Weine aus den Abruzzen

Weiß

Lammidia: Bianco Anfora
Di Cato: Eughenos Lazzari Felici Malvasia
Caprera: Trebbiano d’Abruzzo Fortuna
Colle Florido: Il Postino
Emidio Pepe: Trebbiano d’Abruzzo
Cirelli: Trebbiano d’Abruzzo Anfora
Rabasco: Damigiana Bianca
Ausonia: Machaon Pecorino d’Abruzzo
Valle Reale: Trebbiano d’Abruzzo Vigneto dei Popoli
Tenuta Terraviva: Mario’s Serie
Castelsimoni: Lupa Bianca
Feudo d’Ugni: Bianco
Podere San Biagio: Trebbiano
Sophia Pistis: Pagos
Torre dei Beati: Giocheremo con i fiori (Pecorino)
De Fermo: Launegild Chardonnay

Rosé

Rabasco: Cerasuolo Damigiana
Ausonia: Cerasuolo d’Abruzzo
Cirelli: Cerasuolo d’Abruzzo in Anfora
Praesidium: Cerasuolo d’Abruzzo
Tenuta Terraviva: Giusi (Cerasuolo d’Abruzzo)
Torre dei Beati: Rosa-ae (Cerasuolo)

Rot

Lammidia: Rosso Anfora
Rabasco: Rosso della Contrada
Emidio Pepe: Montepulciano d’Abruzzo
Caprera: Montepulciano d’Abruzzo Le Vasche
Colle Florido: Erba Salata
Feudo d’Ugni: Fante Montepulciano
Donato di Tommaso: Nuvole e Pane Montepulciano
Cirelli: Montepulciano d’Abruzzo in Anfora
Ludovico: Suffonte (Montepulciano)
De Fermo: Montepulciano d’Abruzzo Prologo
Praesidium: Montepulciano d’Abruzzo
Podere San Biagio: Montepulciano Cafone
Marina Palusci: Montepulciano Plenus
Valle Reale: Montepulciano d’Abruzzo Vigneto di Popoli
Torre dei Beati: Montepulciano d’Abruzzo Cocciapazza
Tenuta Terraviva: Lui

DIE WEINWELT DER ABRUZZEN

In den Abruzzen ein Weingut ohne Montepulciano zu finden, ist ungefähr so wahrscheinlich wie in South Dakota einen Haushalt ohne Schusswaffen. Der rote Allrounder ist omnipräsent und mit nahezu ebenso großer Wahrscheinlichkeit wurzelt neben ihm die weiße Trebbiano. Die beiden Sorten bestimmen das ampelographische Bild einer Region, die zwar nicht vollends vom Radar mitteleuropäischer Weintrinker verschwunden ist, über die man aber für gewöhnlich ungefähr so viel weiß wie über South Dakota.

Bis vor Kurzem war das nicht allzu schade. Orderte man einen Montepulciano  bekam man, je nach finanziellem Aufwand, entweder einen überextrahierten und von Holz erschlagenen Wein vorgesetzt oder aber eine undefinierbare, sperrige und letztlich belanglose Banalität, die zwar einen Gegenpol bildete, die Sache aber nicht besser machte. Über Trebbiano konnte man ebenfalls den Mantel des Schweigens breiten. Man hätte die Abruzzen also ohne weiteres von der persönlichen vitikulturellen Landkarte streichen und sich mit den benachbarten Marken oder  Kampanien beschäftigen können, wären da nicht zwei Winzer gewesen, die Jahr für Jahr zeigten wie gut beide Rebsorten schmecken konnten.

Edoardo Valentini und Emidio Pepe, der eine tot, der andere in Pension waren nicht nur zwei Ausnahmefiguren in der Weinszene der Abruzzen, beide sind bis heute Ikonen des italienischen Weinbaus. Valentini wurde vom Gambero Rosso nicht nur einmal als bestes Weingut Italiens ausgezeichnet, während über Emidio Pepe vor Kurzem immerhin eine Biographie verfasst wurde – etwas, was in Winzerkreisen nicht allzu häufig passiert. Es gab also Hoffnung, personifiziert in zwei traditionell und nachhaltig arbeitenden Winzern, an denen sich andere orientieren konnten. 

Erst nur sporadisch, dann immer öfter entstanden quer durch die Region Weine, die man nicht nur trinken konnte, sondern wollte. Mittlerweile finden sich in den Abruzzen zwei Dutzend Weingüter, die exzellente Weine in die Flasche bringen, Tendenz steigend.

Dabei trat man zwar konzeptuell in die Fußstapfen der beiden (biologischer Weinbau, handwerkliche Vinifikation ohne den Einsatz von Zusatzstoffen), adaptierte sie allerdings an das jeweilige Umfeld, das in den Abruzzen extrem unterschiedlich ausfallen kann, je nachdem ob man sich am Meer oder in den Bergen befindet – oder aber in den Hügeln dazwischen. Mit den heterogenen Landschaftsprofilen gehen klimatische Abstufungen, unterschiedliche Bodentemperaturen, Niederschlagsmengen und Expositionen Hand in Hand, die – auf nur wenigen Kilometern – zu gänzlich eigenständigen Weinen führen können. Erstaunlich bleibt dabei die Tatsache, dass, egal wo man sich  befindet, immer Montepulciano den Ton angibt. Hat man es an der Adria fast zwangsläufig mit generösen, ausladenden, fruchtbetonten und warmen Weinen zu tun, finden sich in den Hügeln rund um Teramo und weiter im Süden, bei Sulmona meist kühle, straffe und von Kräutern und Pfeffer geprägte Versionen. Gut gemacht, hat beides seinen Reiz.

Die Abruzzen sind in insgesamt 8 IGTs, 8 DOCs und 1 DOCG aufgeteilt, wobei man sich, wie so oft in Italien, die Frage stellt, warum gerade der Montepulciano der Colline Teramane DOCG diese höchste Kategorisierung erfahren hat. Es wäre sicher auch eine Überlegung wert dem Cerasuolo d’Abruzzo – dem Rosato der Region – DOCG Status zu verleihen. Denn so schwer man sich bisweilen mit den roten Varianten des Montepulciano tat, so beeindruckend waren auch schon früher seine Rosèspielarten. Die erstrecken sich von sofort abgepressten Versionen, die neben feinen Frucht- und Blütenaromen aufgrund des natürlich hohen Farbstoffgehalts der Traube trotzdem ein adäquates Rosa ins Glas bringen, bis hin zu Weinen, die nach 48 Stunden Schalenkontakt schon ins dunkelrot schwenken und profund, würzig und saftig schmecken.

Der gegenwärtig auf den Plan tretenden Winzer(innen)szene der Abruzzen sind nicht nur immer spannendere Montepulciano- und Trebbianointerpretationen zu verdanken, sondern auch zunehmend ernsthafte Auseinandersetzungen mit rekultivierten alten Rebsorten (vor allem weiß) der Gegend. So beschäftigt man sich mittlerweile wieder mit der feinkräuterigen, filigranen und säurebetonten Pecorino (der ein wenig Maischekontakt nicht schadet) und  mit der Passerina, die sich – in vernünftigen Mengen gelesen und behutsam vinifiziert – ähnlich delikat, säurebetont und vielschichtig präsentiert.

Auf ihr Konto gehen auch diverse Experimente (Ganztraubengärung, Maischestandzeiten, ungeschwefelten Weine, Amphoren), mit denen neue Wege beschritten und auf originelle und eigenwillige Weise das Potenzial der Abruzzen weiter ausgelotet wird.