingärten bewirtschaften und ihre Trauben zu Weinen verarbeiten, die man als diametrale Gegenentwürfe zum klassischen umbrischen Weinstil verstehen kann: statt üppig-aufgeblasene, überextrahierte und alkoholschwangere Rotweine und völlig belanglose, banale und neutrale Weißweine (wenig ist bedrückender als die triste Langeweile nahezu aller Weine aus Orvieto) bringen sie quicklebendige und dynamische Rot- und Weißweine in die Flasche, die mit Energie, Trinkfluss und immer öfter auch Tiefgang überzeugen – keine Weine, die einen die Renaissance des umbrischen Weinbaus proklamieren lassen (dafür sind eher die Weine von Raìna geeignet) aber doch solche, die richtig Spaß machen und mit denen man sich gerne nicht nur einmal beschäftigt.

Wurzeln tun die Reben in Torgiano, unweit von Perugia. Die Weingartenarbeit ist seit 2012 offiziell biologisch und wird durch biodynamische Präparate und Tees ergänzt. Mittels einer extrem niedrig gehaltenen Spaliererziehung versuchen die drei die Wüchsigkeit ihrer Reben zu zügeln. Zwischen Sangiovese, Malvasia, Procanico und Grechetto finden sich Kirsch- und Olivenbäume und brechen die Monotonie der Monokultur.

Gelesen wird behutsam per Hand in 18 Kilo fassende Kisten. Die Vinifikation ist im besten Sinne des Wortes handwerklich und folgt dem Regelwerk von vinnatur, was in wenigen Worten bedeutet, dass auf Zusatzstoffe jeglicher Art mit Ausnahme von ein wenig SO2 verzichtet wird.


Rocco Trauzzola, Simone Lazzarin, Alessandro de Filippis
Adresse: Via Roma 50, Torgiano
Telefon: +39 333 7579956 oder 39 333 7286363
E-mail: info@fattoriamanidiluna.com
Webseite: www.fattoriamanidiluna.com

Weine – eine Auswahl

Osè Rosè: Ein rosato, der ziemlich paritätisch aus Sagrantino und Sangiovese besteht und teils im Stahl, teils in Holz ausgebaut wurde. Er erinnert ein wenig an den Rosso Leggero von Martin Goyer, der nicht mehr ganz Rosé aber auch noch nicht ganz Rotwein ist. Folglich also ein Wein, den man an heißen Tagen bestens wegtrinken kann, der aber dennoch Struktur und Tannine hat.

Il Baratto: Weißwein aus Procanico, Malvasia, Grechetto und ein klein wenig Riesling. Baratto ist eine steile, auf sandigem Boden basierende Einzellage, die seit jeher weißen Trauben vorbehalten ist. Hat eine stoffige Textur, einen weichen Körper und florale und kräuterige Aromen. 

Checharello: Einem alten Freund mit junger Seele gewidmet, einem Geschichtenerzähler par excellence und ewigem Ratgeber. Der Versuch der drei aus viel Sangiovese und ein wenig Barbera einen klassischen vino contadino (einen Landwein) zu keltern. Mit ein paar Ecken und Kanten aber auch mit Trinkfluss, Frucht und Vitalität.

La Cupa: Das Opus Magnum der drei. Sangiovese in purezza. Über lange Monate und Jahre, in Zement, Holz, wieder Zement und danach in der Flasche ausgebaut und gereift. Intensiv, energetisch, vital und vielschichtig. Hat Kraft, die auf Muskeln basiert. Sehr gut.


Rebsorten: Sangiovese, Sagrantino, Malvasia, Procanico, Grechetto
Rebfläche: 8 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it, callmewine

AT/DE/CH: –

Sagrantino

Wer hat, der hat. Sagrantino hat. Vor allem Tannine. Mehr als Nebbiolo, Sangiovese & Aglianico zusammen. Er ist, wenn man so will, die italienische Antwort auf französischen Tannat. Wobei man es, um beim Gerbstoff zu bleiben, mit saftigen und weichen Tanninen zu tun hat, die auch nach wochen- oder monatelangem Kontakt mit dem Most/Wein nicht austrocknend wirken. Geduld ist trotzdem angebracht.

