Grillo ist eine Rebsorte, die man wie kaum eine andere mit Marsala und dem Westen Siziliens verbindet, die aber vermutlich gar nicht von der Insel stammt. Ihre früheste dokumentarisch belegte Erwähnung auf Sizilien stammt erst aus dem 19. Jahrhundert, was nahelegt, dass sie ungefähr zu diesem Zeitpunkt auf die Insel gebracht worden sein dürfte – woher, ist nicht ganz klar, wobei die meisten Experten davon ausgehen, dass sie nach dem Vernichtungsfeldzug der Reblaus von Apulien aus nach Sizilien kam.
Im Westen der Insel hat sie daraufhin zumindest kurzfristig das Kommando unter den weißen Rebsorten der Region übernommen, ehe sie aufgrund ihrer im Vergleich eher geringen Erträgen ab der Mitte des letzten Jahrhunderts wieder seltener ausgepflanzt wurde. Heute beträgt ihre Rebfläche ca. 5000 ha. Sie ist seit über einem Jahrhundert elementarer Bestandteil des Marsala und zudem für einen Gutteil der besten trockenen Weißweine rund um Trapani und Alcamo verantwortlich.
Wie bei kaum einer anderen Rebsorte gibt es allerdings eminente Unterschiede zwischen konventionell vinifizierten und traditionell-handwerklich hergestelltem Grillo. Konventionelle, also mit Reinzuchthefen, bei niedrigen Temperaturen und oft in einem extrem reduktiven Milieu hergestellte Interpretationen riechen und schmecken nicht selten nach Zitrusfrüchten, Cassis und grünem Paprika. Wer an banale (konventionell hergestellte) Sauvignon Blancs denkt, liegt ziemlich richtig.
Ernsthafter, richtig guter Grillo vermittelt dagegen für gewöhnlich Aromen, die an mediterrane Kräuter, Erde und reife Früchte erinnern. Er suggeriert Wärme und Tiefe. Während der Alkohol bei Grillo für gewöhnlich ziemlich hoch liegt, ist die Säure eher niedrig, weshalb einige der besten Versionen eine kurze oder längere Zeit auf der Maische verbringen.

Die besten Weine

Nino Baracco: Grillo (callmewine.com)
Aldo Viola: Egesta (vinonudo.at)
Elios: Modus Bibendi Bianco Macerato (anteilig Grillo)
Manlio Manganaro: Vino bianco (callmewine.com)
Badalucco: Grillo Verde (lavaligiadelbacco.it)
Vite ad Ovest: Vurgo (Grillo + Catarratto) (la valigiadelbacco.it)
Il Mortellito: Calaiancu (Grillo + Catarratto) (lavaligiadelbacco.it)
Marco de Bartoli: Grappoli del Grillo

Marsala oder pre-British Marsala (davon ein andermal)

Marco de Bartoli: Vecchio Sampaio (Marsala)
Badalucco: Pipa 3/4
Baracco: Altogrado

DAS WEINGUT

Elios ist ein junges Projekt und geht auf das Konto von Nicola Adamo und Guido Grillo. Ihr Hauptquartier steht in Alcamo, dem Ort, in dem auch Aldo Viola, einer der besten Winzer Siziliens sein Weingut hat. Die Weingärten sind – wie auch bei Aldo – in unterschiedlichsten Zonen rund um den Ort verstreut, was insofern wichtig ist, da sie je nach Lage entweder vom Meer oder vom Hinterland geprägt sind. 

Die beiden starteten ihre ersten Vinifikationen 2015, nachdem sie sich zuvor als Informatiker (Nicola) und Önologe bei größeren Weingütern (Guido) unglücklich gearbeitet hatten. Das Konzept war dabei so simpel wie einleuchtend. Sie wollten die Weingärten ihrer Familien revitalisieren und daraus Wein keltern, der die Traditionen ihrer Gegend einfangen sollten. Die Rebsorten sind folglich solche, die schon seit Jahrhunderten bei ihnen beheimatet sind, in die Region passen und mit den recht trockenen und heißen Verhältnissen gut zurechtkommen: also Grillo, Catarratto, Zibibbo, Nero d’Avola und Nerello Mascalese, der nicht viel mit den Versionen vom Ätna zu tun hat, aber dennoch einen Versuch wert ist.

Die beiden sind im Weingarten wie im Keller der Natural Wine Bewegung verpflichtet, was in wenigen Worten bedeutet, dass sie draußen biologisch arbeiten und drinnen eine Hands-Off-Philosophie verfolgen. Was nicht heißt, dass hinter ihren Weinen nicht auch ausgeklügelte Ideen stecken würden. Entscheidend für die beiden ist eine nachvollziehbare Eleganz und Strenge, die einen Gegenpol zu den eher warmen Aromen darstellen – weshalb, laut Guido, auch der Lesezeitpunkt von entscheidender Bedeutung ist. Insgesamt umfasst ihr gegenwärtiges Sortiment vier Weine.

Exzellent ist der Bianco Macerato Modus Bibendi, eine Cuvée aus Catarratto, Zibibbo und Grillo, wobei ersterer für Frische und Lebendigkeit sorgt, der Zibibbo alias Muscat d’Alessandria für die Aromen hauptverantwortlich ist und letzterer für Volumen, Power und Kraft sorgt. Mazeriert wird über 20 Tage, weitere 7 Monate verbringt der Wein daraufhin im Stahltank. Das Resultat ist druckvoll und strukturiert, floral, fruchtig, mit einer feinen aber tragenden Tanninstruktur und einem nachhaltigen Finish. 

Der reinsortige Grillo Modus Bibendi kommt ohne längeren Schalenkontakt aus und stammt aus Weingärten auf ca. 300 Metern Höhe. Die Textur ist geradlinig und frisch, die Aromen sind es gleichfalls, wobei vor allem Kräuter und Zitrusnoten dominieren. Einfach aber recht dynamisch, mit mehr Trinkfluss als man es sich in der Gegend erwarten würde. 

Ähnliches lässt sich über den aus Nerello Mascalese gekelterten GlouGlou sagen, wobei hier naheliegenderweise rote Aromen vorherrschen, die allerdings gleichfalls von Kräuternoten unterlegt sind. Erfrischend, leicht, zum schnellen Wegtrinken.

Anders, weil wesentlich profunder und dichter gestrickt, ist der Nero d’Avolo Modus Bibendi. Der ist zwar gleichfalls vital, hat aber doch um Einiges mehr Power und Rückgrat als der GlouGlou. Die dunkleren Noten des Nero d’Avola werden diesmal von Pfeffer und Lakritze ergänzt. Der Ausbau erfolgt anders als bei den anderen drei Weinen im Tonneaux.

ELIOS

DITTA ADAMO SAVERIO,
Viale Europa, 91011 Alcamo(TP)
Telefon: +39 333 4095994 (Nicola)
Fax: +39 333 4853322 (Guido)
Email: info@eliosfood.it
www.eliosfood.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 25000 Flaschen
Rebsorten: Nero d’Avola, Nerello Mascalese, Catarratto, Grillo, Zibibbo
Rebfläche:  –
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Elios gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavignadibacco.com

 

DAS WEINGUT

Pierpaolo Badalucco ist ein entspannter, freundlicher Mann mit einer großen Leidenschaft für den Westen Siziliens und den Süden Spaniens. Bestens ablesbar ist das an der Tatsache, dass in seinem Weingut in der Nähe von Marsala neben den Klassikern der Gegend, also Grillo, Catarratto, Inzolia, Grecanico auch noch Tempranillo und Verdejo, zwei der wichtigsten Rebsorten Spaniens eine tragende Rolle spielen. Und an dem Namen Dos Tierras, unter dem sein Weingut ebenfalls bekannt ist. Und, zu guter Letzt, natürlich an Beatriz de las Iglesias Garcia, seiner andalusischen Frau und kongenialen Partnerin im Weingarten und Keller.

Pierpaolo ist nicht der erste Badalucco, der in der historischen Weinregion Reben kultiviert. Vor ihm werkten schon vier Generationen in der leicht hügeligen und eigentlich vor allem für weiße Sorten bekannten Topographie der Gegend. Weshalb Pierpaolo auch meint, dass Grillo & Co. repräsentative Interpretationen seines Territoriums wären, während Tempranillo vor allem den Grillen von Beatriz geschuldet wären und ein neues, nicht ganz einfach zu erklärendes Kapitel der Region aufschlagen würden.

Dennoch hat sich gerade letzterer zu einer tragenden Säule des Weinguts entwickelt; und zwar nicht nur aufgrund seines eher außergewöhnlichen Vorhandenseins, sondern vielmehr wegen der erstaunlichen Qualität, die Tempranillo auch in den heißen, von Sand durchsetzten Böden Siziliens ergibt. Wobei das mit der Hitze rund um Marsala so eine Sache ist – zwar scheint hier öfter die Sonne als im Chianti oder im Friaul, doch sorgt kontinuierlich blasender Meerwind für eine stete Abkühlung. Der spanischen Komponente verdankt sich auch die Idee Pierpaolos, dass sein Weingut eigentlich eine doppelte Ausrichtung habe: eine traditionell-westsizilianische, die unter dem Namen Badalucco fungiert und eine sizilianisch-spanische, weshalb er dem Weingut auch noch den klingenden Namen de las Iglesias Garcia hinzugefügt hat.

Die Weingärten werden nach den bereits von seinem Urgroßvater praktizierten Prinzipien bewirtschaftet (hohe Erziehungssysteme, Handarbeit, keine Chemikalien, was sich angesichts der günstigen klimatischen Bedingungen etwas einfacher darstellt als in anderen Gegenden) und Ähnliches lässt sich auch über die Arbeit im Keller sagen.

