INTENTION: Diese Seiten beschäftigen sich mit vielen Aspekten des italienischen Weins, allerdings beim besten Willen nicht mit allen. Nicht weil das nicht möglich ist (es ist nicht möglich), sondern weil es auch nicht in meinem Interesse ist. vino e terra ist vor allem ein Tribut an jene Winzer und Institutionen, die Wein noch immer mit einem Kulturauftrag verbinden. Das inkludiert zwar hunderte Winzer und ihre Weine exkludiert aber auch tausende. Sie werden es verkraften.

Ich halte es hier mit Luigi Veronelli, der einmal meinte, dass ihm der mieseste Wein eines Bauern lieber ist als der beste Industriewein, wobei ich eigentlich nur auf Winzer/Bauern verweise, deren Weine mir schmecken. Wobei nicht alle hier erwähnten Winzer notwendigerweise in kleinen Strukturen arbeiten. Vielmehr gilt mein größter Respekt all jenen, die es schaffen, auf größeren Rebflächen, authentische, kompromisslose, handwerklich und biologisch produzierte Weine zu keltern.

Viele der hier besprochenen Winzer gehören diversen Naturweinbewegungen an. Ihr Statute und Manifeste kann man meist ohne Skrupel unterschreiben. Ich trinke fast ausschließlich ihre Weine und glaube, dass sie durch ihre Herangehensweisen der Essenz ihrer Sorten und der Authentizität ihrer Orte viel näher kommen als das durch neue Technologien, den Einsatz von Chemikalien oder die Beschäftigung internationaler Önologen jemals der Fall sein wird. Dass hier trotzdem nur selten das Wort Naturwein fallen wird, hängt ganz einfach damit zusammen, dass ich es nicht mag, weil es am Kern der Sache vorbeizielt (einen Artikel über die Begrifflichkeit von Naturwein habe ich 2014 auf wein-plus veröffentlicht). Wein mit möglichst schonenden Eingriffen zu produzieren, ist vor allem viel Arbeit und eine kulturelle Leistung. Das Ausbringen von Glyphosat ist beides beispielsweise nicht, weshalb sich – jenseits aller gesundheitlicher und ökologischer Bedenken – auch keine Winzer hier wiederfinden, die damit (und auch mit Herbiziden jeder anderen Art) hantieren. Vielmehr beruht sie – die kulturelle Leistung – auf der individuellen Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Rebstock und seinen Bedürfnissen und deren Interpretation im Keller. Dort gilt Ähnliches wie schon zuvor. Man kann Weine mit Enzymen, Mikrooxidation, Osmosen, Gummi Arabicum, Säure, Zucker usw. aufpeppen und aus ihnen fehler- aber auch charakterfreie Weine keltern – die historische, soziale und kulturelle Dimension verliert sich dabei allerdings völlig und folglich finden sich auch solche Weine hier nicht wieder.

Man kann aber auch auf das vorhandene Rebmaterial vertrauen, die Vinifikation spontan ablaufen lassen und schauen was passiert. Entscheidungen muss man trotzdem permanent fällen: Ganztraubenpressung ja oder nein, Schalenkontakt, Gärtemperatur, Hefekontakt, Ausbaugebinde uvm., alles beeinflusst letztendlich elementar die Qualität und Struktur des Weins.

Fast jeder Winzer, der hier beschrieben wird, arbeitet biologisch oder biodynamisch, nicht alle sind zertifiziert. Die Gründe warum sie es nicht sind, haben unterschiedliche Ursachen: manchen sind die Vorschriften zu lax (vor allem im Keller), andere verweigern sich grundsätzlich Institutionen, wieder andere beharren darauf, dass ihre Familie schon immer biologisch gearbeitet hat und auch ohne Zertifizierung ihre Weine verkauft hat. Wie auch immer. Die meisten der hier erwähnten Winzer finden sich in den einschlägigen Weinführern und Blogs, manche ihrer Weine gehören zu den besten Italiens. Viele andere jedoch kultivieren Mikroflächen und sind wenig bekannt. Sie arbeiten oft mit alten autochthonen Sorten und in marginalisierten, wenig touristischen Regionen. Gerade von ihnen kommen jedoch oft die spannendsten Weine. Ihnen auf die Spur zu kommen, ist eines der großen Ziele von vino e terra.

Italien setzt sich aus 74 DOCGs, 330 DOCs und 118 IGTs zusammen. Die Rebfläche beträgt ca. 830000 ha. Im Jahr 2014 wurden 54.618.077.000 Liter Wein produziert. Laut Atlante dei territori del vino italiano gab es 2008 66.570 weinproduzierende Betriebe. Vino e terra ist und bleibt folglich ein work in progress.

ZUR PERSON: nach Jahren im freien Journalismus arbeite ich seit 2004 vor allem mit Wein. Anfangs in einem Shop in Wien, später als Vortragender, Texter für Winzer und Händler und als Journalist für diverse deutschsprachige Zeitungen. 2009 schloss ich die Weinakademie in Rust mit einer Arbeit über Sensorik und Sprache ab. Ungefähr in diese Zeit fällt auch die nachhaltige und bis heute andauernde Auseinandersetzung mit biologischen und biodynamischen Weinen. Resultat dieser Beschäftigung war nulldosage, eine Plattform zum österreichischen Naturwein. Parallel dazu intensivierte ich die Beschäftigung mit dem italienischen Weinbau, reiste immer öfter in den Süden und besuchte verschiedenste Regionen zwischen Südtirol und Sizilien und zog 2014 nach Ferrara in die Emilia Romagna.

EXKRSIONEN ZU WINZERN: VINO E TERRA organisiert Winzerbesuche (halbtägige& eintägige mache ich gerne selbst, bezüglich mehrtägiger önogastronomischer Abenteuer arbeite ich mit italissimo.at zusammen) und hilft die besten Winzer/Produzenten/Trattorien in unmittelbaren Urlaubsumgebung ausfindig zu machen und zu buchen. Sofern sich die Winzer in nicht zu großer Entfernung Ferraras befinden – also irgendwo in Nord- oder Zentralitalien – stehe ich auch gerne als Begleiter & Übersetzer zur Verfügung. KOSTEN AUF ANFRAGE

Schwerpunkte: die meiste Aufmerksamkeit gilt den Produzenten Nord- und Zentralitaliens, allen voran dem Veneto, der Emilia Romagna und der Toskana. Das hat den ganz einfachen Grund, dass ich in Ferrara (einer vitikulturellen Wüste) die meiste Zeit über wohne und diese Gebiete für mich in relativ kurzer Zeit erreichbar sind. Für das Piemont, Ligurien, die Marken, das Trentino, Südtirol, Umbrien oder das Friaul muss ich schon etwas besser planen und alles, was südlich von Rom liegt, kommt einer Reise gleich. Nichtsdestotrotz versuche ich auch immer wieder Winzer und Weine aus dem Mezzogiorno zu präsentieren, allein schon deswegen, weil es dort die vielleicht spannendsten Entwicklungen zu beobachten und folglich auch die mitunter interessantesten Entdeckungen zu machen gibt.

NON SOLO VINO: Wein ist der rote Faden. Sich darauf zu reduzieren, würde allerdings  auch seine Einbettung in die kulinarische Kultur Italiens ignorieren. Wein ist integraler Bestandteil nahezu jeden Essens, doch lässt sich Gleiches auch über Olivenöl, Käse, Reis, Pasta, Brot, Salami, Hülsen- oder Zitrusfrüchte sagen. Mindestens die Hälfte aller Winzer südlich des Gardasees produziert neben Wein auch Olivenöl. Andere destillieren Grappa. Andere lassen die Finger vom Wein und kultivieren dafür Reis, Linsen oder Bohnen. In den letzten Jahren sorgen zudem Craft-Biere quer durch Italien für eine Auflösung der einst extrem durchschnittlichen italienischen Bierkultur. Folglich gibt es auch massenhaft Verweise und gelegentliche Reportagen zu anderen Themen.

BEZUGSQUELLEN: Viele Weine bekommt man naheliegenderweise bei den Winzern. Fast alle verkaufen ab Hof. Nicht zu wenige davon gibt es aber in der Zwischenzeit auch im deutschsprachigen Raum. Sofern ich es weiß, versuche ich bei den Winzerbesprechungen & Weinbeschreibungen auch auf entsprechende Läden zu verweisen.