DIE WICHTIGSTEN APPELLATIONEN

Rossese di Dolceacqua
Cinque Terre
Colli di Luni
Riviera di Ponente

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EIN PAAR EMPFEHLUNGEN

WEISS

Antonio Perrino: Testalonga – Bianco
La Felce: Levante Bianco in Origine (mazeriert)
Rocche del Gatto: Spigau Crociata
Walter de Battè: Altrove
Walter de Battè: Harmoge
BioVio: Grand Pere Pigato
Selvadolce: Rucantu Pigato
Selvadolce: VB1 – Vermentino (mazeriert)
La Possa: Schiacchetrà (süß)

ROT

Antonio Perrino: Testalonga – Rossese di Dolceacqua
Maccario Dringenberg: Rossese di Dolceacqua Posau
Danila Pisano: Rossese di Dolceacqua Vigneto Savoia
La Possa: U Neigru
La Felce: Liguria di Levante Rosso Reconteso
BioVio: Bacilò
Selvadolce: RossoSE…

Ligurien ist selbst für bestens informierte Weintrinker fast immer Terra Incognita. Die Fachliteratur schweigt, in den Weinjournalen sucht man meist vergeblich nach Artikeln und im Handel und in der Gastronomie stolpert man nur selten über Weine aus der Ecke im Nordwesten Italiens. Die Rebfläche Liguriens sinkt seit Jahren, sodass heute gerade einmal 2000 Hektar übriggeblieben sind – für italienische Verhältnisse ist das so gut wie nichts und einzig im Aostatal wird weniger Wein produziert.

Mit dürftigen Qualitäten hat das allerdings wenig zu tun. Im Gegenteil. Was teils aus Dolceacqua oder den Cinque Terre kommt – um die beiden berühmtesten Appellationen Liguriens zu nennen – ist weiß wie rot mitunter erstaunlich (die Meinung, dass der Rossese di Dolceacqua von Antonio Perrinos Weingut Testalonga zu den besten und elegantesten Rotweinen Italiens zählt, vertrete nicht nur ich). Es hängt vielmehr ganz entscheidend mit den Produktionsbedingungen zusammen, die quer durch Ligurien mühsam, schwierig und extrem aufwendig sind. Die Hänge, auf denen in oft mikroskopischen Terrassen Weinbau betrieben wird, sind meist nur zu Fuß erreichbar, auf besonders steil abfallenden Felsen (und Felsen sind es nicht selten), greift man auch auf Seilzüge und Leitern zurück. Keine idealen Bedingungen und auch keine, die in irgendeiner Form modernisierbar wären. Weinbau in Ligurien ist Kulturarbeit im wahrsten Sinne des Wortes, eine fortwährende Auseinandersetzung zwischen Mensch und Natur, in der nicht selten die Natur die Oberhand behält. Hinzu kommt ein über die letzten Jahrzehnten zunehmend wachsender Tourismus, der stets neue Einnahmequellen ermöglicht und eine zwar nicht stressfreie aber immerhin weniger mühselige und kraftraubende Alternative darstellt.

Ligurien besteht, technisch besehen, aus 65,1% Bergen und 34% Hügeln. Die restlichen 0,9% sind Strände und Straßen, die Glashäuser von San Remo und der Hafen von Genua (an der westlichen Peripherie aber noch im Stadtgebiet gibt es übrigens einen der wenigen urbanen Weinberge Italiens).

Dass nichts desto trotz überhaupt weiterhin Wein angebaut wird, hat vor allem damit zu tun, dass eine Anzahl positiver Faktoren die Unwegsamkeit des Territoriums neutralisieren. Das Klima ist maritim und mild und die dem Meer zugewendeten Weingärten sind einer fortwährenden Brise ausgesetzt, was Pilzkrankheiten eher selten macht. Die jährliche Durchschnittstemperaturen und Sonnenstunden sind für Weinbau ideal und auch die jährliche Niederschlagsmenge passt.

Schlussendlich spielt dann auch noch die jahrhundertealte Weinbaugeschichte Liguriens eine nicht  unwesentliche Rolle. Weinbau wurde hier immer betrieben und wenn man weiß, wie intensiv viele Italiener lokalen und regionalen Traditionen verbunden sind, versteht man auch, warum zumindest kleine Rebflächen weiterhin im Familienbesitz bleiben.

Gerade einmal 20 Betriebe produzieren in Ligurien mehr als 10000 Liter Wein, der große Rest ist klein bis mikroskopisch organisiert  (86,7% besitzen weniger als 1ha Weingärten – im restlichen Italien sind es immerhin nur 50%). Insgesamt gibt es 8 DOC, wobei alle acht nur lokale Bedeutung haben und ihre Weine vorwiegend in Ligurien selbst konsumiert werden. Der einzige international renommierte Wein Ligurien ist der Sciacchetrà, ein Süßwein, der zwar unfassbar gut sein kann (La Possa) jedoch kaum noch produziert wird. Diese sympathische Abgewandtheit vom globalen Markt zeitigt äußerst positive Folgen: liest man sich beispielsweise den Rebsortenspiegel Ligurien durch fallen vor allem zwei Dinge auf. Es gibt in der ganzen Region gerade einmal zwei Hektar Cabernet und 28 Hektar Merlot. Chardonnay scheint gar nicht auf. Ganz vorne stehen dagegen Vermentino, Bosco, Pigato & Rossese, allesamt Sorten, die entweder aus Ligurien stammen oder dort seit Jahrhunderten beheimatet sind. Zudem führte die Isolation dazu, dass man moderne Vinifikations- oder Weingartenmethoden nur sehr selten übernahm und auch hier auf lange tradiertes Wissen zurückgreift.

Die Weine, die ich aus Ligurien probiert haben, lassen sich an ein paar Händen abzählen. Ein paar herausragende Beispiele (Testalonga, La Possa, Selvdolce) wurden von Weinen ergänzt, die zumindest fast immer Charakter und Trinkfluss hatten und meist von einer intensiven Salzigkeit (Meer? Boden? Beides?) und Kräuternoten (weiß wie rot) getragen waren.

WINZER AUS LIGURIEN (allesamt bio oder biodynamisch)

Antonio Perrino – Testalonga (Dolceacqua)
Maccario Dringenberg (Dolceacqua)
Selvadolce
La Felce
Danila Pisano (Dolceacqua)
La Possa
Walter de Battè
Le Rocche del Gatto
BioVio
Santa Caterina
Terre Sospese – Andrea Pecunia
La Casetta
Rosmarinus

WOHNEN & ESSEN BEI LIGURISCHEN WINZERN

AUSWAHL AUTOCHTHONER UND TRADITIONELLER SORTEN AUS LIGURIEN

Albaralo (weiß ff.)
Bosco
Bianchetta Genovese
Lumassina
Vermentino
Pigato
Bonamico (rot ff.)
Granaccia
Rossese

ARTIKEL, LINKS & BÜCHER

DIE WINZER LIGURIENS

LA POSSA: Heydi Samuele Bonanini liebt sein Land. Ohne jeden stumpfen Chauvinismus. Heydi ist jung und doch scheint es so, als würde er in seinen Erinnerungen in eine weit vergangene Zeit zurückblicken. Eine Zeit, in der die Bewohner seines Dorfes noch in die Steilhänge der Cinque Terre aufbrachen, um dort alte, fast vergessene Rebsorten zu pflegen, ihre Trauben in der Luft zu trocknen und daraus Sciacchetrà zu keltern. Die Gegenwart sieht anders aus…. weiterlesen

Antonio Perrino ist eine jener mythischen Figuren im italienischen Weinbau, die jeder kennt, von der jedoch nur die wenigsten jemals einen Wein getrunken haben. Gründe dafür gibt es gleich mehrere: zum einen hat er gerade einmal sieben alte und kleine Fässer, in der seine komplette Produktion lagert. Anders ausgedrückt sind das (7×225):0,75= 2100 Flaschen, was selbst für kleine Winzer eine mikroskopische Menge ist.