Sagrantino macht – selbst eisernen Verfechtern kantiger Weine – in seiner Jugend wenig Freude und nachdem die Winzer das wissen, gibt es ihn auch erst nach vier Jahren Fass und Flaschenlagerung. Manche Winzer warten, gerade mit ihren Reserven, noch ein paar Jahre länger. Und auch dann steht man oft erst am Beginn seiner Entwicklung. Sagrantino wächst in Italien auf einer exakt lokalisierbaren Fläche und die liegt ausnahmslos in und rund um Montefalco in Umbrien (erstaunlicherweise gibt es zwar in Italien keine weiteren Anbaugebiete, dafür beschäftigt man sich in Australien und Kalifornien leidenschaftlich mit der Sorte; Alice Feiring, die Autorin des sehr lesenswerten Buches Natural Wine, unternahm ihre ersten eigenen Vinifikationsversuche in Kalifornien mit Sagrantino, aus Bewunderung für die Weine von Giampiero Bea und Filippo Antonelli.)

Sagrantino wurzelt gerne in Lehm, mag es warm und reift spät, eine Kombination, die die teils exorbitanten Alkoholgradationen erklärt. Er schlägt sich alleine prächtig, fühl sich aber auch mit Cuvéepartnern wohl. Früher jubelte man ihm die weiße Trebbiano Spoletino unter, vermutlich keine dumme Idee, die allerdings heute nicht mehr vermarktbar wäre. Sie ist in der Zwischenzeit durch Sangiovese ersetzt – ebenfalls ein passender Partner, relativiert er doch durch die ihm immanente Säure die Wucht des Sagrantinos. In Montefalco fungiert die Sangiovese-Sagrantino-Combo unter dem Namen Montefalco rosso und ist vor allem für all jene Memmen konzipiert, die es nicht tagtäglich mit den reinsortigen Versionen des Sagrantino aufnehmen wollen.

Sagrantino ist kein Wein für alle Tage. Er leitet sich vermutlich von Sagra – dem Fest – ab, und dazu passt er dann auch perfekt. Sagrantino ist üppig, wuchtig und intensiv. Über seinen Trinkfluss kann man diskutieren. Sein Körper ist konzentriert und kompakt, die Fruchtaromen sind dunkel und zusätzlich von Pfeffer und Kräutern unterlegt. Reinsortiger Sagrantino ist, im Gegensatz zum Montefalco Rosso, selten günstig und kostet zwischen €20 und €40 – man bekommt dafür aber normalerweise auch viel Wein.

ps: Sagrantino gibt es auch süß – als passito. Und süß, sollte man ihn auch unbedingt probieren. Die Kombination aus Zucker, Gerbstoff und tiefer Frucht funktioniert bestens und ist mehr als nur ein Maßstab für die besten Recioto des Valpolicella.

Einige der besten

Antonelli: Sagrantino
Antonelli: Contrario (Sagrantino)
Di Filippo: Etnico (Sagrantino)
Fongoli: Montefalco Sagrantino
Omero Moretti: Sagrantino Vignalunga
Paolo Bea: Montefalco rosso
Paolo Bea: Montefalco Sagrantino dolce
Raína: Campo di Raína
Raína: Passito
Tabarrini: Campo alla Cerqua

ps: Von all diesen Produzenten gibt es auch ausgezeichnete Rossi di Montefalco

pps: Von Raína gibt es zudem einen brillanten Vermouth auf Sagrantino-Basis

Terrazzi Alti

Siro Buzzetti arbeitet mitten im Fels. Und zwar dort, wo er mitunter am steilsten ist. Seine Heimat ist das Valtellina, die wild abfallende Großlage, in der seine Reben wurzeln, heißt Sassella. Sie schaut direkt nach Süden und heizt sich in der Sommersonne derart auf, dass in ihr nicht nur Reben, sondern vereinzelt auch Kaktusfeigen gedeihen.

Nachts hingegen kann es selbst im Juli und August recht frisch werden, womit auch schon ein zentraler Baustein in der Eigenart des Valtellina erwähnt ist – die enormen Tag/Nacht Unterschiede, die den Weinen Spannung, Tiefe und Energie verleihen.

Besonderheiten hat das Valtellina auch sonst noch einige zu bieten. Es gehört zweifellos zu den spektakulärsten Weinbauregion Italiens. Im fernen Hintergrund ragt das Bernina-Massiv in die Höhe. Davor ziehen sich unzählige, von Trockensteinmauern gehaltene Terrassen unregelmäßig die Berge hinauf. Die Böden sind karg, Humusauflage gibt es so gut wie keine und Trockenheit ist ein fortwährendes Problem.

Weinbau hier oben ist ein ständiger Kampf. Siro führt ihn auf gerade einmal auf drei Hektar, hart ist er dennoch. Seine Weingärten liegen auf 400-500 Metern, sind größtenteils nur zu Fuß zu erreichen und werden ausschließlich in Handarbeit bewirtschaftet. Auf potenzielle Erleichterungen durch Herbizide & co. verzichtet er.

Die Ernte der Trauben findet selten vor der dritten Oktoberwoche statt. Gelesen wird in 20 Kilo Kisten, die allesamt händisch abtransportiert werden. Mangels eines eigenen Kellers vinifiziert Siro seine Weine bei Giuseppe Guglielmo von der Azienda Boffalora. Die Vergärung ist spontan, ausgebaut wird in gebrauchten Barriques. Seine beiden Weine, ein Valtellina Superiore DOCG und eine Riserva, sind weder geschönt noch gefiltert.

Weine – eine Auswahl

Die Weine

Valtellina Superiore DOCG: Nebbiolo aus Steilstlagen. im späten Oktober gelesen. In Stahl spontan vergoren, in gebrauchten Barriques ausgebaut. Steine und Teer, Blüten und rote Beeren. Balsamisch. Angenehm. Einladend. Samtig und doch strukturiert. Sehr gut.

Valtellina Riserva DOCG


Siro Buzzetti

Adresse: Via Andevenno, 15/c,23012 Castione Andevenno
Telefon: +39 331 5207109
E-mail: info@terrazzialti.com

Rebsorten: Nebbiolo
Rebfläche: 3 Hektar
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: –

 

Agnanum

Raffaele Moccia gehört zu jenen Winzern, für die die Italiener den Begriff „viticoltura eroica“ geprägt haben. Tag für Tag erklimmt er wild abfallende Weinterrassen aus vulkanischem Staub und Sand, um sie in Handarbeit zu bepflanzen, zu schneiden, zu pflegen und ihre Trauben zu ernten.

Eine Heidenarbeit, die vor ihm auch schon sein Vater betrieben hat, dessen drei Hektar Weingärten er mittlerweile um einen weiteren Hektar erweitert hat. Womit auch tatsächlich die Grenzen dessen erreicht sind, was ein Mensch in diesem Umfeld alleine bewerkstelligen kann.

Raffaeles Reben befinden sich übrigens nicht in alpinen Gefilden, sondern in den Campi Flegrei, in unmittelbarer Meeresnähe, keine fünf Kilometer von der Stadtgrenze Neapels  entfernt. Weinbau wird hier schon seit den Zeiten von Plinius dem Älteren betrieben, der ihn auch dokumentierte und später beim Ausbruch des Vesuvs ums Lebens kam.

Heute gibt es nicht mehr viele Winzer, die sich in dem bisweilen aberwitzig steilen Gelände herumschlagen. Vielmehr werden Weingärten aufgelassen, sofern sich nicht Personen wie Raffaele ihrer annehmen. Dass er all das ohne den Einsatz von Pestiziden & Co. schafft, gereicht ihm zusätzlich zur Ehre. Die Arbeit wird dadurch nicht weniger, doch gelingt es ihm dadurch auch tatsächlich, die Quintessenz seines extremen Terroirs nachvollziehbar zu machen.

Seine handgelesenen Trauben (Falaghina & Piedirosso) vinifiziert sein Sohn Gennaro ohne viel Schnickschnack zu insgesamt fünf Weinen, die quer durch die Bank beeindrucken und angesichts des immensen Aufwands verhältnismäßig günstig sind.


Raffaele Moccia
Adresse: Via Vicinale Abbandonata degli Astroni, 3, 80125 Napoli
Telefon:  +39 081 2303507
E-mail: info@agnanum.it
Webseite: www.agnanum.it

 

Weine – eine Auswahl

Falanghina Campi Flegrei: Im Stahl vergorener Falanghina. Kräuter, getrocknetes Heu, weiße Frucht. Linear und vertikal, mit einer substantiellen Textur. (ca. € 14)

Sabbia Vulcanum: Piedirosso, in Basalt und feinem Sand gewachsen und in Stahl ausgebaut. Die Basisversion. Fruchtbetont. Blütennoten. Ausgewogen. Bestens eingewobenes Tannin. Weich, rund, harmonsich. (ca. € 11)

Per’e Palumm: Per’e Palumm ist der lokale Ausdruck für Piedirosso, aus dem der Wein zu 100% besteht. Ist – wie alle Pedirosso – intensiv-aromatisch. Riecht und schmeckt nach roten Früchten, süßen Gewürzen, Blüten. Ist einnehmend, weich und samtig. (ca. € 20)

Vigna delle Volpi: Agnanums Top-Piedirosso. Über acht Monate im kleinen Holzfass gereift. Dunkle Fruchtaromen, Pfeffer, Lavendel und Rosen – Piedirosso gilt als rote Antwort auf den Gewürztraminer und das schmeckt man hier. Korpulent, geradlinig und substantiell. Sehr gut (ca. € 30)


Rebsorten: Falanghina, Piedirosso
Rebfläche: 4 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: –

 

Aglianico

Wie so oft, wenn es um italienische Rebsorten geht, ist alles ganz anders als man denkt. Selbst ohne Studium der Altphilologie oder Linguistik liegt es nahe, die Herkunft von Aglianico in Griechenland zu verorten. Noch dazu, wo die Rebsorte nahezu ausschließlich in der Basilicata und in Kampanien zu finden ist, einstigen Hotspots der griechischen Besiedlung Italiens. Allerdings finden sich diesbezüglich tatsächlich recht wenig Belege und auch die Linguisten meinen, dass die laienhafte Ableitung von Elleniko zu Aglianico keine wirkliche Grundlage hat.

Es scheint vielmehr wahrscheinlicher, dass die große rote Rebsorte Süditaliens via Spanien in Kampanien eingetroffen ist. Erste Dokumente über die Rebsorte stammen erst aus dem frühen 16. Jahrhundert, einer Zeit als die spanischen Bourbonen bereits ihre lange Herrschaft über die Gegend angetreten hatten. Doch letzten Endes bewegt man sich auch diesbezüglich auf unsicherem Terrain, sodass der tatsächliche Ursprung der Sorte diffus bleibt.

Fester wird der Boden, wenn man behauptet, dass Aglianico zu den allerbesten roten Rebsorten Süditaliens gehört. Manche gehen soweit sie ganz oben auf dem Podest zu platzieren. Ian d’Agata, Autor von „Native Wine Grapes“, dem Standardwerk über italienische Rebsorten, geht noch einen Schritt weiter und stellt Aglianico auf dieselbe Stufe wie Nebbiolo und Sangiovese („It’s one of the world’s dozen or so best wine grapes.“)

Heute wird Aglianico in ganz Süditalien angebaut, wobei es mit Taurasi, Taburnio (beide Kampanien) und Vulture (Basilicata) drei große Zentren dafür gibt. Alle drei basieren auf vulkanischem Terrain, dem unbestritten besten Untergrund für Aglianico (wobei im kampanischen Cilento auch einige exzellente Version auf kalkdominierten Böden wachsen). Aglianico hat generell kleine Beeren mit dicken Schalen, die wenig fäulnisanfällig sind und eine lange Vegetationsperiode ermöglichen. Er wird selten vor Mitte Oktober gelesen, in manchen höhergelegenen oder nordwärts ausgerichteten Weingärten kann es auch später November werden. Ziemlich widerstandsfähig gegen herbstliche Wetterkapriolen und die meisten Pilzkrankheiten, machen ihm eher zu hohe Temperaturen zu schaffen – weshalb er nicht selten in erstaunlich hoch gelegenen Weingärten zu finden ist.

Anders als Nebbiolo oder Sangiovese ist Aglianico nur selten ein Wein, der von seinem Terroir erzählt, sondern selbst gerne im Mittelpunkt steht. Aglianico ergibt fast immer üppig-kräftige Weine, die von tiefer Frucht dominiert, oft einen erdig-steinigen Unterton haben und immer wieder auch von floralen Noten begleitet werden. Er hat viel Gerbstoff und noch mehr Säure, was ihn – sofern die Winzer es darauf anlegen – für eine lange Reifezeit prädestiniert. Im Optimalfall gehört Aglianico tatsächlich zu den besten Rebsorten des Südens. Der tritt allerdings seltener als erhofft ein. Viel zu oft hat man es leider mit zwar potenten aber dann eben doch nur erschlagenden und wenig nuancierten Weinen zu tun.

Eine Auswahl

Kampanien

La Cantina di Enza: Aglianico Passione
Luigi Tecce: Satyricon
Cantina Giardino: Nude
Cantina Giardino: Drogone
Casa Brecceto: Pitatza Aglianico
Contrada di Taurasi: Taurasi
Michele Perillo: Taurasi
Primalaterra: Primalaterra
Masseria Starnali: Conte di Galluccio
I Cacciagalli: Phos

Basilicata

Musto Carmelitano: Serra del Prete
Musto Carmelitano: Pian del Moro
Camerlengo: Camerlengo
Camerlengo: Antelio
Aglianico del Vulture „Grifalco“ Grifalco della Lucania

Apulien

L’Archetipo: Aglianico

Cantina Giardino

Die Cantina Giardino ist eines der legendären Projekte der italienischen Naturweinwelt. Offiziell ins Leben gerufen wurde sie 2003, doch startete Antonio di Gruttola, der einzige Önologe im 10-köpfigen Team bereits fünf Jahre früher mit ersten experimentellen Vinifizierungen, bei denen er auf jede Art von Zusatzstoffen verzichtete. Er folgte 1998 naturgemäß keiner Mode, sondern wies damals selbst den Weg.

Die Ausgangsidee für die Gründung der Cantina Giardino war allerdings nicht die, die ersten Naturweine Kampaniens in die Flasche zu bringen, sondern die ampelographische Vielfalt und Biodiversität in den Weingärten der Irpinia (der berühmtesten Weinbauregion Kampaniens) zu bewahren. Mitte der 1990er Jahre war das leichter gesagt als getan. Man befand sich damals in den Boomjahren internationaler Rebsorten. Allerorten wurden Cabernet & Co. ausgepflanzt. Die Arbeit an austauschbaren Klonselektionen wurde vorangetrieben. Selbst in den hintersten Winkeln Italiens predigten Vertreter der „schönen neuen Weinwelt“ deren Vorzüge und prophezeiten denjenigen den Untergang, die dieses Spiel nicht mitmachen wollten.

Antonio und seine Freunde spielten nicht mit. Im Gegenteil. Sie starteten mit ihrem Projekt, alte Weingärten vornehmlich alter Winzer ausfindig zu machen und ihnen ihre Trauben abzukaufen. Dafür reisten sie quer durch die Gegend und wurden immer wieder fündig. Sie stießen auf Weingärten mit alten Fiano- oder Coda di Volpe-Reben, auf Parzellen mit Piedirosso, Greco und vor allem Aglianico, der Königin unter den süditalienischen Rebsorten.

Diesem sozial-kulturellen Ansatz ließen sie einen ökologischen folgen. Sie bewirtschafteten ihre eigenen Rebflächen biologisch und überzeugten die Weinbauern, von denen sie Trauben bezogen, es ihnen gleichzutun. So entstand sukzessive eine immer intensivere und gleichzeitig sensiblere Beziehung zu ihrem Territorium, ihren Winzern und ihren Reben. Anfangs extrem kritisch beäugt, kapierten über die Jahre immer mehr Menschen die damit verbundenen positiven Konsequenzen: die Aufwertung autochthoner Rebsorten und Kulturtechniken und die Bewahrung ökologischer Inseln dank einer durchdachten und nachhaltigen Landwirtschaft.

Das Rebmaterial vinifizierten sie in der Folge wie bereits oben kurz erwähnt und bauten es in Hölzern der Umgebung aus. In den letzten Jahren kamen auch mehrere Amphoren hinzu, die aus eigenem Ton von einem befreundeten Töpfer hergestellt werden. Das Resultat sind heterogene und oft brillante Weine, die viel von ihrer Region aber auch von ihren Schöpfern erzählen.


Antonio/Daniela di Gruttola
Adresse: Via Petrara 21b, Ariano Irpinia
Telefon: +39 0825 873084
E-mail: info@cantinagiardino.com
Webseite: www.cantinagiardino.com

 

Weine – eine Auswahl

Coda di Volpe rosa: Ein ganz großer Rosato aus Coda di Volpo rosso, einer raren Rebsorte mit dicker Schale und ausgeprägter Aromatik. Wird über zwei Tage mazeriert und danach für ein Jahr im Kastanienholz ausgebaut. Dichter, stoffiger und aromatischer als nahezu alle anderen Rosati, die ich kenne. Hat Zug und Druck, Körper und Vitalität, Energie und Trinkfluss. Exzellent. (€ 23)

Paski: Coda di Volpe gibt es auch in weiß, tatsächlich ist er in weiß wesentlich bekannter. Wächst auf 450 Metern Höhe in Kalk, die Reben sind 60 Jahre alt. 30% der Charge werden kurz im Kastanienfass ausgebaut und danach mit den restlichen Trauben für ein weiteres im Stahltank vereint. Spielerisch, unbeschwert, feingliedrig, dank einer kurzen Mazeration auch griffig, und strukturiert, mit Blüten- und Steinobstnoten. (€ 22)

Le Fole: Aglianico aus Montemarano, auch Heimat der Cantina di Enza. Wird über in gut 40 Tage mazeriert und in Holz und Stahl ausgebaut. Dunkel. Frisch, saftig, strukturiert. Hat Kraft und energie. Bleibt auch am Gaumen dunkel und intensiv. (€ 18)

Drogone: Abermals Aglianico, allerdings von älteren Reben und einem sich über drei Jahre hinziehenden Ausbau. Riecht nach mediterranen Kräutern und reifen Beeren. Macht Druck. Hat Substanz, spürbar präsente Tannine und einen nachhaltigen Abgang.   

Nude: Aglianico zum Dritten. Das rote Opus Magnum der Cantina Giardino. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der wein noch produziert wird. Das Sortiment fluktuiert fortwährend. Jedenfalls gibt es noch diverse ältere Jahrgänge auf dem Markt. Der jüngste scheint 2011 zu sein. Im Nude wird Aglianico komplett ausgereizt. Die Lese ist spät, der Kontakt mit den Schalen lang, der Ausbau zieht sich über Jahre, der Alkohol ist hoch und die Aromen intensiv und eindrücklich. In der Mitte des Gaumens befindet sich ein profunder Säurekern, der dem Wein Struktur gibt. Alles hier ist kraftvoll und mächtig und doch dynamisch und voller Spannung. Kein Wein für alle Tage. Gelegentlich macht sowas aber schon Spaß.