Wie auch einige seiner Kollegen (Nino Barraco, Vite ad Ovest) in der Ecke verzichtet er auf den Ausbau seiner Weine zu Marsala. Er orientiert sich vielmehr an einer präbritischen Tradition, die sich vor allem durch einen gekonnten oxidativen Ausbau zu trockenen Weinen definiert. Davor werden die Trauben mit den Füßen sanft angepresst, spontan vergoren und in kleinen, gebrauchten Holzfässern ausgebaut.

Temprano: von Nord-Ostlagen in den Hügeln hinter Marsala. Nero d’Avola gibt den sizilianischen Part, Tempranillo den spanischen, ausgebaut wird über ein gutes halbes Jahr in gebrauchten Barriques und über ein paar weitere Jahre in der Flasche. Das Resultat riecht nach roten Früchten, mediterranen Kräutern und schwarzem Pfeffer, ist saftig, würzig und erstaunlich frisch.

Dos Tierras: der große Bruder des Temprano. Basiert gleichfalls paritätisch auf Nero d’Avola und Tempranillo. Über 18 Monate in gebrauchten Barriques. Tiefgründiger, gewichtiger und vielschichtiger als der Temprano. Zu den vorher erwähnten Aromen gesellen sich noch Tabak und Lakritznoten hinzu. Warm, samtig und kraftvoll.

Grillo Verde: Hat neben Grillo auch noch einen beträchtlichen Verdejoanteil, der relativ früh gelesen für ein stabiles Säurerückgrat sorgt. Die Trauben werden mit den Füßen angepresst und bleiben danach ca. 5 Tage in Kontakt mit den Schalen. Die Gärung ist wie immer spontan, der Ausbau erfolgt über ein knappes Jahr in Tonneux. Warm, einnehmend, salzig, mediterran. Zitrusaromen. Orangen. Kräuteraromen. Fließt weich, samtig aber kompromisslos trocken über den Gaumen.

Il Litro: eine nette Ergänzung des bisherigen Programms. Ein vino da tavola, allerdings mit ordentlich Tiefgang und in einem etwas größeren Format. Basiert ausschließlich auf Grillo, wobei  in Holz vinifizierte Chargen aus unterschiedlichen Jahren miteinander cuvetiert werden. Mediterran, salzig, warm, mit einem lenkenden Tanningerüst und viel Trinkfluss.

BADALUCCO - DOS TIERRAS

Pierpaolo Badalucco und Beatriz de las Iglesias
Contrada Badalucco, Via Chiano – Petrosino
Tel: 0039 3473695615
commerciale@vinibadalucco.it
www.vinibadalucco.it

Cold Facts

Rebsorten: Nero d’Avola, Tempranillo, Grillo, Verdejo, Catarratto
Rebfläche: 20 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Badalucco fehlen unglücklicherweise noch am deutschsprachigen Markt. Aus Italien kann man sie über lavignadibacco.com, callmewine oder decanto bestellen.

 

 

Müsste man eine Rangliste der italienischen Weinregionen anfertigen, die über die letzen 10 Jahren am meisten Reputation dazugewonnen haben, würden die Gegend rund um und am Ätna vermutlich ganz oben stehen – und mit ihm Nerello Mascalese, die allgegenwärtige rote Sorte am Vulkan.
Burton Anderson, der italienische Weine vor allen anderen einem englischen Publikum vorstellte, dürfte das vermutlich mehr als seltsam vorkommen. In seinem 1990 erschienenen Wine Atlas of Italy fällt ihm nichts Positives zu Nerello Mascalese und zum Vulkan ein. Er nennt die aus ihr gekelterten Weine „rarely inspiring“ und stellt desillusioniert fest, dass „the theory that the soil around active volcanoes is ideal for vines gets a tepid endorsement on Etna, where today’s wines never equal the grandeur of its setting.“
Ich gestehe, dass ich Burton Andersons Meinung gut nachvollziehen kann. Mir war auch nicht immer klar, warum Weinen aus Nerello Mascalese derartig applaudiert wurde. Allerdings habe ich dann in den vergangenen Jahren doch auch ein gutes Dutzend Weine probiert, die tatsächlich große Klasse hatten.
Nerello Mascalese verdankt seinen Namen der zwischen Catania und dem Meer liegenden Ebene Mascali. Dort gibt es zwar noch immer einige mit ihr bestockte Weingärten, ihre wichtigsten Anpflanzungen befinden sich allerdings eine gute Autostunde entfernt und ein paar Hundert Höhenmeter weiter oben, an den Hängen des Ätna.
Und zwar schon seit geraumer Zeit, wie eine Vielzahl noch existierender Reben bezeugt, die in der Vorreblausära gepflanzt wurden und heute noch in Ertrag stehen. Die Phylloxera vastatrix, die elende Laus, die sich zwischen 1865 und 1920 durch zigtausende Weingärten fraß und dabei nahezu den kompletten Rebbestand Europas vernichtete, erklomm den Ätna nie – weshalb die Rebanlagen am Vulkan oft uralt sind und zu den wenigen weltweit zählen, die ohne amerikanische Unterlagsreben auskommen (die, in allen anderen Regionen, die finale Lösung des Reblausproblems war).
Im Idealfall sind die aus der Rebsorte und meist mit ein paar Prozent Nerello Cappuccio gekelterten Weine elegant, mineralisch und feingliedrig, kühl-strukturiert, und von glasklaren Aromen getragen, die sich oft aus roten Beeren, Kirschen und Weichseln, Tabak, Leder, Rauch, Blütennoten, Kräutern und Steinen zusammensetzen.

Best of Nerello Mascalese

SRC, Alberello (vielleicht der beste von allen, u.a. www.vinonudo.at)
SRC, Etna Rosso (www.vinonudo.at)
Eduardo Torres Acosta, Versante Nord (callmewine.com)
Enò-trio, Pussenti (www.decanto.it)
I Vigneri, Etna Rosso Vinupetra (www.callmewine.com)
Etnella, Petroso (www.vinifero.at)
I Custodi delle vigne del Etna, Aetneus (www.callmewine.com)
Scirto, A‘ Culonna (www.lavaligiadelbacco.it)
Aldo Viola, Saignée (nicht reinsortig und nicht vom Ätna, trotzdem super)
Vite ad Ovest, Kapo (auch nicht vom Ätna und auch exzellent)

Die Zahlen lesen sich beeindruckend. Catarratto bianco und Catarratto bianco lucido stehen auf 40.500 Hektar oder 34,3% der sizilianischen Rebfläche. Das bedeutet, dass sie nach Trebbiano Toscano die zweitwichtigste weiße Rebsorte Italiens ist. Wieviel Wein daraus genau gekeltert wird, wissen wir nicht. Geht man allerdings davon aus, dass auch heute noch viele Winzer dem Namen der Rebe alle Ehre erweisen – Cataratto bedeutet Katarakt oder Wasserfall und sein Name verdankt sich tatsächlich den wasserfallartigen Mengen, die aus ihren Weingärten gelesen werden können – dürfte es wohl mehr sein, als Österreichs Rebflächen in ihrer Gesamtheit hergeben.

Catarratto ist seit Urzeiten im Westen Sizilien beheimatet und war seit jeher das Arbeitstier unter den weißen Rebsorten der Insel – und das schmeckte man auch. Erst seit kurzem gibt es eine überschaubare aber wachsende Anzahl an talentierten Winzern, die dem Charakter des Catarratto tatsächlich auf den Grund geht und dabei auch neue Wege beschreitet.

Sie legen zunehmend wert auf die richtigen Lagen, pflanzen bisweilen auch auf hochgelegenen Nordhängen, um die Reifezeit zu verlängern (Aldo Viola), reduzieren die Erträge oft dramatisch, arbeiten im Weingarten biologisch (wobei man aufgrund der extrem trockenen Bedingungen generell auch auf Kupfer verzichten kann) und vergären im Keller mit wilden Hefen und teilweise ausgedehnten Maischestandzeiten.

Die besten Catarrattos sind tiefgründige, warme, salzige und gelbfruchtige Weine mit einer erstaunlich ausgeprägten Säure und einem nicht zu unterschätzenden Reifepotenzial.

Die besten Catarrattos

Aldo Viola, Krimiso (bei vinonudo)
Aldo Viola, Shiva (bei vinonudo)
Guccione, „C“ (bei decanto.it)
Tanca Nica, Kaffefi (bei callmewine)
Nino Barracco, Catarrato (bei vinifero.at)
Sergio Drago, Catarratto (bei decanto.it)
Vite ad Ovest Bianco (bei lavaligiadelbacco.it)
Longarico, Catartico (bei lavaligiadelbacco.it)
Alessando Viola, Le mie origine (bei decanto.it)
Porta del Vento, Mira – Spumante (bei callmewine.it)
De Bartoli, Catarratto Lucido

DAS WEINGUT

Projekte wie die Cantina di Malandrino würde man sich wesentlich mehr wünschen. Entstanden ist es durch die Initiative von Diego Bongiovanni und seiner Frau Cinzia, die 2008 einen alten Gutshof in Bagolaro, am Osthang des Ätna zu neuem Leben erweckten. Insgesamt 19 Hektar umfasst das Anwesen, wobei nur knapp drei davon mit Reben bepflanzt sind. Auf der Restfläche widmen sie sich Avocados(!), Mangos(!), Zitrusfrüchten, Artischocken, Oliven und Granatäpfel, die sie teilweise verkaufen, teilweise aber auch selbst weiterverarbeiten.  

Die dichtbestockten Weingärten gehören zu den ersten auf dem Weg zum Gipfel und liegen in süd-südöstlicher Exposition auf 450 Metern Höhe. Im für die Gegend typischen Alberello-System wurzeln alte Nerello Mascalese, Nerello Capuccio und Carricantereben in vulkanischem Terrain. Zwischen Oktober und Februar grasen Ziegen zwischen den Rebzeilen und sorgen für natürlichen Dünger. Gearbeitet wird nach rigoros ökologischen und nachhaltigen Prinzipien. 

Im Keller verfolgt man eine traditionelle Herangehensweise. Die Weine werden spontan und ohne Temperaturkontrolle vergoren, in gebrauchten 500-Liter Tonneaux oder in Amphoren ausgebaut und ungeschönt und ungefiltert mit einer minimalen Schwefelbeigabe gefüllt. 

Die Weine

Malandrino: Auf Sizilien nennen Großeltern etwas lebendigere Enkelkinder „U malandrino“, Schlitzohr oder Schelm oder wie auch immer. Der Wein selbst ist total seriös, besteht zur Gänze aus Nerello Mascalese, ist fleischig, rotbeerig und mineralisch, fordernd, tief und lang.

A Franco: Ein uvaggio, eine Cuvée aus den beiden Nerellos, Mascalese & Capuccio. Spontan in einer 700-Liter Amphore vergoren, lebhaft, ungezwungen, straff und direkt. Öffnet sich wie die meisten in Amphorenweine nur langsam. Geduld lohnt sich mit Sicherheit.

Di_ego: „vom Ich“, also von Diego, nochmals Nerello Mascalese im Verbund mit Nerello Capuccio. Einladend, animierend und unkompliziert und dabei doch voller Aromen, Spannung und Elan. Druckvoll und saftig mit einem erstaunlich nachhaltigem Finish.

 

CANTINA DEL MALANDRINO

Via Presa 20,
Fraz. Santa Venera – Mascali (CT) – Sicil
Tel: +39 333.3050663
info.bagolaro@gmail.com
www.cantinadelmalandrino.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 10000 Flaschen
Rebsorten: Nerello Mascalese, Nerello Capuccio, Carricante
Rebfläche: 3 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Cantina del Malandrino gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavignadibacco.com

DAS WEINGUT

Biscaris gehört zu den vielen kleinen Familienbetrieben im äußersten Südosten Siziliens, die sich – auch dank eines extrem günstigen weil trockenen und windigen Klimas – einer konsequent biologischen Herangehensweise im Weingarten verschrieben haben. Das fünf Hektar große Weingut in Acate (westlich von Ragusa und einen Katzensprung von COS entfernt) geht noch einen Schritt weiter und pflegt seine Weingärten nach biodynamischen Prinzipien. Sie selbst definieren ihre Arbeit ganz simpel als traditionell und handwerklich – wobei handwerklich hier tatsächlich wortwörtlich verstanden werden kann. Vom Rebschnitt bis zur Füllung geschieht quasi alles manuell.

Im Mittelpunkt stehen zwei Rebsorten. Die in der Region omnipräsente Nero d’Avola, die bei Biscaris reinsortig interpretiert wird, aber auch anteilig in den Cerasuolo di Vittoria* einfließt. Und die meist vernachlässigte Frappato, die gleichfalls Anteile am Cerasuolo hat, zudem aber glücklicherweise auch reinsortig ausgebaut wird und einen für den Breitengrad unglaublich feinen und zarten Wein ergibt. Frappato gehört zu den Perlen der italienischen Ampelographie und verschafft sich langsam auch den ihr gebührenden Platz. Da sie arm an Anthocyanen, Zucker und Poliphenolen und folglich an Farbe, Alkohol und Gerbstoff ist, war sie in den dunklen Zeiten aufgeblasener Weine zu einem Schattendasein in lokalen Trattorien verdammt (wo man sie unter anderem auch aufgrund ihrer Kompatibilität zu Fisch sehr schätzte).

*Der Cerasulo di Vittoria ist Siziliens einzige DOCG und hat nichts mit dem Cerasuolo d’Abruzzo zu tun. Während Letzterer ausnahmslos ein rosato ist, wird der Cerasuolo di Vittoria stets zu Rotwein verarbeitet. Pflicht sind mindestens 60% Nero d’Avola Anteil, der Rest ist Frappato. 

Die Weine 

Frappato: Frappato mag es heiß und trocken und folglich ist die Gegend rund um Ragusa optimales Territorium für ihn. Die Reben bei Biscaris wurzeln in kalkdurchsetzter Erde, die dem Wein Richtung und Struktur mit auf den Weg gibt. Die rotbeerigen und floralen Aromen sind delikat und einladend. Der Körper ist subtil, die Textur weich aber nie lasch. Die sizilianische Antwort auf St. Laurent.

Cerasuolo di Vittoria: Spontan vergoren und danach zwei Jahre im Stahltank ausgebaut. Dichter und kräftiger als der Frappato aber doch auch lebendig und mit tiefer und dunkler Frucht. In der Nase hat hier der Nero d’Avola das Kommando über, am Gaumen teilt er sich die Verantwortung mit dem Frappato. Endet saftig und druckvoll.

Den Nero d’Avola von Biscaris habe ich noch nie probiert.

 

BISCARIS

Via Maresciallo Giudice, 52
97011 Acate (RG)
Telefon: +39 0932 990762
Fax: +39 0932 990762
Email: info@biscaris.it
www.biscaris.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Nero d’Avola, Frappato
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Biscaris gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavaligiadibacco.com

 

Il Mortellito

Dario Serrentino bin ich das erste Mal vor ein paar Jahren bei einer Verkostung von vinnatur in Rom über den Weg gelaufen. Er war mit zwei Weinen dort vertreten, die beide richtig gut schmeckten. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir, dass er einige Jahre davor ins Valle di Noto, in den äußersten Süden Siziliens zurückgekehrt war. Dort hatten schon Jahrzehnte davor seine Urgroßeltern Trauben, Oliven und Mandeln geerntet. Er selbst hatte gerade sein Universitätsstudium abgeschlossen, danach allerdings den Wunsch verspürt, den Spuren seiner Vorfahren zu folgen und Bauer zu werden.
Im Kopf hatte er dabei einen traditionellen Ansatz, der sich, weit von irgendwelchen önologischen Moden entfernt, vor allem in eine intensiven Beziehung mit seinem Land manifestieren sollte.
Er nannte sein kleines Projekt „Il Mortellito“, eine Referenz an die Myrtensträucher, die früher in der Region wuchsen. Ohne selbst viel von der Landwirtschaft zu verstehen, doch von dem hartnäckigen Wunsch getrieben, so schnell wie möglich alles darüber zu lernen, hörte er sich vor allem bei ortsansässigen Leuten um, die mehr davon verstanden als er. Er pflanzte neben die bereits vorhandenen Frappato und Nero d’Avola-Reben den für die Region typische Moscato di Noto und ergänzte sie mit Grillo und Catarratto, den weißen Klassikern Sizilien. Die Reben wurzeln in kalkdurchsetzten Böden und werden in Alberello, der in den Mittelmeerländern traditionellen Kopferziehung, erzogen.
Ob er biologisch zertifiziert ist, weiß ich nicht, was ich allerdings weiß, ist, dass er seine Weingärten handwerklich und möglichst schonend bewirtschaftet und im Keller seit jeher den Prinzipien der Naturweinbewegung folgt. Das Sortiment hat er mittlerweile um einen weiteren Wein zu einem Trio erweitert, die nicht nur seinen Enthusiasmus wiedergeben, sondern elegant, geradlinig und profund überhaupt zu den besten der Gegend gehören.

Weine

Calaiancu: Grillo mit einem kleinen Anteil Catarratto. Spontan vergoren und im Stahltank auf der Hefe ausgebaut. Saftig und druckvoll. Vital und geradlinig. Die Wärme des sizilianischen Südens spürst du mehr in den Aromen, den Zitrus- und Kräuternoten als im Körper, der zwar profund und nachhaltig ist aber nie ausladend. Viel Wein für wenig Geld.

Viario: 100% Moscato di Noto. Ein Tribut an seine Heimat. Über 48 Stunden auf den Schalen mazeriert. Zeit genug, um dem Wein ein bisschen Grip mit auf den Weg zu geben. Spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. Aromatisch, strukturiert und einladend. Erstaunlich leicht im Alkohol. Hat dabei dennoch Tiefe und Substanz. Stringent und kühl (dem Kalk sei Dank, vermute ich mal). Macht nachhaltig Eindruck. Zeigt, dass schon ein kurzer Maischekontakt Aromasorten in eine komplexere und trinkanimierende Richtung lenken kann.

Calaniuru Rosso: mehr Frappato als Nero d’Avola und folglich wesentlich eleganter als die meisten Weine, die man sonst aus dieser Ecke Siziliens bekommt. Dichte Bestockung. Relativ kurze Mazerationszeit. Spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. Floral, feinfruchtig, subtil. Eleganter Körper. Ausgewogene Textur. Rotbeerig und vital am Gaumen.

Adresse

Dario Serrentino
Contrada Maccari,
96017 Noto (SR)
info@ilmortellito.it
www.ilmortellito.it
Tel: 346 4770455

Datenblatt

Rebsorten: Nero d’Avola, Frappato, Moscato Bianco, Grillo, Catarratto
Rebfläche: 3 ha Weingärten
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: 
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

 

Die Weine von Il Mortellito gibt es bei https://www.lavaligiadibacco.com/

Tenuta Armosa

Michele Mölgg macht fantastische lang gereifte Nero d’Avola, mit die besten, die ich kenne. Nicht in Südtirol, wo man ihn den Namen nach hinverorten würde, sondern schon dort, wo Nero d’Avola normalerweise wächst: in Sizilien, genauer in Scicli, einer kleinen im äußersten Südosten der Insel gelegenen Stadt, die von der UNESCO wegen ihrer Barockarchitektur zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Wein gab es hier schon vor dem Barock, vermutlich war das auch damals schon Nero d’Avola und Moscato Bianco, aber so ganz sicher weiß das niemand. Michele hat jedenfalls 2002 die beiden Sorten in den Sand von Scicli gesetzt und sich dabei an der Tradition der Region orientiert.

