Davide Xodo

Davide Xodo ist Önologe. Er hat Zeit seines Lebens mit Wein gearbeitet, sein eigenes Weingut besitzt er allerdings erst seit wenigen Jahren. 2018 pachtete er die Weingärten von Ermidio Piva, einem alteingesessenen Winzer in den Colli Berici, eine jener Zonen des Veneto, die kaum jemand kennt, die sich aber in jeder Hinsicht zu entdecken lohnen. 

Die Gegend wurde vor Jahrhunderten vor allem von den Venezianern geschätzt, die speziell im Sommer gerne die feuchtheiße Lagune verließen, um in den Hügeln Abkühlung zu finden. Sie bauten sich Villen, legten Gärten an und setzten nicht selten Reben in die Erde. Sie führten damit eine Weinkultur fort, die stets von auswärtigen Einflüssen geprägt war – bestens ablesbar ist das anhand der Rebsorten, die in Davides Weingärten wachsen. Auf gerade einmal zwei Hektar trifft man dort auf Tai Rosso (Cannonau/Grenache), Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Carmenére, Garganega, Glera, Pinot Bianco, Tai Bianco (früher Tokaj) und Malvasia Istriana. Die französischen Sorten inklusive Carmenére wurden angeblich im 19. Jahrhundert von venetischen Erntehelfern aus dem Bordeaux mitgebracht und ausgepflanzt. 

Davide versucht für alle das perfekte Gleichgewicht zu finden und geht dabei im Weingarten wie auch im Keller hochindividuell vor. Jeder Weingarten und jede Rebsorte hat ihre ganz eigenen Attribute und die gilt es zu erkennen und herauszuarbeiten. 

Grundsätzlich gültig ist ein biologischer Ansatz und ein möglichst reduzierter Einsatz von Maschinen und Traktoren. Handarbeit bis zur Lese ist die Devise. Im Keller wird akribisch das beste Material selektiert und spontan und ohne Temperaturkontrolle vergoren. Insgesamt vier Stillweine und ein Frizzante werden je nach Rebsorte und Weinstil entsprechend ausgebaut. Allen gemein ist, dass sie weder geschönt noch gefiltert und nur minimal geschwefelt werden.

Weine – eine Auswahl

Lamatta: Rifermentato (Frizzante) aus Glera, Garganega und Sauvignon Blanc. Davide belässt den Most für einige Tage in Kontakt mit den Schalen, was dem späteren Wein zusätzlich Struktur und Aromen mit auf den Weg gibt. Er ist federleicht, temperamentvoll, geradlinig und anders als die meisten Prosecco knochentrocken.

Nina: Ein kurz auf der Maische vergorenes Cuvée aus Pinot Bianco und Garganega. Unterholz, Laub, Orangenschalen. Spürbares und griffiges Tannin. Solar, aromatisch, mit kompaktem Körper und viel Zug zum Gaumen. Sehr gut.

Campetti: Cuvée aus den beiden Cabernets, Merlot und Tai Rosso. 20 Tage mazeriert und in Zement ausgebaut. Hat Kraft, Energie und Dynamik, eine belebende Säure, eine warme und feste Textur und reife dunkle Aromen.


Davide Xodo
Adresse: Via Pissotto 4, Nanto, Colli Berici
Telefon: 3491015132
E-mail: vino@davidexodo.it
Webseite: www.davidexodo.it


Rebsorten: Tai Rosso (Cannonau/Grenache), Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Carmenére, Garganega, Glera, Pinot Bianco, Tai Bianco (früher Tokaj) und Malvasia Istriana
Rebfläche: 2 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: shop.macafame.it

AT/DE/CH: –

 

Redondel

„Piccola azienda agricola“ steht auf der Hauswand von Redondel, dem Weingut von Paolo Zanini und seiner Frau Mara Dalmonech. Ihr „kleiner Bauernhof“ im Herzen von Mezzolombardo umfasst drei Hektar Weingärten, die ausnahmslos mit Teroldego bestockt sind.

Schon Paolos Großvater kelterte daraus Weine und lieferte sie größtenteils nach Österreich, wo die Sorte speziell während der Jahrhunderte der Monarchie große Popularität genoss.

Auch für Paolo ist Teroldego Berufung und Leidenschaft zugleich. Er hegt und pflegt ihn in seinen Weingärten und kennt alle seine Besonderheiten im Detail. Und er weiß natürlich, dass er am Campo Rotaliano, die dafür perfekten Bedingungen vorfindet. Nirgendwo sonst wächst die Sorte, die seit Elisabetta Foradoris bahnbrechenden Interpretationen auch im Rest Italiens und darüber hinaus angepflanzt wird, so gut wie in den sandig-schottrigen Schwemmlandböden am Zusammenfluss von Etsch und Noce.

Auch wenn sich Paolo des kulturellen Erbes, das ihm die Generationen davor hinterlassen haben, bewusst ist und sich seiner auch bedient, schlägt er doch gelegentlich neue Wege ein. Weniger im Weingarten, wo er seit jeher mit höchstem Respekt vor den Bedürfnissen der Reben und des Bodens biologisch arbeitet, sondern im Keller, wo er zunehmend Verzicht übt.

Seine drei Weine vergärt er allesamt spontan und reift sie in großen Holzfässern, Tonneaux und gebrauchten Barriques. Er schönt und filtert sie nicht, schwefelt minimal und lässt den Weinen über lange Jahre Zeit ihr Gleichgewicht zu finden.

Terroirgeprägt und charaktervoll sind sie gemeinsam mit den Versionen von Foradori die hohe Messlatte für alle, die sich an Teroldego versuchen.

Weine – eine Auswahl

Teroldego Assolto: Rosato. Bleibt nur für wenige Stunden in Kontakt mit den Schalen. Ziel ist es die delikaten  Seite der Rebsorte in den Mittelpunkt zu rücken. Leicht und elegant. Rosenblüten und Erdbeeren. Ein paar Kräuter. Vital, erfrischend und direkt.  (ca. € 10)

Teroldego Dannato: Dreijähriger Ausbau im großen Holzfass. Dunkel wie eine Winternacht. Intensiv und einnehmend. Floral, dunkelfruchtig und würzig. Hat Materie und Kraft. Ist konzentriert, engmaschig und doch zum Gaumen hin elegant. Die Tannine sind mürb und feingestrickt. Fließt kühl und weich über den Gaumen. Sehr gut (ca. € 15)

Teroldego Beato Me: Bleibt meist für ein knappes Jahrzehnt am Weingut, bevor er in den Verkauf geht. Dunkel wie der Dannato. Kräuterig, süße Würze, Zwetschken und Trockenfrüchte. Ist trotz seiner langen Jahre im Fass und in der Flasche fordernd. Hat ordentlich Tannin und zeigt das auch. Ist kompakt und intensiv. Bleibt stets fokussiert. Nachhaltiges und eindrückliches Finish. Exzellent. (ca. € 28)

Az.Agr. Redondel
Via Roma 28, 38017, Mezzolombardo, Trento
Tel. +39 0461 605861
info@redondel.it
www.redondel.it


Rebsorten: Teroldego
Rebfläche: 3 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: enovely

AT/DE/CH: –

 

Luigi Spertino

Mauro Spertino keltert brillante Weine. Mit die besten des Monferrato. Ohne sie gekannt zu haben, vermute ich, dass schon sein Vater, ähnliche Meisterwerke in die Flasche brachte.

Zumindest erzählt man sich das über Luigi Spertino, dem sogenannte „Professor des Grignolino“, jener eigenwilligen aber spektakulären Rebsorte, von der Luigi Veronelli, der größte unter den großen Weinkritikern Italiens voll des Lobes meinte, sie sei anarchistisch und individualistisch.

Luigi gründete sein Weingut 1977 in dem kleinen Flecken Mombercelli nahe Asti und bewirtschaftete seine Weingärten 40 Jahre lang: mühsam zu bearbeitende, abschüssige Parzellen, die viel zu steil waren, um mit dem Traktor in sie hineinfahren zu können.

Mauro übernahm sukzessive das Ruder, wohlwissend, dass er an den handwerklichen Herangehensweisen im Weingarten und im Keller so gut wie nichts zu ändern hatte. Gemeinsam mit seinen beiden Kindern Andrea und Marina dreht er an kleinen Schrauben, die eventuell noch mehr Raffinesse und Präzision in die Weine bringen. So haben sich die drei beispielsweise ein paar Amphoren besorgt, in denen sie eine neue Grignolinoversion vinifizieren. Zudem haben sie beschlossen, ihren Cortese künftig auf den Schalen zu vergären – eine kluge Entscheidung, die der generell eher langweiligen Sorte wesentlich mehr Ausdruck und Substanz verleiht. Mauros dritte autochthone Sorte ist Barbera, aus der er zwei sehr unterschiedliche Weine vinifiziert. Hinzu kommen ein paar Rebreihen mit Pinot Nero, dessen Trauben er zu einem klassischen Spumante verarbeitet.

Kontakt

Mauro Spertino
Adresse: Strada Lea, 505 – 14047 Mombercelli
Tel. +39 0141.954016
luigi.spertino@libero.it

Weine – eine Auswahl

Alle Weine sind spontan vergoren, ungeschönt und ungefiltert.

Cortese Piemonte Vilet: 100% Cortese über einen Monat auf den Schalen vergoren. Intensiv, duftig, lebhaft. Hat Kraft und Zug bei relativ wenig Alkohol. Endet erfrischend, kräuterig und gelbfruchtig. (ca. € 21)

Barbera d’Asti Doc: Stammt von tiefen, für Barbera optimal geeigneten Tonböden. Wurde über 18 Monate in großen slawonischen Eichenfässern ausgebaut. Dunkelfruchtig, würzig, direkt, kraftvoll, mit bündelnder Säure. (ca. € 18)

Grignolino d’Asti: Gedeiht, anders als der Boden, in locker-sandigen Böden. Im Stahltank ausgebaut. Lebendig, pulsierend, mit frischer, klarer, roter Frucht und Blütennoten. Saftig, kühl und animierend. Ein grandioser Tischwein. (ca. € 13)

Grignolino „Margherita Barbero“: Einer Vorfahrin gewidmet. Über ein Jahr in der Amphore ausgebaut. Filigran, kühle rote Frucht, floral. Wird mit Luft expressiver. Schlank, luftig, hell, pulsierend. Sehr elegant dabei doch voller Energie und Substanz. Lang. Exzellent.

Barbera d’Asti superiore „La Mandorla“: Einzellagenbarbera. Aus überreifen Trauben gekeltert und 18 Monate im großen Holz ausgebaut. Üppig und sehr intensiv. Die Säure puffert und pendelt eine enorme Menge Alkohol einigermaßen ein. Dunkel. Trockenfrüchte. Sehr eigenwillig.

Spumante Metodo classico Blanc de Noir Brut Nature: aus Pinot Noir – leider noch nie probiert.

Rebsorten: Cortese; Barbera, Grignoloino, Pinot Nero
Rebfläche: 12,5 Hektar
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biologisch zertifiziert: nein
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine; wineexpert.it;

Im deutschsprachigen Raum: –

Nicos Brustolin

Nicos Brustolin hat sein Domizil in Colbertaldo, an der westlichen Peripherie der Region von Valdobbiadene. Die ist bekanntlich eine der beiden großen Proseccoenklaven und folglich hat Nicos in seinen sechs Hektar Weingärten Glera, die omnipräsente Rebsorte der Gegend stehen, die  von einigen steinalten Stöcken Verdiso ergänzt werden.

Nicos hat sich von den Trends und Moden, die das Prosecco und seine Weine über die letzten Jahrzehnte erfasst hat nur bedingt unterkriegen lassen. Ein paar Tausend Flaschen im Drucktank vinifiziertem 08/15 Extra Dry stehen 25000 Flaschen Col Fóndo gegenüber, die zum besten gehören, was das Prosecco zu bieten hat. 

Gut gemachte Col Fóndo Prosecchi sind winzige kleine Inseln des Glücks in einem uferlosen Meer aus Banalität und Belanglosigkeit. Sie waren früher diejenigen Weine, die zu Hause getrunken oder nur an die Freunde im Dorf verkauft wurden – für gewöhnlich ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um gute Weine handelte. 

Col Fóndo bedeutet übersetzt „mit Depot“, das bei flaschenvergorenen, nicht degorgierten Schaumweinen zwangsläufig entsteht und eine leichte Trübung im Wein bedingt. Da Col Fondo Prosecco nicht wie sonst in der Gegend üblich von Zucker und Reinzuchthefen dominiert wird, spielen die Trauben tatsächlich eine entscheidende Rolle. Die müssen reif und gesund sein, da sich ansonsten in der Flasche nicht kaschierbare unreife grüne Noten breit machen würden. 

Nicos erntet sie per Hand, presst sie sanft, vergärt sie spontan und lagert den daraus gekelterten Wein bis zu Ostern in Stahltanks, ehe er ihn zur Zweitgärung in die Flasche füllt. Dort gärt der Wein völlig durch, wird knochentrocken und integriert zudem die Hefearomen in sein Aromaprofil.

Wein

Nicos Col Fóndo: Zitrusaromen, Kräuter, Tonic. Steinig und mineralisch. Leger und unbeschwert. Federleicht, kompromisslos trocken, kristallin und direkt. Vereint Trinkfluss und Energie und am Gaumen feine Fruchtaromen und Hefenoten.

Mit den üblichen Vorstellungen von Prosecco hat Nicos Col Fóndo nichts zu tun – dafür hat man die Möglichkeit sich mit einem seriösen, lebhaften und bekömmlichen Schaumwein auseinanderzusetzen, der zeigt, warum es sich eventuell doch lohnt, irgendwann einmal in die Gegend aufzubrechen.

Kontakt

Nicos Brustolin
Adresse: Via Calle Lunga, 12, 31020 Vidor
Telefon: +39 0423 985284
Email: nicosbrustolin@libero.it


Rebsorten: Glera, Verdiso
Rebfläche: 6 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: crucuve

AT/DE/CH: –

CENTESEMINO

Centesemino ist eine rote Rebsorte, die es ausschließlich in der Gegend um Faenza in der Romagna gibt.

Bis ins 19. Jahrhundert war sie verhältnismäßig leicht in den Feldern rund um die Stadt zu finden, nach den Vernichtungsfeldzügen der Reblaus gar nicht mehr. Bis in die 1940er Jahren war sie verschollen, ehe sie von Pietro Pianori, den seine Freunde (oder Feinde) aufgrund seiner notorischen Knausrigkeit Centesemino (centesimo – Pfennig → Pfennigfuchser) nannten, wiederentdeckt wurde. Pianori machte ein Exemplar der Sorte am unwahrscheinlichsten aller Orte aus, nämlich auf der Gartenmauer einer Stadtresistenz mitten im Zentrum von Faenza. Er schnitt ein paar Edelreiser davon ab und pflanzte sie bei sich zu Hause in Santa Lucia, von wo sie sich langsam wieder in der Gegend ausbreitete. Ihm zu Ehren wird sie seit den 1960er-Jahren auch offiziell Centesemino genannt.

Früher hieß die Sorte dagegen Sauvignon rosso, aufgrund ihrer aromatischen Ähnlichkeit zu Sauvignon Blanc. Tatsächlich hat sie in ihren leichtgewichtigen Versionen eine für Rotweinsorten eher ungewöhnliche duftig-florale Aromatik. Gewichtigere Versionen addieren noch pfeffrige und kräuterige Noten hinzu. Die Aromen sind generell eher filigran, weshalb es wenig Sinn macht sie in kleine Holzfässer zu stecken. Säure und Tannine sind grundsätzlich eher mild.

Eine Auswahl

Centesemino ist eine äußerst rare Reborte. Empfehlenswert finde ich

Ancarani: Centesemino

Cantina San Biaggio Vecchio: Monte Tarbato

Ca' dei Quattro Archi

Ca’ dei Quattro Archi geht auf das Konto von Rita Golinelli und Mauro Mazza. Die beiden haben zur Jahrtausendwende das Weingut von Ritas Vater in den Hügeln südlich von Imola übernommen und es umgehend auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Fünf Hektar ingesamt, wobei sich ein Hektar in der unmittelbaren Umgebung des Weinguts auf sandigem Terrain – die geologische Hinterlassenschaft der einst sie bedeckenden Adria – befindet. Die restlichen Reben wurzeln im Parco della Vena del Gesso Romagnola, einer kargen, auf von Kreideadern (vene di gesso) durchzogenen Landschaft am Fuße des romagnolischen Apennins.  

Die Rebsorten sind die klassischen der Region: Albana, Trebbiano Romagnolo, Malvasia und Sangiovese, die von Cabernet Sauvignon und Merlot ergänzt werden. Die Arbeit im Freien hat höchste Priorität. Seit mittlerweile 20 Jahren hören die beiden auf die Rhythmen der Natur und wissen folglich genauestens über ihr Terroir und die Bedürfnisse ihrer Rebstöcke Bescheid. Ihre Weingärten sind blühende Manifestationen gelebter Biodiversität. Der Respekt, den sie ihren Reben gegenüber aufbringen, schlägt sich in vitalen und expressiven Trauben nieder.

Die werden von den beiden nach den Prinzipien der Naturweinbewegung (Ca’ dei Quattro Archi ist Mitglied von vinnatur) vinifiziert.


Kontakt

Rita Golinelli & Maura Mazza
Adresse:
Via F.lli Assirelli, 7 – Imola
Telefon:
3387584058 – 3358256667
E-mail:
cadeiquattroarchi@tin.it

 

Weine – eine Auswahl

Die beiden exzellenten Weißweine werden jeweils auf der Maische vergoren. Sie sind elegant, expressiv und kraftvoll. Der Ausbau der Weine erfolgt im Stahltank, mit Ausnahme ihres gleichfalls exzellenten Flaggschiffsangiovese Tajavènt, der im Holz gereift wird.

Unknown: Frizzante (rifermentato) aus Trebbiano romagnolo und kurz angetrockneten und folglich recht intensiven Biancame-Trauben – letztere ist eine nur selten anzutreffenden Rebsorte der Romagna und Nordmarken. Lebhaft, gelbfruchtig, floral. Druckvoll, dynamisch und nachhaltig am Gaumen. Ausgezeichneter Frizzante.

Mezzelune: Aus 100% Albana, der paradigmatischen Rebsorte der Romagna, gekeltert. Hat Struktur und Kraft. Säure und Gerbstoff bündeln die Aromen und den substantiellen Körper. Ein Wein mit Substanz, den man sich auch in aller Ruhe für ein paar Jahre in den Keller legen kann.

Ligreza: Größtenteils Trebbiano romagnolo unterstützt von ein paar Prozent Malvasia. Marillen und Blütenaromen. Leichtfüßiger und eleganter als der Mezzelune. Hat trotz seines für gewöhnlich erstaunlich niedrigen Alkohols eine Menge Substanz.

Sangiovese Tajavènt: 100% Sangiovese. Über ein Jahr in Barriques und Tonneaux ausgebaut. Expressiv, intensiv, üppig – kein Kind von Traurigkeit. Ein Winterwein – gehaltvoll und dicht, mit dunklen Aromen und einer für Sangiovese eher weichen Textur.  


Rebsorten: Albana, Trebbiano romagnolo, Malvasia, Biancame, Sangiovese
Rebfläche: 5,5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine; decanto, wineyou

AT/DE/CH: –

 

Cantina San Biagio Vecchio

Die Cantina San Biagio Vecchio ist ein junges, 2004 entstandenes Projekt von Andrea Balducci und seiner Frau Lucia Ziniti im hügeligen Hinterland von Faenza, dem in punkto Wein spannendsten Winkel der Romagna. 

Auf mittlerweile 11 Hektar Rebfläche beschäftigen sich die beiden vor allem mit der Vinifikation von Albana und Sangiovese, den beiden wichtigsten Rebsorten der Gegend. Sie haben sich aber zudem mit ihrer Interpretation der extrem raren roten Centesemino einen Namen gemacht. Dessen mikroskopisches aber dennoch sehr erfreuliches Revival hat viel mit der Arbeit der beiden über die letzten fünfzehn Jahre zu tun. 

So gelungen die Centesimino-Version auch sein mag, die eigentliche Nummer eins im Sortiment von Andrea und Lucia ist zweifellos, der SabbiaGialla, ihr exzellenter Albana. SabbiaGialla – auf deutsch „gelber Sand“ – verweist auf die eigenwilligen, bisweilen recht großen Sandblasen, die das einst die Region bedeckende Meer hier zurückgelassen hat. Von Kalk durchsetzt, liefern sie den idealen, weil kargen Untergrund für die Albana, deren Wüchsigkeit dank der nährstoffarmen Böden ein wenig gebremst wird. 

Die Bewirtschaftung ihres Landes ist seit der ersten Stunde biologisch und reduziert sich nicht ausschließlich auf Wein. Mit der Kultivierung der alten, im 19. Jahrhundert noch weit verbreiteten, dann verschwundenen Getreidesorte Gentil rosso, leisten sie auch in Sachen Weizen Kulturarbeit.

Die Verarbeitung ihrer Produkte – Wein und Mehl – kommt ohne manipulierende Zusatzstoffe aus und geschieht in bester handwerklicher Manier.

ps: wer sehen möchte, wie man in der Romagna Brot backt, kann sich Lucias Video darüber ansehen.

Kontakt

Lucia Ziniti
Adresse: Via Salita di Oriolo, Faenza
Telefon: 349 0553598
E-mail: cantinasanbiagiovecchio@gmail.com
Webseite: www.cantinasanbiagiovecchio.com

Weine – eine Auswahl

Cacciabruco: Cuvée aus Trebbiano und Malvasia. Eine Woche auf der Maische vergoren und sechs Monate im Stahltank ausgebaut. Einladend, sympathisch und erfrischend, floral und fruchtig. Hat dank der einwöchigen Mazeration Struktur. 

SabbiaGialla: 100% Albana. Teil aus gesunden, teils aus edelfaulen Beeren vinifiziert, deren Schalen für einen Tag in Kontakt mit der Maische bleiben. In Edelstahl ausgebaut. Saftig, gehaltvoll, harmonisch. Blüten, Holunder, gelbe Frucht, Honig – ist trotz der opulenten Aromen exzellent. Säure und Gerbstoff geben Struktur, der Körper ist gewichtig aber nicht üppig. 

Porcaloca: 100% Sangiovese. Der Wein zum Schwein – von denen auch in der Romagna nicht so wenig herumlaufen. Nur kurz mazeriert. Ein Rotwein mit Roséanklängen. Lebendig, fruchtbetont, frisch. Ein klassischer Tischwein. 

Monte Tarbato: 100% Centesemino. 20-tägiger Maischekontakt. Im Stahl gereift. Granatapfel, Waldbeeren, Veilchen, Pfeffer,  mediterraner Kräuter. Elegant, warm, weich. Saftig und direkt. 

Oriolo: 100% Sangiovese. In Zement vergoren und ausgebaut. Geradlinig, präzis. Floral und rotbeerig. Kühl, strukturiert aber tief und gehaltvoll. Kein vordergründige Kraft, eher sehnig und muskulös. Sehr gut.

Daten & Fakten

Rebsorten: Albana, Trebbiano, Malvasia, Sangiovese, Centesemino
Rebfläche: 11 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein
Restaurant: ja
Besonderheiten: Auf San Biagio Vecchio produziert man auch Mehl aus der alten Getreidesorte Gentile rosso.


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine, decanto.it

AT/DE/CH: –

Vini Pietra – Biographie des Weinguts

Marko Tavcars exzellente Weine entstehen auf der slowenischen Seite des Karsts: in Kreplje, was auf Deutsch „Stein“ und auf Italienisch „Pietra“ bedeutet, womit sich auch der Name des Weinguts erklärt. Die Gegend rund um sein Dorf ist uraltes Weinland. Seit Menschengedenken geben darin Vitovska, Malvasia Istriana und Teran den Ton an. Drei Hektar Weingärten sind ihnen gewidmet. Zwei davon  – jene für die weißen Sorten – befinden sich unweit des Weinguts. Sie basieren auf „pokarbonata“ (Kalkstein), der dritte, für den Teran, ist auch nicht viel weiter entfernt, fußt jedoch auf Ton.

Alle drei bewirtschaftet er mit maximalem Respekt. Laut Marko hat Wein „keine Relevanz, wenn er nicht sein Umfeld kontextualisiert“. Das bedeutet in wenigen Worten, dass die traditionelle Weinbaukultur und die alten Techniken der Gegend ebenso Bedeutung haben wie die gezielte Förderung der Biodiversität und eine pestizidfreie Landwirtschaft. Besonders deutlich wird dieser Ansatz auch in einem kleinem Projekt in Gorjansko, wo sich Marko 400 steinalten, in der traditionellen Liera erzogenen Reben angenommen hat.

Der Ausbau im Keller folgt den Prinzipien, die ihn auch im Weingarten leiten. Er verfolgt ein paar dezidierte Grundsätze (einen für die Region kurzen ca. dreitägigen Maischekontakt bei den Weißweinen, spontane Vergärung in Edelstahltanks und Ausbau in Zement (Weißweine) und Holz (Teran).  Er lässt den Wein in aller Ruhe werden, beobachtet viel und folgt ansonsten den Grundsätzen von vinnatur.  Alle Weine von Vini Pietra sind ungeschönt und ungefiltert und gehören zu den besten, die sich im Karst finden lassen.


Marco Tavcar
Adresse: Kreplje 2a, 6221 Dutovlje, Slowenien
Tel. + 38641546927

 

Die Weine

Malvazija: Basiert auf bis zu 35-Jahre alten Reben, die in kalkgeprägten Böden wurzeln. Bleibt drei Tage auf der Maische, ehe er zur Reifung in Zementgefäße gepumpt wird. Frisch, glasklar und präzis. Saftige und reife Fruchtnoten. Dicht, kompakt und fokussiert. Vereint Substanz mit Geradlinigkeit und Trinkfluss. Ausgewogen und nachhaltig am Gaumen. Sehr gut. (ca. € 15)

Vitovska: Stammt von einer kühlen, von Wald umschlossenen Randlage. Wurde wie der Malvazija vinifiziert. Hell und klar. Mediterrane Aromen, Kräuter, Pfirsich. Hat Kraft, wird jedoch von einem bestens eingespielten Gerbstoff-Säure-Duo gebündelt. (ca. € 15)

Gorjanka:  Wein von über hundert Jahre alten Reben. Üppiger, wärmer und konzentrierter als die beiden anderen Weißweine. Reife gelbe Frucht, weiße Blüten. Stoffig, ausladend und weit über den Gaumen hinaus spürbar.(ca. € 30)

Teran:  Auf Ton gewachsen und in Holz gereift. Teran ist kein Kind von Traurigkeit. Er fordert immer und das trifft auch auf Markos Interpretation zu. Die Säure gibt den Protagonisten, wird jedoch von einem festen und konzentrierten Körper gepuffert. Tiefe dunkle Frucht dominiert das Aromaprofil, ergänzt von fleischig-erdigen Noten. Das Finish ist stringent, druckvoll und eindrücklich. Wer sich dazu ein Stück Fleisch oder Salami auf den Teller legt, macht keinen Fehler. (ca. € 20)


Rebsorten: Vitovska, Malvazija; Teran
Rebfläche: 3 Hektar
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biologisch zertifiziert: –
Wohnmöglichkeit: nein
On the road: vinnatur

Rarefratte

Cristian Moresco träumte schon mit 15 Jahren davon, Winzer zu werden. Im Bus auf dem Weg zur Schule zogen die Weingärten der Breganze, einer wenig bekannten Region nördlich von Vicenza, an ihm vorbei, in denen er sich seine Zukunft ausmalte und in denen er gut 10 Jahre später auch stehen sollte.

Dazwischen lag das Ende der Schulzeit, ein Soziologie- und Landwirtschaftsstudium und schon früh die Gewissheit, dass er nicht einfach nur Wein keltern, sondern auch Kulturarbeit leisten wollte.

Von 2012 bis 2018 beschäftigte er sich intensiv mit den sechs noch verbliebenen lokalen Rebsorten der Breganze, die größtenteils völlig marginalisiert, vom Aussterben bedroht sind. Er interviewte ältere in der Umgebung ansässigen Weinbauern, fragte sie über Vespaiola, Gruaja, Pedevenda, Marzemina Bianca, Groppella und Glera lunga aus und erkundigte sich, wie sie sich im vulkangeprägten und von alpinen wie maritimen Klimaeinflüssen geprägten Terroir verhielten.

Zu den beiden Hektar, die er von seinem Großvater geerbt hatte, pachtete er drei weitere hinzu, die er rekultivierte oder dort, wo es notwendig war, neue bepflanzte. Dafür verwendete er das beste Rebmaterial, das er finden konnte und vermehrte und veredelte es selbst. Um die Eigenheiten der Trauben besser zu verstehen, verwendete er die ersten Lesen für Mikrovinifikationen, ehe er sie 2018 erstmals in Flaschen füllte und zu verkaufen begann.

Getragen von den Prinzipien der Naturweinbewegung bewirtschaftet er seine Weingärten biologisch und vinifiziert im Keller mit aller notwendigen handwerklichen Sorgfalt, jedoch ohne jegliche Zusatzstoffe mit der Ausnahme von ein wenig SO2 vor der Abfüllung.


Cristian Moresco
Adresse: Via Brogliati Contro 58, 36042 Breganze (VI)
Telefon: 3287445166
E-mail: rarefatte@gmail.com
Webseite: rarefatte.it

 

Weine – eine Auswahl

8cai: Ottocai ist das Synonym für Glera lunga, eine Rebsorte, die in der Vorreblauszeit in der Gegend weit verbreitet war. Cristian vinifiziert sie zu einem kurz mazerierten (ca. 24 Stunden) weichen und runden Stillwein, der kühle mineralische Noten mit saftigen Fruchtaromen verbindet.

Pedeveska: Maischevergorener Wein aus der weißen Pedevenda, einer Sorte, die zwar von den Colli Euganei in die Breganze gelangt ist, in beiden Gegenden heute jedoch kaum noch zu finden ist. In Zementzisternen gereift. Herbstliche Aromen, balsamisch, mit lebendiger Säure, saftig und vital. 

Vespaiola selezione: Aus zwei Einzellagen cuvetiert, in Zement und Akazie ausgebaut. Gehaltvoll, intensiv. Honig, reifes gelbes Steinost, Blüten. Noch ein wenig zu sehr vom Holz getragen. Wird in Zukunft, sobald das Fass etwas älter ist, noch besser sein.  

Colè: Frizzante aus Gruaja. Gruaja ist eine extrem schwierige Sorte, da ihre Beeren am Traubengerüst zu unterschiedlichen Zeiten ausreifen (Millerandage). Obwohl sie traditionellerweise in Breganze als Rotwein ausgebaut wird, hat sich Cristian nach diversen Experimenten dazu entschlossen, sie direkt abzupressen und weiß zu vinifizieren. Knochentrocken, subtile Blüten- und Zitrusaromen, erfrischend. Die perfekte Alternative für alle, denen Prosecco zu fad und zu süß ist.


Daten & Fakten

Rebsorten: Vespaiola, Marzemina Bianca, Glera lunga, Pedevenda, Gruaja, Groppello, 
Rebfläche: 6 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung
Aus Italien online: –
AT/DE/CH: –

Sechs Jahrzehnte ist es hier, dass Ermanno Conti die Idee hatte, sich im historischen Weinbaugebiet Boca, genauer in Maggiora, im Schatten des Monte Rosa, eine Art Burg zu bauen. Dort wollte er zum einen seinen „flüssigen Schatz verteidigen und konservieren“, zum anderen aber auch Menschen beherbergen, die Lust hatten, seine Weine zu probieren und zu trinken. Sein Anliegen führen heute vor allem seine beiden Töchter Elena und Paola fort. Sie begnügen sich allerdings nicht damit den väterlichen Intentionen zu folgen, sondern ihren eigenen Ideen vom Zusammenspiel zwischen Wein und Kultur freien Lauf zu lassen.  

Kultur hat dabei sowohl eine landwirtschaftliche wie auch künstlerische Bedeutung. Letztere manifestiert sich in fortwährenden Ausstellungen und Veranstaltungen im Schloss, aber auch an den Etiketten, die von unterschiedlichen Künstlern gestaltet wurden. Erstere in einer Herangehensweise, die kompromisslos der Natur das erste und letzte Wort überlässt und in Rebsorten, die ausnahmslos die Region widerspiegeln: Nebbiolo, Vespolina, Uva rara, Dolcetto und Greco novarese, besser bekannt (wenn auch nicht sehr) als Erbaluce. 

Elena und Paola vinifizieren nach klassischen Prinzipien. Die Gärung ist spontan, die Maischestandzeiten sind bei Rot- wie Weißweinen relativ lange, der Ausbau erfolgt in Holzfässern und ohne jegliche Zusatzstoffe, mit der Ausnahme von etwas SO2 vor der Füllung. Alle Weine sind ungeschönt und ungefiltert und gehören zum Besten, was es nördlich von Barbaresco zu trinken gibt.

Cantine del Castello Conti

Adresse: Via Borgomanero 15, Maggiora
Telefon: +39 0322 87187 
E-mail: info@castelloconti.it

Die Weine

Boca „Il Rosso delle Donne“: 70% Nebbiolo, 25% Vespolina, 5% Uva Rara (Bonarda Novarese).  Birgt in sich das ganze Potenzial und die ganze Geschichte der Region. Er hat Volumen, Kraft und Eleganz und ist doch leuchtend, hell und einladend. Festes Tannin und eine prägende Säure geben den Rahmen, in dem sich florale, erdige und feinfruchtige Noten wiederfinden, die im Laufe der Jahre immer wieder neue Schattierungen annehmen. Großer Wein, mitunter der beste des piemontesischen Nordens. Ab Hof kann man auch Jahrgänge bis in die 1990er Jahre erstehen. (ca. € 50)

Colline Novaresi Doc: Nebbiolo, gemacht, um auch jung getrunken werden zu können. Wobei die Betonung auf auch liegt. Transparent, fruchtig, mineralisch und vital. (ca. € 16)

Colline Novaresi Flores: Der Zwillingsbruder des doc, allerdings ohne zugefügtes SO2. Offen, fruchtbetont, mit kompaktem Tannin, viel Zug zum Gaumen und einem erdigen und vitalen Finish. (ca. € 19)

Origini bianco: Greco novarese. Zwei Wochen auf der Maische vergoren. Welke Blüten, reife Frucht, Orangenschalen. Vereint nicht zu knapp Gerbstoff und Säure. (ca. € 17)

Origine rosso (Cuvée aus autochthonen Rebsorten)

Zingara (Croatina)

Denise Ferretti gehört zur – leider eher kleinen – Fraktion bestens ausgebildeter junger Winzerinnen, die ihr gesamtes vitikulturelles und önologisches Wissen der Idee unterordnen, das kulturelle Erbe einer alten Weinregion weiterzuführen bzw. wiederzubeleben. Nach einem Lebensmittel-Technologie Studium in Parma und einem Master in Önologie in Udine kehrte sie in die oft nebelverhangene, manchmal etwas triste Tiefebene nördlich von Reggio-Emilia zurück und gründete dort, gemeinsam mit ihrer Schwester Elisa, 2015 ihr eigenes Weingut.

Den beiden standen dafür drei Hektar Rebfläche am Bauernhof ihrer Familie zur Verfügung. Zwei alte Weingärten aus den Jahren 1960 und 1972 und zwei, die sie selbst 2012 und 2014 ausgesetzt hatten. Geprägt von viel Lehm und ein wenig Sand in einer völlig platten Landschaft sind sie ein wenig spektakulärer Kontrapunkt zu den meist auf Hügeln und Bergen stehenden und in Kalk und Stein wurzelnden Reben vieler anderer Winzer – doch was Denise und Elisa aus ihrem eher mittelmäßigen Terrain herausholen, kann sich dennoch sehen lassen.

Ganz der Tradition der Region entsprechend produzieren die beiden ausschließlich sprudelnde Weine: ein paar Lambrusco, für die sie nicht nur die klassischen Lambruscosorten Grasparossa, Salamino und Maestri, sondern auch die kaum noch gebräuchlichen Oliva, Barghi und Marani verwenden. Hinzu kommen zwei weiße Frizzante aus Trebbiano, Malvasia, Moscato und Pignoletto und ein Rosato aus der quasi vergessenen Sorte Fortana. Alle ihre Weine sind flaschenvergoren, bleiben mindestens für ein halbes Jahr auf der Hefe, sind gelegentlich ein bisschen rustikal, lohnen sich aber allemal.

Die Weine – eine Auswahl

Alle Weine sind spontan und ohne Temperaturkontrolle vergoren, ungeschönt und ungefiltert. Die Zweitgärung in der Flasche wird durch Süßmost eingeleitet.

Al Cēr: Lambrusco-Rosé (Al Cēr bedeutet im Dialekt Reggios „der Helle“) aus sieben verschiedenen Lambruscosorten plus Ancellotta. Rustikal. Fleischig, animalisch. Walderbeeren. Sehr lebendige Perlage und Säure. 

Al Scur: Lambrusco (Al Scur heißt „der Dunkle“)  aus den gleichen acht Rebsorten. Fleischig. Heidelbeeren. Leder. Floral. Animierende Perlage. Substantiell. Hat Kraft aber auch Trinkfluss.

Al biond: Trebbiano. Auf der Maische vergoren. Kupferfarben. Kräuter und Laub. Kaum spürbares Tannin. Gute Struktur. Lebhaftes aber ausgewogenes Finale.

Nina: 100% Fortana. Alte Rebsorte aus der Emilia. Seit jeher für Rosato verwendet. Erdbeeren, Rosen. Erdig. Leichtfüßig und erfrischend. Ausgewogen und fruchtbetont am Gaumen.

Ferretti Vini – Denise Ferretti
Adresse: Via Giacomo Matteotti 56, Campegine
Tel. +39 0522.676092
info@ferrettivini.it
www.ferrettivini.it

„La nostra cantina ha il dovere di mantenere quelli che sono i legami con il passato“ (Unser Weingut hat die Pflicht, die Verbindung mit der Vergangenheit zu erhalten.) – Luciano Capellini

Die wildesten Weinberge, die ich kenne, befinden sich in den Cinque Terre: unter einem liegt das Meer, über einem ist der Himmel und man selbst steht in einem quasi senkrechten Hang dazwischen. Erstaunlicherweise kam schon den Etruskern die aberwitzige Idee, dort Reben hinzusetzen. Das mag an der unmittelbaren Nähe zum Meer gelegen haben oder aber auch am ewigen Wunsch, die Natur zu besiegen. Oder an beidem. 

Jedenfalls riss die Bewirtschaftung der Cinque Terre mit Reben nie wieder ab. Es etablierten sich Sorten, die es kaum sonstwo gibt und die längst zur Identität der Region beitragen: allen voran Bosco, aber auch Albarola oder Buonamico. Und mit dem Sciacchetrà hat man aus luftgetrockneten Trauben einen ganz eigenen Süßwein kreiert, der zum besten gehört, was Italien diesbezüglich zu bieten hat.

All diese Dinge beschäftigen Luciano Capellini. Mittlerweile in seinen 60ern versucht er seit Jahrzehnten mit bravouröser Energie die Weinkultur der Cinque Terre am Leben zu erhalten. Viele Winzerfamilien haben das Handtuch geworfen, fokussieren sich auf die Bewältigung der Touristenhorden oder sind in die Städte abgewandert. Luciano ist geblieben. In den Steillagen  über Manarola pflegt er zwei Hektar Reben, die allesamt mit Seilzügen ausgestattet sind. Zudem nimmt er sich immer wieder Mikroparzellen vor und restauriert ihren alten Rebbestand und ihre Trockensteinmauern. Gut 7000 Liter Wein bekommt er so jedes Jahr in die Flasche, jede einzelne davon ein klassisches aber gleichsam auch formidables Beispiel einer Weinkultur, die sich über Generationen entwickelt hat.

Cinque Terre Bianco: Cuvée aus Bosco, Albarola und Vermentino. Nach 24-stündiger Maischestandzeit sanft abgepresst. Ausbau im gebrauchten Holzfass. Trocken, salzig, kräuterig, mediterran, warm. Dezente Fruchtaromen. Angenehm bitterer Nachgeschmack. Dichte Textur. Eine weiche aber tragende Säure. Ruhig. Lang. (ca. € 22)

Cinque Terre Macerato: die gleiche Cuvée allerdings mazeriert. Ein Tribut an die klassische Vinifizierungsmethode der Cinque Terre. Gibt es meines Wissens nur Ab-Hof.

Sciacchetrà: Hauptsächlich Bosco, ein wenig Vermentino und Albarola. Wird bis in den November hinein luftgetrocknet, danach abgepresst und über drei Wochen vergoren und in Holz ausgebaut. Eine Essenz aus Blüten, Nüssen und Früchten, cremig, salzig, elegant, mit lebhafter Säure und erstaunlichem Trinkfluss.

Vin de Gussa: Steinalte Technik. Gussa steht dialektal für buccia, Schale. Beim Vin de Gussa werden die, nach der Vinifizierung noch immer aromatischen Schalen des Sciaccetrà in ein Fass transferiert, das daraufhin mit Wein aufgefüllt wird. Nach 24 Stunden wird abgepresst. In dieser Zeit nimmt der Wein zusätzliche Aromen auf, gewinnt an Intensität und schlägt eine Brücke zwischen dem Cinque Terre und dem Sciacchetrà. 

Luciano Capellini

Adresse: Via Montello 240/b, Riomaggiore
Telefon: +39 0187 920632 
E-mail: capellini@vinbun.it

Vigne di San Lorenzo – Biographie des Weinguts

Filippo Manetti kam über Umwege zum Weinbau. Er studierte Elektrotechnik und danach Philosophie, ehe er aus seiner Liebe zum Gärtnern heraus, sich an der Peripherie Brisighellas ansiedelte. Er pflanzte Tomaten, Obstbäume und eine erste Reihe Sangiovese. Bei Letzterer sollte es nicht bleiben. Heute bewirtschaftet er 4 Hektar Weingärten nahe der schönen, kleinen Stadt in den romagnolischen Hügeln. Er ist ist Mitglied der Bioviticultori, einer sechsköpfigen Gruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, von biologisch zertifizierten Rebflächen hochwertige und repräsentative Weine aus – zumeist – autochthonen Rebsorten zu produzieren. In Filippos Fall sind das vor allem Sangiovese, Malbo Gentile, Albana und Trebbiano, ergänzt von ein wenig Merlot und Cabernet.

Die Rebzeilen beginnen auf knapp 200 Metern – es ist dort vor allem sandig – und ziehen sich über 150 Höhenmeter den Monte Bicocca hinauf. Dort oben ist dann nicht nur das Klima ein anderes, auch der Boden hat sich verändert. Gipsartige Mineralien dominieren dort und mit ihnen der Sangiovese. Filippos Zugang ist dezidiert chemiefrei, er spritzt weder Herbizide noch Fungizide und setzt auf die selbstregulierenden Fähigkeiten seiner Rebstöcke.

Im Keller tut er das, was er tun muss. Minimalintervention ist das Grundprinzip. Die Gebinde sind größtenteils aus Holz, wobei Filippo in den letzten Jahren sukzessive von Barriques auf große Holzfässer umgestiegen ist. Zudem hat er ein paar Stahltanks und eine Amphore, in der er seit einigen Jahren den Menis, seinen exzellenten Albana, vinifiziert.

Früher waren Filippos Weine immer ein wenig zu sehr vom Alkohol getragen. Diesem Umstand hat er in den letzten Jahren erfolgreich entgegengearbeitet. Die Weine sind zwar immer noch dicht und kraftvoll, doch mittlerweile auch harmonisch und elegant.

Filippo Manetti
Via della Resistenza, 56, Fognano di Brisighella
mobil 0039 339 1137070
http://www.vignedisanlorenzo.it
info@campiume.it

Die Weine – eine Auswahl

Alle Weine sind ohne Temperaturregulierung spontan vergoren. Er schönt und filtert nicht, schwefelt wenig und räumt dem Faktor Zeit ausreichend Platz ein.

Gea: 100% Albana. Fünf Tage in Kontakt mit den Schalen. Im Stahltank vinifiziert. Zitrus- und exotische Noten, Laub und Kräuter. Saftig, dicht und druckvoll. Zieht wie auf Schienen in Richtung Gaumen. Sehr gut.

Campiglione Bianco: 100% Trebbiano. Viertägiger Schalenkontakt. Simpler gestrickt als der Gea. Spielerisch und leicht. Pfirsich und Blüten geben den Ton an.

Menis: 100% Albana. Über neun Monate in der Amphore ausgebaut. Einer der besten Interpretationen der Rebsorte. Intensiv, eindrücklich. Warme Aromen. vielschichtig. Mit einer prägender und richtungsweisenden Struktur. Energetisch. Vollmundig. Sehr gut.

Campiume: 100%  Sangiovese. Relativ lange Mazeration (40 Tage). Zwei Jahre im Holzfass ausgebaut. Veilchen, Kirschen, Erde. Kompakt, dicht und saftig. Profund aber nie schwer. Eine lenkende aber nie aufdringliche Säure. Gut eingebundener Gerbstoff. Lang.

San Lorenzo: Cabernet Sauvignon & Merlot. Im Holzfass ausgebaut. Kräuter, Tabak, Fleisch und dunkle  Beeren. Hat Körper und Kraft. Ausgewogen. Dicht und saftig.

Fieni: Hauptanteilig Malbo Gentile, unterstützt von Cabernet Sauvignon, Sangiovese und Merlot. Im Holz ausgebaut. Gewichtig und gehaltvoll. Dunkle Aromen: Rauch, Leder, Brombeeren. Hat trotz seiner Substanz Trinkfluss. Sehr gut.

Bezugsquellen

Ab Hof-Verkauf: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it

Im deutschsprachigen Raum: –

In einem kurzen Video auf seiner Webseite meint Stefano Novello von Ronco Severo, dass „du nur die Weine probieren musst, um den Charakter eines Winzers zu verstehen.“ Da hat er vermutlich recht. So wichtig das Terroir und die Rebsorte auch sein mögen (und Stefano spricht auch kurz davon), so entscheidend ist doch auch die Geisteshaltung, Herangehensweise und Handschrift des Winzers – im Weingarten wie im Keller.

Im gleichen Video meint er auch, dass ihn sein Vater vor 15 Jahren fragte, warum er eine Sache ändern wolle, die gut funktioniere und damit auf Stefanos Wunsch anspielte, seine Weingärten auf biologische Bewirtschaftung umzustellen. Antworten darauf fand Stefano genug, woraufhin die Art der Produktion verändert wurde und Pestizide und systemische Chemikalien aus den Weingärten verschwanden.

Die befinden sich allesamt in Prepotto, der inoffiziellen Weinkapitale der friulanischen Colli Orientali und wurzeln im dort omnipräsenten Ponka, einem porösen Kalkmergel, der seinen Weinen „Rückgrat und Substanz verleiht.“

Im Keller geht es Stefano darum, all das, was in seinen Trauben steckt, auch Wein werden zu lassen. Weshalb er sie bisweilen über lange Zeit in Kontakt mit ihren Schalen belässt und lieber auf den Faktor Zeit und eine natürliche Klärung setzt als sie zu schönen und zu zu filtern. So entstehen ein halbes Dutzend Weine, die beredt und facettenreich von ihrer Herkunft und ihrem Winzer erzählen.

Sie sind offen, warm und einladend, ruhig und ausgewogen, sympathisch und vielschichtig, anfangs ein wenig zurückhaltend, am Ende jedoch voller Energie und Tiefe.

Alle Weine von Ronco Severo sind spontan und ohne Temperaturkontrolle in Holzgärständern vergoren, nicht geschönt und nicht gefiltert.

Pinot Grigio: Grauburgunder aus spät gelesenen Trauben. Einmonatiger Schalenkontakt. Ausbau über 23 Monate in 20hl großen Holzfässern. Akazienblüten und Akazienhonig. Orangenschalen, trockenes Heu. Trocken, weich und einnehmend. Sehr gut. (ca. € 25)

Severo Bianco: Ein gemischter Satz aus gleichzeitig gelesenen und gemeinsam auf der Maische vergorenen Friulano, Chardonnay, Picolit und Chardonnaytrauben. Ausbau über 23 Monate in großen Holzfässern. Duftig und einladend. Etwas Vanille, Bratapfel und Blütennoten. Harmonisch. Einen Tick straffer als der Pinot Grigio.

Friulano: Auf den Schalen vergoren. Über 23 Monate in 30hl großen Holzfässern gereift. Wiesenblumen, reife gelbe Frucht, mediterrane Kräuter. Dicht, saftig und intensiv. Lang und nachdrücklich.

Ribolla Gialla: Spät und in perfekter Reife gelesen. Auf den Schalen vergoren. Über 23 Monate in 30hl großen Holzfässern gereift. Trockenfrüchte, Zitrus- und Blütenaromen. Straff, geradlinig, profund. Mit einer konzentrierten Textur. Kraftvoll und dynamisch. Einer der besten Ribolla Gialla, die ich kenne.

Schioppettino: Gehaltvolle Version der großen friulanischen Rotweinsorte. Lange mazeriert, danach Ausbau über 30 Monate in großen Holzfässern. Dunkelfruchtig, Brombeeren, Pfeffer, Unterholz. Mürbes Tannin, weiche Textur. Tief und lang.

Refosco dal peduncolo rosso

Artiûl (Merlot)

 

Ronco Severo – Stefano Novelli
Adresse: Via Ronchi 93, Prepotto
Tel. +39 0432 713340
info@roncosevero.it
www.roncosevero.it

Albero Oggero ist ein unruhiger Geist. Geduld ist seine Stärke nicht, weshalb es für ihn anfangs auch nicht ganz einfach war, die langsamen Abläufe innerhalb eines Weingartens zu akzeptieren. Winzer wollte er, seit den Tagen, als er seinem Großvater in die Weinberge folgte, jedoch immer werden. Auf dessen, vor vielen Jahrzehnten gepflanzte Reben, greift er heute noch zurück und damit das noch lange so bleibt, pflegt er sie biologisch und nachhaltig.  Abgesehen von geerbten Rebflächen hat er mittlerweile auch noch zwei steinalte Weingärten gepachtet, von deren extrem steilen und nur in Handarbeit zu bewirtschaftenden Hängen er seine Roero Riserva keltert.

Albertos Weinberge befinden sich allesamt in der Nähe von Santo Stefano Roero und basieren recht einheitlich auf Kalk und Sand. Was sich allerdings unterscheidet sind die Expositionen, die sich vom Osten bis in den Westen spannen. Und natürlich die Rebsorten: die sind, wie es im Roero üblich ist, Nebbiolo für die Rotweine und Arneis für die Weißweine. 

Weil er sich seiner Ungeduld völlig bewusst ist, weiß er, wie wichtig der Faktor Zeit ist. Weshalb er seinen Weinen – weiß wie rot – oft Jahre gönnt, um ihr Gleichgewicht und ihre Aromen zu finden. Vinifiziert wird ohne technologischen Schnickschnack und unnötige Zusatzstoffe.  Alberto Oggero ist Teil der Winzergruppe SoloRoero, deren Ziel es ist, die vitikulturell erstklassige aber etwas verschlafene Region wachzuküssen.

Alberto Oggero

Frazione Santissima Trinità 21, Santo Stefano Roero
Tel: 329 0085648
E-Mail: info@albertooggero.it
Webseite: www.albertooggero.it

Die Weine

Roero Arneis: Wie Luca Faccenda und Enrico Cauda, seine Kumpels von SoloRoero, bringt auch Alberto einen exzellenten Arneis in die Flasche. Die Trauben dafür stammen aus den alten Weingärten seines Großvaters – viel erntet er davon nicht, dafür ist das, was er einbringt ausdrucksstark und gehaltvoll. Nach 10 Monaten in Zementbottichen verströmt sein Arneis Kräuter- und Blütennoten. Er ist strukturiert, saftig und dynamisch.

‚Sandro d’Pindeta’: Eine Nebbiolo wie man ihn eher selten bekommt. Leicht und trinkig, mit viel Fluss und ohne aggressive Tannine. Ein Wein für alle Tage, fruchtig und aromatisch, offen und animierend.

Roero Rosso: Der Klassiker des Hauses. Nebbiolo in purezza. Spontane Vergärung im Stahltank, 25 Tage Maischekontakt. Ungeschönt und ungefiltert.  Ausbau über 14 Monate im Tonneaux und zwei Jahre in der Flasche. Kühl & strukturiert. Lakritze, Rosen und ein paar rote Fruchte. Elegant und geradlinig.

Roero Rosso Riserva: Nebbiolo von den 80 Jahre alten Reben ein gepachteten Weingartens. 25 Tage Maischekontakt. Ungeschönt und ungefiltert.  Ausbau über zwei Jahre im Tonneaux und zwei Jahre in der Flasche. Hat Grip, Power, Druck und Zug. Offeriert dunkelrote Früchte, erdige Noten und Blüten. Substantiell und eindrücklich. Bleibt lang haften. Very good.

La Poiesa ist eines der vielen, verhältnismäßig jungen Weingüter in der extrem umtriebigen Region rund um Piacenza. Es geht auf das Konto von Roberto Cristi, der nach seinem Diplom zum Landvermesser der Idee sein Leben in den Büros von Turin zu fristen nichts abgewinnen konnte und in die Heimat seiner Urgroßeltern Livio und Filomena zurückgekehrt ist. Die bewirtschafteten schon vor gut 100 Jahren einen Flecken Erde in Carpaneto Piacentino, wo auch Roberto heute lebt und arbeitet. Er übernahm den Namen ihres Weinguts, der kein Buchstabensalat aus dem Wort Poesia (Poesie) ist, sondern sich von Poiana ableitet, dem lokalen Namen für den Mäusebussard, der noch immer gelegentlich über die Weingärten schwebt.

Auch wenn er die Gerätschaften modernisiert hat, die das Leben am Feld und im Keller vereinfachen, ist die Herangehensweise weiterhin traditionell und von den Rebsorten der Vergangenheit geprägt. Aus Barbera und Bonarda fabriziert er einen in der Flasche vergorenen Frizzante, der in der Region Gutturnio genannt wird und stilistisch Lambrusco ähnelt. Und aus Ortrugo und Malvasia di Candia Aromatica keltert er zwei maischevergorene Rifermentati: gleichfalls flaschenvergorenen Sprudel, der allerdings mit etwas weniger Druck als beispielsweise ein Franciacorta oder Champagner und ohne Degorgement (Entfernen des Hefesatzes) vinifiziert wird.

La Poiesa ist Mitglied bei Emilia sur li.

Die Weine

Filòm: Frizzante aus 100% Malvasia di Candia Aromatica. Über vier Wochen mit den Schalen in Zementzisternen vergoren. Ungefiltert zur Zweitgärung in die Flasche gefüllt. Hat die Farbe eines Sonnenuntergangs. Reife Zitrusaromen, warme, gelbfruchtige Noten, welkes Laub. Forsch und rustikal, mit Grip und Druck am Gaumen. Hat Charakter. Seht gut. (ca. € 10)

Burbero: Frizzante aus 100% Ortrugo. Über vier Wochen mit den Schalen in Zementzisternen vergoren. Ungefiltert zur Zweitgärung in die Flasche gefüllt. Kräuterig, subtiler und heller in der Aromatik als der Filòm. Spielerisch, leicht aber doch eindrücklich. (ca. € 10)

Livione: Frizzante aus 60% Barbera und 40% Bonarda. Über drei Wochen mit den Schalen in Zementzisternen vergoren. Ungefiltert zur Zweitgärung in die Flasche gefüllt. Dunkel im Auge und in der Nase. Beeren und Pfeffer. Würzig. Straff (dank der Barbera) und doch mit Körper (danke der Bonarda). Brillanter Essensbegleiter zu deftigen Gerichten. (ca. € 10)

Azienda Agricola La Poiesa
Adresse: Strada Poiesa, 50 – Carpaneto Piacentino
Tel. +39 347 0697858
info@lapoiesa.it
www.lapoiesa.it

Kurzbiographie des Weinguts

Stefano Legnani war erst Konsument bevor er sich ab 2004 als Winzer probierte. In seinem früheren Leben als Versicherungsvertreter in Vicenza gründete er einen Stammtisch, an dem man sich nicht nur die üblichen Verdächtigen aus der Toskana und dem Piemont, dem Bordeaux und dem Burgund einschenkte, sondern sich auch in die Nischen der Weinwelt begab. So entdeckte er schon früh die Weine von Stanko Radikon und entwickelte eine Leidenschaft für die maischevergorenen Interpretationen aus dem friulanisch-slowenischen Grenzland. Anfang der 2000er Jahre zog er aus dem Veneto ins ligurische Sarzana, in die Heimat seiner Frau Monica. Die beiden kauften sich einen Hektar Land und bestockten ihn mit 3600 Vermentino-Reben – einen genauen Plan, was aus ihnen und ihren Trauben werden sollte, gab es am Anfang nicht. Er kultivierte sie rigoros biologisch und nachdem die erste Ernte zwar klein war aber gesunde Trauben hervorbrachte, entschloss er sich, sie künftig in Wein zu verwandeln. 

Er entsann sich seiner Affinität für maischevergorene Weine und startete in den darauffolgenden Jahren erste Vinifikationen. Leidenschaft kombinierte sich sukzessive mit Wissen und Erfahrung und so entstanden langsam aber sicher Weine, die nicht nur Anhänger unter seinen Stammtischfreunden fanden, sondern weit über die Grenzen Liguriens und Italiens hinaus – seine größte Fangemeinde hat er seit einiger Zeit in Japan, wo er bei Verkostungen wie ein Popstar gefeiert wird.

Seiner anfänglichen Konzeption ist er bis heute treu geblieben. Im Weingarten pflegt er seine „Signorine“, wie er seine Reben liebevoll nennt, größtenteils per Hand. Die Lese ist relativ spät. Indikator für den richtigen Zeitpunkt sind sein Gaumen und das vermehrte Auftreten von Wespen, die der süße Saft der Trauben anzieht. 

Im Keller entstehen mittlerweile insgesamt drei Weine, die auf mit den Schalen vergorenen weißen Trauben basieren, wobei sich die Mazerationszeiten auf ca. 5 Tage eingependelt haben (nicht länger, um Rebsorte und Herkunft nicht zu überdecken). Der Ausbau vollzieht sich über ein knappes Jahr in Stahltanks. Alle Weine sind ungeschönt, ungefiltert und sehr gut.

Die Weine

Ponte di Toi: 100% Vermentino. Sein erster, selbstproduzierter Wein. Floral, salzig, gelbfruchtig. Klassische Kräuternoten. Ist relativ weich und mürb. Verjüngt sich zum Gaumen und gewinnt zum Ende hin Druck und Zug. 

