EIN PAAR EMPFEHLUNGEN

Fongoli: Laetitia (Trebbiano spoletino – weiß)
Tabarrini: Adarmando (Trebbiano spoletino – w)
Antonelli: Trebbiano spoletino (w)
Collecapretta: Vigna Vecchia (Trebbiano spoletino – w)
Cantina Margò: Grecchetto (w)
Omero Moretti: Grecchetto (w)
Paolo Bea: Arboreus (orange)
Collecapretta: Terre dei preti (o)

Paolo Bea: Montefalco rosso
Paolo Bea: Montefalco Sagrantino dolce
Antonelli: Monefalco Rosso Riserva
Antonelli: Contrario (Sagrantino)
Omero Moretti: Sagrantino Vignalunga
Fongoli: Montefalco Sagrantino
Tabarrini: Montefalco rosso
Tabarrini: Campo alla Cerqua (Sagrantino)
Margò: Fiero Rosato Umbria Sangiovese
Margò: Rosso Umbria Sangiovese 2014
Collecapretta: Il Rosato di Casa Mattioli
Collecapretta: Le Cese (Sangiovese)

Umbrien ist ein gesegnetes Land und nicht erst seit Assisi zu einem Epizentrum globaler Pilgerkultur wurde. Das Landschaftsbild der angrenzenden Toskana wird erstmal eins zu eins übernommen, ehe es in Richtung Süden und Osten wilder und gebirgiger wird. Alle paar Kilometer stößt man auf steinalte Dörfer, die (sofern man die Einzugsgebiete von Assisi und Spoleto hinter sich gelassen hat) selten überlaufen sind und in deren fotogenen Stadtbildern sich auch immer eine Trattoria findet, in der man für wenig Geld exzellent isst. Zwei Dinge sucht man in Umbrien allerdings vergebens. Das Meer und mehr als ein Dutzend Winzer mit richtig guten Weinen. An ersterem wird sich wohl in absehbarer Zeit nichts ändern, im zweiten Fall besteht zumindest Hoffnung.

Umbrien ist ein altes Weinbaugebiet und es ist anzunehmen, dass vor ein paar hundert Jahren und auch noch vor ein paar Jahrzehnten die Weine generell wesentlich interessanter waren als sie es heute sind. In den letzten drei Jahrzehnten kamen jedoch einige Faktoren zusammen, die den Weinen Originalität und Charakter nahmen. Zum einen entdeckte die toskanische Winzeraristokratie die Region und identifizierte sie im Verbund mit ein paar einflussreichen Journalisten als das Burgund Italiens. Man pflanzte Chardonnay und auch ein wenig Pinot Noir, steckte die Weine in neue Barriques und trat damit wenigstens auch gleich selbst den Beweis an, dass man eben doch ein paar tausend Kilometer vom Burgund entfernt war.

Noch schlimmer, weil kaum reversibel, wirkte sich die landwirtschaftliche Industrialisierung von Orvieto, Umbriens bekanntester Region aus. Riesige Mengen belangloser Weine sind dort in den letzten Jahrzehnten für die Supermärkte dieser Welt produziert worden. Der einzige Grund, warum man (aus vinophiler Hinsicht) dorthin aufbrechen sollte, ist einmal zu sehen, wie solche Weine produziert werden.

Ein letzter Grund, der bis vor kurzem dafür sprach, um umbrische Weine einen weiten Bogen zu schlagen, war die exzessive und absurde Aufkonzentrierung des Sagrantino, eigentlich Umbriens spannendste Rebsorte. Ohnehin von einem Übermass an Tanninen und Alkohol gepeinigt, jagte man die Weine zusätzlich durch alles, was modernste Technologien hergaben, las so spät wie möglich, reizte die Maischestandzeiten aus und steckte die Weine in neue Holzfässer. Und so mutierten die ohnehin schon opulenten Brocken ins testosterongeschwängerte Superschwergewicht und streckten selbst geeichte Trankler schon nach der ersten Flasche nieder.  Der vitikulturellen Identität der Region taten all drei Interventionen nicht sonderlich gut.

Die Zeiten haben sich in den letzten Jahren ein wenig geändert, wobei die Betonung auf WENIG liegt. Orvieto liegt qualitativ noch immer völlig brach (mir fällt zur Zeit kein einziger Winzer ein, dessen Weine ich gerne trinken würde), in Montefalco, der Bastion des Sagrantino, sieht die Sache allerdings schon besser an. Verantwortlich dafür ist vor allem Paolo Bea, eine der lautesten Stimmen der italienischen Naturweinbewegung, der mit seinen Weinen einen beispielhaften Kontrapunkt zu den übertechnologisierten Manifestationen seiner Kollegen gesetzt hat. In seinem Fahrwasser (und teilweise wohl auch aus eigenem Antrieb heraus) besinnen sich immerhin einige Winzer auf traditionellere und für die Rebsorte wesentlich kompatiblere An- und Ausbaumethoden. Filippo Antonelli, Giampaolo Tabarrini und Francesco Mariani stehen exemplarisch  für ein Handvoll Winzer, die mit kraftvollen aber trinkbaren Weinen gegensteuert. Wobei man vor allem die vermeintlich einfacheren (und wesentlich günstigeren) Sagrantino-Versionen, die generell mit Sangiovese cuvetiert werden und unter dem Namen Montefalco Rosso über den Ladentisch gehen, probieren sollte.

Sangiovese ist dann auch die zweite, wirklich wichtige rote Sorte Umbriens, die speziell im Norden, in der Nähe von Perugia, von einigen – oft jungen – Winzern zu strukturierten, lebendigen und früh zugänglichen Weinen gekeltert wird. Da ohnehin keine Reputation zu verteidigen war, setzte man auf Experimente und so hat Umbrien in den letzten Jahren eine Handvoll Winzer hervorgebracht, die mit individuellen und spannenderen Weinen jenseits des Mainstreams punkten (Margò, Marco Merlì, Collecapretta).

Nur Rotweine zu erwähnen, wird dem Umstand nicht gerecht, dass die Winzer rund um Montefalco mit der Trebbiano Spoletino auch eine Sorte im Sortiment haben, die vor allem in weiß aber auch in orange exzellente Weine zeitigt und die im besten Fall eine Bandbreite an Frucht- und Kräuteraromen mit Körper und Trinkfluss vereint und bei entsprechender Intention auch bestens reift.

WINZER

Cantina Margò (Perugia)
Marco Merli (Perugia)
Collecapretta (Spoleto)
Roberto Lepri (Perugia)
Mani di Luna (Perugia)
Baroni Campanino (Assisi)
Paolo Bea (Montefalco)
Di Filippo (Montefalco)
Fongoli (Montefalco)
Omero Moretti (Montefalco)
Tabarrini (Montefalco)
Raìna (Montefalco)
Antonelli (Montefalco)

DIE WINZER AUS UMBRIEN