GINO PEDROTTI

Giuseppe Pedrotti
Via Cavedine 7
38073 Lago di Cavedino
Tel: +39 0461 564123
info@ginopedrotti.it
www.ginopedrotti.it

Giuseppe Pedrotti lebt, anders als die meisten großen Winzer des Trentino, nicht auf Tuchfühlung mit der Etsch, sondern hoch oben in den Valli dei Laghi, eingeklemmt zwischen Dolomiti di Brenta, dem Monte Bodone und dem Gardasee. Fünf Hektar Weingärten stehen dort in den Hängen, allesamt biologisch bewirtschaftet und mit dem ausdrücklichen Anliegen Giuseppes, die Böden (Kalk-Sand Gemische), das Terroir, kurz sein Habitat zum Sprechen zu bringen. Erfahrungen wie das am besten zu bewerkstelligen ist, hat die Familie rund um Giuseppe, dessen Vater Gino der Namensgeber des Weinguts ist, genug. Seit über 100 Jahren bauen die Pedrotti in Lago di Candevine Trauben an, vor allem Nosiola, dem gleich zwei Weine gewidmet sind.

Vino Santo: Die trockene Variante mag noch so gut sein, es macht trotzdem Sinn mit dem Vino Santo zu beginnen, der zu den wenigen Weinstilen zählt, die es auf die Liste der Slow Food Presidi geschafft haben. Zugelassen dafür ist einzig die Nosiola, angebaut wird rund um das gute Dutzend Seen, wo man – zumindest in ausgesuchten Parzellen – exakt die Voraussetzungen findet, die es für die Produktion von Süßweinen braucht: Luftfeuchtigkeit, Sonne & Wind in den jeweils richtigen Momenten – was nahelegt, dass es Vino Santo nicht immer gibt.

Zu Zeiten als die Habsburger noch in Italien unterwegs waren – also in den ersten Jahren des Weinguts Pedrotti – karrte man fast die komplette Vino Santo Ausbeute über den Brenner und Richtung Deutschland und Wien. Mit dem Ende des ersten Weltkriegs, der Vertreibung des Habsburger und der neuen Grenzziehung kamen den Weinbauern folglich ihre wichtigsten Klienten abhanden. Es ging kontinuierlich bergab und so recht hat man sich davon nie erholt. Heute sind es neben Giuseppe gerade mal vier Winzer, die noch Vino Santo keltern und weil sie allesamt exzellente Versionen davon produzieren, kann man sieauch erwähnen: Marco und Stefano Pisoni, Enzo Poli, Francesco Poli (Mitglied der Dolomitici) und Giovanni P..i.

Der Aufwand ist enorm, der Ertrag minimal. Der erste entscheidende Faktor in der Entstehung von Vino Santo ist die Botrytis cinerea, Edelfäule, die sich im Spätherbst über die Trauben legt und ihnen bereits am Stock Wasser entzieht. Danach werden sie auf Metallgeflechte in den Wind gelegt und über fünf bis sechs Monate – exakt bis in die Settimana Santa (daher wohl der Name), die Osterwoche – getrocknet. Flüssigkeit findet sich danach so gut wie keine mehr in den Trauben, Zucker dafür umso mehr – aus 100 Liter Trauben macht Giuseppe, wenn es gut läuft 18 Liter Vino Santo, in manchen Jahren sind es aber auch nur 15 Liter. Die Gärung dauert eine halbe Ewigkeit und stoppt naheliegenderweise irgendwann von selbst. Ausgebaut wird ausschließlich in Eichenfässern und zwar über sieben bis acht Jahre, danach geht für ungefähr die gleiche Zeit in die Flasche. Giuseppes gegenwärtiger Jahrgang stammt aus dem Jahr 2001, ist verdammt süß und schmeckt nach Honig, Nüssen, getrockneten Mandarinen und noch einer ganzen Menge mehr. Die Textur ist so dickflüssig wie Motoröl, die Farbe allerdings untergehend solar, die Säure passt und das Gleichgewicht ebenfalls. Top, no, eigentlich ganz großartig und für all den Aufwand viel zu günstig.

Nosiola & Co: Der zweite Nosiola eignet sich mehr für den Alltag. Auf der Maische vergoren hat er grundsätzlich ein gutes aber nie erschlagendes Gerbstoffgerüst, eine animierende Säure und ein einladendes, floral dominiertes Aromaspektrum. Ergänzt wird weiß noch mit Chardonnay – ok – und dem L’Aura, einer weißen Cuvèe aus den beiden Sorten, die trotz einiger Zeit im Holz elegant, straff, lebendig, lang und ebenfalls richtig gut schmeckt.

In den Weingärten, die selbst unter Gino immer ohne systemische Mittel und vorwiegend in Handarbeit bewirtschaftet wurden, wächst aber auch Rotes. Schiava nera beispielsweise, Vernatsch, der sukzessive seinen Status als Heckenklescher vom Kalterersee verliert und sich zu einer filigranen und subtilen Alternative zu den oft mächtigen Lagreins, Teroldegos oder Merlots der Ecke emanzipiert hat. Giuseppes Schiava wird erst leicht getrocknet und dann vergoren, was ihm bei aller Eleganz letztlich auch etwas mehr Substanz verleiht. Daneben gibt es – durchaus spannend – einen Wein aus der roten Rebo, einer 1948 entstandenen Kreuzung aus Merlot und Teroldego, die mehr von den aromatischen Feinheiten des Teroldego als von der Robustheit des Merlot hat. Der Merlot macht sich dann allerdings richtig gut im klassischen Verbund mit Cabernet – der L’Auro ist, nach einigen Jahren im Holzfass dicht, intensiv, stoffig, druckvoll und kräftig.

Die Familie Pedrotti betreibt übrigens auch eine kleine Bar/Osteria, in der man zwar nur kalt dafür umso besser gehen kann.

WEINE

Nosiola
Chardonnay
L’Aura
Merlot
Schiava Nera
Rebo
L’Auro

Giuseppe Pedrotti ist Mitglied bei I Dolomitici und nimmt außerdem alljährlich an der Verkostung von ViniVeri und Sorgente del Vino teil.

Rebsorten: Nosiola, Chardonnay, Rebo, Schiava, Merlot, Cabernet
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein, dafür Bar/Osteria