Das Quinto Quarto, das fünfte Viertel, ist eigentlich ein Ausdruck aus der italienischen Volksküche und bezeichnet die Teile des Tieres, die nicht zu den „Tagli nobili“, den edlen Stücken gehören. Vor allem also Innereien, aber auch Füße (Zampone – eine winterliche Spezialität in der Emilia), Schwänze, Köpfe und im Grunde einfach alles, was sich essen lässt. Geprägt haben den Begriff meines Wissens die Römer, finden tun sich Abwandlungen des Quinto Quarto allerdings in ganz Italien vom Piemont bis nach Sizilien.

Franco Terpins Quinto Quarto ist ein alljährlich wechselnder Rebsortenmix, der aus den Trauben stammt, die nicht in seine Top-Serie einfließen. Das liegt nicht daran, dass die Trauben marod wären, sondern dass sie von Rebstöcken stammen, die – seiner Ansicht nach – noch zu jung sind, um ganz auf sich allein gestellt, ihr ganzes Potenzial zum Ausdruck zu bringen. Also cuvetiert er: in unserem speziellen Fall, Pinot grigio mit Pinot bianco.

Vor der Assemblage hat der Quinto Quarto einige Tage Kontakt mit seinen Schalen. Das gibt ihm Farbe, Struktur und Charakter. Nach der der Gärung baut Franco die beiden Weine separat in Stahltanks aus und cuvetiert sie nach ein paar Monaten. Die Weine sind weder geschönt noch gefiltert.

STIL

Trockenfrucht, Zimt und Apfelstrudel. Ein bisschen welkes Laub. Im Friaul. Im Herbst. In der Sonne. In der Nase. Im Mund ist dann allerdings gleich Schluss mit der Romantik. Da finden sich die süßen Aromen in einer staubtrockenen Struktur wieder. Der Gerbstoff macht ordentlich Druck und trägt Apfelstrudel & Co. geradlinig zum Gaumen. Das Territorium (Kalk) hinterlässt seine Spuren. Saftig und einladend. Begleitet tatsächlich aufs Beste Innereien.

Datenblatt

Rebsorte: Pinot grigio & Pinot bianco
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Lagen rund um das Weingut. Junge Reben. Boden: Ponka
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan     | wilde Hefen, in Edelstahltanks
Ausbau: 10 Monate in Edelstahltanks
Filtration: nein
SO: < 50 mg/l
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2025

Für gewöhnlich bei vinonudo erhältlich.

Wenn es um orange Interpretationen von Weinen geht, genießt das slowenisch-friulanische Grenzgebiet eine Reputation wie das Bordeaux bei Rotweinen. Während ich letzteres bis heute allerdings nicht nachvollziehen kann, gibt’s an ersterem nichts zu rütteln. Ist fix. Und wird immer deutlicher durch all die mediokren Versuche, die links und rechts und oben (wenig) und unten (viel mehr) von ihnen gemacht werden (Ausnahmen gibt’s natürlich, vor allem unten und rechts).

Warum das Friaul orange so stark ist, ist nicht ganz einfach zu sagen. Tradition und Erfahrung mögen eine Rolle spielen – Istrien und Umgebung waren immer Kernland auf den Schalen vergorener Weine. Geeignete Rebsorten (Pinot grigio, Ribolla gialla, Verduzzo, Malvasia, Vitovska und Friulano scheinen sich gut dafür zu eignen, allerdings finden sich auch exzellente Sauvignons und Chardonnays), biologische Bewirtschaftung, ideale Terroirs und talentierte und kompromisslose Winzer, die auch in Zeiten völligen Unverständnisses für den Weinstil, beharrlich damit weitergemacht haben, sind sicher auch nicht unwesentlich.

10 Weine, die ich gerne in großen Mengen in meinem Keller hätte (keine Amphoren, davon ein andermal

1. Alex Klinec: eigentlich alle seine Weine. Würde man mir die Pistole an die Schläfe halten, würde ich mich vermutlich für den Jakot entscheiden. Den allerletzten Jahrgang. Denn Alex Klinec wird, so unglaublich das sein mag, noch immer von Jahr zu Jahr besser.

2. Radikon: good old Stanko ist zwar letztes Jahr gestorben, er hat allerdings eine Batterie an Weinen hinterlassen, die noch lange für ihn leben werden. Wichtig bei der Wahl ist weniger die Frage, ob Jakot, Ribolla oder doch lieber Bianco, sondern die Größe der Flasche – zwischen den Möglichkeiten 0,5 und 1 Liter sollte man sich besser für die Literware entscheiden.

