PAOLO FRANCESCONI

Via Tuliero,154
Faenza RA 48018
0546/43213
0546/041143
info@francesconipaolo.it
www.francesconipaolo.it

Die Welt der Bioviticultori ist auf den ersten Blick überschaubar: ihre knapp 50 ha Rebflächen ziehen sich fast durchgehend das Val di Lamone hinauf und insgesamt gibt es ganze sechs Winzer, die sich in der Gruppe zusammengefunden haben. Der zweite Blick sagt freilich anderes: die sechs verfügen insgesamt über gut und gerne 20 Rebsorten (wobei sie auch Sorten (re)kultivieren, die es weltweit nur noch in ihren Weingärten gibt – Andrea Bragagni setzt der Famoso mit seinem Bubo Bubo ein Denkmal, Stefano Bariani kümmert sich um Albana Rossa und Centesemino) das Terrain ist geologisch, topographisch und klimatisch auf wenigen Kilometern höchst divers und die Höhenunterschiede sind gewaltig. Emilio Placcis Sangioveseweingärten in Modigliana befinden sich auf fast 600 Metern zwischen Kastanienwäldern, 10 Luftlinienkilometer entfernt bewirtschaftet Paolo Francesconi seinen Sangiovese auf 80 Meter Seehöhe neben Kiwifeldern.

Qualitativ tun sich kaum Unterschiede auf, stilistisch bewegt man sich allerdings in unterschiedlichen Welten und das macht einen Besuch bei den sechs zu einem echten Erlebnis. Paolo Francesconi hat das auf den dritten Blick am wenigsten spektakuläre Terroir, doch auch hier macht ein vierter Blick Sinn. Seine Weingärten sind brettleben und prinzipiell ist man eher skeptisch, wenn man über das Potenzial dieser Voraussetzungen nachdenkt. Aber hört man dann Paolos Ausführungen genau zu und probiert man schlussendlich seine Weine, weiß man schnell, dass man sich mal wieder am vorurteilsgepflasterten Holzweg befunden hat.

Auf Paolos 8,5 Hektar wird seit langem Weinbau betrieben. Aufzeichnungen belegen, dass hier schon 1780 Wein angebaut wurde, Francesconi selbst bearbeitet seit 1992 seine Rebflächen – und zwar von der ersten Sekunde weg biologisch. Die Gründe sind ein Konglomerat aus ethischer Überzeugung, ökologischen und gesundheitlichen Überlegungen und der Meinung, dass man nur auf nachhaltig bewirtschafteten Böden langfristig qualitative und terroirspezifischen Weine machen kann. Sein Terroir ist dann auch das nächste relevante Thema, das er mir auseinandersetzt. Das Zusammenspiel aus Boden, Licht und Wärme, Wasserverfügbarkeit, Rebsorten etc. ist zwar in aller Munde (und vermutlich das am häufigsten missbräuchlich und ungerechtfertigt verwendete Wort der Weinwelt), dieses Zusammenspiel aber auch richtig zu interpretieren ist die große Aufgabe und auch Kunst des Winzers. Francesconi versucht sich darin seit gut zwei Jahrzehnten und hört man seinen Ausführungen zu, weiß man, dass er viel verstanden hat und jeden Winkel seines Weingartens in- und auswendig kennt. Ein letzter Schritt und ein sehr naheliegender war dann 2002 der Umstieg zum biodynamischen Weinbau, in der völligen Überzeugung, dass zu einem funktionierenden Weingarten auch ein funktionierendes Umfeld gehört – den Aspekt, es auf Paolos Weingut mit einem ganzheitlichen Organismus zu tun zu haben, spürt man in jeder Sekunden.

Die Weine sprechen dabei eine eindeutige Sprache. Sie sind frisch, druckvoll und erstaunlich lebendig dafür, dass Paolo tief unten, in der Wärme der Ebene arbeitet. Sangiovese macht auch bei ihm den Megaanteil aus, knapp die Hälfte der Weingärten sind damit bestockt und das Resultat sind zwei beeindruckende Versionen,  der Limbecco, im Stahl ausgebaut, eher auf der fruchtig, frischen Seite, der Le Iadi, im Barrique gelagert, ist muskulöser, kraftvoller und komplexer. Ergänzt wird das rote Sortiment von Merlot, Cabernet und Centesemino. Fast noch beeindruckender als die roten sind Paolos Weißweine, allen voran seine Albanainterpretation, die teilweise in Amphoren, teilweise auf den Schalen und teilweise ganz klassisch ausgebaut werden. Der Arcaica, ein auf den Schalen vergorener Albana ist eine der besten mazerierten Weine, die ich je in Italien getrunken habe.

WEINE

Limbecca (Sangiovese)
Le Iadi (Sangiovese)
Symposium (Merlot)
Impavido (Merlot)
Miniato (v.a. Cabernet)
Luna Nuova (Vino Bianco)
Vite in Fiore (Vino Bianco)
Cordusel
Arcaica (Albana)

Jahresproduktion: 20000 Flaschen
Rebsorten: Albana, Trebbiano, Cordusel; Sangiovese, Merlot, Cabernet, Centesemino
Rebfläche: 8,5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch: ja
Direktverkauf:ja
Wohnmöglichkeit: nein