Stefano Menti
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Stefano Menti bewahrt sich eine gewisse Unabhängigkeit. Er gehört keiner der vielen Naturweingruppen an, die es in Italien in der Zwischenzeit gibt. Es scheint ihm eher unangenehm, in das Korsett einer Gruppe geschnürt zu sein, auch wenn er eigentlich sämtliche Grundsätze teilt. Traditionelle Techniken verbindet er mit den Wagnissen permanenter Experimente. So werden seine Weine vor der Gärung möglichst kühl gehalten, um dadurch auf den Einsatz jeglicher chemischer Mittel verzichten zu können. Die Gärung selbst wird dann allerdings nicht mehr kontrolliert. Die Weine werden spontan vergoren und geschwefelt wird erst kurz vor dem Abfüllen. Die damit verbundenenen Risiken geht er bewusst ein. „Natürlich weiß ich, dass die Weine kippen können, dass sie oxidieren oder bakterielle Probleme bekommen können. Aber ich weiß eben auch, dass die Weine an Eigenständigkeit gewinnen und nicht nur ihre Herkunft sondern auch das, was ich über Wein denke, repräsentieren. Und letztlich schmecken sie auch genau so, wie ich das haben möchte.“

Der Paiele, Mentis Basiswein, ist eine 5 Hektar große Einzellage und viel zu vielschichtig, um ihn als Basiswein durchgehen zu lassen. Auch seine Länge beeindruckt, seine Balance und Leichtigkeit. Und auch diese feine Straffheit, die sämtliche Weine Gambellaras auszeichnet. „Der vulkanische Boden,“ ist sich Stefano sicher. Dazu liefern die alten Rebstöcke auch noch ein kräftiges Rückgrat, so dass man es zumeist mit konzentrierten aber eben lebendigen Weinen zu tun hat.

Für eine Fahrt durch die Weingärten ist es zu spät geworden, also klettern wir an alten Zementzisternen (die Stefano im nächsten Jahr wieder befüllen will) vorbei in die Dachkammer der Mentis. Dort hängen – bei offenen Fenstern und natürlicher Ventilation – die Trauben für den Recioto und seinen Vin Santo. Der stammt, so meinen es die Chroniken, eigentlich aus dem Veneto, genauer aus Gambellara. Den gibt es zwar nicht jedes Jahr, da es vorkommt, dass die Gärung aufgrund der gewaltigen Zuckerkonzentration immer mal wieder stecken bleibt und es passieren kann, dass bis zum Gärungsende drei bis vier Jahre vergehen. Doch wer die Geduld aufbringt wird fast weihnachtlich belohnt. Der Wein ist vollgepackt mit Nüssen und Orangeade, Tannennadeln und Akazienhonig.

Trockene Weine hat Stefano allerdings auch auf Lager. Der Riva Arsiglia ist Mentis ältester Weingarten. Die Stöcke dort sind bis zu 70 Jahre alt und von dort stammt auch sein bester Wein. Ein Jahr liegt der Garganega auf der Hefe, ehe er ungefiltert abgefüllt wird. Das Resulat ist dicht und saftig. Der Monte del Cuca, Mentis dritter Garganega, rundet die unterschiedlichen Stilistiken ab. Er ist der üppigste der drei – kräftig, saftig und konzentriert.

Insgesamt sind es 40 000 Flaschen, die Menti abfüllt, keine allzu groβe Menge, doch genau das, was er auf seinen sieben Hektar alleine hinkriegt. „Hätte ich mehr, müsste ich jemanden anstellen und eventuell auch Einbußen in der Qualität hinnehmen.“ So hingegen bleibt ihm, wie den anderen beiden Winzern in Gambellara, auch noch die Zeit, an seinen Experimenten weiterzuarbeiten – denn das Prinzip der Nichtintervention ist arbeitsaufwändiger und nervenaufreibender als es gemeinhin angenommen wird. Doch es lohnt sich.

WEINE

Omomorto (Durella Frizzante)
Roncaie sui lieviti (Garganega Frizzante)
Paiele (Garganega)
Riva Arsiglia (Garganega)
Monte del Cuca (Garganega)
Albina (Garganega – süß)
Vin Santo (Garganega – süß)

Rebsorten: Garganega, Durella
Rebfläche: 7 ha
Reberziehung: Pergola und Guyot
Rebstockalter: bis zu 50 Jahren
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
zertifiziert: ja biologisch