WINZER

Emidio Pepe
Valentini
Lammidia
Rabasco
Pallottini
Di Cato
Ausonia
Fonte Riccione (Agriturismo)
Cantina Rasicci (Agriturismo)
Cirelli
Feudo d’Ugni
Pettinella
De Fermo
Ludovico
Praesidium
Fuschi
Tenuta Terraviva
Stefania Pepe
Faraone
Valle Reale
Tauma
Tenuta Torretta
Torre dei Beati
Colle San Massimo
Bosco Nestore

In den Abruzzen ein Weingut ohne Montepulciano zu finden, ist ungefähr so wahrscheinlich wie in South Dakota einen Haushalt ohne Schusswaffen. Der rote Allrounder ist omnipräsent und mit nahezu ebenso großer Wahrscheinlichkeit wurzelt neben ihm die weiße Trebbiano. Die beiden Sorten bestimmen das ampelographische Bild einer Region, die zwar nicht vollends vom Radar mitteleuropäischer Weintrinker verschwunden ist, über die man aber für gewöhnlich ungefähr so viel weiß wie über South Dakota.

Bis vor kurzem war das nicht allzu schade. Orderte man einen Montepulciano d’Abruzzo bekam man, je nach finanziellem Aufwand, entweder einen überambitionierter, weil überextrahierter, von Holz erschlagenen, aufdringlichen und meist untrinkbaren Wein vorgesetzt oder aber eine undefinierbare, flache, sperrige und letztlich belanglose Banalität, die zwar oft einen Gegenpol bildete, die Sache aber nicht wesentlich besser machte. Über Trebbiano konnte man ebenfalls den Mantel des Schweigens breiten. Man hätte die Abruzzen also ohne weiteres von der vitikulturellen Landkarte Italiens streichen und sich stattdessen mit den benachbarten Marken oder  Kampanien beschäftigen können, wären da nicht zwei Winzer gewesen, die Jahr für Jahr zeigten wie verblüffend gut beide Rebsorten schmecken konnten – machte man die Sache nur richtig.

Edoardo Valentini und Emidio Pepe, der eine tot, der andere in Pension waren nicht nur zwei Ausnahmefiguren in der Weinszene der Abruzzen, beide sind bis heute Ikonen des italienischen Weinbaus. Valentini wurde vom Gambero Rosso nicht nur einmal als bestes Weingut Italiens ausgezeichnet, während über Emidio Pepe vor kurzem immerhin eine (exzellente) Biographie verfasst wurde – etwas, was in Winzerkreisen nicht allzu häufig passiert. Es gab also Hoffnung, personifiziert in zwei traditionell und nachhaltig arbeitenden Winzern, an denen sich andere orientieren konnten. Erst sporadisch, dann immer öfter entstanden quer durch die Region Weine, die man nicht nur trinken konnte, sondern wollte. Mittlerweile findet sich in den Abruzzen ein gutes Dutzend exzellenter Weingüter, Tendenz steigend.

Dabei folgte man zwar diversen Prinzipien der beiden (biologischer Weinbau, Ausbau in Zement oder großen Holzfässern), adaptierte sie allerdings an das jeweilige Umfeld, das in den Abruzzen extrem unterschiedlich ausfallen kann, je nachdem ob man sich am Meer oder in den Bergen befindet – oder aber in den Hügeln dazwischen. Mit den differenzierten Landschaftsprofilen gehen klimatische Abstufungen, unterschiedliche Bodentemperaturen, Niederschlagsmengen und Expositionen Hand in Hand, die – auf nur wenigen Kilometern – zu völlig unterschiedlichen Weinen führen können. Erstaunlich bleibt dabei die Tatsache, dass, egal wo man sich befindet, immer Montepulciano den Ton angibt. Hat man es an der Adria fast zwangsläufig mit generösen, ausladenden, fruchtbetonten und warmen Weinen zu tun, finden sich in den Hügeln rund um Teramo und weiter oben, bei Sulmona meist kühle, strenge und von Kräutern und Pfeffer dominierte Versionen. Gut gemacht, hat beides seinen Reiz.

Die Abruzzen sind in insgesamt 8 IGTs, 8 DOCs und 1 DOCG aufgeteilt, wobei man sich, wie so oft in Italien, die Frage stellt, warum gerade der Montepulciano der Colline Teramane DOCG diese höchste Kategorisierung erfahren hat. Von den besten Winzer der Region befindet sich einzig Torre dei Beati in ihren Grenzen. Wobei man natürlich einer Zone auch Potenzial zugestehen kann, das noch ausgeschöpft werden muss. In der Zwischenzeit kann man sich überlegen, ob es nicht auch sinnvoll wäre, dem Cerasuolo d’Abruzzo – dem Rosato der Region – DOCG Status zu verleihen. Denn so schwer man sich bisweilen mit den roten Varianten des Montepulciano tut, so beeindruckend sind teilweise seine Rosèspielarten. Die erstrecken sich von sofort abgepressten Versionen, die neben feinen Frucht- und Blütenaromen aufgrund des natürlich hohen Farbstoffgehalt der Traube trotzdem ein adäquates Rosa ins Glas bringen, bis hin zu Weinen die nach 48 Stunden Schalenkontakt schon ins dunkelrot schwenken und profund, würzig und saftig schmecken (all die Weintrinker, die Rosè am liebsten in den Mülleimer der Weinstile verabschieden wollen, sollten das erst tun, nachdem sie den Cerasuolo von Valentini probiert haben).

Der neuen Weinszene der Abruzzen sind allerdings nicht nur bessere Montepulciano- und Trebbianointerpretationen zu verdanken, sondern auch zunehmend ernsthafte Auseinandersetzungen mit rekultivierten alten Rebsorten (vor allem weiß) der Gegend. So beschäftigt man sich mittlerweile wieder mit der feinkräuteriger, filigranen und säurebetonten Pecorino (der ein wenig Maischekontakt nicht schadet), vor allem aber auch mit Passerina, ähnlich delikat und säurebetont aber mit vielschichtigeren Aromen und mehr Spannung.

Hinzu kommt eine Handvoll junger Winzer (Lammidia, Vinicola di Cato, Cirelli), die mit diversen Experimenten (Ganztraubengärung, Maischestandzeiten, ungeschwefelte Weine, Amphoren) neue, bisweilen aber auch sehr alte, in Vergessenheit geratene, Wege beschreiten und auf originelle und eigenwillige Weise das Potenzial der Abruzzen weiter ausloten.

ca'orologio

EIN PAAR EMPFEHLUNGEN

Alles von Valentini
Alles von Emidio Pepe

Lammidia: Bianco Anfora
Di Cato: Eughenos Lazzari Felici Malvasia
Cirelli: Trebbiano d’Abruzzo Anfora
Ausonia: Machaon Pecorino d’Abruzzo
Feudo d’Ugni: Lama Bianco (Trebbiano)
Valle Reale: Trebbiano d’Abruzzo Vigneto dei Popoli
Tenuta Terraviva: EKWO (Pecorino)
Faraone: Santa Maria dell’Arco (Passerina)
Torre dei Beati: Giocheremo con i fiori (Pecorino)

Rabasco: Cerasuolo Damigiana
Ausonia: Cerasuolo d’Abruzzo
Cirelli: Cerasuolo d’Abruzzo in Anfora
Pettinella: Vino Rosato Tauma
Feudo d’Ugni: Lusignolo (Rosato)
Praesidium: Cerasuolo d’Abruzzo
Tenuta Terraviva: Giusi (Cerasuolo d’Abruzzo)
Torre dei Beati: Rosa-ae (Cerasuolo)

Lammidia: Rosso Anfora
Rabasco: Rosso della Contrada
Rasicci: Montepulciano d’Abruzzo Teramane
Pallottini: Montepulciano d’Abruzzo
Fonte Riccione: Nuvole e Pane Montepulciano
Cirelli: Montepulciano d’Abruzzo in Anfora
Ludovico: Suffonte (Montepulciano)
De Fermo: Montepulciano d’Abruzzo Concrete
Praesidium: Montepulciano d’Abruzzo
Tenuta Terraviva: LUI (Montepulciano d’Abruzzo)
Faraone: Santa Maria dell’Arco (Montepulciano d’Abruzzo)
Tenuta Torretta: Montepulciano d’Abruzzo Docg colline Teramane „Colle Forca“
Fuschi: San Leone (Montepulciano)
Torre dei Beati: Montepulciano d’Abruzzo Cocciapazza
Bosco Nestore: Don Bosco Montepulciano d’Abruzzo

DIE WINZER AUS DEN ABRUZZEN