Vittorio Graziano

In Vittorio Grazianos Weingut in Castelvetro di Modena wachsen auf fünf Hektar knapp 15 Rebsorten, von denen ca. 10 bekannt sind, der Rest wurzelt namenlos in für die Gegend eher kargen Böden. Vittorio sammelt und bewahrt seit zwei Jahrzehnten alte Sorten der Emilia und setzt sie in seine Weingärten neben die allgegenwärtigen Grasparossa und Malbo Gentile.

Zwei Trebbianosorten bilden beispielsweise das Fundament für einen brillianten weißen Frizzante (Riva di Sopravento), die weiteren drei Sorten sind in der offiziellen Ampelographie der Weinwelt nicht mehr vertreten. Nicht nur die alten Sorten auch die alten Kulturtechniken fanden Eingang in seine Weingartenphilosophie: gemäß den Prinzipien klassischer Mischkultur pflanzte er zwischen seine Rebreihen Ulmen und Kräuter und überließ die restliche Vegetation dem naturgemäßen Zufall. Die traditionellen Methoden bedeuteten auch den völligen Verzicht jedweder Pestizide und Fungizide und während die Winzer und vor allem die Lambrusco-Genossenschaften immer größer wurden, schaffte es Vittorio klein zu bleiben und sukzessive Qualitäten zu produzieren, die all das, was man an Lambrusco kennt, wegwischen (die Ausnahmen sind die paar wenigen Winzer für die Vittorio das große Vorbild war).

Im Keller setzt er auf große Holzfässer, die Gärung beginnt spontan, die zweite Gärung findet (bei seinen Schaumweinen) in der Flasche statt. Vittorio filtert und schönt nicht, schwefelt minimal(< 20mg/l) und die einzige Konzession, die Vittorio macht, besteht darin, dass er degorgiert und derart die Trubstoffe aus der Flasche entfernt.

DIE WEINE

Vittorios Grazianos Lambrusco Fontana dei Boschi ist reinsortig Grasparossa, die am spätesten reifende Lambruscosorte, dunkel wie die Nacht, mit lebendigem Tannin, kräftiger schwarzer Frucht, erdigen Noten, Eisen und Blut. Dabei bleibt er doch leichtfüßig, belebend, und erfüllt vollends die Idee eines frischen Speisenbegleiters zur emilianischen Herzinfarktküche (Cotechino, Zampone & Co.). Ein weiteres Meisterwerk Vittorios ist der Sassoscuro, der zu 80% aus Malbo Gentile und zu 20% aus sechs weiteren (teils unbekannten) Rebsorten besteht. Schwarz wie Kohle, mit Aromen, die sich von Kaffee bis Oliven und Lakritze ziehen, zählt er definitiv zu den großen Rotweinen der Region.

Die beiden roten Meisterwerken werden weiß und sprudelnd vom Ripa di Sopravento (Trebbiano und drei unbekannte weiße Sorten) ergänzt, leichtgewichtig, schlank und angenehm dezent. Die Säure dominiert die Struktur und vermittelt Lebendigkeit. Die stille Variante heißt Tarbianaaz, ist ein Trebbiano modenese und verbringt volle drei Wochen auf den Schalen, was ihm ordentlich Farbe und ein wenig Gerbstoff, eine strenge Textur und eine primäre Schicht an Kräutern einbringt. Abgerundet wird das Sortiment durch den Smilzo, einen sprudelnden Rosè aus Grasparossa, den Vittorio selbst als simplen Nachmittagswein abtut (was prinzipiell auch kein Nachteil ist), der aber so belebend, bekömmlich, animierend und vital schmeckt, dass man ihn auch problemlos zum Frühstück und eventuell auch am Abend trinken kann.

VITTORIO GRAZIANO
Via Lungha 7b
41014 Castelvetro di Modena
0039 338 9853792
graziano.vignaiolo@gmail.com

Zu Besuch bei Vittorio Graziano

Weine

Riva di Sopravento
Tarbianaaz
Lambrusco Grasparossa Fontana dei Boschi
Sassoscuro
Smilzo

Vittorio Grazianos Weine gibt es erstaunlicherweise weder in Deutschland noch in der Schweiz und Österreich. Ab 12 Flaschen verschickt er allerdings.

COLD FACTS

Rebsorten: Grasparossa, Malbo Gentile, Trebbiano + 12-15 autochthone teilweise unbekannte Sorten
Rebfläche: 5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer, Schwefel
Biologisch: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein