Pignoletto/Grechetto

Pignoletto und Grechetto di Todi sind genetisch identisch. Während die eine Rebsorte jedoch an den Hängen der Colli Bolognesi ihr Zuhause hat, ist die andere in den Weingärten Umbriens beheimatet. Auch wenn sie lokale Unterschiede aufweisen, sind sie sich doch grundsätzlich recht ähnlich. Leider. Denn generell entstehen aus ihnen uninteressante und belanglose Weine, deren einziger Vorteil darin besteht, dass sie billig sind. Ihre übelsten Interpretationen sind für gewöhnlich die umbrischen Orvieto-Weine, die zwar meistens Cuvées sind, hauptanteilig jedoch eigentlich immer Grechetto. Im besten Fall bedeutet das, dass man es mit unkomplizierten und leichten Weinen zu tun hat, die sich dank hoher Säure auch ganz gut für Schaumweine eignen und für gewöhnlich ein paar Blütennoten mit Zitrusaromen vereinen.

Dass Pignoletto/Grechetto hier überhaupt erwähnt werden, kann zum einen als Warnung verstanden werden, liegt aber auch daran, dass es tatsächlich eine Handvoll Winzer gibt, die daraus richtig gute Weine machen (allesamt Winzer, die aus anderen Sorten noch bessere Weine produzieren).  Flavio Cantelli, Giorgio Erioli, Federico Orsi und Antonio Ognibene in den Colli Bolognesi beispielsweise oder Francesco Mariani, Danilo Marucci und Francesco Annesanti in Umbrien.

Die paar Ausnahmen wiederum verdeutlichen, dass man in den richtigen Lagen, mit niedrigen Erträgen und entsprechender Bewirtschaftung und Vinifizierung aus Pignoletto/Grechetto auch Weine keltern kann, die Tiefe, Struktur und Trinkfluss verbinden. Der „Bosco“ von Flavio Cantelli beispielsweise hat nicht nur Kraft, Textur und Dynamik sondern auch eine Bandbreite an Aromen, die den bereits erwähnten Noten auch noch reife gelbe Frucht und eine feine Würze hinzufügt. Sein „Mamolo“ ist einen Tick leichter, schlägt allerdings sonst in dieselbe Kerbe.

Auch Antonio Ognibene zeigt was in der Rebsorte steckt. Zwei seiner drei Pignoletto werden mit derselben Intention wie diejenigen von Flavio Cantelli vinifiziert, ein dritter landet allerdings in der Amphore, wo die dicken Schalen der Sorte für eine zwar zupackende aber auch einladenden Gerbstoffstruktur sorgen und zunehmend rotbeerige und erdige Noten den Ton angeben.

Eine Auswahl

Colli Bolognesi

Azienda Bortolotti: Bosco
Azienda Bortolotti: Mamolo
Azienda Bortolotti: Falestar (Frizzante)
Orsi: Sui Lieveti (Frizzante)
Erioli: Badianum
Gradizzolo: Bersot 1933
Gradizzolo: Le Anfore

Umbrien

Raina: Grechetto
Annesanti: Fonte Farro
Conestabile della Staffa: Cerrone
Tiberi: Il Bianco di Cesare