Die Colli Euganei gehören zur terra incognita Italiens. Selbst geeichte Weintrinker und können mit den Hügeln südlich von Padua oft wenig anfangen, was unter anderem daran liegen mag, dass es dort ausnahmsweise mal keine lokale Leitsorte gibt. Merlot gibt den Takt vor, und dort wo die wurzelt, kann Cabernet S. und F. nicht weit sein. Ergänzt wird das alles von Sangiovese, viel Tokai, Barbera, Moscato, Riesling, Chardonnay usw., kurz ein eigenwilliges nicht zwingend aufregendes Sammelsurium an Rebsorten, von denen man vermuten könnte, dass sie woanders besser wachsen und schmecken.

Castello di Lispida ist so alt wie die alten Klöster des Burgunds und da es früher auch ein Kloster beherbergte, wurde ebenfalls schon im Mittelalter Wein kultiviert. Die Techniken mögen sich in der Zwischenzeit zwar teilweise geändert haben, einiges scheint aber auch gleich geblieben zu sein. Gedüngt wird nicht und chemische und systemische Mittel wurden schon vor über zwanzig Jahren aus dem Weingarten verbannt, als man sich immer mehr natürlichen Anbaumethoden annäherte. Heute werden die sechs Hektar Weingärten biodynamisch kultiviert, man setzt auf eine möglichst variable Biodiversität und eine reichhaltige Fauna. Die Böden (und das sollte auch diejenigen, die keine Lust auf Merlot etc. haben, kurz aufhorchen lassen) sind vulkanischen Ursprungs, die Kalkeinschlüsse und Fossilien wiederum sind einem Urmeer geschuldet. Die Rebzeilen sind dicht gesetzt, die Stöcke meist noch jung.

Vinifiziert wird quasi interventionsfrei, es wird weder geschönt, filtiert, geschwefelt oder was einem sonst so einfallen könnte. Dafür landet ein Teil der Tokajernte in einigen, unterschiedlich großen Amphoren (und das schon seit gut einem Jahrzehnt, also bevor der große Boom einsetzte) bleibt dort für sechs Monate auf den Schalen, wird dann abgezogen und wandert dann wieder zurück in die Amphore. Eine exzellente Ribolla/Tokai Cuvée (Terralba) ergänzt das weiße Sortiment, rot gibt es wie schon erwähnt mineralischen Merlot und (noch besser) eine Merlot/Sangiovese Cuvée, die 18 Monate lang in großen Holzfässern zubringt. Und als krönenden Einstieg und Abschluss (zum Kippen auf der Rückfahrt) hat das Castello einen ungefilterten in der Flasche vergorenen und undosierten Tokaj Spumante, für den allein es sich schon lohnen würde, in die Colli Euganei aufzubrechen.

Castello di Lispida ist Mitglied bei ViniVeri.

Castello di Lispida
Via IV Novembre 4
IT- 35043 Monselice
Tel: 0429 780530
www.lispida.com
infos@lispida.com

WEINE

Lispida H Brut
Terralba
Amfora
Terraforte

Jahresproduktion: 20000 Flaschen
Rebsorten: Tokai, Ribolla Gialla; Sangiovese, Merlot
Rebfläche: 6 Hektar
Reberziehung: Guyot
Rebstockalter: ca. 20 Jahre
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biolodynamisch: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja