Montepulciano

Hintergrund 

Montepulciano ist die rote Königin unter den Rebsorten der Abruzzen. Meinen die Abruzzesen. Viele andere haben ihr gegenüber eher gespaltene Gefühle. In den Weingärten am Meer, sagen sie, ist er meist zu alkoholisch, plump und erschlagend, in den Weingärten hoch oben in den Bergen dünn, mager und grün. Die besten Grundvoraussetzungen hat Montepulciano zweifellos in den Hügeln dazwischen, doch braucht es auch dort die entsprechende Erfahrung und Pflege, um das Beste aus ihr herauszuholen. Denn Montepulciano ist keine einfache Sorte und gibt seine Vorzüge nur ungern preis. Ihre Trauben reifen asynchron, was zwar hübsch aussieht, die Winzer jedoch oft vor schwierige Aufgaben stellt. 

Obwohl sich Montepulciano (der Wein) gerne üppig und muskulös präsentiert, ist Montepulciano (die Pflanze) extrem sensibel und fäulnisanfällig. Da sie generell spät reift und es in den Abruzzen im Herbst auch gerne mal regnet, können Pilzkrankheiten folglich schnell zum Problem werden. 

Emidio Pepe ist zwar vor den Launen des Wetters nicht gefeit, er weiß allerdings damit umzugehen. Seit 54 Jahren keltert er nunmehr Montepulciano und auch wenn seine kompromisslos jede Mode ignorierende Herangehensweise über viele Jahre belächelt wurde, sind seine Weine doch längst Kult. Er erzieht seine Reben in Tendone, der zentralitalienischen Variante der Pergola, und setzt im Weingarten wie im Keller konsequent auf physische Arbeit. Die Pflege der Rebstöcke und die Lese erfolgen per Hand, das Quetschen der Trauben wird mit den Füßen, das Rebeln durch einen Gitterrost wiederum mit den Händen erledigt. 

Die komplette Vinifikation, also Gärung und Ausbau, erfolgt in – innen verglastem – Zement, was bisweilen zu stark reduktiven Aromen in seinen Weinen führen kann. Man macht also keinen Fehler, wenn man ihnen entweder Zeit gibt oder sie rechtzeitig dekantiert.

Stil

Ausgewogen, kraftvoll und dynamisch. Die Aromen spannen sich von Lavendel über Kirschen bis zu süßen Gewürzen, Fleisch und Pfeffer. Balsamische Noten ergänzen. Im Mund packt das Tannin zu, der Körper ist muskulös und saftig, das sensorische Gefühl dunkel aber animierend. Das Finish ist lang und fruchtunterlegt. 

Datenblatt

  • Rebsorte: Montepulciano
  • Bewirtschaftungsart: biologisch
  • Weingarten: Ton, im Durchschnitt 30 Jahre alte Reben in Pergolaerziehung
  • Lese: per Hand 
  • Vergärung: spontan| wilde Hefen, in Zement
  • Ausbau: in Zement
  • Filtration: nein
  • SO₂: 40mg/l
  • Alkoholgehalt:  13,5 % vol
  • Verschluss: Naturkork
  • Trinktemperatur: 16-18 °C
  • Perfekte Trinkreife: 2020 – 2040
  • Flaschenformat: 0,75 l 

Trebbiano

Hintergrund

Wie Pepes Montepulciano ist auch sein Trebbiano zutiefst mit den Abruzzen verbunden. In der umfangreichen Trebbianofamilie gehört Trebbiano abruzzese – gemeinsam mit Trebbiano di Soave (in Wirklichkeit Verdicchio aber seit Jahrhunderten unter diesem Namen auch im Veneto beheimatet) und Trebbiano Spoletino (Umbrien) – zu den wenigen, die auch von Kritikern einigermaßen ernst genommen wird. Das liegt zuallererst an Personen wie Emidio Pepe, die sich mit Passion und tiefster innerer Überzeugung den Eigenheiten der Sorte widmen und mit enormen Aufwand und viel Handarbeit ihren Charakter offenlegen.

Pepes Trebbiano wächst in insgesamt fünf Weingärten in Torano Nuovo, einer 1500-Seelen Gemeinde zwischen dem Gran Sasso und der Adria. Größtenteils in der traditionellen Tendone, einer zentralitalienischen Pergolavariante erzogen, drückt hier weniger der Boden (Ton) als vielmehr die doppelte Thermik – vom Meer wie auch von den Bergen – den Reben und später vor allem den Weinen ihren Stempel auf.

Wie auch beim Montepulciano wird auch der Trebbiano erst mit den Füßen sanft eingemaischt und danach händisch durch einen Gitterrost gerebelt. Die Gärung startet spontan und erfolgt, wie auch der darauffolgende Ausbau, in innen verglasten Zementfässern. Der Wein wird nicht gefiltert, vor der Füllung allerdings leicht geschwefelt. 

Stil

Steinig, kräuterig und floral. Fruchtaromen spielen in Emidio Pepes Trebbianointerpretation eine eher untergeordnete und delikate Rolle. Dafür machen sich mit der Zeit feine Mandelnoten breit und betten sich in eine zwar kühle aber mundfüllende Textur, die dicht und substantiell den Wein in Richtung Gaumen trägt.

Datenblatt

  • Rebsorte: Trebbiano abruzzese
  • Bewirtschaftungsart: biologisch
  • Weingarten: Fünf auf Tonböden basierende Weingärten, alle auf ca. 200 Meter gelegen. 
  • Lese: per Hand 
  • Vergärung: spontan| wilde Hefen, in Zement 
  • Ausbau: in Zement
  • Filtration: nein
  • SO₂: 
  • Alkoholgehalt: 
  • Verschluss: Naturkork
  • Trinktemperatur: 10-12 °C
  • Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030
  • Flaschenformat: 0,75 l 

Hintergrund

Mamoiada liegt in der Barbagia, dem alten Banditenland Sardiniens. Die Gegend befand sich bis vor kurzem außerhalb klassischer Zeitrechnung. In der Zwischenzeit haben Facebook & Co. auch Teile der Barbagia erobert, was nicht bedeutet, dass es nicht auch noch Menschen und Phänomene gibt, die sich der Moderne verweigern. Die Hirten beispielsweise, die weiterhin ihre Schafe über die Macchia treiben. Und dabei vermutlich auch noch gelegentlich Wildpferde, Wildesel und Mufflons zu Gesicht bekommen, die fernab von Städten und größeren touristischen Einrichtungen durch die felsige Landschaft streifen. Und auch die Weinbauern, die sich trotz der üblichen Avancen der Agroindustrie keinen Giftschrank eingerichtet haben. 

Das ist vermutlich weniger einem heroischen ökologischen Bewusstsein geschuldet, sondern der Tatsache, dass es einfach keine Grund gibt, zu spritzen. Die natürlichen Voraussetzungen sind diesbezüglich derart perfekt, dass nicht einmal die Notwendigkeit besteht, Kupfer gegen Peronospora auszubringen. Von April bis Oktober regnet es quasi nie und wenn es doch einmal passiert, trocknet ihn der vom Gebirge runterpfeifende Wind sofort wieder auf. 

Mamoiada ist folglich das einzige Dorf in Italien (und in der Welt?), das seine (immerhin 300 ha) Weingärten komplett biologisch bewirtschaftet, auch wenn maximal 25% der Winzer entsprechend zertifiziert sind. Marketingmäßig ausgeschlachtet wurde das – so wie es sich für Mamoiada gehört – bisher genauso wenig, wie die Tatsache, dass die Reblaus nie in seine Weingärten eingeschleppt wurde und folglich ein nicht unbedeutender Teil der Reben zum einen älter als 100 Jahre ist, zum anderen noch immer unveredelt in der Erde steht. 

Die große Rebsorte der Mamoiada ist Cannonau und die ersten, die die daraus gekelterten Weine auch über die Regionsgrenzen hinaus verkauften, waren vor mittlerweile gut zwei Jahrzehnten Giuseppe Sedilesu und seine mittlerweile das Weingut leitende Kinder. Sie begannen im Jahr 2000 als erste Familie in Mamoiada ihre Weine in Flaschen zu füllen (bis vor 5 Jahren gab es ganze drei Weingüter, die nicht nur Fasswein verkauften, mittlerweile ist es ein gutes Dutzend). 

Einer der Meilensteine Sedilesus und auch der erste Cannonau, den ich jemals probierte (Prowein 2007) ist der Mamuthone. Seine Trauben stammen von unterschiedlichsten Weingärten rund um Mamoiada und werden für gewöhnlich Anfang Oktober unter der nicht mehr ganz so heißen Herbstsonne gelesen. Er wird für 12-15 Tage auf der Maische belassen, danach sanft abgepresst und in großen Holzfässern über ein Jahr gereift, ehe er ungefiltert und mit einer kleinen Menge SO2 versehen gefüllt wird.

Stil

Cannonau aus Mamoiada ist, wenn es um den Alkohol geht, eine zutiefst seriöse Angelegenheit. Unter 15 % Alkohol gibt es so gut wie keinen Wein, was ganz einfach damit zu tun hat, dass es in Mamoiada ab Mai tagsüber eigentlich immer heiß ist und Cannonau die Fähigkeit hat, Zucker entsprechend einzulagern. Macht man sich also über eine Flasche her, sollte man das möglichst nicht alleine tun. Dass das dann trotzdem großen Spaß machen kann, liegt daran, dass die Weingärten alle zwischen 500 und 800 Meter hoch liegen, die Nächte also frisch sind und Raum für kühle Noten und Säure im Wein lassen. Der Mamuthone ist also dicht, stoffig und intensiv. Die Frucht ist dunkel, mit süßen Gewürzen im Hintergrund, der Körper kraftvollund strukturiert, das Finish warm und weich. 

Daten & Fakten

Rebsorte: Cannonau Reberziehung: Alberello Ertrag: 5000 kg/ha Säure: 5,5 g/l Lese: Oktober Vergärung: spontan Ausbau: 12 Monate in 4000 l großen Holzfässern Filterung: nein Schwefel: < 50mg/l Alkohol: 14,5%

Hintergrund

Der Launegild ist einer der ungewöhnlichsten Weißweine Italiens. Gleichzeitig ist er auch einer der besten, aber dazu später. 

Das ungewöhnlichste am Launegild ist die Tatsache, dass die Rebsorte Chardonnay ist. Daraus werden in Italien zwar mehr Weine gekeltert als man glaubt, das meiste davon ist aber entweder eine anscheinend unumgängliche Begleiterscheinung zu einigen roten Supertuscans oder lieblos fabrizierte Supermarktware, bei der man auf die Zugkraft der Sorte und die Gleichgültigkeit der Konsumenten setzt. Die einzigen Chardonnays, die sich wirklich lohnen, stammen aus dem Aostatal, vor allem seid man dort zunehmend auf biologische Bewirtschaftung setzt. 

Der Launegild kommt dagegen aus den Abruzzen, eine – wie mir immer klarer wird – völlig unterschätzte Weinbauregion (wer sich diesbezüglich ein bisschen Eintrinken will, sollte die Weine von Cirelli, Praesidium, Emidio Pepe, Rabasco, Valentini und natürlich De Fermo probieren). 

De Fermos Chardonnay-Weingarten befindet sich in Loreto Aprutino auf halbem Weg zwischen der Adria und dem 2912 Meter hohen Gran Sasso, dem höchsten Berg zwischen den Alpen und dem Ätna. Gepflanzt wurde er erstaunlicherweise bereits 1926, also gut 50 Jahre bevor der Chardonnay-Boom die Sorte auch noch in die verstecktesten Winkel der Welt trug und zwar von einem Winzer, der ziemlich genau wusste, was er tat. Er setzte die Reben in einen von Kalk durchsetzten Hang – gut durchlüftet und beeinflusst von kühlen Fallwinden aus dem Gran Sasso Massiv finden sie dort einwandfreie Bedingungen vor.    

Der Umstand, dass man bei De Fermo seit nunmehr zehn Jahren biodynamisch arbeitet, ist mit Sicherheit ebenfalls kein Nachteil und folglich kommen Jahr für Jahr Trauben in den Keller, mit denen es Spaß macht Wein zu keltern. 

Stefano Papetti vergärt seinen Chardonnay spontan und füllt ihn danach in Tonneaux, wo er über die nächsten zwölf Monate in aller Ruhe sein Gleichgewicht findet. 

Stil

Salzig, steinig, dicht und druckvoll. Mineralisch. Blüten & gelbe Frucht. Konzentriert, stoffig und dabei immer elegant. Fließt ruhig aber direkt über den Gaumen. Öffnet sich zunehmend mit Luft. Wer einen Vorrat davon in den Keller legt, macht mit Sicherheit keinen Fehler.

Hintergrund

Nach all den Versuchen, Timorasso in allen möglichen Varianten wiederzugeben, war es naheliegend, dass Daniele Ricci auch irgendwann auf die Idee kommen würde, einen Wein in der Amphore zu vinifizieren. Die Trauben dafür stammen von den ältesten Rebstöcken der San Leto Weingärten. Einmal gelesen, werden sie entrappt und danach für 100 Tage in einer verschlossenen Tonamphore vergoren und gelagert. Danach wird abgepresst und weitergereift, wobei für die nächsten 12 Monate statt der Amphore Kastanienfässer als Behältnisse dienen. Mit dem Resultat absolut zufrieden, hat Daniele mittlerweile ein paar weitere Amphoren aus der toskanischen Töpferhochburg Impruneta geordert, was auch vermuten lässt, dass es demnächst ausschließlich in der Amphore ausgebaute Interpretationen geben wird.

Stil 

Eine schneidend-klares, kühl-präzises Zusammenspiel aus Kräutern, Frucht, Säure und Gerbstoff treibt den Wein an, gibt ihm feine Konturen, Ecken und Kanten und jede Menge Charakter. Die Textur ist kompakt und fordernd, der Körper straff und robust, das Finish profund, lang und mineralisch.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Timorasso
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: San Leto
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan | wilde Hefen in der Amphore
Ausbau: 100 Tage in der Amphore und 12 Monate in gebrauchten Kastanienfässern
Filtration: nein
SO:< 50mg/l
Verschluss: Naturkork
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: 2018 – 2030

Hintergrund

Vermentino ist die große weiße Sorte des westlichen Mittelmeers. Sie findet sich in der Provence, wo die Sorte Rolle heißt (und nichts mit der gleichnamigen ligurischen Sorte zu tun hat, die lange für Vermentino gehalten wurde, allerdings nichts mit ihm zu tun hat), auf Korsika, wo man sie unter dem Namen Malvasia Grosso vermarktet, auf Sardinien, wo sie in der Gallura DOCG-Status genießt und natürlich auch entlang der gesamten ligurischen und toskanischen Küste, wo einige ihre besten Beispiele gekeltert werden (allen voran Antonio Perrinos Testalonga Vermentino, Massavecchias Ariento und BioVio Pigato).

Beppe Ferruas Vermentinostöcke befinden sich ein wenig im Landesinneren, in den Hügeln nördlich von Lucca, einem der ruhigeren Landstriche der Toskana (wobei – abgesehen von den Städten – im Landesinneren der Toskana generell wenig los ist). Alles entscheidend für die Dynamik und das Temperament der besten Weine der Gegend ist das Zusammentreffen von zwei Klimaeinflüsse: mediterranen aus dem Westen und alpinen aus dem Norden, wo der Apennin auf nur wenigen Kilometern auf 2000 Meter ansteigt. Sie sorgen für ein fortwährendes Spannungsverhältnis zwischen warmer und kalter Luft, dass sich letztlich auch in den Weinen manifestiert. 

Der Vermentino der Fabbrica di San Martino wird von ein wenig Trebbiano und Malvasia unterstützt, spontan vergoren, in großen Holzfässern ausgebaut und ungefiltert gefüllt.

Stil

Dicht, animierend, mundfüllend. Zum Gaumen hin zunehmend druckvoll. Schlägt einen aromatischen Bogen von reifen Früchten über Honig hin zu Kräuternoten. Bekömmlich, saftig und dynamisch. 

Hintergrund

Alles an Carmignano ist alt. Oder um es besser zu sagen, alles ist, bis ins Detail, mit Geschichte aufgeladen. Selbst Cabernet Sauvignon, der in diesem Teil der Welt eigentlich nichts verloren hat, laut Rosella Bencini Tesi, der Besitzerin der Fattoria di Bacchereto allerdings auch schon seit 500 Jahren in der Gegend zu finden ist. Schuld daran hatte Caterina di Medici, die Tochter Lorenzo Magnificos, die nachdem sie Königin Frankreichs geworden war, ihre Leidenschaft für Cabernet Sauvignon entdeckte und meinte, dass man die Sorte gefälligst auch in die Peripherie von Florenz anpflanzen sollte – was dann in Carmignano auch schlagartig umgesetzt wurde.

200 später (aber 100 Jahre früher als in Frankreich und 287 Jahre früher als in Österreich), genauer im Jahr 1716 war es dann Cosimo III Medici, der Carmignano als eine von vier toskanischen Regionen unter Gebietsschutz stellte – das bedeutete, dass der Name Carmignano aufgrund der hohen Qualität der Weine nur dann verwendet werden durfte, wenn die Weine auch in der Region produziert worden waren.

Heute ist Carmignano etwas in Vergessenheit geraten und steht ganz eindeutig im Schatten der Chianti-Gebiete oder Montalcinos. Was allerdings nicht heißt, dass in seinen Kellern (und vor allem in dem der Fattoria di Bacchereto) nicht auch heute noch exzellente Weine entstehen. Warum auch nicht – die natürlichen Voraussetzungen sind schließlich die gleichen geblieben. Die Böden basieren auf Alberese, einem stark kalkhaltigem Gestein und das Klima ist den Sommer über warm und trocken und im Winter kalt und feucht. 

Rosella Bencini Tesis ganz einfach Carmignano getaufter Rotwein besteht zu 75% aus Sangiovese, 10% Canaiolo und 15% Cabernet Sauvignon. Die Bewirtschaftung der leicht abfallenden Hügelflächen ist biologisch. Vergoren werden die drei Sorten allesamt spontan jedoch separat, da sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausreifen. Der Ausbau erfolgt dann gemeinsam in großen Holzfässern, wo der Wein über die folgenden 18 Monate bleibt. Interveniert wird davor und danach so wenig wie möglich. Der Carmignano wird vor der Abfüllung nicht gefiltert, bekommt jedoch eine kleine Menge SO2 mit auf den Weg in die Flasche.

Stil

Kraftvoll, konzentriert und dicht. Eleganz spielt im Carmignano nur die zweite Geige. Die Tannine machen Dampf und auch die Säure trägt ihren Teil zur Struktur des Weins bei. Die Aromen schlagen Anfang einen fleischigen und animalischen Ton an, werden mit der Zeit aber etwas sanfter und fruchtiger. Fließt trotz seiner Kraft recht ruhig und ausgewogen über den Gaumen. Eignet sich definitiv dafür, für ein paar Jahre im Keller vergessen zu werden.

Daten & Fakten

  • Rebsorten: 75% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon, 10% Canaiolo
  • Rebalter: ca. 20 Jahre
  • Boden: Alberese (Kalkstein) & Mergel
  • Ertrag: 3300 kg/ha
  • Gärung: spontan/wilde Hefen in innen verglastem Zement
  • Ausbau: über 18 Monate in Holzfässern
  • Filterung: nein
  • SO2: < 70mg/l

In unseren Breiten wesentlich weniger bekannt als Frank Cornelissen ist Salvo Foti die eigentlich ikonische Gestalt in der Natur-Weinkultur des östlichen Siziliens. Er ist die treibende Kraft einer kleinen Winzertruppe, den sogenannten Vigneri (der Name ist einer sizilianischen Winzergilde des 15. Jahrhunderts entliehen), die unter seiner Ägide alte, in alberello erzogene Reben pflegen und daraus ganz fantastische Weine keltern. 

Ihr vielleicht spektakulärster Wein, der Vinidilice, stammt vom angeblich höchsten Weingarten Italiens, der sich auf 1300 Meter Seehöhe am Nordhang des Ätna befindet. Der Name des Weingartens heißt ganz einfach Bosco, was auf Deutsch Wald bedeutet. Genau in einem solchen befindet sich dann auch die 0,35 kleine Parzelle, deren wilddurchmischte Reben (Nerello Mascalese, Alicante, Minella Bianca, Minella Nera, Grecanico und Nerello Capuccio) zwischen 100 und 200 Jahre alt sind. Die Pflanzdichte ist mit 10000 Stöcken so hoch wie quasi nirgendwo sonst in Italien. Die Bewirtschaftung ist ausnahmslos per Hand , wobei ihnen für gröbere Bodenarbeiten auch noch Ciccio, ihr Esel, zur Seite steht.

Der Boden besteht aus vulkanischer Asche und Sand. Mindestens so wichtig wie die geologischen Verhältnisse ist allerdings das Klima, das tagsüber ordentlich heiß werden kann, nachts aber auch ordentlich kalt. Die vitikulturelle Arbeit verläuft ohne Chemikalien (kein KUPFER!) und als logische Konsequenz verzichten Foti und seine Kumpel auch im Keller auf Chemikalien jeder Art.

Resultat ist einer der großartigsten Rosato, die sich auf diesem Planeten finden (in ganz seltenen Fällen machen die Vigneri daraus auch noch einen umwerfenden Spumante). Mineralisch, lebendig, temperamentvoll, Steine, ein bisschen rote Frucht, druckvoll und kühl, tief und lang. 

Daten & Fakten

  • Rebsorten: Alicante, Grecanico, Minnella bianco, Minella nera, Nerello cappuccio & Nerello mascalese
  • Rebalter: zwischen 100 und 200 Jahren
  • Weingarten: Bosco, 0,35 ha, auf 1300 Meter Höhe
  • Boden: vulkanische Asche & Sand
  • Rebstockdichte:10.000 Stöcke/Hektar –
  • Reberziehung: Alberello 
  • Ertrag: 2000 kg/ha
  • Gärung: spontan/wilde Hefen
  • Ausbau: in Glas
  • Filterung: nein
  • SO2: ungeschwefelt

Hintergrund

Der Derthona ist der Einstieg in Danieles Weißweinwelt. Derthona ist der alte Name für Tortona, dem Hauptort der Colli Tortonesi, die eine Brücke zwischen dem Südpiemont und der Lombardei schlagen. Costo Vescovato, wo Daniele seine Weingärten besitzt, ist von einer leicht hügeligen Topographie mit mittelsteilen Hängen geprägt, die vor allem auf Mergel und Pelit (Tonstein) basieren. Das Klima zeichnet sich durch kalte Winter, nicht wenig Regen und eine gute Thermik aus. Das alles beeinflusst auf die eine oder andere Art den Timorasso, eine notorisch komplizierte Sorte, die vor der Reblaus die wichtigste weiße Sorte des Piemonts war. Aufgrund ihrer unzuverlässigen Erträge, den asynchronen Reifezeiten der Beeren und ihrer Verrieselungs- und Botrytisanfälligkeit wäre sie allerdings beinahe vom Erdboden verschwunden. Heute erfreut sich Timorasso einer erstaunlichen Renaissance. Die daraus gekelterten Weißweine sind fordernd, mineralisch, anspruchsvoll, vielschichtig und langlebig.

Danieles Basisversion stammt von einem 1995 gepflanzten, 1,5 Hektar großen Weingarten, den er für gewöhnlich Mitte September liest und spontan in einem Edelstahltank vergärt und lagert. Die Mazerationszeit beträgt drei Tage, wobei die Traubenhäute des Timorasso sehr dünn sind und folglich nur marginale und sehr feine Gerbstoffe in den Wein abgeben. Der Ausbau dauert, je nach Jahrgang, 12-22 Monate.

Stil 

Vibrierend, lebendig und aufgrund des langen Hefekontakts auch fein-cremig. Zitrusnoten werden von kräuterigen und steinigen Aromen begleitet. Elegant und straff. Der Gerbstoff strukturiert und zeichnet für die lineare Ausrichtung zum Gaumen hin verantwortlich. Das Finish ist kühl, lebhaft und animierend.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Timorasso
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: verschiedene Terrassen rund um Costo Vescovato
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan | wilde Hefen im Stahltank
Ausbau: 18 Monate auf der Hefe im Stahltank
Filtration: nein
SO:< 50mg/l
Alkoholgehalt:  % vol
Verschluss: Naturkork
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort– 2025

C——–L: Der Strich zwischen C und L am Etikett des Weines ist kein sinnfreier Kunstgriff eines gelangweilten Winzers. Er dient vielmehr dazu den Namen der Riede CAMPILL zu verbergen, der Hauslage des Weinguts Pranzegg, die sich seit Generationen im Besitz der Familie von Martin Gojer befindet – und deren Namen er seit einiger Zeit nicht mehr auf sein Etikett drucken darf.

Anlässlich der Neubewertung der Südtiroler Lagen vor einigen Jahren ist das erstaunlicherweise nur mehr dann erlaubt, wenn sich in einem Wein der Lage Campill (oder Kampill – je nach Schreibart) auch Cabernet Sauvignon (!) befindet. Ein Platzhirsch in der Südtiroler Weinwelt hat die Lage für ein paar Auspflanzungen der alten Bordelaiser Sorte auserkoren und die Spezialisten der Regulierungsbehörde anscheinend auch noch davon überzeugt, dass die Riede ohne sie ihren Charakter und ihre Identität verlieren würde.

Martin Gojer dagegen hat dort 50 Jahre alte Rebstöcke der klassischen Südtiroler Sorte Vernatsch (ital. Schiava) stehen – und keltert daraus, nicht nur unserer Meinung nach, einen der besten Rotweine des ganzen Landes.

Der Strich ist also auch ein Kommentar.

Die Campill ist eine Steillage, die vor allem auf Porphyr und darüberliegenden sandigen Verwitterungsböden basiert. Sie ist nach Norden exponiert, ein Umstand, der sich in einer leicht verzögerten Reife der Trauben positiv bemerkbar macht. Der darin wurzelnde Vernatsch ist mittlerweile 50 Jahre alt, wobei man eigentlich im Plural von der Sorte sprechen müsste, da sie eigentlich eine Rebsortenfamilie mit mehreren, teils recht unterschiedlichen Mitgliedern repräsentiert: Martin Goyers C——–L beispielsweise besteht aus Rotvernatsch (Schiava Gentile) und Grauvernatsch (Schiava Grigia), zwei Rebsorten, die nicht nur unterschiedlich ausschauen, sondern auch unterschiedlich schmecken.

Er liest und vergärt sie allerdings gemeinsam. Nach sechswöchiger Mazeration wird der C——–L in gebrauchte ovale und konische Holzfässer umgezogen und dort für 10 Monate gereift, ehe er im darauffolgenden Jahr in Zementbottichen und Holzfässern sein finales Gleichgewicht findet.

Stil

Vernatsch ist eine tolle Sorte und der C——–L seine vermutlich beste Interpretation. Leicht, agil und subtil ist er doch gleichzeitig tief, dicht und vielschichtig. Rote Beeren und Blütennoten bestimmen das Aromaprofil. Eine feine Säure bündelt eine weiche und warme Struktur und führt den Wein ohne Umwege zum Gaumen. Wer Parallelen mit Pinot Noir feststellt, liegt nicht falsch.

Datenblatt

Rebsorte: Rotvernatsch (Schiava Gentile) und Schiava Grigio (Grauvernatsch)
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Campill, eine sich nach Nordwesten exponierende Lage auf ca. 400 Metern,
Vergärung: spontan | wilde Hefen, 6-wöchige Mazeration
Ausbau: 10 Monate in ovalen und konischen Holzfässern, danach für weitere 12 Monate in Eiche oder Zement
Filtration: nein
SO:< 50 mg/l
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

HINTERGRUND

Mit dem Giallo di Costa lotet Daniele Ricci aus, was mit Timorasso alles möglich ist. Drei Monate lang mazeriert er den Wein und holt dabei alles an Gerbstoffen, Säuren, Extrakten und Aromen aus den Schalen, was sich das Jahr über darin eingelagert hat. Neben der Gesundheit der Beeren spielt der Lesezeitpunkt naheliegenderweise eine entscheidende Rolle, da sämtliche Komponenten reif sein und sich im Gleichgewicht befinden sollten.

Dass sich der Giallo di Costa dennoch mehr über Eleganz als über Kraft definiert, liegt zum einen an der Erfahrung und Handwerkskunst Danieles, zum anderen aber auch daran, dass Timorassobeeren nur von einer äußerst dünnen Schale ummantelt sind. Das macht die Trauben zwar zu einem prädestinierten Opfer für Pilzkrankheiten, weshalb es den Giallo di Costa auch nicht jedes Jahr gibt; in goldenen Jahren allerdings entsteht so ein Wein, der mit subtilem Gerbstoff, druckvoller Säure und präzisen Aromen punktet und ein fantastisches Beispiel dafür bietet, wie subtil sich auch lange auf der Maische vergorene Weine präsentieren können. Ausgebaut wird der Giallo di Costa – wie schon der San Leto Blu – über ein gutes Jahr in gebrauchten Akazienfässern und danach für weitere zwei Jahre in der Flasche.

STIL & AROMEN

Ich weiß zwar nicht, ob sich Giallo di Costa, das Gelb der Küste, auf die Farbe des Weins bezieht, passen würden es freilich allemal. Gelb sind auch einige der Aromen – Grapefruit und Kamille beispielsweise – doch tut sich hier ein Bogen auf, der auch noch andere Farben inkludiert: weiß (Salz) und grün (Oregano) beispielsweise, orange (Marille) und braun (Nüsse, Karamell). Eingebettet ist das alles in einen dynamischen und kompakten Körper, dessen Rückgrat eine lebhafte Säure und feine Tanninstruktur bildet. Hat Potenzial für die nächsten 20 Jahre.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Timorasso
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten:
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan| wilde Hefen, 100tägige Mazeration ohne Unterstoßen der Trauben
Ausbau: 1 Jahre in gebrauchten Akazienfässern, 2 Jahre in der Flasche
Filtration: nein
SO:< 50mg/l

Oktober und November sind zwei Monate, in denen eine Verkostung die nächste jagt. Die erste fand am letzten Wochenende im Castello di Levizzano statt und war, anders als die meisten, die noch folgen werden, ausgesprochen entspannt. Grund dafür war vor allem die Auswahl der Winzer, die kaum bekannt, nicht allzu viele Besucher anlockten. Zwar befand sich mit Lino Maga (bzw. seinem Biographen, der für den betagten und zu Hause gebliebenen Winzer die Weine ausschenkte), dem Schöpfer des Barbacarlo, einem der großen Rotweine Italiens, auch ein zugegebenermaßen eher Insidern bekanntes Zugpferd unter den teilnehmenden Winzern, generell war der Bekanntheitsgrad aber eher gering. Das Niveau allerdings war es nicht.

Das lag unter anderem an einer Truppe junger Winzer aus dem Valtellina, die das bestätigte, was die Weine von Ar.Pe.Pe, dem besten Produzenten der Region (und einem der besten Italiens) seit Jahren ohnehin nahelegen – dass die Nebbiolos des Valtellina (die man im Valtellina übrigens Chiavennasca nennt) eine kühle aber profunde Alternative zu jenen des Piemonts darstellen. Sympathisch ist dabei, dass es auch eine, unter dem Namen Rosso di Valtellina gekelterte Einstiegsvariante gibt, die zeigt, dass Nebbiolo auch als leichter Wein mit subtilen Aromen bestens funktioniert. Die länger ausgebauten Weine waren quasi durch die Bank druckvoll, saftig, vielschichtig und elegant. Um sich und ihren Weinen mehr Gewicht zu verleihen, haben sich insgesamt acht Winzer aus unterschiedlichsten Orten der Region zu der Gruppe Veltliner („den Namen haben uns die Österreicher geklaut“) zusammengeschlossen – nähere Portraits einzelner Winzer folgen mit Sicherheit. Bis es soweit ist, lohnt es sich allemal die Namen der anwesenden Winzer zu erwähnen: Barbacàn, Boffalora (beide exzellent), Pizzo Coca, Franzina, Terra Alta und Fondo Bozzole.

Bestätigt wurde im Castello auch die Vermutung, dass Croatina eine ganz fantastische Rebsorte ist. Bisher kannte ich die Sorte reinsortig ausgebaut nur von Walter Massa, dem Castello di Stefanago und Daniele Ricci, über dessen beiden Interpretationen, Elso und El Matt, es auch zwei ausführlichere Beschreibungen gibt. Hinzu kamen nun der brillante  OPPure von Stefano Milanesi, einem Winzer aus dem Oltrepo Pavese, dessen komplette Kollektion (mit Ausnahme eines recht ausladenden Pinot Nero) schwer beeindruckend ist und der Croatina von der Cantina del Castello Conti, einem Weingut aus Boca im nördlichen Piemont – auch hier lohnt sich der ganze Rest, inklusive einer Cuvée aus 14 unterschiedlichen Rebsorten, die seit Jahrzehnten wild verstreut in den Weingärten des Castello wachsen und gemeinsam gelesen und vinifiziert werden.

Die Cantina del Castello Conti ist auch Teil des I AM AGRICOLO-Projekts, dem acht kleine Weingüter rund um Biella angehören – Fabio Zambolin, Andrea Manfrinati, Vino del Sorriso, Massimo Pastoris, La Riviera, Madonna dell’Uva und die Azienda Agricola Ilaria Salvetti – letztere wiederum widmet sich ausschließlich der Erbaluce, einer ziemlich in Vergessenheit geratenen Rebsorte, die aufgrund ihrer intensiven Säure und zurückhaltenden und feinen Aromatik seit jeher vor allem zu Süßwein verarbeitet wird. Nachdem Süßwein (und mag er noch so gut sein) zurzeit ungefähr so populär ist wie ein Dieselmotor in deutschen Innenstädten macht Ilaria Salvetti mittlerweile auch einen exzellenten Schaumwein (metodo classico) und einen Stillwein, den sie allerdings nicht mit im Gepäck hatte.

Einen Schaumwein gab es auch am Stand der Tenuta Montagnani, die im Jahr 2014 gegründet, ihre ersten Weine präsentierte. Nachdem das Weingut seine Heimat in San Gimigniano hat, gab es naheliegenderweise und ausschließlich Vernaccia. Der schmeckt durch die Bank gut, der Frammenti, eine in Zement ausgebaute, druckvolle und vitale Version auch noch besser. Wer in die Gegend kommt (und die Wahrscheinlichkeit ist größer als bei den oben genannten Orten) kann ruhigen Gewissens dort vorbeischauen.

Rote Bastionen finden sich in Italien seit den Tagen, als die Griechen in Kalabrien den Krimisa kelterten, ihn über das Ionische Meer schipperten und ihn, u. a. ihren Olympiasiegern als Geschenk überreichten. In der Zwischenzeit gibt es hunderte rote Hochburgen, teils mit internationaler Reputation (Barolo, Montalcino & Co) teils mit immerhin lokaler Bedeutung (Vulture, Ovada, Dogliani, Conerò etc.). Es gibt aber auch orange Epizentren (allen voran der Karst und der Collio im Norden und die Colli Piacentini weiter im Süden), sprudelnde (Prosecco, Franciacorta, Lambrusco) süße (Marsala, Valpolicella, Gambellara) und sogar rosafarbene (Abruzzen).

Im Verhältnis dazu, tut man sich WEISS vergleichsweise schwer. Orte, mit dem Renommee von Barolo & Co. sucht man vergebens. Potenzial wäre freilich vorhanden und gelegentlich dürfte das auch ausgeschöpft worden sein. Im Soave beispielsweise, wo man bis in die fünfziger Jahre große Weine gekeltert haben dürfte, ehe die Industrie übernahm und den Qualitätsgedanken durch biedere Profitgedanken ersetzte. Vor ca. 20 Jahren setzte glücklicherweise wieder ein Umdenken ein, dass allerdings noch zu Ende gedacht werden muss.

Gelegentlich muss man aber erst anfangen, den natürlichen Voraussetzungen vollends gerecht zu werden. Im Aostatal beispielsweise finden sich Bedingungen, die besser kaum sein könnten – kühles Klima, spannende oft autochthone Sorten, ideale Böden und Exposition – doch nur im seltensten Falle die Bereitschaft, auf die chemischen Optionen im Weingarten und die invasiven Manipulationen im Keller zu verzichten. Besser spät als nie schlagen erste Winzer in Italiens kleinster Provinz jedoch seit kurzem neue, nachhaltigere Wege ein.

Der Collio, das Eisacktal, die Gegend rund um Avellino – die Liste mit potenziell großen Terroirs ließe sich über Seiten hinweg fortsetzen (das es potenziell große Terroirs sind, beweisen auch immer wieder einzelne Winzer). Ganz hoch oben auf dieser Liste sollte auch ein Ort stehen, der in der Weinwelt noch immer fast unbekannt ist. Cupramontana liegt 30 Kilometer westlich von Ancona, im Herz der Marken. Verdicchio – von vielen Ampelographen und Kritikern als beste weiße Rebsorte Italiens ausgemacht – gibt hier den Ton an, Kalk bildet die geologische Basis. Corrado Dottori von La Distesa der mit dem Gli Eremi den bis heute besten Wein der Gegend und einen der besten Italiens produziert, meinte einmal das Cupramontana das Chablis Italiens sein könnte (will man das?), wenn… ja wenn… man das Potenzial auch wirklich ausschöpfen würde. In seinem Schatten haben sich nun einige Winzer darangemacht, Corrados Hypothese in die Tat umzusetzen. La Marca di San Michele keltert mit den Passolento und dem Capovolto zwei Versionen, die sowohl der Sorte wie auch der Umgebung gerecht werden. Di Giulia produziert mit dem Grottesco und dem Gentile ebenfalls zwei Weine, mit denen man Spaß haben, sich aber auch längere Zeit beschäftigen kann.

Seit kurzem gesellt sich zu diesem Trio auch noch Ca’liptra dazu, ein kleines Weingut, das sich aus Giovanni Loberto, Roberto Alfieri, Agostino Pisani und Antonella Traspadini zusammensetzt, einem Quartett, das in verschiedensten Funktionen bei anderen Winzern (Dottori, Pievalta, Colonnara) gesehen hat, wie man gute und exzellente Weine macht. Mit dem Kypra keltert man nun seit ein paar Jahren einen Wein, der einen Grund mehr liefert, Cupramontana in der Hierarchie italienischer Weißweinzonen hoch oben anzusiedeln. Die Basis bilden 40jährige Verdicchioreben und der schon erwähnte Kalksockel, durch den sich zudem ein paar Gipsadern ziehen. Die Exposition weist nach Osten. Da man sich genau über dem Cesola, einem unweit von Copramontana entspingendem Wildbach befindet, verfügt man zudem über ein – speziell im Sommer – regulierendes Mikroklima. Im Weingarten wird konsequent biologisch gearbeitet, im Keller setzt man anfangs auf wilde Hefen und verzichtet auf eventuelle Gärhilfen. Ausgebaut wird über 9 Monate in Zement, danach wird gefiltert, geschwefelt und gefüllt.

Das Resultat ist kühl, präzis und animierend. Die Aromen decken, wie so oft bei gutem Verdicchio, vor allem das florale und gelbfruchtige Spektrum ab. Die Säure packt zu und sorgt für Spannung, Vitalität und Zug. Die Textur ist saftig und kompakt. Der pH liegt bei 3,2, die Säure bei 6,5‰ der Alkohol bei 13,5 und was sich analytisch recht ausbalanciert liest, sorgt auch sensorisch für Ausgewogenheit. Ein paar Jahre Flaschenreife tun mit Sicherheit gut.

Autozertifikation Kypra: angefertigt von Ca’liptra für die (brillante) mailändische Organisation La Terra Trema 

Jahrgang: 2015

Weingarten

Name des Weingartens: Vigna Bassa
Boden: Kalk-Gips
Exposition: süd-ost
Höhe: 350-250 Meter.

Rebsorte: Verdicchio
Unterlagsrebe:
Erziehungssystem: doppelter Guyot
Mittleres Rebstockalter: 40 Jahre
Pflanzdichte (Reben/ha): 3500
Ertrag pro Rebstock (kg/pianta): 1,2
Hektarertrag (kg/ha): 5000

Behandlungen (Art und Häufigkeit): Schwefel und Kupfer – mit einem Abstand von ein bis zwei Wochen zwischen den Spritzungen (abhängig von den Niederschlägen)
Dünger: kein Dünger
Lesebeginn: 2. September
Art der Lese: manuell, in 15 kg Kisten
Zukauf von anderen Winzern: nein
Zertifizierung (biologisch, biodynamsich): nein
Zusätzliche Informationen: In Umstellung auf biologische Bewirtschaftung

Önologie

Rebeln: mit kleinem Rebler
Presse: hydraulische Presse
Vergoren in: Zement
Mazeration: keine Mazeration
Sulfite (Menge und Zeitpunkt der Zugabe): vor der Füllung. 60 mg\L Gesamt SO2 
Verwendung von Reinzuchthefen: nein
Methoden zur Stabilisierung des Weins: keine
Filter (wenn ja, welche): ja, Karton
Klärung (wenn ja, wie): mit Bentonit

Ausbau in Zement (Dauer): 9 Monate
Weitere Flaschenreife: 2 Monate
eventuelle Korrekturen: nein

Verhältnis Trauben/Wein (%): 50%

Produzierte Flaschen: 5000
Flaschentyp: Burgund
Verschluss: Kork

Verwendung der Trester: werden im Weingarten ausgebracht

Chemische Charakteristika

Alkohol: 13,5 % 
Säure (g/l): 6,5
Ph: 3,2
Freier Schwefel (mg/l bei der Füllung): 15
Gesamtschwefel (mg/l bei der Füllung): 60 mg/L

Bologna ist nicht nur eine fantastische Stadt, sie hat auch italienweit die Größte Dichte an exzellenten Weinbars.

