Il Casale

Il Casale ist der große Klassiker unter den biodynamisch arbeitenden Weingütern der Toskana.

Erste Versuche gab es bereits in den frühen 1980er Jahren, als der junge Antonio Giglioli einen ersten Weinberg am Weingut seines Vaters entsprechend zu bewirtschaften begann. Nachdem in kürzester Zeit klar war, dass dieser Weg in mehrfacher Hinsicht interessanter, intellektuell anspruchsvoller und ethisch korrekter war als der davor gegangene, stellten die beiden sukzessive die komplette Rebfläche um und machten das 1995 mit der Demeter-Zertifizierung auch offiziell.

Beheimatet ist Il Casale in Certaldo, einem kleinen Ort zwischen Florenz und Siena, in dem vermutlich Boccaccio geboren wurde. Die Gegend ist aber nicht nur für eingefleischte Decamerone-Fans eine Pilgerstätte, er ist auch für all jene, die das Chianti und seine Weine erkunden wollen, ein guter Ausgangspunkt. Weinbau wird hier seit Jahrhunderten betrieben (worüber ja auch Boccaccio einiges zu sagen weiß), wobei seit jeher Sangiovese im Mittelpunkt steht. Der liefert auch auf Il Casale die Basis für zwei brillante Interpretation – einen Chianti und eine Chianti Riserva – die beide erst nach gut einem Jahrzehnt Fass- und Flaschenreife das Licht der Öffentlichkeit sehen. In beiden nehmen Canaiolo und Colorino kleine aber wichtige Nebenrollen ein.

Mit der gleichen Aufmerksamkeit wie für die Chiantis beschäftigt sich Antonio auch mit seinem Trebbiano. Der ist bei ihm nicht, wie so oft in der Toskana, das fünfte Rad am Wagen, sondern mit zwei beeindruckenden Weinen integraler Bestandteil seines Sortiments. Jenseits einer etwas jugendlicheren Version probiert sich Antonio mit seinem Flaggschiff-Trebbiano auch hier an langen Reifezeiten, die der Rebsorte besser stehen als man es gemeinhin vermuten würde.

Weine – eine Auswahl

Trebbiano 1: Gegenwärtig (wir schreiben das Jahr 2022) – stammt der sich am Markt erhältliche Jahrgang aus dem Jahr 2009. Das ist für einen Trebbiano schon eine Nummer. Der Wein, der über einen Monat in Kontakt mit seinen Schalen blieb, steckt die allerdings recht gut weg. Zwar macht sich eine leichte Oxidation bemerkbar, kompensiert wird diese allerdings von vielschichtigen Frucht- und Blütennoten und einem gehaltvollen und profunden Körper.

Trebbiano 2: Der kleine Bruder des lange gereiften Treebbiano. Auch hier wird auf der Schale vergoren, allerdings nur über 10 Tage. Wirkt würzig, warm und weich und riecht nach Kräutertee, gelben Früchten und getrocknetem Heu.

Chianti Riserva: Eine jener großen Chianti-Reserven, von denen es nicht mehr allzu viele gibt. Stammt größtenteils aus Sangiovese und zu kleineren Teilen aus Canaiolo und Colorino. Mazeriert wird über einen Monat, danach folgt ein achtjähriger Ausbau in Zement, gefolgt von zwei Jahren in großen, gebrauchten Kastanienfässern. Die Aromen sind intensiv, dunkelfruchtig, würzig und erdig, mit einer ausgewogenen und samtigen Textur und viel Druck am Gaumen.

Kontakt

Antonio Giglioli
Adresse: Via San Martino, 150, Certaldo
Telefon: 349 6741993
E-mail: info@casalebio.it
Webseite: rarefatte.it


Rebsorten: Trebbiano, Sangiovese, Canaiolo, Colorino
Rebfläche: 7 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein
Weitere Produkte: Olivenöl, Essig, Brandy


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it, vinisud.it

AT/DE/CH: –