Rebsorten: Coda di Volpe bianco und rosso, Fiano, Greco, Aglianico, Piedirosso
Rebfläche: 7 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto, callmewine, wineyou

AT/DE/CH: –

 

Primalaterra

Primalaterra – zuerst das Land – heißt das Weingut von Salvatore Magnoni. Entstanden ist der Name nicht, wie man annehmen könnte, aus der Bedeutung, die das Land und alles was dazugehört für ihn hat, sondern als Antwort auf eine Frage.

Die stellte sich, als Salvatore nach Jahren als DJ und Plattenverkäufer sich ins Cilento, genauer nach Rutino zurückzog und dort einen restaurierungswürdigen Hof mit 35 Hektar verwilderter Oliven- und Weingärten übernahm. Er machte sich Gedanken darüber, womit er eigentlich anfangen sollte und entschied sich letztlich dafür, prima la terra, zuerst das Land, wieder instandzusetzen.

Das steigt im Cilento erst sachte und dann rapide vom Meer bis auf 2000 Meter an. Salvatores Weingärten befinden sich ca. auf 300 Metern, ohne dabei je allzu steil zu werden. Bepflanzt sind sie mit Aglianico, Kampaniens wichtigster Sorte, von der einige meinen, dass sie neben Nebbiolo Italiens beste rote Rebsorte sei. Anders als im Rest der Region basieren Stefanos Weingärten nicht auf vulkanischem Untergrund, sondern einem Ton-Kalk-Gemisch, was für die notorisch opulente Sorte alles andere als ein Nachteil ist, macht es sie doch ein wenig straffer und geradliniger – wobei sich auch Stefanos Interpretationen mit ihren 14-15% Alkohol für keinen Kindergeburtstag eignen.

Nachdem er mit dem Land fertig war, hat sich Stefano dem Hof gewidmet und auch diesen, mitsamt seinem alten Keller, restauriert. Darin entstehen gegenwärtig lediglich zwei Weine – beide aus Aglianico – die er in Stahltanks vergärt und danach in Holz ausbaut. Auf Zusatzstoffe verzichtet er komplett (auch auf Schwefel), allerdings filtert er die Weine grob (damit sich keine Insekten oder Schmutz im Wein wiederfinden). Primalaterra befindet sich zwar abseits der üblichen kampanischen Weinpfade, seine Weine gehören allerdings zu den besten der Region.


Salvatore Magnoni
Adresse: Via Fratelli Magnoni, 11, 84070 Rutino
Telefon: 329 8125129
E-mail: info@primalaterra.it
Webseite: www.primalaterra.it

 

Weine – eine Auswahl

Rosso del Ciglio: Aglianico von 20 Jahre alten nach Süden schauenden Reben. Über 10 Tage auf der Maische belassen und danach sanft abgepresst. In Tonneaux und gebrauchten Barriques ausgebaut. Wirkt trotz seiner 14,5% Alkohol bekömmlich und ausgewogen, mit Trinkfluss und einem spürbaren, lenkenden Säurekern. Wirft sensorisch rote Beeren, Pfeffer, Tabak und mineralische Nuancen in die Waagschale. Reift mit Sicherheit blendend. (ca. € 15)

Primalaterra: Salvatore Magnonis Flaggschiff. Wird etwas später als der Rossi del Ciglio gelesen. Bleibt für 20 Tage auf der Maische und wird danach über 22 Monate in 1000 Liter Fässern gereift. Vereint Power mit Energie und Dynamik. Hat wie auch sein kleiner Bruder einen strukturierenden Säurekern und keine allzu fordernden Tannine. Wirkt trotz seiner Wärme und den üppig, reifen Aromen fokussiert und kompakt. Fließt lang und weich über den Gaumen. Brillant. (ca. € 24)


Rebsorten: Aglianico
Rebfläche: 8 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: vinisud, si-wine

AT/DE/CH: –

 


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