Bologna: Il Pollaio Vineria Punk
Bologna: Enoteca Faccioli (fantastische Weinkarte)
Bologna: Medulla Vini (die perfekte Alternative)
Bologna: Cantina Castelluccio (ebenfalls eine spannende Liste – Weinhandlung)
Bologna: SaraVino (Weinbar – auf der Karte finden sich u.a. Marco Merli & La Visciola, kleine Winzer mit großen Weinen); Via Belvedere 11/c
Bologna: Vineria Favalli, üppiges und sehr gutes Weinsortiment, Weinbar, Via Santo Stefano, 5A
Bologna: Divinis (Weinbar – inkl. Küche)
Bologna: Camera a Sud (sehr nett, gute Weine, nettes Ambiente, inkl. Küche
Bologna: Giro di Vite (spannende Weinkarte, inkl. Küche)
Bologna: Enoteca Italiana (Via Marsala 2 – immenses Sortiment, tagsüber gute Snack, brillanter Kaffee)
Bologna: Ai Vini Scelti (Weinhandlung & Weinbar… exzellente & große Auswahl); Via Andrea Costa 36/B
Bologna: Enoteca Zampa (ebenfalls einen Besuch wert)
Bologna: Fermento, Via Luigi Serra 11c, exzellentes Weinsortiment, spannende Biere, emilianische Salumi – mehr braucht es nicht
Bologna: Enoteca L’Ortica (klein, sehr nett, gute Wein & Bierauswahl)

Hintergrund

Das Chianti ist eine heikle Zone. Zum einen gibt es da das offizielle Chianti, dem in den letzten Jahren wenig eingefallen ist, um die etwas angeschlagene Reputation ihrer Regionen (das Classico und die sieben, an das Kerngebiet angrenzenden Zonen) zu verbessern. Zum anderen aber verfügt das Chianti über ein tausende Jahr alte Geschichte, die belegt, dass sich nur wenig Gegenden in Italien derart für die Produktion exzellenter Weine eignen wie jene zwischen Florenz und Siena und rund um die beiden Städte herum. Nun kann man sich dieser langen Historie verweigern, Merlot und Cabernet in die Weingärten setzen und die Keller aufrüsten, um damit mit einem international kompatiblen Stil in den unzähligen Exportmärkten der Welt zu punkten. Oder aber, man kann sich mit der Geschichte des Chiantis auseinandersetzen und sich überlegen, warum die Gegend immer wieder im Mittelpunkt vinophilen Interesses stand.

Lucia Bozzano tat letzteres. Die junge Önologin, die nach Jahren in Montalcino vor einigen Jahren das elterliche Weingut nahe Asciano, südöstlich von Siena übernahm, stand gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit vor der Aufgabe einen brachliegenden Weingarten neu zu bestocken. Sie beschloss, neben den in der Gegend omnipräsenten Sangiovese, auch ein paar Reihen Fogliatonda auszusetzen. Die alte Sorte war lange Zeit quasi vergessen, erfährt allerdings seit kurzem eine kleine Renaissance. Sie reift etwa zur gleichen Zeit wie Sangiovese, hat aber im Gegensatz zu ihr eine etwas mildere Säure und weichere Tannine und ergänzt die große Sorte der Toskana ideal.

Lucia liest die Trauben für den Chianti A Vento e Sole für gewöhnlich im frühen Oktober, vergärt sie spontan und presst sie nach 10 Tagen ab, um vor allem die feine und elegante Seite der beiden Sorten in den Mittelpunkt zu stellen. Danach ruht der Wein für 18 Monate im Stahltank. Ungefiltert abgefüllt reift er daraufhin für ein weiteres halbes Jahr in der Flasche weiter.

Stil

Ich kenne keinen anderen Basischianti, der so viel Eleganz, Finesse und aromatische Vielfalt in sich birgt und sich nebenbei so ausgewogen und einladend präsentiert. Er vereint frische rote Frucht und intensive Blütennoten mit einer saftigen und kühlen Textur. Er ist lang und geradlinig und hat wesentlich mehr Potenzial als man es von Einstiegsweinen gewohnt ist.

Datenblatt

Rebsorte: Sangiovese 90% & Fogliatonda 10%
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Auf ca. 400 Metern. Die Reben wurzeln in Tuffstein und Ton. Der Weingarten schaut in die Morgensonne.
Lese: Per Hand in 15 kg Kisten. Ca. 5000 kg/ha
Vergärung: spontan | wilde Hefen
Ausbau: Im Stahltank
Filtration: ja
SO
: < 50 mg
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2026

Lucia Bozzano steht paradigmatisch für eine junge Winzergeneration, die der gerne ignorierten Zone zwischen Chianti Classico und Montalcino mit immer besseren Weinen neues Leben einhaucht. Lucia studierte erst Weinbau und Önologie in Mailand und vertiefte danach ihre Kenntnisse in Montalcino, wo sie für einige Jahre arbeitete. Nebenbei begann sie, gemeinsam mit ihrem Partner Fabio Romegialli (ebenfalls ein Önologe, der in seinem mikroskopischen Weingut Monte Isi, einen exzellenten Sangiovese-Schaumwein produziert) die drei Hektar Weingärten zu bewirtschaften, die sich auf gut 500 Metern rund um den Agriturismo ihrer Eltern befinden.

MARIENKÄFER vs. BLATTLÄUSE

Vor wenigen Jahren entschied sie sich, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich ausschließlich um ihre eigenen Reben zu kümmern, ein Schritt, der gleichsam auch einen qualitativen Sprung bedeutete. Von Anfang an konsequent biologisch arbeitend, konnte sie sich nun auch auf die Details und die individuelle Pflege der einzelnen Reben fokussieren. Sie veränderte den Rebschnitt, belebte die Böden mit unterschiedlichsten Einsaaten und ließ in kürzester Zeit neue Lebenswelten für die darin lebenden Insekten und andere Kleinsttiere entstehen (mit der erfreulichen Konsequenz, dass seit einiger Zeit Marienkäfer marodierenden Blattläusen den Garaus machen).

Gleichzeitig hielt sie Ausschau nach alten Weingärten, die sie pachten oder kaufen konnte und stockte in den Folgejahren ihre Rebfläche sukzessive auf 8,5 Hektar auf. Darin wurzeln größtenteils Sangiovesereben, die fast allesamt in den 1970er Jahren gepflanzt wurden, flankiert von Canaiolo und Trebbiano. Einen Weingarten pflanzte sie neu aus, wobei sie neben etwas mehr Sangiovese, die alte aber extrem spannende Sorte Fogliatonda setzte, die nun ihren Basischianti (einen der besten, den ich kenne) aufpeppt.

DER WEG IST DAS ZIEL

Lucia und Fabio wissen zwar ganz genau, wohin der Weg führen soll, sie gehen ihn allerdings langsam. Deutlich wird das vor allem in ihrer Kellerarbeit. Sie üben Jahr für Jahr etwas mehr Verzicht und beobachten wie sich die Weine ohne Eingriffe und Zugaben entwickeln. Seit einigen Jahren vertrauen sie ausschließlich auf die wilden Hefen ihrer Umgebung, schwefeln ihren Most nicht mehr, schönen nicht und filtern nur noch ihren Weißwein. Das Resultat sind Weine, die vital und dynamisch, gehaltvoll und doch geradlinig immer mehr den Ideen der beiden entsprechen und neben ihrer persönlichen Handschrift auch die Essenz ihrer Umgebung immer deutlicher wiedergeben.

Zur Zeit keltert man in der Podere Alberese vier Weine: mit dem Jahrgang 2017 gab es erstmals einen nach der metodo ancestrale gekelterten Frizzante aus Trebbiano und Malvasia. Quicklebendig, straff und aromatisch erstaunlich vielschicht verdeutlicht er, dass man viel öfter zu Schaumweinen greifen sollte, auf denen nicht Prosecco draufsteht. Der Aprilante ist ein klassischer Weißwein aus Trebbiano, der dank einer sehr sanften und langsamen Pressung auch ein paar strukturierende Tannine in seine saftige und sehr direkte Textur integriert. Kräuter, Salz und Tonic (dem Kalk geschuldet?) prägen das Aromaprofil. Der beste Wein der Podere Alberese ist derzeit ihr Chianti A Vento il Sole (2015), der ausgeglichen und unbeschwert feine rote Frucht in einen ätherischen aber doch profunden Körper bettet (und für € 10 ab Hof viel zu billig ist). Etwas müde wirkt dagegen die Chianti Riserva 2012 – wobei ich felsenfest davon überzeugt bin, dass die, sich noch im Fass oder in der Flaschenreifephase befindlichen Interpretationen zunehmend von der immer persönlicheren Herangehensweise der beiden profitieren werden.

Podere Alberese di Bozzano Lucia
Loc. Casabianca – 53041 Asciano (SI)
Tel. +39 0577 705089 oder 0577 704572
info@poderealberese.it
www.poderealberese.it

WEINE

Aprilante
Chianti A Vento e Sole
Chianti Podere Alberese Riserva

Die Weine kosten zwischen € 10 und € 17 (Stand 2018). Leider sind sie, meines Wissens, derzeit nur in Italien erhältlich.

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Sangiovese, Fogliatonda, Canaiolo, Malvasia, Trebbiano
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Hintergrund

Daniele Ricci meinte einmal, dass es besser sei, Timorasso-Weingärten möglichst alleine zu bearbeiten. Die Sorte ist derartig kompliziert in der Bewirtschaftung, dass Erfahrung und das Wissen um die individuellen Eigenheiten der Rebstöcke guttun. Heute hilft ihm meistens sein diesbezüglich bestens geschulter Sohn Mattia, ansonsten aber ist die Pflege der knapp 30000 Timorassostöcke vorwiegend Chefsache. Daniele kennt Timorasso wie kaum ein anderer, weiß um ihre extreme Wüchsigkeit und Fertilität und ihre Botrytisanfälligkeit. Er kennt aber auch Antworten auf diese Herausforderungen und die lassen sich Jahr für Jahr auch im San Leto Blu nachvollziehen.

Die Trauben für den San Leto Blu stammen aus einem, in den späten 80er Jahren bestockten Weingarten. Sie werden spät gelesen und über drei Tage mazeriert, wobei der Tresterhut nie durchbrochen wird, um nicht zu viele Gerbstoffe auszulaugen. Einmal abgepresst, wird der Wein in Akazienfässer umgezogen, wo er für ein Jahr weiterreift, ehe er unfiltriert abgefüllt für zwei weitere Jahre in der Flasche seine endgültige Form findet.

Stil

Vielschichtiges und harmonisches Aromaprofil. Lebhafte aber nie aufdringliche Säure kontert einem mürben und feingliedrigen Gerbstoff. Die Textur ist cremig, saftig und weich (ein Freund meinte einmal, dass ihn der San Leto an elsässische Rieslinge denken ließe, wobei unserer Ansicht nach Danieles Wein direkter und stringenter ist). Lang, kompakt und fokussiert, prägen ihn im Abgang gelber Frucht, Steine und Kräuter.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Timorasso
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: San Leto
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan| wilde Hefen, dreitägige Mazeration ohne Unterstoßen der Trauben
Ausbau: 1 Jahre in gebrauchten Akazienfässern, 2 Jahre in der Flasche
Filtration: nein
SO:< 50mg/l
Alkoholgehalt:  % vol
Verschluss: Naturkork
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: 2018 – 2028

Hintergrund

Im Granato lotet Elisabetta Foradori aus, was Teroldego im Campo Rotaliano zu leisten imstande ist. Der Wein ist ein Gegenentwurf zu ihren eigenen Einzellageninterpretationen Morei und Sgarzon, wo sie dezidiert und detailliert die Vorgaben des Terroirs offenzulegen versucht. Im Granato dagegen räumt sie der Rebsorte mehr Raum ein – und warum auch nicht: Teroldego (das Gold Tirols?) ist wie kaum eine andere Sorte in der Weinbaugeschichte des Trentinos und des angrenzenden Südtirols verankert, aus dem sie heute leider fast verschwunden ist. Dokumente belegen ihre Existenz bereits im 14. Jahrhunderte und DNA-Analysen verweisen auf eine nahe Verwandtschaft mit Syrah, wobei Teroldego die ältere der beiden Sorten ist.

Das Alter der Rebsorte erklärt auch die Tatsache, warum sie sich im Laufe der Jahrhunderte über ganz Italien und bis nach Sizilien verbreitete, wobei sie im Rest der Halbinsel dank ihrer dunklen Farbe und dichten Textur meist Cuvées farblose, anämische Weine aufpeppte.

Dem ganzen Potenzial der Sorte auf den Grund zu gehen, blieb letztlich der großen Winzerin aus Mezzolombardo überlassen. Und sie tat das so überzeugend, dass in ihrem Schatten nicht nur im Trentino eine Renaissance der Sorte stattfand, sondern selbst kalifornische und australische Winzer begannen, ihre Weingärten mit Teroldego zu bestocken.

Der Granato entsteht aus Trauben von 70 Jahre alten Reben, die in den Schwemmlandböden des Campo Rotaliano Wurzeln geschlagen haben. Die Bewirtschaftung der Rebflächen ist seit gut einem Jahrzehnt biodynamisch, die Pflege der Rebstöcke quasi ausschließlich per Hand.

Vergoren wird der Granato spontan in Zementbottichen, der Ausbau danach erfolgt über 15 Monate in 20-40 Hektolitern großen Akazienfässern.

Stil

Gehaltvoll, intensiv, ausdrucksstark – was dem Granato im Vergleich zu den beiden Einzellagenversionen Morei und Sgarzon an Finesse fehlen mag, kompensiert er durch Dynamik und Kraft. Stoffig und engmaschig räumt er rotbeerigen und kräuterigen Aromen Platz ein, die man gemeinhin mit der Sorte identifiziert. Ist trotz seiner Power und Energie elegant. Punktet am Ende mit Druck, Länge und Lebendigkeit.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Teroldego
Bewirtschaftungsart: biodynamisch
Weingarten: 70-Jahre alte Weinreben am Campo Rotaliano
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan| wilde Hefen, Mazeration über einen Monat
Ausbau: 15 Monate in 20-40 hl großen Akazienfässern
Filtration: nein
SO₂:< 50mg/l
Alkoholgehalt:  12,5 % vol.
Verschluss: Naturkork
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: 2020 – 2035

Miau!
Ah, italienische Katze. Miao.
Ciao, deutsche Katze.
Ein Kätzchenwein?
Schon auch.
Besser als ein Gänsewein.
Oder ein Machowein.
Oder ein Mädchenwein.
Oder ein Oligarchenwein.
Oder ein postmoderner Wein.
Also ein Kätzchenwein. Allerdings mit Tradition. Martin Gojers „Miau!“ ist ein nach der metodo ancestrale vergorener Rosato frizzante. Die metodo ancestrale ist derzeit unter dem Namen Pét-Nat (kurz für pétillant naturel) in aller Munde aber eigentlich eine alte Methode der Schaumweinherstellung.

Martin Gojer verwendet dafür die Trauben 50-Jahre alter Vernatschreben, die er eineinhalb Tage lang mazeriert und in Stahltanks bis zu einem natürlichen Restzuckergehalt von 14 g vergärt. Danach füllt er den Wein in Flaschen ab, wo eine Zweitgärung stattfindet und die Kohlensäure im Miau! entsteht.

Nach einigen Monaten auf der Hefe degorgiert er den Wein und füllt ihn ohne Dosage mit etwas Miau!-Stillwein wieder auf.

STIL – MIAU PRANZEGG

Animierend, einladend, lebendig und rotbeerig. Schießt einem schlagartig Lebensenergie in die Adern. Macht Spaß und soll das auch tun. Unkompliziert, unbeschwert und zudem ein verlässlicher Begleiter, wenn es um den Verzehr deftiger Jausen geht.

Datenblatt

Rebsorte: Vernatsch
Bewirtschaftungsart: biodynamisch
Weingarten: unterschiedliche Weingärten, die alle auf vulkanischem Muttergestein und sandigen Verwitterungsböden basieren.

Vergärung: Martin Gojer verwendet dafür die Trauben 50-Jahre alter Vernatschreben, die er eineinhalb Tage lang mazeriert und in Stahltanks bis zu einem natürlichen Restzuckergehalt von 14 g vergärt. Danach füllt er den Wein in Flaschen ab, wo eine Zweitgärung stattfindet und die Kohlensäure im Miao entsteht.
Nach einigen Monaten auf der Hefe degorgiert Martin Gojer den Wein und füllt ihn ohne Dosage mit etwas Miao-Stillwein wieder auf.
Filtration: nein
SO:< 30 mg/l
Verschluss: Kronenkorken
Trinktemperatur: 8-10°C
Perfekte Trinkreife: ab sofort

Guido Zampaglione stammt ursprünglich aus Kampanien und alle paar Wochen kehrt er auch dorthin zurück – beziehungsweise immer dann, wenn er denkt, dass ihn sein Weingarten, aus dessen Trauben er einen der besten Fianos des Landes, den Sancho Panza keltert, braucht. Den Rest der Zeit verbringt er acht Autostunden entfernt im Basso Monferrato, bewirtschaftet dort die Tenuta Grillo und produziert dort, neben einem Quartett an Rotweinen auch einen Weiβwein, den Baccabianca.

BACCABIANCA 2011

Hintergrund

Cortese einmal anders. Beim Baccabianca wird der Beere alles entnommen, was sie besitzt. Jedes Phenol, jedes Pigment und jeder Aromapartikel der Traubenhaut findet seinen Weg in Guido Zampagliones Wein. Der reift nach spontaner Gärung für Jahre im Stahltank und für noch mehr Jahre in der Flasche. Der gegenwärtige Jahrgang stammt aus dem Jahr 2011 und strotzt vor Frische, Energie und Saftigkeit. Dass ihn dabei gerade einmal 11,5% Alkohol und 12 mg/l Sulfite zur Seite stehen, ist ein weiterer Beleg dafür, dass Lehrmeinungen (mit derart minimalen Sulfitgehalt und dem geringen Alkohol sollte der Wein längst tot und begraben sein) nicht immer der Realität standhalten.

Stil

Nichts für Anfänger, wobei vermutlich gerade die, einem solchen Wein vorurteilslos gegenüberstehen würden. Die Farbe ist ein herbstliches Orange. Getrockneter Thymian, Steine und Haselnüsse in der Nase stehen handfestem Tannin, enormer Spannung, Länge, Struktur und reifen gelben Früchten im Mund gegenüber.

Datenblatt

Rebsorte: Cortese
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: ein Hochplateau auf 350 m. Böden: Sand & Kalk
Lese: Per Hand
Vinfikation: spontan | wilde Hefen; 40-60 Tage auf den Schalen
Ausbau: 1-2 Jahre im Stahltank, 2-10 Jahre in der Flasche (jahrgangsabhängig)
Filtration: nein
SO:< 50mg/l
Alkoholgehalt: ca. 12 % vol.
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12°C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

SANCHO PANZA 2015

Hintergrund

Alle paar Wochen setzt sich Guido Zampaglione in sein Auto und fährt durch die Nacht von Gamalero im südlichen Piemont nach Calitri, in die Hügel östlich von Avellino. 894 Kilometer liegen zwischen den beiden Orten aber was tut man nicht alles für eine große Liebe – und die scheint zwischen Guido und Fiano, der Rebsorten, für die er all die Strapazen auf sich nimmt, bedingungslos vorzuherrschen. Bis vor nicht allzu langer Zeit kelterte er aus ihr zusammen mit seinem Onkel den legendären Don Chisciotte, doch vor ein paar Jahren ging das gemeinsame Projekt in die Brüche. Anstatt alles hinzuwerfen, beschloss er dem Ritter ohne Furcht und Tadel einen neuen Fiano in Gestalt von Sancho Panza entgegenzusetzen. Auf 800 Meter stehen die Rebstöcke, was sich selbst im heißen Zentralkampanien in einer relativ langen Vegetationsperiode und einer kühlen Struktur niederschlägt. Im Keller setzt er auf ähnliche Tugenden wie bei seinen piemontesischen Weinen: Spontane Vergärung, keine Temperaturkontrolle und lange Mazerationszeiten, einzig der Ausbau (in diesem Fall im Stahltank) ist etwas kürzer.

Stil

Glasklar, salzig, Zitrus, Steine, Blüten. Zumindest anfangs. Wie bei jedem guten Wein addieren sich nach einiger Zeit neue Aromen hinzu und subtrahieren sich andere weg, man ist also fortwährend beschäftigt, wobei als einigender Nenner Zitrus- und Blütennoten übrigbleiben. Auch dazwischen wird es nie langweilig. Der Gerbstoff macht Druck, die Säure lenkt und gibt immer mehr Gas je weiter man sich dem Gaumen nähert und insgesamt wirkt der Sancho Panza – anders als es der Namen verspricht – geradlinig, elegant und fokussiert.

Datenblatt

Rebsorte: Fiano
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: auf 800 m. in Calitri
Lese: Per Hand
Vinfikation: spontan | wilde Hefen; Maischegärung Tage
Ausbau: ein Jahr im Stahltank, danach noch für ein gutes Jahr Jahre in der Flasche
Filtration: nein
SO:< 30mg/l
Alkoholgehalt: ca. 12 % vol.
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12°C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2025

Teran ist eine jener autochthonen Rebsorten, die man im lokalen Kontext und mit der kulinarischen Tradition Istriens denken sollte: mit Prosciutto und Gulasch, Jota (dem Eintopf) und Musetto (der Kochwurst), mit der Osmiza (dem Heurigen), der Bora (dem Wind) und dem Winter im Karst. Für sich alleine, auf einem Balkontischchen am Prenzlauer Berg, wäre Teran völlig verloren. Teran braucht Atmosphäre und eine fundierte Begleitung. Schafft man es ihm diese zu geben, wird man ihn nicht nur langsam zu verstehen beginnen, sondern zunehmend Freude an ihm haben. Teran hat immense Energie und eine zupackende, lebhafte Säure. Seine Farbe ist so dunkel, dass er im Karst über lange Zeit das Allheilmittel gegen Blutarmut war. Mit einer ordentlichen Portion önologischer Hilfsmittel könnte man ihm seiner Ecken und Kanten berauben und ihn wie McMurphy in „Einer flog über das Kuckucksnest“ gesellschaftskompatibel machen. Doch das würde ihm auch seines Charakters, seiner Identität und seiner Lebensgeister berauben.

Branko und Vasja Čotar spülen nicht weich. Nie. Nicht bei ihren maischevergorenen Versionen weißer Trauben und erst recht nicht bei ihren beiden Teraninterpretationen.

TERAN 2011

Der stille Teran wird in offenen Holzbottichen für 10 Tage auf den Schalen vergoren und landet danach für 4 Jahre in 1500 Liter Holzfässern, ehe er ungefiltert gefüllt wird.

STIL

Vasja Čotar bezeichnet seinen Teran als nervös und sehr typisch. Das trifft es dann auch schon gut. Hinzu kommen Aromen, die einen Bogen durch den Karst spannen und Kräuter, Steine, Beeren und das Meer suggerieren. Windgegerbt und sehnig beschreibt seinen Körper wohl besser als elegant und muskulös. Gemeinsam mit fetten Würsten verwandelt sich die Nervosität in Ruhe und Gelassenheit.

Datenblatt

Rebsorte: Teran
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Terra rossa, auf ca. 100 Meter in Meernähe, 7000 Stöcke am Hektar
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan | wilde Hefen, 10-tägige Meischegärung in 2000 Liter großen offenen Holzbottichen
Ausbau: 48 Monate in 1500 Liter Holzfässern,
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt
Alkoholgehalt: 11,50 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

ČRNA 2009

Der Črna  ist ein, nach der Mèthode traditionelle hergestellter Schaumwein und eine logische Antwort auf die, der Rebsorte innewohnenden Eigenschaften. Auch wenn sich Vater & Sohn Čotar bei der Weinwerdung an Herangehensweisen aus der Champagne orientieren, machen sie doch vieles anders als gemeinhin üblich. Sie lesen spät und bei voller Reife, keltern einen klassischen Rotwein und lassen ihn für fünf Jahre in Holzfässern reifen. Erst dann wird etwas Süßmost (aus Teran) hinzugefügt und die Zweitgärung in der Flasche gestartet, wo sich in den folgenden 12 Monaten eine feine und lebhafte Perlage entwickelt.

STIL

Fleischig, saftig und dunkel. Hat die Power eines wichtigen Rotweins und die Frische und Lebendigkeit eines großen Schaumweins. Wald, Erde und Beeren. Druckvoll, geradlinig, zieht wie eine Rakete seine Bahn in Richtung Gaumen, kompromisslos, einmalig, wie auch der stille Teran eine sichere Nummer mit Prosciutto, Salami und anderen Schweinereien.

Datenblatt

Rebsorte: Teran
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Terra rossa auf Kalk, auf ca. 100 Meter, in unmittelbarer Nähe zum Meer und zu den Bergen, 7000 Stöcke am Hektar
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan | wilde Hefen, 10-tägige Maischegärung in 2000 Liter großen offenen Holzbottichen, nach fünfjährigem Ausbau im Holzfass Zweitgärung über 12 Monate in der Flasche.
Ausbau: 60 Monate in 1500 Liter Holzfässern, 12 Monate in der Flasche
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt
Alkoholgehalt: 11,50 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

Der Slow Wine Guide 2019 liegt demnächst druckfrisch in den Buchhandlungen.

Vorab wurde schon mal bekanntgegeben, dass 15 zusätzlichen Weingütern die Schnecke zuteil wurde – insgesamt steht man nun bei 201.

Die Neuen sind:

Cascina Fontana (Piemonte)
Cascina Fornace (Piemonte): letztens in den Cerea bei der ViniVeri probiert, sehr guter Nebbiolo (Valdovato) aus dem Roero
Fay (Lombardia)
Garlider (Alto Adige)
Weingut In Der Eben (Alto Adige)
Filippi (Veneto)
Speri (Veneto): Find ich gut. Ein einst recht konventionelles Weingut, das sich in den letzten Jahren extrem positiv verändert hat.
Movia (Slovenia)
La Tosa (Emilia Romagna)
Marta Valpiani (Emilia Romagna)
Monte Bernardi (Toscana)
Podere della Civettaja (Toscana): Macht den meiner Ansicht nach besten Pinot nero Italiens
Agnanum – Raffaele Moccia (Campania): an der Peripherie Neapels gelegen. Fantastischer Piedirosso und auch die beiden Falanghina lohnen sich.
Bonavita (Sicilia): Nerello mascalese nicht vom Ätna sondern aus Faro. Besser als das meiste vom Ätna.
Calcagno (Sicilia)

Seit 1964 betreibt Emidio Pepe sein Weingut in Torano Nuovo in den Abruzzen und was er seither geleistet hat, nötigt der gesamten italienischen Weinwelt Respekt ab. Sein Weingut ist Kult und seine Weine gehören zu den Besten Italiens. Sandro Sangiorgi, die Nummer eins unter den Weinautoren des Landes, widmete ihm vor kurzem eine gut 200-seitige Biographie und schildert darin einen hartnäckigen, tief von den bäuerlichen Traditionen seiner Umgebung geprägten Menschen, der von Anfang seinen eigenen Weg ging und dabei meist die entgegengesetzte Richtung einschlug.

Leicht war das nicht, inkludierte sein Konzept doch schon zu Beginn ein ethisches und handwerkliches Fundament, das vielen Winzern bis heute völlig fremd ist. Er lebte und arbeitete also schon früh in Opposition zu den gängigen Moden, stets davon überzeugt, dass die globalen Weintrends nichts mit den vitikulturellen Wirklichkeiten von Torano Nuovo und den Abruzzen zu tun hätten und nur im seltensten Fall zu einer Verbesserung der Weinqualitäten beitragen würden.

In seinem Keller fanden sich zu keiner Zeit Barriquefässer oder Konzentratoren. Auch für die durchaus sinnvollen Lochtrommeln zum Abbeeren und die Walzen für die pigiatura, das Anquetschen der Trauben, fand er keine Verwendung. Für letztere vertraut er bis heute auf die Kraft seiner Füße (und mittlerweile die seiner Kinder und Enkel), ansonsten setzt er auf traditionelle, ausschließlich in Zement stattfindende Vinifikationen und viel Handwerk.

Als sich seine Töchter 2005 intensiv mit den Methoden der Biodynamik zu beschäftigen begannen, stellten sie fest, dass ihr Vater viele ihrer Herangehensweisen bereits seit Jahrzehnten praktizierte. Sofia Pepe, die mittlerweile das Weingut ganz wesentlich mitleitet, meinte beispielsweise, dass ihr Vater schon immer die Mondphasen bei wesentlichen Entscheidungen im Weingarten wie im Keller berücksichtigte.

15 Hektar in insgesamt acht Weingärten bewirtschaftet man im Weingut Pepe (11 biologisch, 4 biodynamisch) wobei der 86-jährige Emidio noch immer ordentlich mitmischt. Bestockt sind sie mit den traditionellen Sorten der Gegend: Montepulciano d’Abruzzo und Trebbiano d’Abruzzo, vor einigen Jahren ist auch noch etwas Pecorino hinzugekommen.

Vor allem mit seinem Montepulciano sorgt Pepe unter seiner mittlerweile großen Anhängerschaft immer wieder für Aufsehen. Rustikal, mit Ecken und Kanten, ordentlicher Säure, dunklen, erdig-fleischigen Noten und einer, in den Anfangsjahren oft spürbaren Reduktion setzt er auf die Kompetenz seiner Kunden: seine Weine sollten bei sofortigem Konsum möglichst belüften werde; noch besser ist es allerdings, den Wein nicht sofort zu trinken sondern ihn für ein paar Jahre in den Keller zu legen. Er tut das übrigens auch. 350.000 Flaschen finden sich derzeit im Gewölbe unter dem Weingut: 52 Jahrgänge (Stand 2018), die bis ins Jahr 1964 zurückreichen und die man vor Ort auch kaufen kann.

In gewissem Sinne noch spektakulärer ist das, was er aus dem Trebbiano abruzzese macht. Meist als belanglose Banalität abgetan, über die man am besten den Mantel des Schweigens breitet, zaubert Pepe aus ihr einen puristischen, in all seiner Eleganz auch dichten und substantiellen geprägten Weißwein, der einen Grund mehr liefert, warum Emidio Pepe zu den großen Meistern seiner Zunft gezählt werden muss.

Emidio Pepe
Via Chiesa 10
Torano Nuovo
Tel: 0039 0861 856493
info@emidiopepe.com
www.emidiopepe.com

WEINE

Montepulciano d’Abruzzo
Trebbiano d’Abruzzo
Pecorino d’Abruzzo

Die Preise liegen zwischen € 30 und € 50.

Jahresproduktion: ca.80000 Flaschen
Rebsorten: Trebbiano abbruzzese, Montepulciano d’Abruzzo, Pecorino
Rebfläche: 15 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja, organisch
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

LINKS

Abruzzen

MÜLLER-THURGAU 2016

HINTERGRUND

Die Freude hält sich im Allgemeinen in Grenzen, wenn man einen Müller-Thurgau vorgesetzt bekommt. Die Sorte birgt für gewöhnlich so viel Substanz wie ein Glas Wasser. Ausnahmen gibt es kaum. In Deutschland zumindest nicht. In Österreich hat immerhin die Domäne Wachau beschlossen, aus der Not (ein alter Müller-Thurgau Weingarten) eine Tugend (Spontangärung im Betonei, schwefelfreier Ausbau, exzellent) zu machen. In der Schweiz kenne ich mich nicht aus, in Südtirol allerdings hat die Sorte gleich ein paar Interpreten gefunden, die ihr mehr entlocken als zwei Wasserstoff-Atome und ein Sauerstoff-Atom. Allen voran Norbert Blasbichler von Radoar und Christian Kerschbaumer von Garlider. Die Müller-Thurgau Reben von Letzterem befinden sich auf rekordverdächtigen 800 Metern Höhe auf Quarzphyllit und atmen dort oben zum einen viel frische Luft, zum anderen versuchen sie aus ihrer Nähe zur Sonne das Beste zu machen.

Alles entscheidend ist allerdings, dass Christian Kerschbaumer im Keller auf eine sorgsame und geduldige Vinifikation setzt. Er vergärt den Most spontan und nicht zu kühl und gibt dem Wein ausreichend Zeit auf der Feinhefe.

STIL

Saftig, präzis, lebendig und animierend. Christian Kerschbaumer macht aus Müller-Thurgau einen Einstiegswein, der fruchtbetont, kompakt und feinstrukturiert zeigt, dass auch hinter vermeintlicher Leichtigkeit Tiefe und Substanz stecken kann.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Müller-Thurgau
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Auf ca. 800 Meter; geprägt von Quarzit
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan | wilde Hefen
Ausbau: im Stahltank
Filtration: ja
SO: < 50 mg
Trinktemperatur: 8-10 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2023

Die Weine von Christian Kerschbaumer gibt es bei vinonudo in Wien und bei Bergwein in München.

RULÄNDER 2016

HINTERGRUND

Nicht umsonst spricht Christian Kerschbaumer bisweilen auch von Pinot Gris, wenn die Rede auf seinen Pinot Grigio kommt. Lichtjahre entfernt von dem oft dünnen Zeug aus dem Trentino, Veneto oder Friaul bildet er vielmehr einen Südtiroler Brückenschlag ins Elsass ohne dabei die Frische und Kühle des hohen Eisacktals preiszugeben. Auf knapp 600 Meter wachsen Kerschbaumers Reben. Unter ihnen ziehen sich der Fluss, die Bahn und die Autobahn dahin, weit genug entfernt um nicht mehr wahrgenommen zu werden. Die meiste Zeit sehen die Reben in die Sonne (sofern sie denn scheint), sind nach Südosten ausgerichtet und akkumulieren so ausreichend Zucker, um einen profunden Wein zu ergeben. Gleichzeitig sorgt die Höhenlage für Bedingungen, die puffernde Säure selten zu einem Problem werden lässt. Die seit über zehn Jahren konsequent betriebene biologische Bewirtschaftung seiner Rebflächen sorgt zudem für belebte Böden und letztlich Traubenmaterial, mit dem sich im Keller ohne große Eingriffe arbeiten lässt.

Für den Grauburgunder bedeutet das im Detail, dass er nach einer kurzen Maischestandzeit spontan vergoren und danach auf der Feinhefe ausgebaut wird. Anders als die meisten Winzer im Tal setzt Christian Kerschbaumer auf den Faktor Zeit, der sukzessive die Substanz seines Pinot Grigio offenlegt.

STIL

Kompakt, druckvoll, kräftig und vital. Die Idee im Eisacktal Grauburgunder zu keltern, mag zwar ungewöhnlich sein, die Ausführung ist allerdings topp. Präzis und klar erzählen seine Aromenund seine Textur eine vielschichtige und anspruchsvolle Geschichte von der Nase bis zum Gaumen.

Datenblatt

Rebsorte: 100% Ruländer (Pinot Grigio)
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Auf ca. 600 Meter; geprägt von Quarzit
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan | wilde Hefen
Ausbau: in gebrauchten Holzfässern
Filtration: nein
SO: < 50 mg
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2025

Enthusiastisch, leidenschaftlich, extrovertiert: Aldo Viola gehört zu den charismatischen Erscheinungen der italienischen Winzerszene. Sieht und hört man ihn bei Verkostungen, kann man ihn sich nur schwer ruhig und für sich allein zwischen den Rebstöcken im sizilianischen Alcamo vorstellen, wo seine Familie seit vier Generationen Weingärten besitzt. Tatsächlich durchstreifte Aldo auch über einige Jahre diverse Winkel der Welt, lernte Tango tanzen, mehrere Sprachen und viele unterschiedliche Weinstile kennen, ehe er sich im Jahr 2000 endgültig im Nordwesten der Insel niederließ – einer in unseren Breiten kaum bekannten Gegend, laut Aldo jedoch eine der Wiegen des italienischen Weinbaus und heute die Ecke Europas mit der größten Dichte an Weingärten.

ALDO VIOLA IN ROT

Er selbst bewirtschaftet dort im Alleingang insgesamt 9 Hektar Rebfläche, die sich auf viele kleine Parzellen in verschiedenen, teils ziemlich weit voneinander entfernten Dörfern rund um Alcamo verteilen. Die größte davon befindet sich in Feudo Guarini, satte 30 Kilometer vom Weingut entfernt, wo er vor einigen Jahren in ein bis dahin größtenteils brachliegendes Gelände auf 350 Metern Höhe Syrah und Nero d’Avola setzte. Während letztere Sorte auf der Hand lag, war die Idee Syrah zu pflanzen seiner Leidenschaft dafür, seinen teils französischen Wurzeln und der Überzeugung geschuldet, dass sie in diesem Umfeld (Kalk-Ton-Böden, bisweilen nach Norden exponierte Lagen, warmes und trockenes Klima, viel Wind) bestens wachsen und gedeihen würde. Er sollte Recht behalten, seine beiden reinsortigen Interpretationen, der Coccinella, vor allem aber der Guarini Plus legen davon eindrucksvoll Zeugnis ab.

ALDO VIOLA IN WEISS

Auch wenn es mit dem Moretto noch einen dritten, auf Perricone, Syrah und Nerello mascalese basierenden Rotwein gibt, befinden sich Aldos Rebflächen eigentlich in einem Territorium mit vorwiegend weißen Sorten: im äußersten Westen, rund um Trapani und Marsala, spielt Grillo die erste Geige und auch Aldo Viola widmet der Sorte mit dem Egesta eine ziemlich spektakuläre Interpretation. Die absolute Nummer eins im Nordwesten und mit gut 30000 Hektar in ganz Sizilien ist allerdings der Catarratto. Ihm versucht er im immer wieder aufs Neue spannenden Krimiso, die Aromen vergangener Zeiten zu entlocken.

Damit ihm das gelingt, bewirtschaftet er seine Weingärten mittlerweile auch offiziell biologisch und bedient sich nebenbei auch noch diverser biodynamischer Methoden. Zwei Spritztouren im Jahr reichen seinen Reben für gewöhnlich. Kupfer wird dabei nur in Ausnahmejahren verwendet, sodass er seine Reben lediglich mit ein wenig Schwefel zu behandeln hat. Das ist aufgrund der trockenen Witterungsbedingen zugebenermaßen einfacher als in den meisten anderen Weinbaugebieten Italiens, wird aber trotzdem nicht von allen so gemacht.

Im Keller schwört Aldo Viola auf die wilden Hefepopulationen seiner Weingärten, auch deswegen, weil er – wie auch wir – felsenfest davon überzeugt ist, dass sie elementarer Bestandteil seines Terroirs sind und sich folglich auch sensorisch in seinen Weinen manifestieren. Bei seinen Weißweinen setzt er auf lange Mazerationszeiten, die er allerdings so subtil zu steuern weiß, dass man sie kaum merkt, bei den Rotweinen ist der Schalenkontakt dagegen verhältnismäßig kurz und ganz darauf ausgerichtet, deren elegante Eigenschaften zu betonen. Ausgebaut wird zum größten Teil in Stahltanks, nur für seine Rotweine verwendet er bisweilen Holz. Aldo setzt nichts zu und nimmt nichts weg, schönt und filtert nicht und verzichtet dann, wenn es ihm sinnvoll erscheint, auch auf den Einsatz von Schwefel.

Aldo Viola
Via per Camporeale 18/C
91011 Alcamo-Trapani
Tel: 0039 339 6969889
info@viniviola.it
www.viniviola.it   

WEINE

Biancoviola
Krimiso
Egesta
Guarini Coccinella
Guarini Plus
Moretto

Die Preise liegen zwischen € 15 und € 25. Aldo Violas Weine gibt es in Ö bei vino nudo (Wien). In Deutschland und der Schweiz gibt es sie meines Wissens bisher nicht.

Jahresproduktion: ca.15000 Flaschen
Rebsorten: Catarratto, Grillo, Syrah, Nerello mascalese, Perricone
Rebfläche: 8 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer (nicht jedes Jahr) und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

LINKS

Sizilien

Hintergrund: Hoch oben im Norden, dort wo das Piemont langsam an die Schweiz klopft, findet sich Bramaterra, eine steinalte Weinenklave, in der seit vielen Hundert Jahren Weinbau dokumentiert ist. Bevor Bramaterra 1979 zur DOC erklärt wurde, nannte man den Wein der Region „Vino dei Canonici“ und bezog sich damit auf die große Popularität, die er unter Kirchenleuten besaß – nie ein schlechtes Zeichen. Bramaterras Reben – stets eine Kombination aus größtenteils Nebbiolo und ein wenig Croatina und Vespolina – wurzeln in einer hügeligen Topographie auf ca. 400 Metern in  stark eisenhaltigem Untergrund, über den sich eine marine Sandschicht gelegt hat. Die Gegend ist relativ kühl, ein Aspekt, der sich dann auch wie ein roter Faden durch die Weine von Carlo, Giacomo und Cristiano zieht.

Der Bramaterra 2014 wurde in Zementzisternen spontan vergoren und danach über zwei Jahre in gebrauchten Barriques gelagert, um letztlich nochmals über vier Monate in Zementzisternen sein Gleichgewicht zu finden.

Stil: Kühl, saftig, animierend und dabei doch kompakt, stoffig und gehaltvoll – im Grunde genau das, was man sich unter einem klassischen und hochklassigen Nebbiolo vorstellt. Die Aromen schlagen einen Bogen von Rosen und Thymian bis zu Kirschen und Gewürznelken. Am Gaumen packt das Tannin zu, doch bleibt der Wein stets zugänglich, mürbe und rund. Lebendigkeit, Geradlinigkeit und nachhallende Frucht- und Pfeffernoten prägen den Abgang.

Datenblatt

Rebsorte: 70% Nebbiolo, 20% Croatina, 10% Vespolina
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: auf ca. 400 Meter in  stark eisenhaltigem Untergrund, über den sich eine marine Sandschicht gelegt hat
Lese: per Hand
Vergärung: spontan     | wilde Hefen in Zementzisternen
Ausbau: 2 Jahre im gebrauchten Barriques, 6 Monate in Zement
Filtration: nein
SO: < 50mg/l
Alkoholgehalt:  12,5 % vol
Verschluss: Naturkork
Trinktemperatur: 15-17 °C
Perfekte Trinkreife: 2020 – 2028

HINTERGRUND

Der Elso ist ein Herzenswein von Daniele Ricci. Er ist Ulisse, dem Großvater mütterlicherseits gewidmet, der von allen Elso genannt wurde. Elso war, laut Daniele, ein Großmeister in der Vinifizierung von Croatina und zeigte dem damals jungen Winzer, wie er mit der notorisch komplizierten Rebe, die stets zu viele Blätter und zu wenige Trauben produziert, umgehen sollte. Er lehrte ihn Geduld: zuerst im Weingarten, wo die Trauben für gewöhnlich erst im späten Oktober reif werden und danach im Keller, wo man am besten nicht in Monaten und auch nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten kalkulieren sollte. Der gegenwärtige Jahrgang des Elso stammt aus dem Jahr 2008 und steht gerade am Anfang seiner Entwicklung.

Croatina ist, wie man sich bereits denken kann, kein Wein für einen Kindergeburtstag. Sie hat Gerbstoffe, die ihre nahe Verwandtschaft mit Nebbiolo ohne Umschweife kundtun. Holz – möglichst 500 oder 1000 Liter-Fässer – steht ihr gut. Da ihre Anthocyane nicht leicht oxidieren, ist ihre Farbe selbst nach Jahren der Fass- und Flaschenlagerung tiefdunkel und da sie – wie Sangiovese – zur Reduktion neigt, tut ihr gelegentlicher Luftkontakt nur gut.

Croatina ist alles andere als eine einfach zu handhabende Sorte, doch kann sie in den richtigen Händen zu wirklich umwerfenden Ergebnissen führen.

STIL

Dicht, kraftvoll und intensiv mit ausdrucksstarken, dunklen Aromen. Im Mund geht es ordentlich zur Sache, der Gerbstoff ist fordernd und macht Druck und auch der Alkohol hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Wobei letzterer nicht nur von den Tanninen und der tiefen Frucht, sondern auch von einer pulsierenden Säure aufgefangen wird. Das Finale ist trocken, warm und nachhaltig.

Den Elso von Daniele Ricci gibt es bei vinonudo

Datenblatt

Rebsorte: 100% Croatina
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten:
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan      | wilde Hefen
Ausbau: mehrere Jahre in gebrauchten 500- und 1000 Liter Fässern
Filtration: nein
SO:< 50mg/l

Der Frühling ist die beste Jahreszeit, um sich auf Messen und Verkostungen in Italien den Weinen des Landes zu widmen. Wer da allerdings Heuschnupfen hat, kann ein ähnlich spannendes Programm auch im Herbst absolvieren.

Die wichtigsten Veranstaltungen von Mitte September bis Ende November

14-16. September: Eroico Rosso (Tirano)


OKTOBER

6-8. Oktober: Enologica (Bologna)

13. Oktober –  Slow Wine 2019 (Montecatini Terme) – allein und eigentlich nur deswegen würde es sich lohnen, auch mal wieder nach Montecatini Terme aufzubrechen.

15.-16. Oktober – Autochtona (Bozen)

18.-21. Oktober – Ein Prosit (Malborghetto und Tarvis)

20.-21. Oktober – Wine and Sardinia (Sorgono)

27.-28. Oktober – Terre di Vite (Castelvetro) – sehr schön, 60-70 wenig bekannte Winzer aus ganz Italien mit einer Menge richtig guter Weine


NOVEMBER

2.-5. November – Sangiovese Purosangue (Siena) – es wäre vermutlich sehr spannend, dort vorbeizuschauen, wenn nicht gleichzeitig am..

4.-5. November – Vini di Vignaioli (Fornovo di Taro)… stattfinden würde. Hier treffen sich gut 150 der mitunter besten Winzer Italiens. Der einzige Nachteil ist, dass das nicht nur wir wissen, sondern auch noch eine ganze Menge anderer Menschen.

9.-13. November – Meran Wine Festival (Meran)

10.-11. November – VAN Vignaioli Artigiani Naturali – Rom

18.-19. November – Back to the Wine (Faenza) – tolles Programm und definitiv einen Besuch wert

24.-25. November – Mercato dei Vini FIVI (Piacenza)

30. November – 2. Dezember – La Terra Trema (Mailand)

Hintergrund

Der Pinot Grigio Fuoripista (abseits der Piste) ist ein Alternativentwurf zum gängigen Bild der im Trentino omnipräsenten Sorte. Nicht banal und belanglos, sondern profund und gehaltvoll wird Pinot Grigio hier gekeltert. Der Fuoripista entstand in Kooperation mit Marco Devigili, der im sandigen, von Dolomitenkieseln durchsetzten Campo Rotaliano biodynamischen Weinbau betreibt. 

Ausgebaut wird der Fuoripista in spanischen Tonamphoren (Tinajas), die bei Elisabetta Foradori kein önologisches Trendobjekt darstellen, sondern als Mittel zu dem Zweck eingesetzt werden, möglich authentisch ihre Idee von Wein wiederzugeben. In ihrem Keller finden sich mittlerweile Dutzende davon. Anders als die meisten anderen Winzer gräbt sie ihre Amphoren nicht in der Erde ein, sondern belässt sie, in ein Gerüst montiert, in direktem Luftkontakt.

Die ganzen Trauben des Pinot Grigio verbringen darin acht Monate, in denen sie langsam und in aller Ruhe ihre Aromen, Farbstoffe, Säuren und Tannine freigeben. Nach acht Monaten wird der Wein aus den Amphoren geholt und ungefiltert und mit minimaler SO-Beigabe gefüllt.

Stil

Manchmal lohnt es sich auch ein paar Worte über die Farbe eines Weines zu verlieren. Die ist im Fuoripista ein sattes, leicht ins Rosa changierendes Gold und verdankt sich der langsamen Auslaugung in der Schale sitzender Farbstoffe. Von dort extrahiert wurden zudem Aromen, die überraschen und den gewohnten Rahmen sprengen. Die zurückhaltende Säure wird von kompaktem Gerbstoff kompensiert, der insgesamt für eine feste und griffige Struktur sorgt. Der Gesamteindruck ist lebendig und dynamisch, das Finish aromatisch, warm und saftig.

Datenblatt

Rebsorte: Pinot Grigio
Bewirtschaftungsart: biodynamisch
Weingarten: Campo Rotaliano, Sand & Dolomitenkiesel
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan      | wilde Hefen, in spanischen Tinajas
Ausbau: 8 Monate auf den Schalen in spanischen Tinajas (Amphoren)
Filtration: nein
SO:< 30 mg/l
Alkoholgehalt: 12,5%
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: 2018 – 2030

Hintergrund

Hoch oben, auf gut 500 Metern, wurzeln in kreideweißen Böden die Reben für den Calcareus. Entfernt am Horizont tut sich das Meer auf, Lampedusa ist nicht weit, Tunis näher als Neapel. Es sind alte Kulturlandschaften, die sich hier über die Hügel und Bergrücken spannen. Griechische Siedler hinterließen keine 10 Kilometer entfernt das Valle dei Templi, das Tal der Tempel, die größte archäologische Ausgrabungsstätte Europas. Mit der Errichtung griechischer Kolonien ging auch stets Weinbau einher und fand folglich auch rund um Agrigento schon vor mehr als 2000 Jahren statt. Ob dabei bereits etwas derart Spektakuläres wie der Calcareus der Brüder Gueli dabei herauskam, wagen wir zu bezweifeln. Schon deswegen, weil wir glauben, dass der Wein auch für heutige Maßstäbe die Latte extrem hoch legt und definitiv zu den aufregendsten Rotweinen der Insel zählt.

Grund dafür ist neben der behutsamen und meist manuellen Weingartenarbeit der drei Brüder ein Klima, das Wärme mit Wind kombiniert und den Reben ein balanciertes und langsames Wachstum ermöglicht. Der an manchen Stellen schneeweiße Boden, dem der Wein seinen Namen verdankt und ein ausgeklügeltes Erziehungssystem (Tendone) tun ein übriges.

Der Calcareus wird wie auch der Erbatino über 6-8 Tage spontan in Zementzisternen vergoren und danach noch für weitere 40-50 Tage auf den Schalen belassen. Der Ausbau erfolgt in gebrauchten 220-Liter Fässern über 24-30 Monate.  Der Wein wird vor der Füllung weder gefiltert noch geschwefelt, bewahrt sich aber dennoch eine bestechende Klarheit und Präzision.

Stil

Elegant, kühl, präzis: Wer auf die Hitze des sizilianischen Südens hofft, sollte zu einer anderen Flasche greifen. Der Calcareus ist ein Kind seines Terroirs und das vereint Kalk und der Höhe geschuldete Tag-Nacht-Unterschiede, die dazu führen, dass der Wein nicht nur profund und dicht ist, sondern auch noch stringent und kompakt. Die Säure ist wie stets bei gut gemachtem und authentischem Nero d’Avola lebendig, das Finale trotz der straffen und engmaschigen Textur unbeschwert und animierend.

Rebsorte: 100% Nero d’Avola
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Hanglage auf 450-550 Meter Seehöhe in Scintilìa. Kühle Winde und Tendone, ein Pergola-ähnliches Erziehungssystem relativieren die intensive Sommerhitze. Kalk- Gipsböden.
Pflanzdatum der Reben: 2000
Lese: Per Hand in 25 Kilo fassende Kisten, Ende September
Vergärung: spontan     | wilde Hefen in Zementzisternen, 40 tägige Mazeration
Ausbau: 24-30 Monate in zweit- oder drittbefüllten 220-Liter Fässern, 6 Monate Flaschenreife
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt, unter 20 mg/l Gesamtschwefel
Alkoholgehalt: 13,50 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

Hintergrund & Herkunft

Manzoni Bianco ist die erfolgreichste unter den italienischen Neuzüchtungen und eine der qualitativ ansprechendsten weltweit. Sie entstand also nicht, wie gemeinhin üblich, durch eine natürliche Kreuzung in freier Wildbahn, sondern durch beabsichtigtes Experimentieren im Labor. Ihr Schöpfer heißt Luigi Manzoni, dem nachgesagt wird, dass er ein besonderes Händchen für die Kreation von Rebsorten mit Feinweinpotenzial hatte. Wirklich nachvollziehbar ist das heute nur noch durch die Vinifikationen des Incrocio Manzoni 6.0.13, dem bereits erwähnten Manzoni Bianco und des Incrocio Manzoni 2.15, kurz Manzoni Rosso. Luigi Manzoni züchtete wesentlich mehr Sorten, doch wurden diese – auch unter Wissenschaftler gibt es Barbaren – nach seiner Pensionierung von seinen Nachfolgern ausgerissen.

Manzoni Bianco wurde lange für eine Kreuzung aus Riesling und Pinot Bianco gehalten (so steht es auch noch auf Elisabetta Foradoris Webseite), jüngste Analysen belegen jedoch, dass es sich tatsächlich um die Frucht einer Beziehung aus Riesling und Chardonnay dreht. Sei es wie sei, Elisabettas Manzoni Bianco fühlt sich auf den abwechselnd kalkweißen und tonroten Böden von Fontanasanta, einer hügeligen, sich östlich von Trento befindlichen Lage so wohl, dass der daraus vinifizierte Wein längst zu einem Meilenstein in den Weißweinwelten des italienischen Nordens geworden ist (ein zweiter Manzoni Bianco, der Isidor von Giuseppe Fanti, würde sich übrigens ähnlich viel Aufmerksamkeit verdienen). Vergoren wird er spontan und über sieben Tagen auf den Schalen in Betonfässern, ausgebaut danach über ein knappes Jahr in Akazienholz. Wie allen Foradori-Weinen tun ihm ein paar Jahre Flaschenreife nur gut.

Stil

Spielt seine Trümpfe nur langsam aus, doch stechen die dafür auch. Anfängliche Kräuternote räumen nach einer Weile das Feld bzw. integrieren sich in gelbe Steinobstaromen und Zitrusnoten. Der Textur ist schlank, elegant und druckvoll, die Struktur geradlinig und kompakt. Hat ordentlich Energie und Dynamik und einen leicht steinigen Unterton. Findet für gewöhnlich über die ersten drei Jahre sein Gleichgewicht und gewinnt dabei fortwährend an Substanz.

Datenblatt

Rebsorte: Manzoni Bianco
Bewirtschaftungsart: biodynamisch
Weingarten: Fontanasanta – östlich von Trento wurzeln die Reben in Kalk und rotem Ton
Lese: per Hand
Vergärung: spontan| wilde Hefen, in Zement
Ausbau: in Akazienfässern
Filtration: nein
SO₂: 50mg/l
Alkoholgehalt:  12,0 % vol
Verschluss: Naturkork
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: 2020 – 2030

Eugenio Bocchino und Cinzia Pelazza bewirtschaften 5,5 Hektar Weingärten in La Morra, mitten im Herzen des Barologebiets. Einige davon waren einst im Besitz von Cinzias Großvater, andere kamen im Laufe ihrer mittlerweile 20-jährigen Winzerlaufbahn hinzu. Ähnlich klein strukturiert wie das Burgund werden auch im Barolo rigoros Einzellagen vinifiziert, wobei die Hierarchie der Lagen wesentlich demokratischer konzipiert ist. Hier gibt es keine Grand und Premier Crus, allerdings haben sich durch jahrhundertelange Erfahrung dennoch feine Unterschiede zwischen den Dörfern, den einzelnen Lagen, den Expositionen und ihren Reputationen herauskristallisiert.

Die beiden vinifizieren zu 95% Nebbiolo, die große Sorte der Region. Die bekannteste ihrer Crus ist mit Sicherheit die Lage La Serra, deren knapp 14 Hektar Rebfläche sie sich u.a. mit den Roberto Voerzio und der Podere Marcarini teilt. Eugenio und Cinzia besitzen dort alte und junge Rebflächen, die sie separat ausbauen und erst kurz vor der Füllung zusammenführen. Intensität und Kraft stehen beim La Serra im Vordergrund. Ein zweiter Barolo verzichtet auf die Lagenbezeichnung und trägt stattdessen den Namen der Tochter Lu. Hier geht es straffer zur Sache, der Ausbau erfolgt in größeren Eichenfässern und für ein Jahr im Zement, Kraft wird hier durch Eleganz ersetzt, Intensität durch Subtilität. Der dritte große Nebbiolo ist kein Barolo, da sich die Lage La Perucca zwar genau zwischen Barolo und Barbaresco aber eben doch außerhalb der sakralen Nebbiolozonen befindet. Das macht zwar sensorisch kaum einen Unterschied, da La Perucca auf quasi demselben Terroir basiert, preislich schlägt sich ein Verlassen der Zonen allerdings sofort nieder. La Perucca ist straff und saftig, die Erdauflage ein weniger sandiger als die restlichen sechs Parzellen der beiden, doch besteht auch ihr Boden hauptsächlich aus Lehm und Kalk. Ein vierter Nebbiolo, der Roccabella ist elegant, puristisch und geradlinig, feingestrickt und zart und bildet den beeindruckenden Einstieg in Eugenios und Cinzias Nebbiolowelten.

Nach konventionellen Anfängen, stellten die beiden erst auf biologische und 2010 auf biodynamische Bewirtschaftung um. Sie sind Mitglied bei Nicolas Jolys Renaissance de Terroir Gruppe und bei der Naturweinbewegung ViniVeri. Im Weingarten besteht dabei das permanente Bestreben, auch auf Schwefel und vor allem Kupfer soweit wie möglich zu reduzieren. Um das zu erreichen experimentiert Eugenio auch mit diversen Präparaten und Ölen. Im Keller wird durch die Bank spontan vergoren, der Ausbau der Weine findet vor allem auf größeren Holzfässern statt. Gefiltert und geschönt wird nicht und auch sonst verzichtet man mit der Ausnahme von ein wenig Schwefel auf Additiva jedweder Art.

U’ Russu 2015

Hintergrund: In den 1990er Jahren hatte Nero d’Avola seinen Popularitätshöhepunkt, der paradoxerweise Hand in Hand mit seinem qualitativen Tiefpunkt einherging. Zu unfassbar niedrigen Preisen überschwemmten Nero d’Avola-Versionen, die sich nicht einmal zum Strecken von Saucen eigneten, die Supermärkte der Welt. Irgendwann hatten das auch die leidenschaftlichsten Billigtrinker verstanden und Nero d’Avola wanderte aus den Aktionsregalen palettenweise zurück nach Sizilien. Und dort blieben sie auch. Damit war es fürs erste vorbei mit dem Boom der Sorte und die Reputation war dermaßen im Eimer, dass man wiederum zwei Jahrzehnte brauchte, um sie wieder einigermaßen geradezubiegen. Mitverantwortlich für die Wiederauferstehung des Nero d’Avola waren unter anderem die Brüder Gueli, die bislang ungekannte Seiten der Rebsorte aufdeckten und zeigten, dass man aus Nero d’Avola auch Weine keltern kann, die elegant, profund und dynamisch erstaunlich präzis von ihrer Herkunft erzählen können.

Der U Russu stammt von diversen Weingärten rund um das Weingut in Grotte, wird per Hand gelesen und über 6-8 Tage spontan in 2000 Liter großen Zementzisternen vergoren. Danach wird er in kleinere Zementbehältnissen umgezogen, wo er bis zum darauffolgenden Mai lagert, ehe er ungefiltert und ungeschwefelt gefüllt wird und für ein halbes Jahr weiterreift.

Stil

Dunkel, lebhaft und intensiv. Mediterran, erdig und dunkelfruchtig. Der U Russu mag zwar der Einstiegswein von Gueli sein, doch lässt er sich das nicht wirklich anmerken. Die Textur ist dicht und stoffig, das Tannin ist samtig, die Säure animierend aber bestens eingebunden.

Datenblatt

Rebsorte: 80% Nero d’Avola + 20% alte autochthone Sorten
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Diverse leicht abfallende Lagen auf 450-550 Meter Seehöhe rund um Grotte (Provinz Agrigento/Sizilien) Kühle Winde und Tendone, ein Pergola-ähnliches Erziehungssystem relativieren die intensive Sommerhitze. Kalk- und Tonböden.
Lese: Per Hand in 25 Kilo fassende Kisten
Vergärung: spontan     | wilde Hefen, in 2000 Liter großen Zementzisternen
Ausbau: 7 Monate in vetrifiziertem Zement
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt
Alkoholgehalt: 13,50 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2026

EGESTA

Hintergrund & Herkunft
Der Egesta gehört zweifellos zu den originellsten und besten Weinen Siziliens. Er besteht zu 100% aus der weißen Grillo, einer Sorte, die man wie kaum eine andere mit Sizilien verbindet, die aber anscheinend gar nicht von der Insel stammt. Sie dürfte vielmehr erst nach dem Vernichtungsfeldzug der Reblaus in Sizilien ausgepflanzt worden sein, hat danach aber speziell im Westen das Kommando unter den Rebsorten der Region übernommen. Sie ist seit über einem Jahrhundert elementarer Bestandteil des Marsala und zudem für einen Gutteil der trockenen Weißweine rund um Trapani und Alcamo verantwortlich.
Aldo keltert aus ihr eine Version, die seinesgleichen auf der Insel sucht und die nichts mit den gängigen, oft banalen und meist von Zitrus- und Maracujanoten dominierten Weinen zu tun hat. Von jungen Reben aus dem sich nahe am Meer befindlichen Weingarten Pietrarinosa Ende August gelesen, selektiert er die besten Trauben und vergärt sie, ohne sie davor gepresst zu haben, spontan in einem Edelstahltank. Dort bleibt der Wein mitsamt Schalen und Kernen für die nächsten sechs Monate und wird, nachdem ihm alles an Aromen, Gerbstoff und Säuren auf natürliche Weise entnommen wurde, sanft abgepresst und sofort gefüllt.

Stil
Die Farbe des Weins suggeriert herbstliche, gelbbraune, von der Sonne ausgeblichenen Felder – Sizilien im Spätsommer, wenn man so will. Die Sonne schmeckt man auch im Wein und – nachdem wir hier gerade in Bildern und Vergleichen erzählen– auch das Meer. Kurz: der Egesta offeriert Wärme und suggeriert Salz, hinzu kommen dann aber auch noch Macchiaaromen und eine bestens eingebundene, alles andere als störende, Andeutung von flüchtiger Säure. Der Körper birgt Substanz, ist allerdings nie ausladend oder gar fett. Das Tannin hält sich, trotz der langen Maischestandzeit, zurück und bietet mit der erstaunlich lebhaften Säure ein perfektes Gleichgewicht.

Datenblatt

Rebsorte: Grillo
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Pietrarinosa, Kalk- & Tonböden
Lese: Per Hand
Vergärung: spontan | wilde Hefen, 6 Monate Kontakt mit den Schalen in Edelstahltanks
Ausbau: 6 Monate im Edelstahl, 3 Monate in der Flasche
Filtration: nein
SO₂: 10 mg/l bei der Füllung, freies SO₂: 7 mg/l, Gesamt-SO₂: 15 mg/l
Alkoholgehalt: 12,5 % vol.
Säure: 6 g/l
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 10-12 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2028
Flaschenformat: 0,75 l

Den Egesta von Aldo Violo gibt es bei www.vinonudo.at

Enthusiastisch, leidenschaftlich, extrovertiert: Aldo Viola gehört zu den charismatischeren Erscheinungen der italienischen Winzerszene. Sieht und hört man ihn bei Verkostungen, kann man ihn sich nur schwer ruhig und für sich allein zwischen den Rebstöcken im sizilianischen Alcamo vorstellen, wo seine Familie seit vier Generationen Weingärten besitzt. Tatsächlich durchstreifte Aldo auch über einige Jahre diverse Winkel der Welt, lernte Tango tanzen, mehrere Sprachen und kostete sich durch viele unterschiedliche Weinstile, ehe er sich im Jahr 2000 endgültig im Nordwesten der Insel niederließ – einer in unseren Breiten kaum bekannten Gegend, laut Aldo jedoch eine der Wiegen des italienischen Weinbaus und heute die Ecke Europas mit der größten Dichte an Weingärten.

Er selbst bewirtschaftet dort im Alleingang insgesamt 9 Hektar Rebfläche, die sich auf viele kleine Parzellen in verschiedenen, teils ziemlich weit voneinander entfernten Dörfern rund um Alcamo verteilen. Die größte davon befindet sich in Feudo Guarini, satte 30 Kilometer vom Weingut entfernt, wo er vor einigen Jahren in ein bis dahin größtenteils brachliegendes Gelände auf 350 Metern Höhe Syrah und Nero d’Avola setzte. Während letztere Sorte auf der Hand lag, war die Idee Syrah zu pflanzen seiner Leidenschaft dafür, seinen teils französischen Wurzeln (die Mutter war Französin) und der Überzeugung geschuldet, dass sie in diesem Umfeld (Kalk-Ton-Böden, bisweilen nach Norden exponierte Lagen, warmes und trockenes Klima, viel Wind) bestens wachsen und gedeihen würde. Er sollte Recht behalten, seine beiden reinsortigen Interpretationen, der Coccinella, vor allem aber der Guarini Plus legen davon eindrucksvoll Zeugnis ab.

Auch wenn es mit dem Moretto noch einen dritten, auf Perricone, Syrah und Nerello mascalese basierenden Rotwein gibt, befinden sich Aldos Rebflächen eigentlich in einem Territorium mit vorwiegend weißen Sorten – Grillo spielt die erste Geige im äußersten Westen, rund um Trapani und Marsala, und auch Aldo widmet der Sorte mit dem Egesta eine ziemlich spektakuläre Interpretation. Die absolute Nummer eins im Nordwesten und mit gut 30000 Hektar in ganz Sizilien ist allerdings die Catarratto, der er, in dem immer wieder aufs Neue spannenden Krimiso, die Aromen vergangener Zeiten zu entlocken versucht.

Damit ihm das gelingt, bewirtschaftet er seine Weingärten mittlerweile auch offiziell biologisch und bedient sich nebenbei auch noch diverser biodynamischer Methoden. Zwei Spritztouren im Jahr reichen seinen Reben für gewöhnlich. Kupfer wird dabei nur in Ausnahmejahren verwendet, sodass er seine Reben lediglich mit ein wenig Schwefel zu behandeln hat. Das ist aufgrund der trockenen Witterungsbedingen zugebenermaßen einfacher als in den meisten anderen Weinbaugebieten Italiens, wird aber trotzdem nicht von allen so gemacht.

Im Keller schwört Aldo auf die wilden Hefepopulationen seiner Weingärten, auch deswegen, weil er – wie auch wir – felsenfest davon überzeugt ist, dass sie elementarer Bestandteil seines Terroirs sind und sich folglich auch sensorisch in seinen Weinen manifestieren. Bei seinen Weißweinen setzt er auf lange Mazerationszeiten, die er allerdings so subtil zu steuern weiß, dass man sie kaum merkt, bei den Rotweinen ist der Schalenkontakt dagegen verhältnismäßig kurz und ganz darauf ausgerichtet, deren elegante Eigenschaften zu betonen. Ausgebaut wird zum größten Teil in Stahltanks, nur für seine Rotweine verwendet er bisweilen Holz. Aldo setzt nichts zu und nimmt nichts weg, schönt und filtert nicht und verzichtet dann, wenn es ihm sinnvoll erscheint, auch auf den Einsatz von Schwefel.

Mehr zu Aldo Violas Weinen gibt es dann morgen.

Die Weine von Aldo Viola gibt es online und offline bei VINONUDO in Wien

Eine der besten Veranstaltungen des Jahres.

Vom 3.-5. März in Mailand
Nicht um die Ecke, wobei heute eigentlich fast alles um die Ecke liegt.

Exzellentes Rahmenprogramm

Eintritt: € 20/Tag

Liste der Teilnehmer: http://www.livewine.it/

Urban Plattner – Weingut In Der Eben
Unterplatten 21 / Ritten
39053 Kardaun
www.indereben.com
Tel.: +39 0471 365120

Jahresproduktion: ca.12000-15000 Flaschen
Rebsorten: Sauvignon blanc, Gewürztraminer, Roter Malvasier, Vernatsch
Rebfläche: 3,5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Urban Plattners Weinhof In der Eben liegt gut versteckt in einer Hangsenke auf der steilen Sonnenseite des Ritten. Immer wieder von Wald durchzogen, erstrecken sich rund um das Weingut drei Hektar Weingärten, die klimatisch vom mediterranen Bozner Talkessel bei gleichzeitig kühler Ventilation durch die Bergwinde geprägt sind. Porphyr-Untergrund liefert das Fundament für ein Rebsortenquintett, das neben den beiden lokalen Protagonisten Vernatsch & Roter Malvasier auch noch Platz für Merlot, Sauvignon blanc und Gewürztraminer lässt. Die Bewirtschaftung ist seit 1993 biologisch, seit Urban 2012 den Weinhof von seinem Vater übernommen hat, werden zudem biodynamische Prinzipien angewandt. Die dadurch erreichte Balance im Weingarten ergibt perfektes Traubenmaterial, das Urban mit minimalistischem aber präzisem Handwerk in große Weine mit Tiefe, Ruhe und Finesse übersetzt.

WEINE

Sauvignon
Gewürztraminer
Roter Malvasier
Sankt Anna
Sankt Anna R
Freistil

Die Preise liegen zwischen € 13 und € 20. In Deutschland gibt es die Weine vom Weingut In der Eben in der enoteca italiana

Urban Plattner ist Mitglied bei Freistil


Thomas Niedermayr, Hof Gandberg
Schulthauserweg, 1
39057 Eppan an der Weinstraße
www.thomas-niedermayr.com
t: +39 340 82 42 495

Jahresproduktion: ca.15000 Flaschen
Rebsorten: Bronner, Souvignon gris, Solaris, Weißburgunder, PIWI-Cabernets
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Thomas Niedermayr beschreitet eigene Wege. Rund um seinen Hof Gandberg, oberhalb von Eppan, wurzeln in tiefen Kalkschotterböden mit Bronner, Solaris, Souvignon gris & Co. pilzwiderstandsfähige Rebsorten: von milden südlichen Luftmassen genauso beeinflusst wie vom alpinen Klima der Eislöcher, legt er deren Potenzial kompromisslos offen. Seine markanten Interpretationen  sind die logische Konsequenz eines schon vom Vater initiierten, ökologisch verantwortungsvollen Betriebskreislaufes, der neben biologischem Weinbau auch noch Obst- & Gemüseanbau und Tierhaltung umfasst. Im Keller setzt Thomas auf Beobachtung, Erfahrung und Feingefühl. Unaufgeregt und sorgsam begleitet er seine Weine durch den Vinifikationsprozess. So entstehen ausdrucksstarke Raritäten abseits des Mainstreams, die ungeschminkt & authentisch ihre Herkunft auf den Punkt bringen.

WEINE

T.N. 14 Solaris
T.N. 04 Bronner
T.N. 16 Souvignier gris
T.N. 99 Sonnrain
T.N. 76 Weissburgunder
T.N. 06 Abendrot
T.N. 11 Gandfels

Die Preise liegen zwischen € 15 und € 25. Thomas Niedermayrs Weine gibt es in Ö, D und der CH derzeit noch nicht. In Südtirol bekommt man sie entweder direkt bei ihm (nach Voranmeldung) oder aber im Meraner Weinhaus, bei Pur Südtirol, Diether Karadar, Egater und  Haidacher.

Thomas Niedermayr ist Mitglied bei Freistil

Freistil ist eine vierköpfige Gruppe Südtiroler Winzer, die Talent, Freundschaft und gemeinsame Ideen vereint. Martin Gojer (Pranzegg), Christian Kerschbaumer (Garlider), Thomas Niedermayr (Gandhof) und Urban Plattner (In der Eben) vinifizieren aus biologisch und bisweilen biodynamisch kultivierten Weingärten Trauben, die viel vom Potenzial der nördlichsten italienischen Weinbauregion abrufen und offenlegen. Der rigoros handwerkliche Ansatz draußen in der Natur wird auch in ihren Kellern weiter praktiziert, wo durch puristische Herangehensweise (spontane Vergärung, lange Reifezeiten, keine Filterungen und Schönungen, keine Additiva außer ein wenig SO₂)  extrem spannende und individuelle Weine entstehen.

Erstaunlich ist neben der durchgehend hohen Qualität der Weine vor allem auch die Tatsache, dass die vier – obwohl nur durch wenige Kilometer getrennt – ein völlig unterschiedliches Spektrum an Weinen in die Flasche bringen, dabei allerdings den Traditionen ihrer lokalen Begebenheiten doch einigermaßen treu bleiben. So beschäftigt sich Christian Kerschbaumer im oberen Eisacktal vor allem mit Sylvaner, Grünem Veltliner, Blauburgunder & Co., den Klassikern rund um Brixen, und setzt dabei auf puristische, komplexe und kühle Interpretationen, während Urban Plattner an den Hängen des Bozner Ritten zeigt, welche erstaunliche Eleganz und Finesse in Vernatsch (Schiava) und Malvasier steckt. Martin Gojer keltert auf der gegenüberlegende Seite Lagrein und Vernatsch von großer Präzision, Tiefe und Salzigkeit und öffnet mit bisweilen überraschenden aber immer wieder beeindruckenden Experimenten neue Horizonte. Über der Etsch, dort wo die Landschaft in Wellen hinauf nach Eppan führt, beschäftigt man sich am Gandhof seit nunmehr knapp zwei Jahrzehnten mit pilzresistenten Sorten, die von Thomas Niedermayr, dank immer minimalistischerer und bewussterer Arbeit im Keller, auf ein völlig neues Niveau gehoben werden.

FREISTIL – die vier Winzer

Garlider

In der Eben – www.ebnerhof.it

Pranzegg

Thomas Niedermayr – www.thomas-niedermayr.com

Wenn Gradoli heute eines der Zentren der vitikulturellen Avantgarde Italiens darstellt, so liegt das unter anderem an Personen wie Andrea Occhipinti.

Kurze Geschichte des Weinguts

Andrea lernte die kleine Stadt am nördliche Ufer des Lago di Bolsena, dem größten Vulkansee Europas, während seines Landwirtschaftsstudiums an der Universität des nahegelegenen Viterbo kennen. Beeindruckt von der Umgebung und seiner Geschichte beschloss Andrea erst, die Region zum Thema seiner Magisterarbeit zu machen und ein paar Jahre später, genauer im Jahr 2004 selbst in die Region zu ziehen und Winzer zu werden. Er fand ein fünf Hektar großes Stück Land auf 450 Meter Seehöhe, das bereits mit Aleatico und Grechetto rosso (Sangiovese) bestockt war.

Die natürlichen Voraussetzungen, die sich den beiden traditionellen Sorten der Gegend und ihrem Winzer bieten, sind ziemlich einmalig. Entscheidende Bedeutung hat dabei einmal mehr der Boden. Der basiert auf Asche, Lapillen, erbsengroßen vulkanischen Gesteinsfragmenten und Bimsstein. Im Verbund mit einem ausgewogenem Klima, das im Sommer selten zu heiß und im Winter kaum zu kalt wird, gibt er den Weinen eine originäre Textur und Aromatik mit auf den Weg, die nachdrücklich die Bedeutung von Terroir auf den Punkt bringt.

Das wussten auch schon die Mönche, die hier über hunderte Jahre hinweg Weinbau betrieben. Die Tuscia – wie die Gegend rund um den Lago di Bolsena heißt – war aufgrund ihrer Nähe zu Rom stets Kirchenland und somit in den Händen oft weinaffiner Brüder. Die von ihnen gelegten Weinbautradition der Gegend geriet jedoch nach ihrem Abzug im ausgehenden 19. Jahrhundert schnell in Vergessenheit und erfuhr erst in den letzten Jahren wieder eine Renaissance.

WEINE

Andrea Occhipinti folgt mit seinen Weinen den vorgetretenen Spuren. Er arbeitet seit jeher biologisch im Weingarten und setzt im Keller neben Stahl vor allem auf alte Zementzisternen und Tonamphoren. Er vergärt spontan, mazeriert eher kurz und begnügt sich mit maximal eineinhalbjährigen Ausbauzeiten. Er filtert grob und schwefelt minimal. Sein Repertoire umfasst mittlerweile siebenWeine, wobei der Friccicarello, ein in der Flasche vergorener Aleatico-Frizzante der letzte Neuzugang ist und animierend, süffig und fruchtbetont einen guten Prolog für die weiteren Weine bildet.

Aleatico ist auch der alleinige Protagonist für vier weitere Weine: den Alter Ego, der das Gesicht der roten Traube als Weißwein vinifiziert widerspiegelt, dabei vor allem gelbfruchtige Aromen in den Mittelpunkt rückt und den exzellenten Alea Rosa, der eine elegante, weiche und rotfruchtige Brücke hin zum Alea Viva schlägt. Vierzehn Tage auf der Maische und 18 Monate im Zement addieren zu den klassischen Kirschnoten des Aleatico auch noch Weihnachtsgewürze und Pfeffer und eine warme und einladende Textur. Der vierte Aleatico im Bunde ist der Montemaggiore, der süß ins Glas kommt und den Weihnachtskeksaspekt noch zusätzlich verstärkt.

Aleatico als gleichgestellter Partner neben Grechetto rosso findet sich Rosso arcaico, wobei sich das arcaico vor allem der Ausbaumethode in der Amphore verdankt. Die weiche Textur des Aleatico wird hier von der immanenten Frische und Lebendigkeit des Grechetto rosso ergänzt, rote Frucht und Kräuter bestimmen das Aromaprofil. Ganz für sich alleine tritt der Grechetto rosso im La Caldera auf: über 18 Monate im Zement ausgebaut manifestiert sich in ihm eine saftige Textur, ein dichter, warmer und etwas ausladender Körper und eine Aromatik, die sich neben reifer Frucht vor allem über Kräuter und Unterholznoten definiert.

Andrea Occhipinti

Stada Comunale Monte Maggiore snc – 01010 Gradoli
Tel: +39 0633249347/+39 335 5789773
www.occhipintiagricola.it
info@occhipintiagricola.it

WEINE

Friccicarello (Aleatico frizzante)
Alter Ego (Aleatico – weiß)
Alea Rosa (Aleatico rosé)
Alea Viva (Aleatico)
Montemaggiore (Aleatico süß)
La Caldera (Grechetto rosso)
Rosso arcaico (Grechetto Rosso/Aleatico in der Amphore)

Die Preise der Weine liegen zwischen € 10 und € 18 (2017)

Andrea Occhipintis Weine gibt es bei Del Fabro in  Wien

LINKS

Latium

Andrea Occhipinti ist Mitglied bei Vinnatur, Vignaioli artigiani naturali und nimmt außerdem alljährlich an den Manifestation von Livewine, La Terra Trema und Vinnatur teil

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Aleatico, Grechetto rosso
Rebfläche: 5 ha
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Maurizio Altea und Adele Illotto sind die beiden Köpfe hinter dem nach ihnen benannten Weingut in Serdiana (IGT Sibiola), 20 Kilometer nördlich von Cagliari. Beide sind diplomierte Landwirte und professionelle Verkoster, die ihrer Begeisterung für die Sensorik ab 1992 auch noch die vitikulturelle Praxis folgen ließen. Wurde anfangs lediglich für den Hausgebrauch produziert, füllten die beiden ab dem Jahr 2000 in Flaschen ab und nachdem Adele 2004 ihre Ausbildung in Weinbau und Önologie abgeschlossen hatte, wurde es richtig ernst.

ZWISCHEN WILDEM FENCHEL UND WERMUT

Insgesamt 5 Hektar Rebfläche gehören den beiden heute, hinzu kommen noch 2 Hektar Olivenhaine in Seneghe nahe Oristano. Umzingelt sind die Reben von Hecken aus wildem Fenchel und Wermut, hinter denen sich eine Flora aus Myrten und wilden Pistazien, Korkeichen und Wacholder auftut. Das Land ist sanft gewellt, die Böden bestehen vorwiegend aus tiefen schichten Kalkmergel. Gewirtschaftet wird seit jeher biologisch, wobei man darauf Acht gibt, möglichst wenig Kupfer zu verwenden (was, angesichts der extrem trockenen Bedingungen auf Sardinien zugegebenermaßen einfacher ist, als beispielsweise in Rheinhessen).

Serdiana ist – wie auch der große Rest Sardiniens – steinaltes Rebland, dessen Traditionen sich auch im Sortenspiegel und in den Erziehungssystemen (alberello) von Altea Illotto wiederfindet: Nuragus, Nasco, Moscato, Monica, Carignano, Muristellu führen tief in die vitikulturelle Geschichte Sardiniens zurück und auch Vermentino und Cannonau gibt es auf der Insel seit gut 700 Jahren. Der Ertrag ist sowohl bei Weiß,- wie auch bei Rotweinen niedrig, was  vor allem damit zu tun hat, dass man kaum düngt und nicht bewässert.

DIE WEINE

Nachdem beide (wie auch ich) davon überzeugt sind, dass Hefen eine elementare Rolle in der Repräsentation von Terroir spielen, verzichtet man auf Reinzuchthefen und vergärt spontan. Ausgebaut wird ausnahmslos in Stahl, geschönt und gefiltert wird bei keinem Wein, während sich der Gesamtschwefel meist bei ca. 40g/l befindet.

Der Schwerpunkt von Altea Illotto liegt auf den Weißweinen, in denen man salzig, mandelig, kräuterig und warm die Insel schmeckt. Vor allem im Bianco, der fast zur Gänze aus Nasco gekeltert wird und warm und weich den Prolog für den Papilio gibt, in dem – dicht, kraftvoll und fordernd – Nuragus die Hauptrolle spielt (assistiert von Vermentino & Nasco). Der Altea rosso ist eine Cuvèe aus den oben erwähnten alten autochthonen Sorten der Insel und ein fantastisches Beispiel dafür, dass auch warme und alkoholreiche Weine Balance, Vitalität und Trinkfluss haben können.

Via Don Minzoni, 12 – 09040 Serdiana (CA) Sardegna – Italia
Tel/Fax 0783 70306 – Cell. 339 6773628 – 339 1260519 | Skype: maurizio.altea – Skype: adele.illotto | Mail: info@alteaillotto.it |  www.alteaillotto.it

WEINE

Altea bianco (Nasco (80%), Vermentino, Nuragus)
Papilio (Nuragus (90%), Vermentino, Nasco)
Altea rosso (Cannonau, Monica, Carignano, Muristellu)
In fundo (süß – Moscato)

Die Weine kosten ab Hof zwischen 10 und 15 Euro. Im deutschsprachigen Raum sind sie derzeit nicht erhältlich.

Besuche am Weingut sind nach Voranmeldung jederzeit möglich. Beim Kauf von zwei Flaschen Wein (p.P) ist die Verkostung gratis.

Gemeinde: Serdiana(CA)
Rebfläche: 5 ha
Boden: marne calcaree
Höhe: 150 m
Rebsorten: Nasco, Nuragus, Vermentino,  Cannonau, Carignano, Monica, Muristellu
Reberziehungssysteme: alberello, guyot
Pflanzdichte: 4000 Stöcke/ha
Behandlungen: Kupfer und Schwefel
Dünger: Gründüngung
Art der Lese: Handlese
Zertifizierung: biologisch (ICEA)

Teil 2 über eine der missverstandsten Familien der Welt

– Lambrusco Maestri

Toppt den Grasparossa bezüglich Dunkelheit und Gerbstoff. Maestri findet sich vor allem in der Ebene und den ersten Apenninhügeln zwischen Reggio Emilia und Parma. Reinsortige Lambrusco Maestri gibt es nur wenige, doch werden eine ganze Menge spannender Interpretationen produziert, in denen die Sorte ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Im Verbund mit der Grasparossa beispielsweise gibt sie eine rustikale, pulsierende und aggressive Antwort auf die maßvollen, ausgeglichenen und zurückhaltenden Salamino und Sorbara. Alle vier gehören zur Lambruscofamilie, doch könnten die sensorischen Unterschiede zwischen ihnen kaum größer sein. Exzellente Versionen gibt es, wie bereits erwähnt, gleich mehrere. Allen voran der Neromaestri (70% Maestri und 30% Grasparossa) von Roberto – nomen est omen – Maestri von der Azienda Quarticello, der Pozzoferrato von Storchi oder der Lambrusco Fermente der Agricola La Collina.

 

– Lambrusco Marani

In der Ebene rund um Reggio Emilia zu Hause. Immerhin die drittwichtigste Sorte in Sachen Quantität, wobei mir bislang noch keine wirklich atemberaubende Interpretation davon untergekommen ist.

 

– Lambrusco Fiorano

Fiorano kennt man vor allem als private Teststrecke für Ferrari-Boliden, die kleine Stadt südlich von Modena ist aber auch Namensgeber eines Mitglieds der Lambrusco-Familie. Dank seiner großen Beeren ist Lambrusco Fiorano bisweilen auch unter der Namen Lambruscone (das Suffix -one verweist auf etwas Gewichtiges/Großes) bekannt. Da sie nicht besonders robust ist und folglich anfällig für alle mögliche Krankheiten, hat sie trotz ihrer exzellenten Qualitäten bei den Winzern keinen allzu guten Stand. Claudio Plessi lässt sich davon nicht irritieren und keltert aus ihr den Lambruscaun, einen balsamischen, kirschfruchtigen, würzigen und nur leicht perlenden Wein.

 

– Lambrusco Barghi

Wie schon beim Lambrusco Fiorano gibt es auch vom Lambrusco Barghi kaum reinsortige Versionen, die eine, die ich kenne, hat es allerdings in sich. Der Rio degli Sgoccioli stammt aus den Weingärten von Vanni Nizzoli (Cinque Campi), einem der besten Winzer der Emilia und etwas südlich von Reggio Emilia beheimatet. Zwar wurde die Sorte seit jeher als qualitativ äußerst hochwertig angesehen und auch aufgrund ihrer Resistenz gegen Botrytis und ihres generell hohen Zuckergehalts hochgeschätzt, doch wurden ihr ihre dicke Schale und folglich ihr geringer Saftertrag zum Verhängnis. Heute ist sie fast ausgestorben. Vanni Version riecht nach Unterholz und Kirschen, ist saftig und einladend, hat griffige Tannine und eine lebhafte Perlage und macht Druck am Gaumen und darüber hinaus.

 

– Lambrusco Montericco

Ein Klassiker vergangener Zeiten in der Gegend rund um Albinea. Findet sich heute leider nur noch sporadisch. Schuld daran dürfte die relativ hohe Säure haben. Fließt heute meines Wissens nur noch in Cuvèes ein z.B. in den exzellenten Sottobosco von Ca’de Noci.

 

Weitere Lambruscosorten, über die ich bisher allerdings kaum Bescheid weiß, sind

Lambrusco Viadanese (rund um Mantua)
Lambrusco Oliva
Lambrusco di Corbelli
Lambrusco Benetti

Paulo Ghiddi vereint auf seinem 7 Hektar großen Weingut bei Castelvetro di Modena gleich mehrere Professionen: er praktiziert vorrangig als Winzer, ist aber zudem noch als Hotelier (ein kleiner Agriturismo), Getreide- & Gemüsebauer (Dinkel, Gerste, Artischoken), Essigproduzent (Aceto Balsamico) und Gastwirt tätig. Er arbeitet seit der Steinzeit der offiziellen Zertifizierung biologisch und keltert Weine, die sich zwar vorwiegend lokalen Traditionen gelegentlich aber auch Vorlieben von Paolo verdanken. So hat er neben die in der Zone omnipräsente Lambruscovariante Grasparossa und Trebbiano di Spagna auch ein wenig Cabernet Sauvignon und Chardonnay gepflanzt und dabei den Schmähungen diverser Kollegen widerstanden. Vinifiziert wird allerdings so wie sich das für diesen Teil der Emilia gehört. Einer ersten Gärung in Zement oder Stahl folgt eine Zweitgärung in der Flasche und folglich Weine, die allesamt ordentlich sprudeln und schmecken.

WEINE: Richtig spannend und gut wird es dabei gleich beim ersten Wein, dem Matris Album, einer nach der methode ancestrale vinifizierten Cuvèe aus Trebbiano di Spagna, mit mikroskopischen Anteilen Garganega und Chardonnay. Voluminös, ausladend und üppig kontert sie spät aber dafür nachhaltig mit Säure und punktet am Gaumen wie in der Nase vor allem mit hefigen Noten, Kamille und Minze. Die Nummer zwei der Matris Rubellum, ein ebenfalls flaschenvergorener Rosato, ist straff und zurückhaltend, die ist Textur elegant und kühl, die Hefearomen weichen floralen Noten. Die Nummer drei im Matristrio ist der Matris rubrum, in dem ebenfalls Grasparossa den Ton angibt, allerdings nicht allein – unterstützt wird er von Uva Tosca und dem bereits erwähnten Cabernet Sauvignon – (im einstelligen Prozentbereich). Der hat – zumindest aromatisch – eher wenig zu melden, sorgt allerdings dafür, dass der ohnehin nicht tanninarme Grasparossa nochmals zusätzlich Rückgrat bekommt. Die Aromen sind dunkel und saftig, die Struktur ist, dank einer sehr lebhaften Perlage, animierend und der Körper ist kraftvoll aber elegant.

ps: Paolo Ghiddi hat in Form der Podere Cervarolo quasi einen Untermieter – das kleine, eben erst gegründete Weingut von Andrea della Casa vinifiziert seine Weine im Keller von San Polo. Wer also in die Gegend aufbricht, bekommt am Hof von Paolo die Weine von gleich zwei ausgezeichneten Winzern zu probieren.

Azienda San Polo
Via San Polo 5
Castelvetro di Modena
Tel: +39 348 0738343
info@agrisanpolo.it
www.agrisanpolo.it

WEINE

Matris album
Matris rubellum
Matris rubrum

Die Weine kosten ab Hof um die € 8 (2017).

Jahresproduktion: ca.30000 Flaschen
Rebsorten: Trebbiano di Spagna, Garganega, Lambrusco grasparossa, Uva Tosca, Cabernet sauvignon
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Via Malafrasca 216 –  San Casciano in Val di Pesa, Florenz
Telefon: 329.3253058 Dario –  339.3770699 Matteo
E-mail: laginestrafarm@gmail.com
www.laginestra.toscana.it

WEINE

Sant’ellero
Jun
Sangio Panza
La Vale del Vento
Habemus
Chioccia (Trebbiano)

Die Weine kosten ab Hof zwischen 10-18 Euro.

La Ginestra ist Mitglied bei den Vignaioli Artigiani Naturali

La Ginestra ist vielmehr als nur ein Weingut. Es ist zuallererst eine Idee, an deren Verwirklung man sich 1978 gemacht hat. Damals lieh sich eine Gruppe junger Menschen das Land eines enteigneten Adeligen südlich von Florenz, um dort alternativen Lebensentwürfe Realitität werden zu lassen. Vom ursprünglichen Kollektiv ist zwar heute niemand mehr dabei, La Ginestra gibt es allerdings noch immer – betrieben von zwei Urgesteinen, die in den 80er Jahren in das Projekt einstiegen und einem guten Dutzend junger Leute aus unterschiedlichsten Ländern und Kontinenten.

Weinbau spielt im Konzept von La Ginestra nur eine untergeordnete Rolle. Er ist Teil eines auf Ganzheitlichkeit setzenden Denkweise, in der eine Handlung in die nächste greift und alle Produkte und Leistungen sich gegenseitig ergänzen. La Ginestra besteht aus einem Agriturismo (5 Appartements), einem Restaurant und einem Bauernhof auf dem Schweine gezüchtet und verarbeitet und Hühner artgerecht gehalten werden, wo man Weizen, Hafer, Dinkel und Saubohnen in Rotationswirtschaft anbaut, Olivenöl, Mehl und Honig herstellt, eine Baumschule betreibt und eben auch Reben kultiviert und daraus Wein keltert und Grappa destilliert. 100 Hektar stehen dafür insgesamt zur Verfügung, allesamt biologisch zertifiziert. La Ginestra steht exemplarisch dafür wie Landwirtschaft sein könnte und sollte.

Insgesamt keltert man auf La Ginestra 6 Weine. Da man sich mitten im Chianti befindet, kommt dem Sangiovese tragende Bedeutung zu. Gleich in vier Weinen gibt er ganz alleine den Ton an: im exzellenten, geradlinigen und saftigen La Vale del Vento, im fruchtbetonten, einfach gestrickten und einladenden Sant’ellero und in den ambitionierten, kräftigten und gut strukturierten Versionen Jun und Sangio Panza. Dazu kommt noch eine Cuvèe in dem er zwar die Hauptrolle gibt, allerdings von Cabernet Sauvignon, Alicante und Canaiolo unterstützt wird und wo Kräuternoten, die klassischen roten Fruchtnoten und floralen Nuancen ergänzen. Abgerundet wird das Sortiment von einem gelbfruchtigen, weichen und trinkigen Trebbiano. Sämtliche Weine wurzeln in Alberese, einem Kalk-Mergelgemisch mit einem hohem Calciumcarbonatanteil, ein geologischer Fakt, der für gewöhnlich – und auch bei La Ginestra – eine feingliedrige Grundstruktur der Weine zeitigt. Da auf La Ginestra generell nicht geschwefelt wird, sind die Weine grundsätzlich früh zugänglich und offen.

Pünktlich zur Weihnachtszeit eine Familiengeschichte.

Lambrusco ist zwar kein Dauerthema auf vino e terra, allerdings zugegebenermaßen eines, das mehr Aufmerksamkeit bekommt, als andere. Das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen hat vino e terra sein Hauptquartier in Modena, also im Schnittpunkt der drei wichtigsten Lambruscoappellationen, weshalb es quasi tagtäglich die Möglichkeit gibt, sich damit zu beschäftigen. Zum anderen schlägt sich Lambrusco mit einer desaströsen Reputation herum, die zwar durchaus selbstverschuldet sein mag, der jedoch immer mehr handwerklich und biologisch arbeitende Winzer brillante Interpretationen entgegensetzen. Und die gilt es eben immer wieder vorzustellen.

Dem katastrophalen Ruf mag es auch geschuldet sein, dass sich eigentlich niemand außerhalb der Emilia mit Lambrusco auseinandersetzen will. Das führt fast zwangsläufig zu Überraschungen und Missverständnissen. Denn die Welt des Lambrusco ist nicht wirklich einfach zu verstehen. Was sich als banale und süß-klebrige Einheitsplörre im Unterbewusstsein vieler Weintrinker festgesetzt haben dürfte, hat eine lange und durchaus beachtliche Geschichte und ist zudem wesentlich vielschichtiger als gemeinhin angenommen. Auch die gilt es – ein andermal – nachzuerzählen.

Das Lambrusco, also die geographische Zone zwischen Bologna und Parma, hat seinen Namen von einer Rebsortenfamilie, die in sich nicht nur extrem heterogen ist, sondern auch heute noch aus immerhin 15 Mitgliedern besteht – vor 200 Jahren waren es doppelt so viel. Wie viele es vor 2000 Jahren waren, steht in den Sternen – Fakt ist jedoch, dass es die Lambruscofamilie damals bereits gab, was sie zur vermutlich ältesten unter den oft sehr alten Rebsortenfamilie Italiens macht. Es war also Zeit genug vorhanden, um sich – bei allen genetischen Übereinstimmungen, die es gab und gibt – entsprechend auseinander zu entwickeln. Das Lambrusco ist heute ein Sammelsurium an Rebsorten mit eigenen morphologischen, physiologischen aber auch sensorischen Attributen und wer in die Gegend aufbricht oder zu Hause eine Flasche aufmacht, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass zwischen Lambrusco Grasparosso und Lambrusco Sorbara geschmacklich ungefähr so viel Ähnlichkeit besteht wie zwischen Cabernet Sauvignon und Pinot noir. Es lohnt sich folglich die unterschiedlichen Mitglieder der Familie genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die vier Wichtigsten:

Lambrusco di Sorbara

Südlich von Modena beheimatet. Weit und breit keine Erhebung. Dafür flache Sandböden und viel Luftfeuchtigkeit, die ideale Umgebung für Tomaten, Pfirsichbäume und …  Sorbara. Trotz bisweilen tropischer Verhältnisse (es kann im Sommer über Monate hinweg sehr heiß werden) kann man aus Sorbara im Idealfall elegante, zarte, ätherisch-leichte und duftige Weine keltern.

Bergianti produziert einen exzellenten reinsortigen Sorbara, Paltrinieri macht ebenfalls eine gelungene Version.

Lambrusco Salamino: Elegant, cremig, dunkle rote Beeren, Blütennoten, weich, sanft und einnehmend: zumindest würde ich ungefähr so Luciano Saettis Lambrusco Salamino beschreiben: den besten, den ich kenne. Die kurze und zylindrische Form der Traube führte dazu, dass ein paar betrunkene Bauern (oder Ampelographen) darin eine Salami erkannten – womit ihr etymologisches Schicksal besiegelt war.

Salamino findet sich vor allem in der Ebene zwischen Carpi und Modena. Satte 4000 Hektar sind damit bestockt, meist auf Sand, Schlick oder Ton. Es bedarf also viel Feingefühl und Erfahrung auf Seiten der Winzer, um die Finessen der Sorte aufzudecken.

Luciano Saetti produziert neben seinem Lambrusco auch noch einen exzellenten Rosato, den Il Cadetto. Ebenfalls ausgezeichnet ist der Ferrando von Quarticello. Dunkelfruchtigr, kraftvoller aber immerhin gut strukturiert ist der Albone von der Podere Il Saliceto. Bergianti, ein junges Weingut nahe Carpi tendiert mehr in die Richtung Saettis und macht aus Lambrusco Salamino (und 20% Lambrusco di Sorbara) den eleganten, dynamischen und rotbeerigen Bergianti rosso.

Lambrusco Grasparossa: Muskulös, saftig, dunkelfruchtig und kompakt. Grasparossa ist die forderndste und intensivste Lambruscovariante. Sie hat ordentlich Tannin und eine strukturierende Säure und wenn alles richtig gemacht wird (und es gibt eine ganze Menge an Winzern, die mittlerweile genau wissen, was sie tun), bekommt man einen Wein ins Glas, der nicht für ein farbliches Spektakel sorgt (dunkelblau mit violettem Schaum) sondern als Gesamtkunstwerk punktet. Wobei – anders als beim Salamino oder Sorbara – nicht Eleganz sondern Kraft und Konzentration das letzte Wort haben. Ich vermute auch, dass sich Grasparossa über Jahre hinweg sehr positiv entwickelt, weshalb ich erste Flaschen eingemottet habe.  Grasparossa findet man vor allem in den Hügeln südlich von Modena.

Wer Lust hat, sich mit Grasparossa zu beschäftigen, sollte auf jeden Fall Vittorio Grazianos Fonte dei Boschi und Claudio Plessis Tiepido probieren. Ganz fantastisch sind auch der Cenerino von der gerade erst ins Leben gerufenen Podere Cervarolo und der Matris rubrum von San Polo. Alle vier Winzer befinden sich nur ein paar Kilometer von Modena entfernt. Weiter im Westen, in den Hügeln südlich von Reggio Emilia gibt es mit dem Libeccio 225 von Denny Bini ebenfalls eine sehr gelungen reinsortige Versionen. In vielen anderen Lambruschi dient Grasparossa als Cuvèepartner und sorgt darin für Farbe, Gerbstoff und Cremigkeit (Ca‘ de Nocis Sottobosco, Quarticellos Despina, Angol d’Amigs Rosso etc.).

 

Vom Rest der Lambruscofamilie wird dann in den nächsten Tagen erzählt:

Lambrusco Maestri
Lambrusco Marani
Lambrusco Fiorano
Lambrusco Barghi
Lambrusco Montericco
Lambrusco Oliva
Lambrusco di Corbelli
Lambrusco Benetti
Lambrusco Viadanese

Die Geschichte von Montesecondo, dem Weingut von Silvio Messana, reicht ins Jahr 1963 zurück. Damals beschloss sein Vater, seinen Besitzungen in Tunesien, wo die Familie damals lebte, noch ein Weingut in der Toskana anzuhängen. Land in den Ausläufern des Chianti Classico war damals günstig. Der Toskana-Tourismus ließ noch ein paar Jahre auf sich warten und mit dem Wein, den man damals produzierte – und meist an die Genossenschaften ablieferte – wurde man auch nicht reich. Silvios Vater setzte dennoch Reben in die Erde, seine Idee in der Toskana Wein zu produzieren, konnte er allerdings nicht umsetzen. Er starb zu früh.

Nachdem Silvio damals in Florenz studierte und der Großteil der Familie weiterhin in Tunesien lebte, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Geschäfte fürs erste selbst zu übernehmen. Lust darauf hatte er wenig. Er versuchte das Weingut zu verkaufen. Das funktionierte allerdings nicht wie gewünscht, doch fand er immerhin jemanden, der für ihn die Weingarten bewirtschaftete. So konnte er sich für die nächsten 15 Jahre nach New York verabschieden, wo er zum einen als Musiker zum anderen aber auch als Weinhändler arbeitete.

BIODYNAMIK

Im Jahr 2000 zog er einen Schlussstrich unter Amerika und kehrte in die Toskana zurück. Er hatte, pünktlich zum Jahrtausendwechsel, beschlossen Winzer werden. Die ersten beiden Jahre sammelte er Erfahrungen. Er sprach mit Winzern der Umgebung, pflanzte – wie das damals üblich war – Cabernet Sauvignon neben die schon vorhandenen Sangiovese, Canaiolo und Colorino und kaufte sich sukzessive einen kleinen Keller zusammen. Die große Zäsur fand im Jahr 2003 statt. Der konventionellen Landwirtschaft nicht nur überdrüssig, sondern auch gesundheitlich von ihr angegriffen, besuchte er ein Seminar von Nicolas Jolys über biodynamischen Weinbau in Bologna. Wieder zu Hause angekommen, entsorgte er seinen Giftschrank und startete umgehend mit der Demeter Zertifizierung.

In den nächsten 10 Jahren folgte dann ein Schritt auf den nächsten: dabei wurde ihm der Einfluss seines Terroirs immer deutlicher bewusst und die Notwendigkeit es so präzis wie möglich in Wein zu übersetzen. Der Blick zurück in die Geschichte des Chianti Classico gewann folglich ebenso an Bedeutung wie die Erkenntnis seinen Weinen im Keller die Freiheit zu lassen, die sie brauchten, um ihr Potenzial auf den Punkt zu bringen.

CHIANTI WIRKLICH CLASSICO

Er setzte auf klassische Alberello-Erziehung in den Weingärten, spontane Vergärung im Keller und den Ausbau in Zement und Holzbottichen. Er fuhr den Schwefeleinsatz zurück, vertraute auf die natürliche Klärung der Moste und filterte nicht mehr. Und schaffte es damit sukzessive, seinen Weinen immer mehr Identität und Individualität zu verleihen.

Silvios Weine haben mit den meisten zeitgenössischen Versionen, die man aus der Gegend kennt, wenig zu tun. Es sind radikale Gegenentwürfe zu einer verfehlten Vorstellung dessen, was Chianti heute definiert. Den weichgespülten, braven und von internationalen Rebsorten geprägten Versionen vieler Winzer, setzt er Interpretationen entgegen, die puristisch, kühl und geradlinig mit jeder Gefälligkeit dem Chianti-Konsortium gegenüber kompromisslos aufräumen und gerade deswegen dem Konsumenten wieder Trinkfluss und – wenn man sich darauf einlässt – auch Authentizität bescheren.

Silvios Chianti Classico (2015) entsteht aus Sangiovese, Canaiolo und Colorino und wird teils in großen Holzfässern, teils in Zement ausgebaut: er trägt seine Blässe mit Würde, auch deswegen, weil er weiß, dass es nicht um Äußerlichkeiten geht. Erde, Laub und frische rote Fruchtaromen prägen das Aromaprofil, Dynamik, Energie und Vitalität den Gaumen. Die Struktur ist gebündelt und druckvoll, dabei allerdings nie streng. Eleganz weist den Weg.

Dem Chianti Classico zur Seite steht der Montesecondo (2015), ein reinsortiger Sangiovese, der zur Gänze in Zement ausgebaut wird. Klar, geradlinig, feingestrickt und lebhaft zeigt er, dass Sangiovese auch im Basisbereich blendend funktioniert und keine Verstärkung von Cabernet & Co. braucht.

Der Cabernet, den er Anfang der 2000er ausgesetzt hat, spielt die Hauptrolle im Rospo (2014): im Zement ausgebaut setzt er einen Kontrapunkt zu quasi allen Cabernets, die mir je untergekommen sind. Elegant, zurückhaltend und fruchtpräzis schafft er es völlig eigenständige Aroma- und Texturwelten für sich zu reklamieren. Bleibt der TÏN (2013), Silvios Opus Magnum: über 10 Monate in der Amphore ausgebaut ist er die Quintessenz dessen, was Sangiovese im nördlichen Chianti Classico zu leisten und zu repräsentieren vermag. Er ist pulsierend und animierend und dabei doch profund und gehaltvoll. Er ist luftig und zart und dabei doch vollmundig und saftig. Er hat Trinkfluss und doch Aura. Seine Aromen spannen Bögen, die sowohl Frucht wie auch Erdnoten Platz einräumen und sich wohl mit der Zeit noch wandeln werden.

Zu guter Letzt  vinifiziert Silvio auch noch einen weißen TÏN: Die Basis bildet Trebbiano toscano und wie schon das rote Pendant wird auch hier in der Amphore vergoren und ausgebaut. Das Ergebnis ist ähnlich spektakulär. Nach 6 Monaten auf den Schalen hat der TÏN bianco (2014) eine einladende , vibrierende und saftige Textur, enormen Zug und eine gebündelte, gelbfruchtige Direktheit, die sich durch den Mund bis zum Gaumen zieht. Steinige und feinkräutrige Aromen sorgen für zusätzliche Komplexität, eine ausgewogene Säure- und Gerbstoffachse liefern Struktur und gleichzeitig die Garantie für ein langes Leben.

12 Dez 2017

LuccaBiodinamica

Tenuta Lenzini
Nicobio
Al Podere di Rosa
Macea
Calafata
Maesta‘ della formica
Fabbrica di San Martino
Fattoria Sardi Giustiniani
Podere Concori
Fattoria Collaverde
Tenuta Mareli
Valle del Sole
Tenuta di Valgiano

LuccaBiodinamica ist eine der agilsten und spannendsten landwirtschaftlichen Vereinigungen der Toskana. Offiziell gegründet wurde LuccaBiodinamica am 20. Juli 2016, nachdem man sich bereits im Jahr 2013 zusammensetzte, um ein adäquates Programm zu entwerfen. Tragende Säulen sind die Prinzipien der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft. Dabei geht es den derzeit 13 Mitgliedern nicht nur um die Anwendung biologischer und biodynamischer Prinzipien in ihren Weingärten, sondern auch um deren Verbreitung. Ein positiv missionarischer Gedanke, der zwar auch anderen Vereinigung innewohnt, jedoch nicht so dezidiert im Programm verankert ist. Erwähnenswert ist zudem die Idee, dass Landwirtschaft den Boden nicht ausnutzen, sondern ihn vielmehr bereichern soll.

Sämtliche Mitglieder stammen aus der Provinz Lucca, genauer aus den Gemeinden Borgo a Mozzano, Camaiore, Capannori, Careggine, Gallicano und Lucca. Dabei vereint LuccaBiodinamica sowohl eine Handvoll exzellenter Winzer (kaum sonstwo in der Toskana finden sich mit der Podere Concori, Tenuta di Valgiano, Calafata, Macea, Al Podere di Rosa und der Fabbrica di San Martino so viele exzellente Winzer auf so engem Raum) wie auch Olivenöl- und Honigproduzenten und Gemüsebauern (ganz fantastische verarbeitete Produkte hat die Maesta‘ di Formica). Mehrere Prduzenten (Nicobio, die Fabbrica di San Martino, Macea und Al Podere di Rosa) bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Via San Martino, 1 – Località Ponte Ronca – 40069 Zola Predosa (Bologna)
Tel: 051 756763
Email: info@mariabortolotti.it
www.mariabortolotti.it

WEINE

  • Mamolo (Pignoletto: vino bianco)
  • Falestar (Pignoletto: vino bianco frizzante)
  • Dardleina (Barbera: vino rosé frizzante)
  • Bosco (Pignoletto: vino bianco)
  • Matilde (Barbera: vino rosso)
  • Natura ama nascondersi (Barbera: vino rosso)
  • Armando (Barbera, Cabernet S., Colorino: vino rosso)
  • Dolcedò (Pignoletto: vino bianco dolce passito)
  • Bibendum (Barbera vendemmia tardiva:Vino rosso)
  • Eligio (Sauvignon: Vino bianco)

Die Preise der Weine liegen zwischen € 10 und € 20 (2017)

Flavio Canetti ist Mitglied bei den Vignaioli Artigianali Naturali

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Pignoletto, Sauvignon blanc; Barbera, Cabernet sauvignon
Rebfläche: 6 ha
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Flavio Cantellis sechs Hektar großes Weingut liegt kurz hinter der Peripherie Bolognas, genau dort, wo erste Hügel langsam und noch sehr sanft in Richtung Apennin aufsteigen. Ausgesucht hat diesen Platz seine Mutter Maria Bortolotti vor knapp 30 Jahren, als sie nach Jahren des Zauderns beschloss, ihren Beruf als Lehrerin an den Nagel zu hängen, um endlich das zu werden, was sie immer werden wollte: Winzerin. Neben bereits vorhandene Rebstöcke setzte sie noch Barbera, Sauvignon blanc und Pignoletto in die Kalk-Ton-Böden, allesamt Sorten, die – auch wenn man das kaum glauben mag – seit Jahrhunderten in der Gegend heimisch sind (laut Flavio könnte es durchaus sein, dass Barbera nicht vom Piemont in die Colli Bolognesi wanderte, sondern die Migration genau in die entgegengesetzte Richtung stattfand. Dokumente bezeugen die Sorte bereits im 12. Jahrhundert in der Gegend rund um Bologna, zu einem Zeitpunkt, als es dergleichen Aufzeichnungen rund um Asti und Alba noch längst nicht gab.)

Zwei Generationen: Von Anfang an bewirtschaftete Maria ihre Weingärten biologisch, seit 1992 ist sie entsprechend zertifiziert. Flavio hat daran nie etwas geändert. Im Gegenteil. Den kompromisslosen Weg seiner Mutter (die übrigens noch immer am Weingut werkt) ist er noch ein Stück weitergegangen. Er experimentiert mit extremen Stockdichten und Niedrigerziehung und versucht sich zudem an Rebsorten, die selbst die ältesten Winzer der Gegend nur noch vom Hörensagen kennen. Und letztlich hat er auch im Keller Entscheidungen getroffen, die dazu geführt haben,  dass er heute Weine keltert, die weit über dem stehen, was man ansonsten aus dieser Ecke kennt. So schafft er es, dem meist eher durchwachsenen Pignoletto sein ganzes Potenzial (Bosco) zu entlocken und interpretiert ihn zudem gleichermaßen erfolgreich in unterschiedlichsten Stilistiken (Falestar, Mamolo). Fast noch erstaunlicher ist der Eligio, seine Sauvignon blanc Interpretation, die reif gelesen und auf der Maische vergoren, meilenweil von den dünnen, grün-grasigen Allerweltversionen entfernt ist, die uns von einem dumpfen Allerweltjournalismus noch immer als sortentypisch vorgegaukelt wird.  Flavios Sauvignon wirkt warm, gelbfruchtig, herbstlich und generös, die Säure ich weich aber strukturgebend, der Körper muskulös aber entspannt.

ROT: Und auch seine Barbera können sich sehen lassen. Die notorische Säure der Sorte wird in den meisten Jahren von der emilianischen Sonne in ein Gleichgewicht gebracht, von der die meisten Piemonteser Versionen nur träumen können. Insofern haben seine Rotweine ein Gleichgewicht aus Frucht, Erde, Kraft, Tannin und Säure, das man sich viel öfter wünschen würde.

Kooperation: Die Entwicklung ist dabei noch längst nicht abgeschlossen. Jede Neuerung, jeder Schritt, der ihn auf noch unbekanntes Terrain führt, wird genau beobachtet und analysiert. Er probiert neue Gebinde aus, experimentiert mit Maische- & Ausbauzeiten, reduziert die Schwefelmengen und filtert immer seltener. Dabei steht ihm oft Claudio Plessi zur Seite, ein brillanter Winzer aus dem zwanzig Kilometer entfernten Caselnuovo Rangone, mit dem er sich den Weinkeller teilt (bzw. ihn auch Claudio zur Verfügung stellt.) Gemeinsam loten sie aus, was möglich ist und keltern dabei Weine, die sich längst als Messlatte für die anderen Winzer ihrer jeweiligen Regionen erweisen.

Timorasso ist eine alte Sorte und dabei doch ein neues Phänomen. Bevor die Reblaus ihr Unwesen in den Weinbergen Italiens trieb, war sie vor allem im Südpiemont, in der Südlombardei und selbst in der Region um Genua weit verbreitet. Weggefressen von dem mikroskopischen Insekt war ihr danach eine Auferstehung fürs erste nicht gegönnt. Ein Grund dafür wird wohl der gewesen sein, dass sie im Weingarten nicht besonders pflegeleicht war: im Frühjahr verrieselte sie gerne und im Herbst wuchsen in ihren Trauben nicht nur unterschiedlich große Beeren, sie reiften auch oft noch zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Reblaus war folglich ein willkommener Anlass sie einfach zu vergessen.

IN DER HEIMAT DES CAMPIONISSIMO Doch passierte das Vergessen glücklicherweise nicht kollektiv: speziell in den Colli Tortonesi, einer bis heute tief bäuerlich geprägten Region und Heimat von Fausto Coppi, dem größten aller großen campionissimi, die Italiens Radsportwelt hervorbrachte, ignorierte man das Ignorieren und setzte weiterhin auf die eigenwillige Sorte. 1929 beispielsweise bestockten Carlo und Clementina Ricci ihre Weingärten in San Leto mit Timorasso, aus denen ihr Enkel Daniele heute einen Weißwein keltert, auf den sie mit Sicherheit stolz sein würde. Die Riccis waren allerdings viel zu leise und bescheiden, um die Sorte auf der Weinlandkarte Italiens zu positionieren. Dieses Verdienst kommt Walter Massa zu, der ein paar Kilometer weiter seit nunmehr zwanzig Jahren ein paar Weine keltert, die mit klarer aber eindringlicher Stimme  vom Potenzial des Timorasso erzählen: keine einfachen Weine, doch Weine, die ins Detail gehen und bei aller Stringenz und Geradlinigkeit am Gaumen doch auch Räumlichkeit und Tiefe erzeugen.

SENSORIK: Die stabile Achse des Timorasso ist seine Säure, weshalb ihn manche Kritiker recht voreilig mit Riesling vergleichen. Doch zum einen wirkt die Säure sensorisch anders, zum anderen kann man die fruchtige Aromatik des Rieslings im Timorasso lange suchen (zumindest in den Versionen von Daniele Ricci, Walter Massa, Valli Unite oder Andrea Tirelli). Dafür finden sich Mandeln, weiße Blüten, Kräuter und eine Menge Steine, die pauschal unter dem Schlagwort Mineralität laufen. Gut und behutsam vinifiziert (gesunde Beeeren, spontan vergoren und mit Geduld in großen Holzfässern ausgebaut) reift Timorasso über Jahre und Jahrzehnte  – Daniele Riccis 2004er San Leto hatte im Jahr 2017 noch immer eine quasi körperverwandelnde Saftigkeit und Frische.

Ein paar Timorassi:

Daniele Ricci: San Leto (einer der besten Weißweine Italiens)
Daniele Ricci: Terre di Timorasso (einfacher gestrickt aber noch immer exzellent)
Daniele Ricci: Giallo di Costa (auf der Maische vegoren)
Walter Massa: Sterpi (ein bisschen fett für meinen Geschmack)
Walter Massa: Costa del vento (topp)
Andrea Tirelli: Derthona Timorasso
Valli Unite: Dertona Timorasso

Daniele Ricci gehört zu den großen Weißweinwinzern Italiens – das wissen nicht viele aber immerhin genug, um ihn in der Zwischenzeit von seinen Weinen leben zu lassen. Vorbei sind die Jahre, als er in einer Mauthütte an der Autobahn saß und Autofahrer abkassierte.

ORT: Daniele wohnt und arbeitet in Costa Vescovedo, in den nördlichen Colli Tortonesi und pflegt dort Weingärten, die seine Großeltern größtenteils bereits 1929 angelegt haben. Viel ist seither nicht dazugekommen. Das liegt vor allem daran, dass Daniele an allen Arbeitsschritten mitwirken will, was sich mit sieben Hektar recht gut, mit 25 Hektar allerdings nicht mehr wirklich bewerkstelligen lässt. Seit Ende der 90er Jahre arbeitet er zertifiziert biologisch.

TIMORASSO & Co.: Zwar sind von der Mischwirtschaft seiner Großeltern nur die Rebstöcke geblieben, am Sortenspiegel hat sich allerdings seit damals nichts geändert. Die klare Nummer eins ist Timorasso, die mit Abstand interessante weiße Sorte aus dem Piemont, die von den richtige Händen gekeltert (und Danieles Hände sind genau richtig), tatsächlich richtig große Weine ergeben kann. Daneben wurzeln in seinen teils extrem steil abfallenden Hängen auch noch Croatina und Barbera, aus denen er zwei exzellente reinsortige Rotweine vinifiziert, die völlig unverdient ein wenig im Schatten seiner brillanten Timorassoversionen stehen. Dass er auch noch einen Nebbioloweingarten hat, weiß ich zumindest aus seinen Erzählungen – die daraus gekelterten Weine liegen seit Jahren in Holzfässern und Daniele wirkt nicht so, als hätte er Lust sie in den nächsten Jahren abzufüllen.

IDEE: Wie überhaupt Ruhe und Zeit zwei Attribute zu sein scheinen, die Daniele und seine Reben vereint. Er vermittelt sie in jeder seiner Handlungen und gönnt sie seinen Weinen, wann immer sie danach verlangen. Und das tun sie oft. Er lässt sie oft aber nicht immer lange auf der Maische ( bis zu 100 Tagen), noch länger auf der Hefe (zwei Jahre sind das absolute Minimum) und danach auf unbestimmte Zeit in der Flasche. Bei der letzten Verkostungen, wo wir uns gesehen haben (Oktober 2017), kreuzte er mit Weißweinen aus den Jahren 2001 (ok) und 2004 (umwerfend) auf.

Sein Sortiment basiert vor allem auf seinen unterschiedlichen Timorassoversionen, wobei man davon ausgehen kann, dass kein Wein wie der andere schmeckt. Daniele vinifiziert jeden Jahrgang so, wie er es gerade für richtig hält, spielt mit Lesezeitpunkten, Maischestand- und Ausbauzeiten, Gebinden (Holz & Zement) und demonstriert so zum einen sein tiefes Verständnis für seine Reben und sein Terroir und zum anderen die immense Bandbreite des Timorasso. In Danieles Fall bedeutet das, dass meist nicht zu knapp Säure auf eine oft weiche Textur prallt, die zwar gelegentlich von Gerbstoffen unterlegt aber eben nicht damit überladen ist. Die Weine weisen je nach Maischestandzeit und Flaschenreife unterschiedliche Aromaprofile auf, wobei Steinobst und Steine (ohne Obst) einen roten Faden bilden.

Daniele Ricci
Via Montale Celli, 9
Costa Vescovato (AL)
Tel. 0131 838115
cascinasanleto@libero.it

WEINE

Terre di Timorasso
Rispetto
Gialli di Costa
San Leto
Elso (Croatina)
Barbarossa (Barbera)
Castellania (Barbera)

Die Preise der Weine liegen zwischen € 12 und € 22 (2017) – die Weine von Daniele Ricci gibt es in Wien bei Vinonudo

LINKS

Piemont

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Timorasso, Barbera, Croatina, Nebbiolo
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja (BIOS)
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein – dafür lässt sich bei ihm bestens Essen

…obwohl ich lieber lang und mit all der Begeisterung und dem Respekt, den ich dafür empfinde, darüber schreiben würde. Ein anderes Mal. Also: Wie im übrigen Italien waren auch in der Pianura Padana und im emilianischen Apennin erst Ziegen und Schafe die Tiere zur Milchgewinnung und Käseproduktion. Das sollte sich um die erste Jahrtausendwende ändern, als die Klöster der Umgebung Innovationen in der Landwirtschaft initiierten und sukzessive Kühe das Kommando auf den Weiden übernahmen.

Auch wenn es heute unmöglich scheint einen genauen Zeitpunkt für die Herstellung der ersten Parmesanlaibe auszumachen, dürften die ersten diesbezüglichen Versuche bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. 1348 jedenfalls sprach Boccaccio im Decamerone von einem Parmesanberg („In una contrada, che si chiamava Bengodi… eravi una montagna di formaggio Parmigiano grattugiato, sopra alla quale stava genti che niuna altra cosa facevan, che fare maccheroni, e raviuoli, e cuocergli in brodo di capponi” – in einem Ort namens Bengodi… erhob sich ein Berg aus geriebenem Parmesan, auf dem die Menschen nichts anderes taten, als Maccheroni und Ravioli herzustellen und sie ihn Hühnersuppe zu kochen.) und seit damals bestimmt der Käse die Geschicke der Region.

Die Region: das waren über lange Zeit die Hügel zwischen Parma und Reggio Emilia, wobei sich im Laufe der Jahre und Jahrhunderte zunehmend auch noch die Dörfer rund um Modena und Bologna seiner Herstellung annahmen (und heute das eigentliche Herz der Parmesanproduktion bilden). Die Stadt, die sich bis heute als Geburtsort feiern lässt und auch mit einem nicht unbedeutendem Monument an der Ortseinfahrt auf seinen Status verweist, ist Barco di Bibbiano, doch ziehen sich quer durch das Land sogenannte Caselli, alte hexagonale und meist in hellblau (die Farbe, die einst mit Hirten und Bauern assoziiert wurde) gehaltene Produktionsstätten, deren spezielle Form sich der dadurch ermöglichten Luftzirkulation verdankte.

Die Milch stammt heute vorwiegend von Holstein-Kühen, eine, wie Wikipedia meint, großrahmige Hochleistungskuh mit genetischer Ausrichtung auf Milchproduktion. Das war, wie es der Namen andeutet, nicht immer so. Noch bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts trieben sich auf den Weiden und in den Ställen 140000 Rinderviecher der Rasse Bianca Modenese herum, die zwar exzellente Milch lieferte, nach dem zweiten Weltkrieg allerdings trotzdem ihr Standing verlor. Und das gleich im doppelten Sinne: zum einen vertrauten die Bauern nur mehr bedingt auf die Muskelkraft der Bianca Modenese und leisteten sich stattdessen verständlicherweise immer öfter Traktoren und zum anderen setzte man auf die schiere Quantität der friesischen Kühe (bis zu 50 Liter pro Tag) statt auf die Qualität der einheimischen Bianca m. (zwischen 18 und 25 Liter/Tag). Das führte in nur wenigen Jahrzehnten dazu, dass sie fast völlig von der Bildfläche verschwand und Anfang 2000 nur noch ein paar hundert Exemplare davon übrig waren. Heute sind es unwesentlich mehr und insgesamt sind mir gerade einmal drei Produzenten bekannt, die aus ihrer Milch noch Parmesan daraus machen (dafür aber auch die mitunter besten – Massimo Bottura, Chef der legendären Osteria Francescana bezieht seinen Parmesan von Rosolà, einer hoch im Apennin gelegenen Käserei eine Stunde südlich von Bologna). Daneben gab und gibt es auch noch die Vacche rosse reggiana, die roten Kühe von Reggio, die zwar unter Liebhabern nicht die gleiche Reputation wie die Bianca modenese genießen, die man heutzutage allerdings wesentlich öfter als die Bianca modenese findet und aus deren Milch man ebenfalls exzellenten Parmesan käst.

Wenn ich mich recht erinnere, habe ich gelesen, dass es heute gut 700 Parmesan-Produzenten und um die 300000 Kühe gibt. Bei all dem Parmesan, der allein in Italien verbraucht wird, scheint mir das auch notwendig.

Produzenten von Parmesan aus der Milch der Bianca modenese

Santa Rita (bio-zertifiziert)
Rosolà
Agriturismo Tizzano

weitere Milch & Fleischproduzenten sowie ein paar Informationen zu der alten Rinderrasse finden sich auf www.consorziobiancamodenese.it/

Die Bianca modenese findet sich unter den Presidi von SLOW FOOD.

Weitere Produzenten (bisweilen hoch oben im Apennin)

Nuova Martignana: (Vacca rossa reggiana)
Reggiani (Bio): Via Francesco Baracca, 6, 41013 Castelfranco Emilia
Hombre (Bio): Am Stadtrand von Modena gelegen – im Eigentum der Panini (Fussballpickerl) Family, die ihr Hauptquartier in Modena hat

Casearia Val del Dolo: 36 Via Chiesa Romanoro, Romanoro
Caseificio Rio San Michele: Via Giardini Sud, 327, 41026 Pavullo Nel Frignano

FalestarPignoletto erinnert in vielerlei Hinsicht an Welschriesling. Multifunktional und anspruchslos keltern 98% der Winzer daraus uninteressante und belanglose Weine, deren einzige Vorteile darin bestehen, dass sie billig sind. Pignoletto wie auch Welschriesling dienen als Basis für simple Stillweine, simple Schaumweine und simple Süßweine. Doch immer dann, wenn man glaubt, mit der Sorte endgültig abgeschlossen zu haben, melden sich die 2% zu Wort. Judith Beck beispielsweise mit ihrem Welschriesling Bambule oder aber Flavio Cantelli und Antonio Ognibene mit gleich mehreren exzellenten Pignolettoversionen.

Pignoletto ist genetisch identisch mit Grecchetto di Todi, einer in Umbrien weitverbreiteten Sorte, hat sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte in den Colli Bolognesi (und in geringerem Ausmaß in den Colli di Rimini) zu einer Varietät mit eigenständigen Attributen entwickelt hat. Im Normalfall (98%) bedeutet das, dass man es mit unkomplizierten und leichten Weinen zu tun hat, die sich dank hoher Säure auch bestens für Schaumweine eignen und für gewöhnlich ein paar Blütennoten mit Zitrusaromen vereinen.

Die Ausnahmen wiederum verdeutlichen, dass man in den richtigen Lagen, mit niedrigen Erträgen und entsprechender Bewirtschaftung und Vinifizierung aus Pignoletto auch Weine keltern, die Substanz mit Struktur und Vielschichtigkeit mit Tiefe verbinden. Der Bosco von Flavio Cantelli von der Azienda Bortolotti beispielsweise hat nicht nur Kraft, Textur und Dynamik sondern auch eine Bandbreite an Aromen, die den bereits erwähnten Noten auch noch reife gelbe Frucht und eine feine Würze hinzufügt. Sein Mamolo ist einen Tick leichter, schlägt allerdings sonst in dieselbe Kerbe.

Antonio Ognibene von Gradizzolo geht noch einen Schritt weiter. Zwei seiner drei Pignoletto werden mit derselben Intention wie diejenigen von Flavio Cantelli vinifiziert, ein dritter landet allerdings in der Amphore, wo die dicken Schalen der Sorte für eine zwar zupackende aber auch einladenden Gerbstoffstruktur sorgen und zunehmend rotbeerige und erdige Noten den Ton angeben. Weitere spannende Beispiele gibt es von Orsi (vor allem der frizzante), Erioli und Gianluca Allegro.

WEINE

Azienda Bortolotti: Bosco
Azienda Bortolotti: Mamolo
Azienda Bortolotti: Falestar (Frizzante)
Orsi: Sui Lieveti (Frizzante)
Erioli: Badianum
Gradizzolo: Bersot 1933
Gradizzolo: Le Anfore


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