CASTEL NOARNA

Marco & Fausto Zani
Via Castelnuovo, 19 – Noarna di Nogaredo
Tel: +39 335 6295965
fausto.zani@castelnoarna.com
marco.zani@castelnoarna.com
http://www.castelnoarna.com/

DAS WEINGUT

Die Ecke rund um Rovereto im südlichen Teil des Vallagarina ist eine Enklave exzellenter Winzer.

Wer hier auf dem Weg zum Gardasee stur vorbeibrettert, ist selber schuld. Auf gerade mal zwei, drei Kilometern kann man bei Eugenio Rosi, Elisabetta Dalzocchio und Luigi Spagnoli (Vilàr) anhalten und folglich den besten Marzemino (Rosis Poeima), einen der besten Pinot Nero (Dalzocchio) und den – wäre da nicht auch noch Elisabetta Foradori – besten Nosiola (Vilàr) Italiens probieren. Das Quartett komplett macht Marco Zani vom Castel Noarna, der wiederum mit einem der besten Schaumweine Italiens punktet und zudem in einer Burg wirtschaftet und wohnt, die so alt ist, dass sie auch Orlando Furioso, dem berühmtesten unter den vielen fiktiven Rittern Italiens, eine adäquate Unterkunft geboten hätte.

DSCF0867-w1600Alle vier profitieren von natürlichen Voraussetzungen, die zwar aufgrund der Höhenlagen und Sonneneinstrahlungen bisweilen recht unterschiedlich ausfallen, jedoch auch auf einigen einigenden Grundpfeilern bauen. Zum einen ist das Kalk, oft vermischt mit Sand und durchsetzt von Basalt und Schiefer, zum anderen ein Klima, das von relativ milden Sommern und der fortwährenden Präsenz vom Gardasee runterblasender Winde geprägt ist.

Seit dem 11. Jahrhundert ist das Kastell dokumentiert, gebaut wurde es aber schon ein paar Jahrhunderte früher. Bestens erhalten ragt es heute rechter Hand der Etsch aus den sie umgebenden Weingärten, in denen Marco gemeinsam mit seinem Bruder Franco seit 1989 Nosiola, Chardonnay, Cabernet und Merlot pflegt. Im Laufe der Jahre kamen auch noch Sauvignon Blanc, Lagrein und Teroldego dazu. Plätscherten die ersten zwei Jahrzehnte relativ konventionell dahin, setzte mit dem Jahr 2007 eine Zäsur in der Gedankenwelt und den vitikulturellen Herangehensweisen der beiden Brüder ein. Man konvertierte zum biologischen Weinbau und wie es sich für ordentliche Konvertiten gehört, machte man das radikal und – durchaus begrüßenswert – transparent, nachlesbar in einer auf der Webseite des Kastells veröffentlichten „Carta d’Intenti del Vino Naturale“, einer Art Naturweinmanifest.

Darin bekennt man sich nicht nur zur biologischen Bewirtschaftung, sondern auch zu einer auf Verzicht gepolten Kellerarbeit. Einerseits stets mit dem Ziel vor Augen, der Essenz ihrer Weine sukzessive auf den Grund zu gehen anderseits aber auch von der Überzeugung getragen, dass „Wein weiterhin jenes belebende und bekömmliche Nahrungsmittel sein soll als das man es seit Jahrhunderten kennt.“ Man unterwirft sich keinen Dogmen, lässt vielmehr auch die „eigene Kreativität, Geschichte und Kultur“ zu Wort kommen.

Wobei die Vinifikation trotzdem von klaren Prinzipien getragen ist. So vergärt man sämtliche Weine spontan, schwefelt weder Trauben noch Most, verzichtet auf physikalische Eingriffe (Umkehrosmose, Thermovinifikation, Pasteurisation, Sterilfiltration usw.) schönt nicht und filtert nur grob.

Das Resultat sind acht Weine, die ziemlich paritätisch in jeweils drei Weißweine und drei Rotweine sowie zwei Schaumweine aufgeteilt sind. Für jeden etwas. Vor allem auch aufgrund der Tatsache, dass jeder einzelne Wein seine eigene Geschichte von Rebsorte und Terroir erzählt und natürlich auch von der Konzeption und Handschrift des Winzers geprägt ist.

Der Nosiola (eine Rebsorte, der man auch mal ein Special widmen könnte) beispielsweise wird mit den Schalen angegoren, die zwar nach vier Tagen abgepresst werden, in der Zwischenzeit jedoch ihre Spuren hinterlassen haben. Die Säure wird folglich um eine Gerbstoffkomponente ergänzt, das Aromaspektrum, das beim Nosiola vor allem auf Blüten und Kräuter setzt, um ein paar Fruchtaromen erweitert. Ausgebaut wird in Stahl und gebrauchten Barriques, was sich in einer – für den mäßigen Alkohol – erstaunlich stoffigen Textur manifestiert. Beim Chardonnay verzichten die beiden auf längere Maischestandzeiten, setzen auf 100% Stahl und eine lange Hefelagerung und folglich auf Frische, Stringenz und die Ausdruckskraft des Bodens. Der Sauvignon blanc ist glücklicherweise ein Vertreter des traditionell europäischen Gedankens, weshalb sich dann auch reife gelbe Früchte gegen Gras und Maracuja behaupten. Bei den Rotweinen setzt man durchwegs auf 12-18 monatigen Holzausbau (teils neue, teils gebrauchte, teils große, teils kleine Fässer). Der Lagrein ist würzig, dicht und dunkel und ein durchaus kraftvoller Vertreter seiner Art. Der Teroldego ist strukturiert und druckvoll, profund und saftig und getragen von Kirschen und einer Lebenserwartung, die definitiv im zweistelligen Bereich liegt. Abgerundet wird die rote Noarnawelt von Mercuria, einer Cuvèe aus Cabernet und Merlot. Das ist zwar keine besonders originelle Rebsortenkombination, schmecken tut sie allerdings allemal: vor allem nach Leder und Fleisch aber auch noch nach roten Beeren und Kräutern. Geduld tut gut.

Abgerundet wird mit Sprudel. Was eigentlich immer erfreulich ist. Seit kurzem gibt es den Rethium, flaschenvergoren, unbeschwert, ein extrem einladender und animierender Vertreter seiner Art. Ein anderes Kaliber ist der Blanc de Blanc. Chardonnay in purezza. 30 Monate auf der Hefe. Brotig, saftig, Zitrus, zupackend und eindeutig mit der Ambition gekeltert, das ganze Potenzial seiner Umgebung auszuloten.

 

 

DIe Weine

Nosiola (€ 16)
Salvanel – Chardonnay (€ 14)
Sauvignon Blanc (€ 17)
Teroldego (?)
Cimber – Lagrein (€ 14,50)
Mercuria – CS-Merlot (€ 17)
Rethium (?)
Blanc de Blanc (€ 24)

Castel Noarna ist Mitglied bei I Dolomitici

Cold Facts

Jahresproduktion: ca.30000 Flaschen
Rebsorten: Nosiola, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Lagrein, Teroldego, Merlot, Cabernet Sauvignon
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein