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Filippo Filippi sieht die Welt von oben. Meistens jedenfalls. Er bewirtschaftet die höchsten Lagen des Soave, einer jener ambivalenten italienischen Weinbauregionen, die nicht nur für die mitunter miesesten Weißweine des Veneto sondern auch für seine besten verantwortlich ist. Ersteres ist bekannt, zweites weniger, doch sind zur Zeit ein knappes Dutzend Winzer daran, den Fokus ein wenig zu verschieben. Filippo ist einer von ihnen. Um zu ihm zu gelangen heißt es die Stadtmauern von Soave hinter sich zu lassen und 300 Meter und 20 Spitzkehren hinauf nach Castelcerino zu fahren, einem winzigen Ort aus Kirche, 10 Häusern und Filippos Weingut und Agriturismo. Links und rechts und eigentlich überall ziehen sich Weingärten dahin, oft steil abfallend und zu über 90% mit Garganega bepflanzt.

Filippos Weingut liegt auf über 400 Meter. Rebreihen ziehen sich über die Kuppen auch noch höher hinauf, eingebettet in kleine Wäldchen und bestens durchlüftet vom Wind, der über die Hügel bläst. Kalk dominiert hier oben. Der Vigneto Monteseroni ist einer der weniger weißen Einsprengsel im Vulkanland Soaves. Darin wurzeln bis zu 90 Jahre alte im Pergola erzogene Stöcke, oft dick wie Baumstämme. Kalk dient aber nicht nur den Reben als Fundament. Die Terrassenmauern der Weingärten sind daraus gebaut und auch das, aus dem 13. Jahrhundert stammende, Haus der Filippis. Vulkanisches Gestein macht den Rest der geologischen Spielwiese aus: darin steht, wie auch im Vigneto Monteseroni vor allem Garganega, doch hat Filippo auch ein paar Reihen Trebbiano Soave, Synonym für Verdicchio, der – zumindest meiner Ansicht nach – besten weißen Sorte Italiens.

Filippo hat das Weingut  2003 von seinem Vater übernommen und danach Schritt für Schritt auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Heute ist er Mitglied bei Vinnatur, Angiolino Maules großer Naturweinvereinigung. Er setzt damit zum einen auf all die Vorteile gesunder und vitaler Böden zum anderen arbeitet er auch seinen Vorstellungen konsequent folgend im Keller weiter. Vergoren wird spontan, die Gärtemperaturen werden reguliert, jedoch nur nach oben (mehr als 24°C möchte er dann doch nicht haben) die Schwerkraft ersetzt die Pumpen und die Weine werden mal sechs Monate (Castelcerino) mal länger (der Monteseroni bleibt bis zu 18) auf der Hefe gelassen. Filter sind was für Kaffee, nicht aber für Filippos Wein, Enzyme lehnt er ab, geschwefelt wird einmal, vor der Flaschenfüllung. Filippos Weine sind selten extrem, Experimenten steht er eher konservativ gegenüber. Ausgebaut wird übrigens grundsätzlich in Stahl. Die Weine sind generell klar, dynamisch, lebendig, lagerfähig und eigentlich zu billig.  Der Soave Castelcerino ist sein Basis- und mein Lieblingswein und sicher einer der besten Weißweine Italiens unter € 10 (zumindest ab Hof). Pur und präzis, mineralisch, floral, Orangen, straff, kräftige Säure, die bestens in den dichten Körper passt. Der Monteseroni ist Filippos Antwort auf das Chablis, also mal wirklich Feuerstein, Nüsse und Limetten, saftig, dicht und bestens strukturiert, salzig und lang. Der Vigne delle Brà ist kräftiger und üppiger als seine Kollegen allerdings noch lange nicht barock. Mandeln, Blüten und Kräuter. Kompakt und lebendig, druckvoll, eindrucksvoll straff, mit Zug zum Gaumen. Zu guter Letzt kommt Filippo auch noch das Verdienst zu, dass er seinen Trebbiano Soave reinsortig ausbaut. Der Turbiana erinnert dank eines dezent oxidativen Ausbaus an Trockenfrüchte, ist nussig und hat Honig in der Nase. Er ist erstaunlich trocken am Gaumen, konzentriert, straff, exotisch und der originelle Abschluss eines durch die Bank exzellenten Sortiments.

WEINE

Soave Castelcerino
Soave Monteseroni
Soave Vigne delle Brà
Turbiana

COLD FACTS

Rebsorten: Garganega, Trebbiano di Soave
Rebfläche: 20 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer, Schwefel
Biologisch: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja