Valpolicella – eine kurze Einführung

 

Geographie

Das Valpolicella hat vor gut fünf Jahrzehnten seine geographische Ausdehnung verdoppelt und der Region Hügel und Täler hinzugefügt, die in einer 2000-jährigen Weinbaugeschichte nie zu ihr gehörten. Angesichts der oft exzellenten Weine, die ihren Ursprung in den hinzugekommenen Weinbergen haben, scheint dieser Schritt absolut gerechtfertigt gewesen zu sein – auch wenn das Puristen und alteingesessene Familien der genuinen Zone bisweilen anders sehen.

Heute wird das Valpolicella also für gewöhnlich zweigeteilt: in das Valpolicella Classica und das Valpolicella Orientale. Im Westen trennt die Etsch die Region vom Bardolino, während im Osten das Valpolicella Orientale von der Weißweinregion Soave abgelöst wird. 

Beide Subzonen werden von Tälern durchzogen, die hoch oben in den Monte Lessini beginnen und östlich von Verona quasi auf Meeresspiegelniveau enden. Entsprechend unterschiedlich sind die Weine, je nachdem ob man sich in den Weingärten in den Hügeln oder in der Ebene befindet. Auch wenn es lokale Unterschiede gibt, kann man pauschal sagen, dass die Geologie in den Bergen meist auf Kalk und Tuff beruht, während  weiter unten der Tuff von Ton ersetzt wird. 

Rebsorten

Das Valpolicella ist nicht nur aufgrund ihrer Weinstile ganz eigenständig, auch seine Rebsorten sucht man woanders erstaunlicherweise vergebens – und das obwohl es auf den insgesamt 8500 Hektar Rebfläche eine ganze Menge davon gibt. Allen voran Corvina, die in so gut wie jeder Cuvée – und Cuvées sind es im Valpolicella eigentlich immer – den Protagonisten gibt. Ihr stehen prominent Corvinone, Rondinella und Oseleta zur Seite, weniger relevant sind (leider) Molinara, Dindarella, Forseleta und Spigamonte. Die Vielfalt ist enorm, der Spielraum für die Winzer ebenfalls. Wobei unisono die Meinung vorherrscht das Corvina die qualitativ spannendste und für Amarone geeignetste Rebsorte ist. Über den restlichen Rebsortenspiegel gehen die Meinung oft erstaunlich weit auseinander.

Weinstile

Es sind vor allem die eigenwilligen Vinifizierungsmethoden, die dem Valpolicella eine Ausnahmeposition in Italien (und der Welt) garantieren. Nirgendwo sonst spielt man sich derart mit Trocknungsprozessen, nirgendwo sonst erzeugt man aus den getrockneten Trauben eine derartige Vielfalt an unterschiedlichen Stilen. 

Der klassischen Valpolicella fällt aus diesem Rahmen. Er wird wie ein klassischer Rotwein produziert. Ihm fällt fast immer die Rolle des frischen, leichten und lebendigen Weins zu, der leider viel zu selten ernst genommen wird und abgesehen von einigen wenigen formidablen Ausnahmen (Quintarelli, Ca’la Bionda, Monte dall’Ora, Novaia, Corte Sant’Alda, Terre di Pietra, Q) meistens recht matt ausfällt.

Die Trauben für den Amarone (meist ca. 50% Corvina, 15% Corvinone, 15% Rondinella und 5% einer anderen Sorte) werden stets vor dem Valpolicella und naheliegenderweise immer und ausnahmslos per Hand gelesen – verletzte Traubenschalen würden das appassimento, die Trocknung, verhindern. Frühgelesene Trauben besitzen eine hohe Säure, die als Kontrapunkt und Puffer zum – durch das appassimento – stets hohen Zuckergehalt eine eminente Bedeutung hat. 

Die Gärung startet im Allgemeinen Ende Dezember, dauert für gewöhnlich einen Monat lang und endet dann, wenn die Hefen den kompletten Zucker in Alkohol verwandelt haben. Dass die Hefen dabei selbst Gradationen von bis zu 18% Vol. Alk. wie nichts wegstecken, ist eine der erstaunlichen Phänomene des Amarone. Gereift wird Amarone in Holzfässern unterschiedlichster Größe und Provenienz: Eiche ist dabei nur eine Holzart unter vielen, man findet ähnlich oft auch Fässer aus Akazie, Kastanie oder Kirsche. Die Zeit im Fass beträgt meines Wissens mindestens zwei Jahre, bei den Reserven sind es zwei Jahre mehr.

Den Namen Amarone gibt es übrigens erst seit gut 70 Jahren, davor waren durchgegorene Weine aus getrockneten Trauben eher die Ausnahme und eines der vielen Nebenprodukte des Recioto – dem eigentlichen Klassiker aus der Region.

Recioto war der einst große Wein des Valpolicella und wenn man den Quellen glauben darf, kelterten schon die Römer einen Weinstil, der dem Recioto ganz ähnlich gewesen sein dürfte. Recioto wird einen Monat länger getrocknet als Amarone und als Süßwein auf den Markt gebracht. Er erinnert frappant an exzellente Vintage Ports, wobei die Säure meist noch einen Tick höher ist. Er wird nur in mikroskopische Mengen vinifiziert und meistens zu Familienfesten in der Region getrunken. Der Rest bleibt Menschen vorbehalten, die sich auch für die Nischen der Weinwelt interessieren.

Die vierte Variante im stilistischen Potpourri des Valpolicella ist der Ripasso, der sich mittlerweile als die Nr.2 in der qualitativen Wahrnehmung der Winzer und Konsumenten etabliert hat. Auch hier ist vor allem der Herstellungsprozess spannend. Nach vollendeter Gärung des Amarone oder Recioto und dem Umzug der Weine in Fässer bleibt der meist exrakt- und zuckerreiche Trester der konzentrierten – weil getrockneten – Beeren im Tank zurück. Um dem klassischen Valpolicella mehr Substanz zu verleihen, lässt man einen Teil davon eine zweite und wesentliche kürzere Gärung mit den Trestern durchmachen und schlägt damit eine Brücke zwischen den leichten und fruchtbetonten Valpolicellas und den oft mächtigen und intensiven Amarones.

Weißweine sucht man im Valpolicella vergebens, was jedoch nur bedingt traurig stimmen muss. Speziell im Osten der Region schließen mit dem Soave, Gambellara und den Weinen der Monte Lessini drei der spannendsten Weißweinenklaven des Veneto an.

Bio- und Naturweinwinzer im Valpolicella

Es gibt insgesamt ungefähr 360 Winzer im Valpolicella, wobei nur ein Bruchteil davon biologisch arbeitet. Die bekanntesten tun es nicht. Die Tendenz ist allerdings steigend und auch bei den großen Familienbetrieben scheint langsam ein Umdenken einzusetzen.

Quintarellis und Romano dal Fornos zweifellos exzellente Weine sind hier deswegen nicht weiter hervorgehoben, da ihre Weine jedes einigermaßen nachvollziehbare Preisgefüge sprengen.

Unter den Bio- und Naturweinwinzern  sind meiner Ansicht nach Monte dall’Ora und Ca’la Bionda vor allem auch dank ihr brillanten Einzellagen-Valpolicella herausragend. Ich habe kürzlich aber auch einen fantastischen, leicht gereiften Amarone von Il Monte Caro getrunken, Novaia macht exzellente Weine, Terre di Pietra usw.

Monte dall’Ora (biodynamisch)
Novaia
Ca‘ la Bionda
Monte Ragni
Aldrighetti
Musella (biodynamisch)
Corte Sant’Alda (biodynamisch)
Secondo Marco
Antolini
Terre di Pietra
Le Bignele
Corte Scaletta
Il Monte Caro
Montenigo
Corte Bravi
Terre di Gnirega
Marco Mosconi
Antica Valpolicella

Valpolicella, Ripasso & Amarone unter € 40

In den letzten Jahren haben sich ein paar wenige Winzer erfreulicherweise wieder verstärkt dem Valpolicella zugewendet.

Ca’la Bionda: Valpolicella Casalvegri
Monte dall’Ora: Valpolicella Camporenzo
Il Monte Caro: Valpolicella superiore
Terre di Pietra: Piccola Peste
Corte Scaletta: Valpolicella Superiore

Exzellente Amarone gibt es viele, wobei es sich eventuell lohnt, ein paar von denen anzuführen, die ungefähr vierzig Euro Ab-Hof (und eventuell auch ein paar Euro weniger) kosten.

Il Monte Caro: Amarone
Novaia: Amarone Classico Riserva Le Balze
Terre di Gnirega: Amarone di Valpolicella
Marco Mosconi: Amarone di Valpolicella
Corte Bravi: Amarone di Valpolicella
Antica Valpolicella: Amarone di Valpolicella
Montenigo: Amarone di Valpolicella
Musella: Amarone di Valpolicella
Antolini: Amarone di Valpolicella Ca’Coato
Ca’la Bionda: Amarone di Valpolicella

Valpolicella Ripasso ist der Brückenschlag vom Valpolicella zum Amarone.

Monte dall’Ora: Valpolicella Ripasso Sausto
Novaia: Valpolicella Ripasso I Cantoni
Corte Sant’Alda: Valpolicella Ripasso Campi Magri
Ca’la Bionda: Ripasso di Valpolicella Malavoglia
Monte Santoccio: Valpolicella Ripasso Superiore
Antica Valpolicella: Valpolicella Classico Superiore
Terre di Gnirega: Valpolicella Ripasso Superiore

Weiterführende Links

Literatur

Mauro Fermariello: Valpolicella – Winestories (italienisch – exzellent)

Enogea: Valpolicella (fantastisches Kartenmaterial & exzellente Erklärungen zu den lokalen Unterschieden des Valpolicella, englisch – italienisch)

Links

http://www.consorziovalpolicella.it/it/
http://www.stradadelvinovalpolicella.it/

SLOW FOOD Produkte aus dem Valpolicella

Monte Veronese (Käse) – Produzenten

Trattorien

Antica Osteria Paverno (Marano)
Enoteca della Valpolicella (Fumane)
El Pendola (Fumane)
Locanda del Nane (San Pietro in Cariano)