Mit Barbera ist das so eine Sache. Immer dann, wenn man denkt, das wars dann, nie mehr wieder, kommt plötzlich einer daher, der alles auf den Kopf stellt, Abbitte verlangt, eine Revision altbewährter Vorurteile einfordert und die Rebsorte wieder auf ein Podest stellt, das längst weggeräumt war. Der Barbera aus der Vigna delle Noce, einem 1929 gepflanzter Weingarten, fällt genau in diese Kategorie. Er ist genau das, was man von einem Barbera nicht erwartet. Er ist griffig und kompakt nicht verwaschen und konturlos, lebendig und komplex, nicht lasch und banal. Er geht auf das Konto von Ezio Trinchero, der es wie kein anderer versteht aus der notorisch schwierigen (weil oft belanglosen) Barbera bisher nicht bekannte Strukturen, Texturen und Aromen herauszuholen.

GEGENENTWÜRFE

Die Vigna delle Noce ist das Herzstück eines generell beeindruckenden Weinguts. Vier Hektar umfasst die Lage, die zur Gänze mit Barbera bestockt ist. Die meisten Pflanzen haben 80 Jahre und mehr auf dem Buckel haben. Die Stöcke wurzeln in roter Tonerde und damit sie das auch noch ein/zwei Generationen länger tun, arbeitet Ezio seit Jahren rigoros biologisch. Die Erträge sind niedrig, das Traubenmaterial tiptop. Das ist dann auch der Grund, warum Ezio im Keller alles aus ihnen rausholt. Die Mazerationszeit  sind lang, damit sich auch alles an Phenolen, Aromen, Extrakten und Farbstoffen im Wein wiederfindet. Lang ist dann auch die Zeit in großen Holzfässern und in der Flasche – der gegenwärtige (2018) Jahrgang ist der 2011. Was für den Barbera aus der Vigna delle Noce gilt, hat auch für seine anderen Weine seine Berechtigung. Der Freisa, im Gegensatz zur Barbera fast immer eine Rebsorte, die spektakuläre Weine ergibt, bleibt 40 Tage auf der Maische, der Dolcetto knapp einen Monat und auch die weißen (Malvasia di candia aromatica, Arneis und Chardonnay) werden mit den Schalen vergoren.

Die Trincheros waren die ersten, die im Monferrato, dem Herzstück von Asti, Barbera in Flaschen füllten. Sie hatten schon damals die Absicht den (oft sprudelnden) Jungweinen eine Antithese gegenüberzusetzen. Damit all das auch in überschaubarere Art und Weise gemacht werden kann, hat Ezio seine Rebfläche von 45 auf 13 Hektar reduziert. Das Fazit ist ein Sortiment an Weinen, das originell und individuell Experiment und Enthusiasmus vereint.

Ezio Trinchero ist Mitglied bei ViniVeri

Azienda Agricola Trinchero
Vianoce,56
Agliano Terme (AT) – Italy
Tel. +39 0141.954016
Fax +39 0141.964800
trinchero@trinchero.it
www.trinchero.it

COLD FACTS

Rebsorten: Arneis, Chardonnay, Malvasia; Barbera, Dolcetto, Freisa, Merlot
Rebfläche: 13 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja – alle 4-5 Jahre
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein
On the road: ViniVeri (Cerea)

WEINE

Bianco
A-iuto!
Barbera d´Asti
Barbera La Barslina
Barbera Vigna del Noce
Grignolino d´Asti
Trabic (Merlot)
Freisa Runchet
Dolcetto