Die Weingärten sind im wahrsten nur einen Steinwurf vom Meer entfernt, die letzten Reben gehen quasi in den Strand über. Dank des ohnehin trockenen Klimas und den vom Meer durch die Reben zirkulierende Winde liegt es nahe, dass Michele ohne den Einsatz von Chemie arbeitet.

Ob das der Grund ist, warum seine Nero d’Avola um Lichtjahre spannender sind als fast alle anderen, die ich in bisher getrunken habe, ist eine naheliegende Vermutung. Es mag aber auch am kalkdurchsetzten Tuff liegen, der sich unter dem Sand breit macht und daran, dass er nicht auf Teufel komm raus zigtausende Kilo am Hektar zu lesen versucht. Oder an allem zusammen.

Im Keller behandelt er seine Trauben so als würden wir uns irgendwo zwischen Barolo und Barbaresco befinden. Die Maischestandzeiten sind lang, die Ausbauzeiten noch um einiges länger. Die beiden gegenwärtigen Jahrgänge des Siclys und des Curma, seinen beiden Nero d’Avola, sind 2010 und 2011, haben also schon ein knappes Jahrzehnt am Buckel.

Die Weine

Siclys 2010: Ein Nero d’Avola, wie ich ihn noch nie getrunken habe. Druckvoll, strukturiert, elegant – drei Adjektiva, die man Nero d’Avola normalerweise nicht zuordnen will. In der Nase keine zusammengekochte Marmelade sondern frische und lebendige Aromen. Top. 

Ab Hof: €12; bei italvinus €14

Curma 2011: Der Curma ist die Reserve der Tenuta Armosa. Er ist einen Tick kräftiger als der Siclys, schert jetzt allerdings nicht in eine üppig, plumpe Richtung aus. Der Kalk strafft auch hier, gibt Richtung und Struktur. Die Aromen sind ähnlich saftig wie beim Siclys, wirken aber etwas dunkler. Vergoren wird spontan, ausgebaut in gebrauchten Barriques. Gefiltert und geschönt wird nicht.

Ab Hof: €15; bei italvinus €19

Salipetrj 2018: Aus in aller Herrgottsfrühe gelesenen Moscato Bianco-Trauben gekeltert. Bleibt während der Gärung für einige Tage in Kontakt mit seinen Schalen. Ausgebaut wird der Salipetrj für ein halbes Jahr im Stahltank. Gefiltert wird nicht, was zur Folge hat, dass den Wein ein feiner Schleier durchzieht. Ist dank der Mazeration und dem kalkigen Untergrund, in dem die Reben wurzeln, geradlinig und griffig. Florale Aromen prägen, ein paar Fruchtnoten ergänzen. Gleichfalls exzellent.

Ab Hof: €12; bei italvinus €12

Adresse

C.da Pezza Fillippa, 97018 Scicli (Rg)
Telefon: ++39 392 9136858
www.armosa.it

Datenblatt

Rebsorten: Nero d’Avola, Moscato Bianco
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: 
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Stefano Amerighi

Stefano Amerighi macht die beiden besten Syrah Italiens.
Keine üppig-aufgeblasenen in aufgerüsteten und hochtechnisierten Kellern entstandenen Versionen, sondern puristisch-elegante Syrah, die auf den besten Methoden und Traditionen der lokalen Bauernschaft basieren.
Lokal bedeutet in seinem Fall Cortona im äußersten Südosten der Toskana, auf halbem Weg zwischen Siena und Perugia. Touristen verirren sich nur selten hierher und das obwohl die Ecke zu den schönsten der Toskana zählt.
Stefano ist seit 2002 in Cortona zu Hause, genauer in Poggiobello di Farneta. Dort gehören ihm mittlerweile knapp 10 Hektar Land, dessen Zentrum zwei nach Südwesten schauende Hügel ausmachen. Darin wurzeln vor allem Syrahrebstöcke, die er zertifiziert biodynamisch bewirtschaftet. Den Rest des Landes nehmen Obstbäume, Getreidefelder und Gemüsegärten ein.
Nach mittlerweile knapp 20 Jahren ist so ein sich im Gleichgewicht befindliches Umfeld entstanden, das ihm genau das Rohmaterial bietet, das er für seine Idee eines terroirgeprägten Syrah haben will.
Per Hand gelesen, wird es teils mit den Füßen eingemaischt, teils mit den ganzen Trauben spontan und ohne Temperaturkontrolle in Zementzisternen vergoren. Der Ausbau findet über zwei Jahre hinweg in Zement- und großen Holzfässern statt.
Für gewöhnlich reduziert er sich dabei auf einen einzigen, ganz simpel Syrah genannten Wein. Nur in Ausnahmejahren fügt er dem noch den „Apice“, einen über insgesamt fünf Jahre in Fass und Flasche ausgebauten Lagensyrah (Vigneto dei Canonici), hinzu.

Die Weine

Syrah: Auf zwei nach Südwesten schauenden Hügeln entstanden. Teils mit den Füßen angequetscht, teils mit den ganzen Trauben ohne Temperaturkontrolle in Zementbottichen spontan vergoren und in Zement und Holz ausgebaut. Saftig, kühl-strukturiert, präzis. Rote Früchte, dunkle Gewürze. Pfeffer. Dicht und fokussiert. Ausgewogen und weich. Druckvoll und lang. Hat Potenzial für ein paar Jahrzehnte.

Syrah Apice: Stammt aus einem ausgesuchten Weingarten, den Vigneto dei Canonici, der zwar mehr Sonne aber eine kühlere Thermik als seine anderen Weingärten hat. Das führt zu einem gleichermaßen straffen wie auch kraftvollen Körper und vielschichtigen Aromen. Intensiv, konzentriert und doch elegant. Obwohl er erst nach 5 Jahren in die Regale kommt, lohnt sich Geduld. Ist wie der Syrah vinifiziert, einzig die Ausbauzeit ist etwas länger.

Kontakt

Amerighi Stefano
Poggiobello di Farneta – 52044 Cortona (AR)
Tel. +39 0575 648340 – Mob:. +39 335 6095187 – Fax +39 0575 642828
info@stefanoamerighi.it
www.stefanoamerighi.it

Datenblatt

Rebsorten: Syrah
Rebfläche: 8 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja (Demeter)
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Weingut

Valentino Dibenedetto ist kein gewöhnlicher Weinbauer. Zwar keltert auch er eine Batterie optimaler Weine, doch unterscheidet ihn das nicht allzu sehr von anderen, die das ebenfalls regelmäßig hinbekommen. 

Vielmehr ist es sein landwirtschaftlicher Ansatz, durch den er sich von anderen Winzern abhebt. Und auch sein Wille stets noch einen Schritt weiterzugehen und weiterzudenken. Schon in den 1980er Jahren begann er – damals gemeinsam mit seinem Vater Carlo – die Weingärten biologisch zu kultivieren. Nach der Lektüre von Rudolf Steiners Schriften über die Landwirtschaft stellte er auf biodynamische Bewirtschaftung um, später – nach dem Studium der Bücher Masanobu Fukuokas – sich an der Permakultur zu probieren. 

Mittlerweile betreibt er „agricoltura sinergica“ – synergetische Landwirtschaft – bei der es in wenigen und vermutlich zu simplifizierenden Worten darum geht, dass sich die Bodengesundheit einzig durch ein reziprokes Verständnis der Pflanzen miteinander einstellt. Natürlicher Humusaufbau durch fallendes Laub oder spontan wachsende Kräuter hat oberste Priorität. Die Eingriffe sind minimal. Er verzichtet auf schweres Gerät, um die Böden nicht zu verdichten und lässt die Finger von Pestiziden & Co.

Auf diese Art und Weise pflegt er gemeinsam mit Frau und Kindern in der apulischen Murgia, einer felsig-kalkigen Hochebene zwischen Bari und Taranto, erstaunliche 25 Hektar Rebfläche. In ihnen wächst eine Batterie lokaler Sorten, die sich nicht in Primitivo und Negroamaro erschöpft, sondern auch Susumaniello, Greco, Aglianico, Fiano, Verdeco, Maresco und Marchione Platz einräumt. 

Nachdem Valentino im Weingarten auf Chemikalien jeglicher Art verzichtet, lässt er naheliegenderweise auch im Keller – mit Ausnahme von ein wenig SO2 vor der Füllung – die Finger davon. 

So entsteht ein 13-teiliges Panorama meist reinsortig vinifizierter Weine (10 Stillweine, 3 Schaumweine), die in ihrer Klarheit, Präzision und Straffheit einen erstaunlich-vitalen Gegenentwurf zu den oft üppig-fetten Interpretationen liefert, die man sonst aus der Gegend kennt.

Weine

Litrotto bianco: Wie der Quotiano von La Felce und der Litrozzo von Le Coste ein Wein für die Leute der Umgebung: aus vier weißen Rebsorten (Verdeco, Falanghina, Marchione und Fiano) gekeltert, im Liter abgefüllt, günstig, ein Tischwein, einfach aber nie banal. Suggeriert Zitrusaromen, Blüten, Kräuter und gelbe Früchte.  

Litrotto rosso: Das rote Pendant. Die Basis dafür stammt aus Montepulciano, Merlot, CS, Primitivo und Susumaniello. Ungeschönt und ungefiltert. Rote Früchte, Kräuter, Unterholz, straff aber stoffig.

Fiano: Nicht aus Fiano di Avellino, dem viel berühmteren Namensbruder, sondern aus Fiano Minutolo gekeltert. Ungeschönt, ungefiltert und ohne die Beigabe von Sulfiten abgefüllt. Salzig, kräuterig. Macht ordentlich Druck am Gaumen. Ist persistent, saftig und vom Kalk geprägt. Top.

Verdeca Sette Lune: Nach sieben Monden (ein Tribut an Winnetou?), also ungefähr sieben Monaten Schalenkontakt abgepresst. Verdeca ist eine der spannendsten weißen Rebsorten des italienischen Südens, die sowohl mazeriert wie auch klassisch weiß richtig gute Weine ergibt. Floral, kräuterig, Laub, Grapefruit. Hat Grip und Säure.

Aglianico: Anders als die Versionen, die man für gewöhnlich aus Kampanien bekommt. Weniger opulent und auch niedriger im Tannin. Dafür halt auch eleganter und nicht so erschlagend. War erst zwei Jahre im Edelstahl und danach noch zwei Jahre im gebrauchten Holzfass. Brombeeren, Pfeffer, Gewürznelken, Kräuter. Fließt stoffig und mit genau der richtig Menge Säure über den Gaumen. 

Niuru Maru: 100% Negroamaro. Abbild seines Terroirs. Das ist, anders als im Salento, der eigentlichen Heimat des Negroamaro, wesentlich kühler und von Kalk geprägt. Der Niuru Maru ist folglich straff und saftig, mit lebendiger Frucht, feiner Säure und erfrischendem Trinkfluss.

Daneben gibt es auch noch einen gleichfalls erstaunlich leichtfüßigen Primitivo, eine Primitivo-Agianico Cuvèe, einen exzellenten Greco, über den die Autoren des brillanten Buches Vini da scoprire eine Laudatio geschrieben haben und die drei Spumante, die ich allerdings noch nie probiert habe.

Die Weine von L’Archetipo gibt es bei vinifero in Wien und bei callmeweine in Italien. Sie kosten zwischen 10 und 18 Euro.     

L'Archetipo

C.da Tafuri sp21, km7
Coordinate
16° 51’ 40,00’’ Est
40° 41’ 19,00’’ Nord

Castellaneta Taranto/Puglia 74011
Tel:+39 3286014607
email: info@larchetipo.it
www.larchetipo.it

Datenblatt

Rebsorten: Greco, Fiano minutolo, Verdeca, Marchione, Susumaniello, Primitivo, Negroamaro, Aglianico, Merlot, CS
Rebfläche: 25 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Weine erzählen: Guarini Plus 2016

Hintergrund: Der Guarini Plus ist Aldo Violas Leidenschaft für Syrah geschuldet. Überzeugt davon, dass die Sorte in gut ventilierten und nach Norden exponierten Lagen auch in Sizilien exzellente Ergebnisse zeitigen könnte, machte er sich vor gut zwei Jahrzehnten auf die Suche und wurde in Feudo Guarini fündig, einem mikroskopischen Ort, 30 Kilometer von seinem Weingut in Alcamo entfernt. Nachdem Aldo kein Mann für halbe Sachen ist, setzte er neben ein paar bereits vorhandene Stöcke gleich noch ein paar Hektar mehr aus, sodass Syrah heute gut die Hälfte seiner Rebfläche einnimmt. Die Exposition weist wie gewünscht in Richtung Norden, die Böden sind von Kalk & Ton geprägt. Das Klima ist so trocken und warm, dass er in normalen Jahren lediglich zweimal auf den Traktor steigt und Schwefel gegen Oidium ausbringt. Kupfer gegen Peronospora verwendet er für gewöhnlich überhaupt nicht. Trotz der trockenen Bedingungen verzichtet Aldo auf Bewässerung („haben wir nie gemacht“) und setzt auf die natürliche Überlebensinstinkte der Rebe.

Im Keller werden die Trauben bei 25-30° spontan vergoren. Der fertige Wein wird danach in neue und gebrauchte 600 und 800-Liter-Tonneaux  umgezogen, wo er für 6 Monate ohne jegliche Intervention reift. Der Guarini Plus wird weder geschönt, gefiltert noch geschwefelt.

Stil: Dunkel, elegant, vertikal & dunkelfruchtig und mediterran. Aldo Viola gelingt es mit dem Guarini Plus in der Hitze Siziliens einen strukturierten und puristischen Syrah zu keltern, der eine Brücke zwischen den Aromen des südlichen Languedoc und der Textur der nördlichen Rhone baut. Am Gaumen kombiniert sich kompaktes Tannin mit einem stoffigen und samtigen Körper.

Datenblatt

Rebsorte: Syrah
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Guarini, Kalk- & Tonböden, Nordexposition, auf 350 Meter Seehöhe
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan     | wilde Hefen, in Edelstahl
Ausbau: 6 Monate im 600/800-Liter Tonneaux
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt, freies SO₂: 0 mg/l, Gesamt-SO₂: 3 mg/l
Alkoholgehalt: 14 % vol.
Säure: 6 g/l
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 15-17 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

 

Den Guarini Plus gibt es bei vinonudo in Wien

Vernaccia di San Gimignano ist eine weiße Insel in einem roten Meer. Zwar haben die meisten Weingüter quer durch die Toskana auch weiße Rebsorten (an der Küste vor allem Vermentino und Ansonica, in den Hügeln des Chianti Trebbiano Toscano und Malvasia di Chianti) im Sortiment, doch spielen sie quasi flächendeckend nur Nebenrollen gegen den omnipräsenten Sangiovese und seine roten Weggefährten. 

Rund um San Gimignano ist das anders. Dort heißt die klare Nummer eins Vernaccia. Sie wurde  1966 in den DOC-Status und 1993 in den DOCG-Status erhoben, was allerdings nichts daran ändert, dass ich mich eigentlich nie mit ihr anfreunden konnte. Die leichten Versionen waren oft zu nichtsagend und simpel, die gewichtigen Versionen zu holzbetont (was auch an der unsinnigen Verordnung liegt, dass Vernacciareserven für ein Jahr ins Holzfass wandern müssen.).

Den goldenen Mittelweg scheint Federico Montagnani gefunden zu haben. Der keltert Vernaccia, der – subtil und feingestrickt aber substantiell – Licht ins Dunkel der Sorte wirft.

Federicos Familie besitzt seit 1685 Land in San Gimignano und es steht zu vermuten, dass sich bereits damals Vernaccia in ihren Weingärten befand. Richtig ernst wurde es mit Federicos Großvater Dino, der 1966 – anlässlich der Verleihung des DOC-Status – seine Fassweine erstmals in Flaschen füllte. Federico stieg 2006, nach einigen Lehrjahren in anderen Weingütern, bei sich zu Hause ein. Von Anfang an setzte er ohne Kompromisse auf biologische Bewirtschaftung: nicht nur in den sieben, mit Reben bepflanzten Hektar, auch in den Olivenhainen, Getreidefeldern und Safrananpflanzungen.

Vernaccia spielt in den Weingärten naturgemäß die Hauptrolle. Sie werden größtenteils in Alberello und Guyot erzogen, nachdem Federico erkannt hatte, dass die zudem praktizierte Kordon-Erziehung zu kompakte und folglich recht krankheitsanfälligere Trauben produzierte. Die Weingärten sind mit Leguminosen begrünt; an ihren Rändern stehen Obst- und Olivenbäume, die Refugien für Vögel und Insekten bilden.

Vernaccia ist jedoch nicht die einzige Sorte, die es darin gibt. Seit Generationen befinden sich in den ältesten Weingärten auch einige Reihen einer Rebsorte, von der niemand weiß, wie sie dorthin gekommen ist und deren Namen – bis vor kurzem – niemand kannte. Gemeinsam mit Ampelographen aus dem Veneto machte sich Federico daran ihre Identität zu bestimmen und entdeckte schließlich, dass es sich um Verdacchio handelte, eine Sorte, die man eigentlich für ausgestorben (sagt man bei Pflanzen so) hielt – und die es anscheinend nur noch bei ihm gibt. Sich seiner Verantwortung bewusst, keltert er daraus seither einen in der Flasche vergorenen Frizzante (rifermentato). 

Die beiden Vernaccia vergärt er hingegen spontan zu klassischen Weißweinen und baut sie über ein knappes Jahr in Zementbottichen aus.

Co’l Botto

Verdacchio! Der einzige seiner Art. Uralte Rebstöcke. Erstgärung in Zement, Zweigärung in der Flasche. Nicht degorgiert. Steinig. Mineralisch im eigentlichen Sinne. Zitrusnoten. Kalk. Sehr straff und animierend. Druckvolles und belebendes Finish. 

Vernaccia Assolo

Aus den Trauben seines ältestes Weingarten gekeltert. In Zement vergoren und ausgebaut. Stoffig, saftig und profund. Nie aufdringliche Blütennoten. Balsamisch. Grapefruit. Minze. Am Gaumen exotische Anklänge. Druckvoll-langer Abgang. Federicos bester Wein.  

Vernaccia Frammenti

Spontane Vergärung im Stahltank. Ausbau in Zement. Etwas einfacher gestrickt als der Assolo. Floral, Zitrusaromen, Salz. Knochentrocken. Stahlig. Hat Substanz und Energie. Fließt belebend über den Gaumen. Perfekter Begleiter zu Fisch.

Kontakt

Federico Montagnani
Località Casale 36, San Gimignano
+ 39 3467514155 / +39 346512363
tenutamontagnani@gmail.com

Datenblatt

Rebsorten: Vernaccia, Verdacchio
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Fattoria di Bacchereto

Viel Geschichte und zwei Monumente

Die Fattoria Bacchereto liegt in Montalbano, ein paar Hügel westlich von Florenz auf dem Weg nach Pisa. Die Geschichte hat hier gleich in mehrfacher Hinsicht ihre Spuren hinterlassen. Das 167 Hektar große Anwesen von Rossella Bencini Tesi, in dem Olivenbäume auf 60 Hektar die Hauptrolle spielen und Wein auf acht Hektar nur eine vermeintlich untergeordnete Rolle einnimmt, war in seiner Blütezeit das Jagdquartier der Medici. 

Katharina von Medici, ab 1547 Regentin von Frankreich, ließ in seinen Weingärten Cabernet Sauvignon anpflanzen, der auch heute noch in quasi jede Cuvée der Gegend einfließt – nicht aus modischen Gründen, sondern weil es ihn eben immer schon gab (angeblich nennen die alten Weinbauern Cabernet Sauvignon aufgrund seiner Herkunft hier immer noch uva francesca). Die Gegend heißt übrigens Carmignano und ist, gemeinsam mit dem klassischen Chianti, Val d’Arno di Sopra und Pomino, das älteste geschützte Herkunftsgebiet der Welt. Schon im frühen 18. Jahrhundert hielt man die Weine für die mitunter besten der Toskana. 1716 ließ Cosimo III de Medici das Gebiet genau begrenzen und Direktiven für die Weinbauern verfassen – mehr als 200 Jahre bevor man in Frankreich auf die Idee kam, die Appellation d’Origine Contrôlée, die geschützten Herkunftsgebiete, einzuführen.

Heute keltern Rossella Bencini Tesi und ihr kongenialer Kellermeister Marco Vannucci in der Fattoria di Bacchereto Weine, die vermutlich auch den Medici geschmeckt hätten. Sie setzen dabei auf die, seit jeher in der Gegend beheimateten Rebsorten – Sangiovese, Canaiolo und Cabernet Sauvignon (rot), Trebbiano und Malvasia (weiß) –, die in mittlerweile seit gut 15 Jahren biodynamisch kultivierten Weingärten heranreifen. Sangiovese in einem, kühlen, nach Osten hin ausgerichteten, vor allem auf Ton basierenden Weingarten, Malvasia und Trebbiano in einem ebenfalls nach Osten exponierten und von Alberese, der klassischer Kalkform der Toskana, durchsetzten Boden. Die Canaiolo- und Cabernet Sauvignon-Reben wurzeln ebenfalls in Alberese, schauen jedoch in die Mittagssonne.  

Daraus werden insgesamt nur ein Rotwein, ein Weißwein und ein Süßwein produziert. Zumindest die trockenen Weine gehören zum Besten, was die Toskana in diesen Kategorien zu bieten hat (den Süßwein kenne ich nicht). Während der Vinifikation wird generell kaum interveniert – die Gärung läuft spontan und ohne Temperaturkontrolle in Zementbottichen ab, der Ausbau findet über 18 Monate hinweg in 350-Liter fassenden gebrauchten Holzfässern und für weitere 6 Monate in der Flasche statt. Geschönt und gefiltert wird nicht, geschwefelt wenig.

Die Weine

Terra a Mano 2015: 75% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon, 10% Canaiolo. Schon in der Nase intensiv, kraftvoll und tief. Balsamische Noten, Kräuter und rote Früchte. Ausdrucksstark, fleischig und druckvoll. Hat trotz seiner Dichte und Energie Trinkfluss. Ist erdig und dunkel am Gaumen. Lang und nachhaltig. Toll. Bei callmewine.com für € 27,50 plus Versandkosten zu haben.

Sassocarlo 2016: 80% Trebbiano, 20% Malvasia di Chianti. Hat wie das rote Pendant Power und Energie. Breit, warm und gehaltvoll, hat dank einer kurzen Maischegärung allerdings auch eine kompakte Textur. Kräuter, reife, gelbe, Frucht, weich und persistent. Ein extrem gelungener Gegenentwurf zum Trend immer mehr Eleganz in die Flasche zu bringen und dabei bisweilen zu dünne Weine zu produzieren. Bei callmewine.com für € 31,50 plus Versandkosten zu haben.

Fattoria di Bacchereto

Rossella Bencini Tesi
Via Fonte Morana 179
59015 Bacchereto
Tel: +39 338 873 9577

Datenblatt

Rebsorten: Sangiovese, Canaiolo nero, Cabernet Sauvignon, Trebbiano, Malvasia
Rebfläche: 8 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Das Quinto Quarto, das fünfte Viertel, ist eigentlich ein Ausdruck aus der italienischen Volksküche und bezeichnet die Teile des Tieres, die nicht zu den „Tagli nobili“, den edlen Stücken gehören. Vor allem also Innereien, aber auch Füße (Zampone – eine winterliche Spezialität in der Emilia), Schwänze, Köpfe und im Grunde einfach alles, was sich essen lässt. Geprägt haben den Begriff meines Wissens die Römer, finden tun sich Abwandlungen des Quinto Quarto allerdings in ganz Italien vom Piemont bis nach Sizilien.

Franco Terpins Quinto Quarto ist ein alljährlich wechselnder Rebsortenmix, der aus den Trauben stammt, die nicht in seine Top-Serie einfließen. Das liegt nicht daran, dass die Trauben marod wären, sondern dass sie von Rebstöcken stammen, die – seiner Ansicht nach – noch zu jung sind, um ganz auf sich allein gestellt, ihr ganzes Potenzial zum Ausdruck zu bringen. Also cuvetiert er: in unserem speziellen Fall, Pinot grigio mit Pinot bianco.

Vor der Assemblage hat der Quinto Quarto einige Tage Kontakt mit seinen Schalen. Das gibt ihm Farbe, Struktur und Charakter. Nach der der Gärung baut Franco die beiden Weine separat in Stahltanks aus und cuvetiert sie nach ein paar Monaten. Die Weine sind weder geschönt noch gefiltert.

STIL

Trockenfrucht, Zimt und Apfelstrudel. Ein bisschen welkes Laub. Im Friaul. Im Herbst. In der Sonne. In der Nase. Im Mund ist dann allerdings gleich Schluss mit der Romantik. Da finden sich die süßen Aromen in einer staubtrockenen Struktur wieder. Der Gerbstoff macht ordentlich Druck und trägt Apfelstrudel & Co. geradlinig zum Gaumen. Das Territorium (Kalk) hinterlässt seine Spuren. Saftig und einladend. Begleitet tatsächlich aufs Beste Innereien.

Datenblatt

Rebsorte: Pinot grigio & Pinot bianco
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Lagen rund um das Weingut. Junge Reben. Boden: Ponka
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan     | wilde Hefen, in Edelstahltanks
Ausbau: 10 Monate in Edelstahltanks
Filtration: nein
SO: < 50 mg/l
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2025

Für gewöhnlich bei vinonudo erhältlich.

Das Weingut

Das erste Mal hörte ich von Gianluca Bergianti 2017 bei einer Verkostung in Vignola, der Stadt mit den besten Kirschen der Emilia Romagna. Luciano Saetti, seines Zeichens eine unumstößliche Größe unter den Lambruscowinzern der Region, machte mich auf ihn aufmerksam und meinte, dass ich unbedingt seine Weine probieren sollte. Gesagt, getan – und seither auch immer wieder mit großer Freude und immer neuem Interesse, da Gianluca seinem 2017 noch sehr kleinem Sortiment mittlerweile noch einige Weine mehr hinzugefügt hat.

Gianlucas Familie stammt ursprünglich aus Carpi, einer kleinen Stadt im ebenen Kernland des Lambrusco. Mit Wein hatte die Familie nie wirklich zu tun. Auch Gianluca anfangs nicht, der nach dem Liceo Ingenieurswissenschaften zu studieren begann. Nach einem Jahr sah er jedoch ein, dass Ingenieur nichts für ihn war und beschloss erstmal durch Italien zu reisen, sich umzuschauen und über seinen künftigen Weg nachzudenken. Ein halbes Jahr später schrieb er sich an der Uni Pisa in den Fächern Agrarwissenschaften und Önologie ein und dabei blieb es dann auch. Glücklicherweise, denn Gianluca ist heute einer der interessantesten (im absolut im positiven Sinne des Wortes) und besten Winzer der Emilia. Gemeinsam mit seiner Frau Simona, gleichfalls Agrarwissenschaftsabsolventin und verantwortlich für die landwirtschaftliche Produktion des insgesamt 16 Hektar großen Hofes in Gargallo (man kann ihr Gemüse Freitag nachmittag direkt ab Hof oder am Samstag am Markt in Carpi kaufen). Die Bewirtschaftung basiert seit den Anfängen auf biodynamischen Prinzipien, wobei Gianluca und Simona den Begriff traditionell bevorzugen. Der ampelographische Fokus liegt auf Salamino und Sorbara, den beiden Lambruscosorten der Gegend, die von der weißen Pignoletto und demnächst auch noch von ein wenig Trebbiano Modenese ergänzt werden.

Der Keller von Gianluca ist inspiriert von einem unweit entfernten „Kühlhaus“ aus dem 16. Jahrhundert – einem aufgeschütteten kuppelförmigen Hügel, in dem es stabil zwischen 14 und 16°C hat. Darin vinifiziert er mittlerweile insgesamt sieben Weine, fünf sprudelnde Frizzante & Spumante und zwei weiße Stillweine, mehrere davon in Betoncleyver. Die Gärung ist durch die Bank spontan, die Eingriffe sind minimal (keine Schönung und Filterung, wenig Schwefel). Generell sind die Weine extrem elegant, griffig, mit knackiger Säure, ordentlich Druck in Richtung, filigraner Frucht und einer Menge Charakter.

Il Bianco: Nicht mein Lieblingswein von Gianluca. Pignoletto gehört eigentlich in die Colli Bolognesi und als Grecchetto Gentile nach Umbrien und ich bin mir nicht so sicher, ob er dort nicht besser aufgehoben ist. Breit, weich und doch säurebetont, floral, gelbe Frucht, aber irgendwie unrund.

Perfranco: Einer der Klassiker des Hauses. 100% Lambrusco Salamino di Santa Croce. Nach einer spontanen Erstgärung im Cleyver, fand eine Zweitgärung und nachfolgende zweijährige Lagerung in der Flasche statt. Saftig, kernig und vital. Blüten und Grapefruit in der Nase. Hat Substanz und Tiefe, bereitet aber doch auf unkomplizierte Weise Spaß.

Bergianti Fine: Nochmals Rosato, diesmal allerdings aus Lambrusco di Sorbara. Kein Rifermentato, sondern ein metodo classico (methode champenois). Knochentrocken, vertikal, voller Spannung, und Energie. Beeren und Zitrusfrüchte auf der Zunge. Sehr gut.

Bergianti rosso: Mix aus Salamino und Sorbara, wobei der Salamino klar den Ton angibt. Klassischer Lambrusco, allerdings als metodo classico vinifiziert. Rotbeerig, Waldfrüchte, Kirschen, Kräuter. Staubtrocken wie immer bei Gianluca. Mit ordentlich Rückgrat. Vertikal, linear und belebend.

Weitere Weine von Gianluca Bergianti sind der Rosato Frizzante Saint Vincent und der Primo, die allerdings immer ausverkauft sind, wenn ich ihn treffe.

Zudem vinifiziert er den Stiolorosso (Lambrusco di Sorbara, Oliva und Ancelotta – sehr gut) und den Resmaior (Lambrusco di Sorbara – solala – fein, filigran aber ein bisschen zu mager) von Casalpriore und ist nach dem Tod von Eigentümer Gabriele Ronzoni auch für die Bewirtschaftung verantwortlich.

Bergianti - Terrevive

Via Paganelle Guerri 15
41012 Gargallo di Carpi (MO
simonazerbinati80@gmail.com
g.bergianti@gmail.com
Cell: (+39)349-5227337 Gianluca
Cell: (+39)338-6382870 Simona
www.terrevive.net

Datenblatt

Rebsorten: Pignoletto, Trebbiano modenese, Lambrusco Sorbara, Lambrusco Salamino
Rebfläche: 5 ha
Reberziehung: Guyot
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

Weingut

Riesling Spumante, der Maßstäbe setzt

In Italien gibt es eine Handvoll exzellenter Winzer, die ihr Weingut nicht am Land, sondern in der Stadt haben. Heinrich Mayr (Nusserhof), Martin Gojer (Pranzegg) und Christoph Unterhofer (Reyter) keltern ihre Weine am Stadtrand von Bozen, Marco Lanzotti (Angol d’Amig) an der Peripherie von Modena und Marco Merli an der von Perugia. Giuliano Micheletti wiederum zeigt, dass man auch in Trento ein ideales Umfeld für Reben vorfindet; wobei sich zugegebenermaßen nur ein Teil davon innerhalb der Stadtgrenzen von Trento befindet, den Rest – die Basis für seinen fantastischen Riesling Spumante und den (mir bisher leider unbekannten) Riesling Limen – befindet sich auf 500 Meter 20 Kilometer entfernt im Valle dei Laghi in Drena. 

Am San Rocco in Trento pflegt er dagegen seit mittlerweile über 20 Jahren Merlot und Chardonnay. Anfangs produziert er für die omnipräsenten Genossenschaften der Gegend, doch erkennt er schon früh, dass dieser Weg keinen Platz für eigene Ziele und Ideen lässt. Er stellt bereits 1998 auf biologische Bewirtschaftung um, 2006 geht er noch einen Schritt weiter und lässt sich biodynamisch zertifizieren – ein Schritt, der seiner Meinung nach unumgänglich ist, um das Jahr, das Terrain aber auch seine eigenen Vorstellungen und Empfindsamkeiten im Wein auszudrücken. 

Auf etwas mehr als drei Hektar produziert Giuliano insgesamt vier Weine. Den Limen bianco und den Limen rosso (zwei Stillweine, die ich beide leider noch nicht kenne) und zwei Schaumweine, die er nach der metodo classico, dem klassischen Champagnerverfahren vinifiziert und die mit zum besten gehören, was ich in Sachen italienischer Sprudel jemals im Glas hatte.

Weine

Fuori Schema dossaggio zero: Ein Riesling Spumante, der Maßstäbe setzt. Vor zwanzig Jahren auf 500 Metern in einem steinigen, bestens ventilierten Terrain im Valle dei Laghi (nördlich des Gardasees) ausgesetzt. Spontan vergoren und über ein Jahr im Stahltank ausgebaut. Minimal geschwefelt. Zweitgärung über ein paar Jahr in der Flasche. Danach degorgiert und ohne Dosage verkorkt. Das Resultat ist knochentrocken, kompromisslos zuckerfrei, herb, eigenständig, steinig und fordernd. Kühl, geradlinig und total fokussiert. Feine Perlage. Ordentliches Säurerückgrat.  Delikate Aromen. Fantastisch.

MAN 273 dossaggio zero: Keine Ahnung, was MAN bedeutet, 273 sind jedoch die Meter über den Meeresspiegel, auf denen sich Giulianos Chardonnay-Weingarten befindet. Die hat er ganz bewusst auf das Etikett gesetzt, um der Mär entgegenzutreten, die besagt, dass die Trauben für guten trientinischen Spumante auf mindestens 300 Meter wachsen müssen. Nach einer klassischen Zweitgärung in der Flasche, Null-Dosage und einem weiteren Jahr in der Flasche, kann man diesen Mythos in Ruhe ad acta legen. Der MAN 273 ist wie schon der Riesling steinig und staubtrocken, doch etwas ausladender und fülliger. Auch er zieht bestens strukturiert seine Bahn in Richtung Gaumen, wo er fein perlend, fruchtig-floral ausklingt. 

Giuliano Micheletti

Via Enrico Conci 78, Trento
Tel: +39 0461912995
email:gm.limina@gmail.com

Datenblatt

Rebsorten: Chardonnay, Riesling, Merlot
Rebfläche: 3,3 ha
Reberziehung: Guyot
Rebstockalter: zwischen 50 (Chardonnay) und 20 Jahren (Riesling)
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

 

Das Weingut

La Felce, das ist vor allem Andrea Marcesini. Der führt seit 1998 das Weingut, das sein Großvater in Ortonovo, in der Nähe von La Spezia gegründet hat. Wie schon die Vorgängergenerationen scheinen Andrea Zeitgeist und Moden ziemlich kalt zu lassen – im Gegenteil, er produziert eisern an ihnen vorbei. Gelegentlich kommt es allerdings vor, dass die Moden ihn einholen, was guten Produzenten, die kompromisslos und intelligent ihre Sache durchziehen, immer wieder passiert. Er macht dann, wie könnte es anders sein, einfach weiter wie davor.

In wenigen Worten bedeutet das: eine akribische Auseinandersetzung und biologische Bewirtschaftung vieler mikroskopischer Parzellen an zwei unterschiedlichen Orten (in den Hügeln von Castelnuovo Magra wachsen seine weiße Sorten, während in der Ebene in Ortonovo die roten Sorten stehen). Ein Gleichgewicht roter und weißer Rebsorten, die er oft als Cuvée, gelegentlich als Gemischte Sätze und eher selten reinsortig verarbeitet. Und ein konsequent handwerklicher Ansatz im Keller, in dem man sich vor allem auf Gerätschaften verlässt, die schon vom Vater und Großvater erfolgreich verwendet wurden.

Seine Weine fangen Traditionen ein, lassen sich allerdings nicht darauf reduzieren – es geht ihm aber entscheidend darum die Geschichte seiner Gegend in seinen Weinen nachzuerzählen. Was nicht immer einfach ist, weshalb er aus seinen fünf Hektar Rebfläche nicht nur ein oder zwei, sondern gleich zehn Weine keltert, die einen repräsentative Blick zurück und – das bleibt aufgrund ihrer Klasse zu hoffen – auch einen Entwurf für zukünftige Generationen liefern.

Die Weine

Der Felcebianco ist ein fantastisches Projekt, das man sich von mehr Winzern wünschen würde. Es ist ein im Literformat abgefüllter Tischwein, der sich ohne groß nachzudenken dahintrinken lässt, richtig gut schmeckt und nicht viel kostet. Er besteht aus biologisch kultivierten Malvasia-, Vermentino- und Trebbianotrauben, wird über 48 Stunden mazeriert, spontan vergoren und danach im Stahltank ausgebaut. Er ist leichtfüßig, salzig, hat Kräuter- und Zitrusnoten, eine feste Struktur und animierende Lebendigkeit.

Damit ist es allerdings nicht getan. Andrea hat mit dem Felcerosso auch noch eine rote Litervariante zu bieten, die genauso viel Spaß macht wie die weiße Version. Sie besteht aus Canaiolo, Massaretta, Merlot, Sangiovese, Barbera und Cabernet, bleibt für fünf Tagen in Kontakt mit den Schalen und wird nach einer spontanen Gärung in Zement im Stahltank ausgebaut. Sie hat rote Beerenaromen, eine einladende Würze und eine Menge Trinkfluss.

Die Trauben für den Bianco „In Origine 400“ stammen aus von 60 Jahre alten Vermentino-, Trebbiano- und Malvasia di Candia Aromatica-Reben, die gemeinsam gelesen und vinifiziert werden. Der Schalenkontakt beträgt 10 Tage, die Gärung ist spontan, das Resultat mehr als beeindruckend. Florale Noten gehen Hand mit gelber Frucht, eine wenig Honig und Herbstlaub. Die Textur ist dichtgewoben, die Tannin verleihen Nachdruck, der Körper wirkt kraftvoll aber stringent. 

Der „Non sempre“ ist ein reinsortiger Vermentino, der nach einer kurzen Maischestandzeit (ca. 48 Stunden) abgepresst und spontan vergoren wird. Der Wein von Andrea, der am stärksten das um die Ecke gelegene Meer suggeriert. Neben dem Salz machen sich in Nase und Gaumen auch noch mediterrane Kräuter, Zitrusaromen und weiße Fruchtnoten breit. Wirkt nach einem Jahr auf der Hefe weich aber saftig. 

Der „Monte dei frati“ stammt von 40-jährigen Vermentinoreben. Die Vinifikation läuft wie beim „Non Sempre“ ab, allerdings beträgt der Ausbau nur vier Monate. Das Resultat ist fruchtig, salzig, relativ weich am Gaumen. 

Der Rosso Reconteso ist eine leichtfüßige Mixtur aus Massaretta, einer komplett vergessenen Sorte und dem weltweit omnipräsenten Merlot. Alicante spielt eine Nebenrolle. Vergoren wird wie immer spontan, ausgebaut im Stahltank. Rote Beeren und Kräuter dominieren die Nase, eine runde, weiche Textur das Mundgefühl. Lebendig und animierend. Ein Wein für alle Tage. 

Weitere (noch zu probierende) Weine

Riassunto Sedici

Passito Non sempre 139

La Felce

19034 – Via Bozzi, 52
Ortonovo (SP), Liguria
lafelce.marcesini@libero.it​

Ein paar Fakten

Jahresproduktion: derzeit ca. 30000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Candia Aromatica, Vermentino, Trebbiano, Massaretta, Merlot, Cabernet sauvignon, Alicante, Barbera
Rebfläche: 5,5 ha
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Schwefel und Kupfer
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Das Weingut

Le Vieux Joseph, der alte Joseph, ist so alt eigentlich nicht und heißt auch nicht Joseph sondern Ilaria. Ilaria Bavastro. Nachdem das geklärt ist, kann man in Ruhe gleich noch ein paar weitere Informationen nachschieben. Joseph alias Ilaria hat ihre Weingärten auf rund 700 Meter am linken Ufer des Dora Baltea, der – wie geeichte Bergweintrinker wissen – das Aostatal teilt. Die Weingärten schauen folglich in Richtung Südosten, was wiederum bedeutet, dass Ilaria ab den frühen Morgenstunden in der Sonne werkt – und zwar ausschließlich per Hand, da die Weingärten für größere Maschinen zu steil und zu eng sind. 

Ilaria hat Le Vieux Joseph im Jahr 2009 ins Leben gerufen. Das nötige Wissen dafür hatte sie sich davor bei Arbeitsaufenthalten im Piemont, der Schweiz und im Aostatal angeeignet. Sie startete in einem 3000 qm großen Weingarten, in dem sie alte Cornalis und Vien du Nus-Rebstöcke wieder aufpäppelte. Sukzessive kamen quer durch das mittlere Aoastatal noch weitere Mikroanlagen dazu, sodass sie heute zwischen Aosta, Nus und Quart insgesamt zwei Hektar ihr Eigen nennt. 

Meist ganz auf sich allein gestellt klettert sie durch ihre Weingärten, die sie trotz der widrigen Topographie biologisch bearbeitet (eine Tendenz, die bei den lange recht skrupellos agierenden Aostatalwinzern derzeit Schule macht). 

Im Keller tut sie das, was zu tun ist und nicht wesentlich mehr. Das funktionierte zwar anfangs nicht immer so, wie sie sich das vorstellte, hat sich aber durch die Hilfe von Fabien Bonnet, dem Kopf hinter dem exzellenten Weingut Le Petit Riens, längst normalisiert. 

Mittlerweile keltert Ilaria insgesamt drei Weine, die nach einer spontanen Gärung für ein gutes Jahr in Stahltanks oder kleinen, gebrauchten Holzfässern landen und ungefiltert und ungeschönt gefüllt werden.

Ilarias Weine sind klar, geradlinig und einladend, einfach aber nie banal, animierend und doch profund.

Die Weine

Petite Prince: Pinot gris. 12000 Stöcke am Hektar. Steinobst, Salbei, Honignoten. Mineralisch, kühl. Stoffig, dichte Textur. Saftig. Elegant. 

Mariadzo: Cuvée aus Cornalin, Vien de Nus und Pinot Noir. 12000 Stöcke am Hektar. Auf Moränengestein gewachsen. Über 24 Monate im Stahltank ausgebaut. Erdig, balsamisch, Ribisel. Klar, kühl, vertikal. Frisch und mineralisch. Trinkfluss mit Tiefgang.

Clos de Cartesan: Cuvée aus Petit rouge, Fumin, Nebbiolo, Cornalin, Ciliegiolo und Barbera. Alte Stöcke. 30 Tage auf den Schalen, zwei Jahre im Stahltank (80%) und Holzfass (20%). Erde und Unterholz, Wacholder, rote Beeren. Kühl, geradlinig, präzis. Fein strukturiert. Elegant und schlank und doch mit ordentlich Zug in Richtung Gaumen. Sehr gut

Le Vieux Joseph

Ilaria Bavastro
Via Parigi 170
Aosta
Tel.3485637107

Ein paar Fakten

Rebsorten: Pinot Grigio, Cornalin, Vin de Nus, Nebbiolo, Fumin, Ciliegiolo, Barbera
Rebfläche: 2 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: –
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: –
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Das Weingut

Fährt man von Soave und Gambellara weiter in Richtung Norden, kommt man nach Roncà, in eine der kühlsten und interessantesten Weinbauzonen des Veneto – dort keltert eine Handvoll Winzer Weine, die diejenigen ihre viel bekannteren Nachbarn im Süden ziemlich oft ziemlich alt aussehen lässt. Das mag zum einen an den sehr speziellen klimatischen und geologischen Verhältnissen (Vulkangestein) liegen, die am Fuße der Dolomiten vorherrschen; noch wichtiger scheint mir allerdings das Vorherrschen der Durella zu sein, einer Rebsorte, die du einzig und allein an den Hängen der Monte Lessini findest. Meiner Ansicht nach gehört sie zu den besten weißen Rebsorten Italiens und eignet sich wie kaum eine andere für die Herstellung fantastischer Schaumweine. 

Cristina Meggiolaro und Riccardo Roncolato von der 2004 gegründeten Azienda Meggiolaro machen genau das. Zwei Weingärten am Monte Calvarina ein paar hundert Meter über Ronca liefern dafür den Rohstoff – biologisch kultivierte Trauben, die sie auf unterschiedliche Art und Weise verarbeiten. Der Sotoca’ ist ein brillanter Rifermentato, während der flaschenvergorenen Spumante Corte Roncolato zeigt, was in den venetischen Bergen (und jenseits des Prosecco) in Sachen Schaumwein alles möglich ist.

Unten am Talgrund in Roncà haben die beiden außerdem einen Weingarten mit Garganegareben, aus deren Trauben sie einen präzis-geradlinigen aber durchaus stoffigen Weißwein keltern. Und hoch oben, auf gut 600 Metern, läuft gerade ein Projekt an, dem man mit Spannung entgegensehen darf. Dort haben die beiden gerade einen Weingärten mit Pinot Nero Reben bestockt, von dem es allerdings frühesten in zwei, drei Jahren erste Proben geben wird. 

Die Weine

Durella Sotoca’: In vulkanischen Böden am Monte Calvarina gewachsen. 30 Jahre alte Rebstöcke.  Alte Pergolaerziehung. Spontanvergoren. Zweitgärung in der Flasche. Straff, geradlinig, klar. Mineralisch. Feinfruchtig. Lebhafte Säure. Saftig. Vitales, animierendes Finish. Besser als nahezu alles, was aus dem Prosecco kommt.

Durella Corte Roncolato: Meggiolaros Opus Magnum. 95% Durella, 5% Garganega. 30 Jahre alte Rebstöcke. Vulkanische Böden. Spontanvergpren. Zweitgärung über 36 Monate in der Flasche. Pas dose. Streng, mineralisch. Zischt mit ordentlich Dampf durch die Adern. Belebt. Hat eine ordentliche Säure allerdings auch die nötige Substanz, um ihr Contra zu geben. Hefig, feinfruchtig, lang. sehr gut.

Garganega Sarò: Vom Talgrund in Roncà. Wurzelt gleichfalls in vulkanischem Basalt. Spontanvergoren. Über sechs Monate im Stahltank ausgebaut. Battonage. Cremige Textur. Weicher und geschmeidiger als die Schaumweine. Nie aufdringliche, delikate Frucht. Fein.

Kein Vertrieb im deutschsprachigen Raum

Wer in die Gegend kommt, sollte möglichst auch bei Daniele Piccinin und in der Käserei Roncolato vorbeischauen (Via Nuova 1, Roncà)

Meggiolaro

Cristiana Meggiolaro & Riccardo Roncolato
Via Roncolati, 43/B
37030 Roncà
Cristiana Meggiolaro +39 335 69 58 085
Riccardo Roncolato +39 320 26 44 965
info@meggiolarovini.it
www.meggiolarovini.it

Ein paar Fakten

Rebsorten: Durella, Garganega
Rebfläche:
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja, organisch
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein


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