3. Skerlj, Vitovska: Karst. Steinig & salzig. Blüten. Neben dem Tannin auch gut Säure. 12% Alk. aber tief und lang

4. Princic, Tokaj: vor allem in kühlen Jahren, wenn die Eleganz in den Vordergrund rückt und die Säure das Tannin stützt und die Aromen präzis und klar durchkommen.

5. Vodopivec, Vitovska: Monumental. Druck, Power, Wucht, Saftigkeit und trotzdem Trinkfluss.

6. Terpin, Ribolla gialla: gewichtige und doch frische Textur, kräftiger aber nie ausladender Körper, komplexe Aromatik und Tannin so fest wie Francos Handschlag

7. Paraschos, Orange One Bianco: sehr eigenwilliger Name. So orange, dass selbst Fanta blass dagegen aussieht. Ein Monat auf der Maische hinterlässt Spuren, vor allem dann, wenn – so wie hier – Ribolla Gialla mit von der Partie ist. Über mangelnden Gerbstoff braucht man sich auch keinen Kopf machen und auch an Säure mangelt es nicht. Tokaj und Malvasia assistieren übrigens blendend und letztlich manifestiert sich das alles als kräuterig-erdig-agrumige Angelegenheit.

8. Nando, Jakot: orange wie die Kittel tibetischer Mönche; vielschichtige  Aromen, puristisch und exakt. Tiefe mit Trinkfluss.

9. Cotar, Sauvignon Blanc: nicht das einzige Beispiel dafür, dass sich die Sorte bestens für orange Versionen eignet. Saftig und strukturiert, mehr Säure als Gerbstoff. Lotet die Aromenvielfalt der Sorte aus, wobei man grüne und grasige Noten lange suchen kann.

10. Marco Fon, Malvasia: Auch eine jener Sorten, die auf den Schalen vergoren grundsätzlich wesentlich spannendere Ergebnisse liefert als sofort abgepresst. Aromatisch ornamental (Kräuter, rote Beeren, Orangen) aber schon auch Kind seiner Herkunft (Karst) – salzig, ausladend und nachhaltig.

Mazerierte bzw. orange Weine sind Weine, bei denen die Farb- und Gerbstoffe aus den Schalen weißer Trauben gelaugt werden.  Dabei ist das Grundprinzip genau das, das normalerweise bei der Rotweinproduktion angewendet wird. Die Schalen bleiben über eine gewisse Zeit mit dem Most (teilweise auch noch mit dem fertigen Wein) in Kontakt und extrahieren dabei Phenole & Co in den Wein. Wie intensiv dieser Kontakt ist liegt im Ermessen des Winzers. Die Maischestandzeiten variieren dabei zwischen ca. 3-4 Tagen und 80 oder 100 Tagen, es gibt aber auch Produzenten, die mit längeren Mazerationszeiten experimentieren.

Lage/Böden: Ponka
Rebsorte: Pinot Grigio
Mazeration: 28 Tage
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: 23 Monate in großen Holzfässern auf der Feinhefe
Schönung: nein
SO₂: einmal vor der Flaschenfüllung
Gefiltert: nein
Alkohol: 14 %

Stefano Novello macht eine Handvoll Weine, denen es an Wärme und Kraft nicht mangelt und die dennoch Trinkfluss und Lebendigkeit vermitteln. Einer davon ist sein Pinot Grigio, der ziemlich spät gelesen und spontan in einem großen Holzgärständer vergoren wird und die ganze Zeit und auch noch darüber hinaus mit seinem Schalen in Kontakt bleibt. 28 Tage lang. Das zeitigt gewisse Konsequenzen. Die Farbe beispielsweise ist derart kupfern, dass selbst Dürer seine Freude damit gehabt hätte. Möglicherweise assoziiert man auch deswegen diverse Herbstaromen, Honig und Cognacanklänge ins Glas hinein. Der Gerbstoff packt verhältnismäßig zahm zu, doch liefert er die perfekte Struktur, um den Wein mit einem gewissen Elan in Richtung Gaumen zu transportieren. Der Körper ist erstaunlich schlank und wird erst am Gaumen voluminöser.

Stefano arbeitet, das sei noch kurz erwähnt, im Weingarten dezidiert biologisch und im Keller ohne das ganze Arsenal an potenziellen Zusatzstoffen. Ausgebaut wird 23 Monate lang in 20 hl Fässern auf der Feinhefe. Geschönt und gefiltert wird nicht. Wer die Zeit hat, den Wein in den Keller zu legen und zu warten sollte das tun.


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