Loup Garou: 100% Vermentino. Einem Album von Willy DeVille gewidmet. Entsteht nur in besonderen Jahren (bisher 2012, 2013, 2016). Die Zeit auf den Schalen kommt hier deutlicher zum Tragen als beim Ponte di Toi, der Loup Garou hat mehr Grip und Struktur. Reife Zitrusaromen, Blütennoten, Kräuter (Tee). Dynamisch und mit ordentlich Spannung. Mundfüllende Textur. Im Finish erfrischend und eindrücklich.

Bamboo Road: Eine old-style Cuvée aus Vermentino, Trebbiano, Albana und Malvasia di Candia und ein zweites Tribut an Willy DeVille. Reife Fruchtaromen, sonnig, hell. Warm und weich. Mediterran. Kräuter. Säure sucht man hier vergeblich. Dass der Wein dennoch Richtung und Trinkfluss hat, verdankt sich einem lenkenden Gerbstoff. Sehr gut.

Stefano Legnani

Adresse: Via dei Molini 72, Bradia
Telefon: +39 348 2229695 
E-mail: s.legnani@legnani.com

Kurzbiographie des Weinguts

Auf Valfaccenda werden exzellente Weine gekeltert. Es ist eines jener Projekte, von denen es viel mehr geben sollte. 2010 von Luca Faccenda und Carolina Roggero ins Leben gerufen, schaut es eigentlich auf eine lange Geschichte zurück. Lucas Familie ist seit dem 18. Jahrhundert im Roero ansässig, das – absolut fantastisch gelegene und vor kurzem großartig renovierte – Weingut, in dem die beiden leben und arbeiten, wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts von Leone, Lucas Großvater, gebaut.

Die Weingärten des Roero generell und die 4 Hektar von Carolina und Luca im besonderen sind steil und auf Sand gebaut. Darin wurzeln Arneis und Nebbioloreben, die die beiden aufgrund der natürlichen Voraussetzungen quasi ausschließlich per Hand bewirtschaften. Die Weingartenarbeit ist traditionell und biologisch zertifiziert, im Keller wird – trotz oder gerade wegen Lucas Hintergrund als diplomierter Önologe – auf allzu viel Önologie verzichtet. Luca und Carolina sind Teil der Gruppe SoloRoero, zu der auch Alberto Oggero und Enrico Cauda (Cascina Fornace) gehören und die es sich zum Ziel gesetzt hat, das historisch bedeutende aber etwas verschlafene Gebiet wachzuküssen

Valfaccenda

Adresse: Loc. Valle Faccenda, fraz. Madonna di Loreto 43, 12043 Canale
Tel: +39 339 7303837
E-Mail: info@valfaccenda.it
www.valfaccenda.it

 

Die Weine

Roero Arneis Valfaccenda: 100% Arneis. Auf den Steilhängen rund um das Weingut gewachsen. 90% der Trauben wurden direkt abgepresst, 10% mit den Schalen vergoren. Der Ausbau geht teils in Edelstahltanks, teils in gebrauchten Holzfässern vonstatten. Kräuter und Tabak geben den Takt vor, weiße Früchte ergänzen. Der Wein hat Grip und Substanz, vereint Leichtigkeit mit Tiefe und Länge.

Roero Rosso Valfaccenda: 100% Nebbiolo. Perfektes Traubenmaterial minimalinterventionistisch vinifiziert. 12 Monate im gebrauchten Holzfass ausgebaut. Einladend und offen. Kein Nebbiolo, den man frühestens nach 30 Jahren trinken darf. Im Gegenteil. Macht vom ersten Schluck weg Spaß, ohne dabei banal zu sein. Vereint rote Nebbiolofrucht mit Blütenaromen und erdigen Noten. Versprüht trotz seiner präsenten Tannine Leichtigkeit und Frische.

Valmaggiore Nebbiolo

Valmaggiore Arneis

 

Paolo Veglio ist Jahrgang 1978. Seit 1992 arbeitet er als Weinbauer in den Weingärten der Familie. Bis 2004 lieferte er seine Nebbiolo-Trauben bei Barbaresco-Legende Bruno Giacosa ab, danach wagte er den Sprung ins kalte Wasser und begann seine Trauben selbst zu vinifizieren. Unterstützt wurde er anfangs von Dante Scaglione, dem einstigen Kellermeister von Giacosa. Nach ein paar Jahren begann er dann auch im Keller selbst die Fäden zu ziehen und verpasste seinen Weinen eine eigene, zunehmend raffiniertere und elegantere Handschrift. Mittlerweile produziert er die mitunter besten Barbaresco der Region (und das zu einem nachvollziehbaren Preis). Er schloss sich über einige Jahre der Naturwein-Winzervereinigung ViniVeri an, die seine Herangehensweise entscheidend mitprägte. 

Auch wenn er ein paar Tausend Flaschen ganz ordentliche Barbera und Dolcetto abfüllt, ist seine unumschränkte Domäne Nebbiolo. Daraus keltert er drei Weine, einen Langhe Nebbiolo und zwei Barbaresco, die durch die Bank ganz große Klasse sind. Die Kellerarbeit ist traditionell. Er vergärt spontan und ohne Temperaturkontrolle in großen Zementbottichen, setzt auf lange Maischestandzeiten und einen geduldigen Ausbau in großen Holzfässern. Paolos Weine sind ungeschönt und ungefiltert. 

Cascina Roccalini

Adresse: Località Roccalini, Barbaresco (TO)
Telefon: 3470526898, 0173 638340
E-mail: cascinaroccalini@gmail.com

Langhe Nebbiolo: 60 Tage auf der Maische. In Zementzisternen vergoren. Klare Frucht- und Blütennoten.  Fordernde Tannine werden in einem kompakten Körper aufgefangen. Mundfüllend. Kraftvoll. Erdig. In Sachen Alkohol eher auf der kräftigen Seite. Ist dennoch ausgewogen. Eindrucksvoller Einstieg.

Barbaresco: Gleiche Vinifizierung wie der Langhe Nebbiolo. Die Trauben stammen diesmal allerdings aus unmittelbar das Weingut umgebende Weingärten. 18-monatige Reifung in großen Holzfässern. Bereits in der Nase erdig, würzig, floral, dicht, lebendig und präzis. Am Gaumen straffer und strukturierter als Langhe N. , frisch, substantiell, lang und mit viel Trinkfluss. 

Barbaresco riserva: Gleiche Vinifizierung wie die anderen beiden. 24-monatiger Ausbau im Holzfass, danach nochmals 24 Monate in der Flasche. Vielschichtig wie schon der klassische Barbaresco davor.  Vielleicht nochmals komplexer. Am Gaumen tief, dicht und engmaschig. Ist kraftvoll – und eine Eigenheit vieler großer Nebbiolos – gleichzeitig grazil. Great.

Mitte der 1990er Jahre krempelte Marco Blancardi die Ärmel hoch und begann damit, verwildertes Terrain im Hinterland von Dolceacqua, im äußersten Westen Ligurien, freizulegen. Er befreite jahrzehntelang brachliegende Olivenhaine und typisch mediterrane Kräuter wie Rosmarin (ergo der Name) Thymian und Lavendel von Gestrüpp und begann daraus Öle und Essenzen herzustellen. 2005 weitete er sein Projekt um einen ersten Weingarten aus, dem er 2009 noch einen weiteren, mit damals 90-jährigen Reben, hinzufügte. 

In einem Kurs über biodynamischen Weinbau lernte er seine heutige Frau Francesca kennen. Sie zog zu ihm nach Perinaldo, wo sie nunmehr gemeinsame Sache machen. Die ist auch zu zweit anstrengend genug. Speziell die Lage Pinella, die Marco 2009 erworben hat, ist steil und mühsam zu bewirtschaften. Trockensteinmauern ermöglichen überhaupt erst Weinbau, müssen aber auch immer wieder gepflegt und ausgebessert werden. Doch lohnt sich der Aufwand auch. Nicht nur, weil die beiden daraus die Basis für einen formidablen Rossese, der großen roten Rebsorte Liguriens, lesen, sondern weil der Weingarten per se alles bietet, was man sich von einem Arbeitsplatz wünschen kann. In ihm wachsen neben Trauben auch Birnen-, Zitronen- und Mandarinenbäume, Rosen, Wildblumen und Kräuter. 

Die Arbeit im Keller, wo sie insgesamt zwei Rotweine aus Rossese keltern, findet ohne jegliche Zusatzstoffe, außer ein wenig SO2 statt. Beide Weine sind weder geschönt noch gefiltert.

Rossese di Dolceacqua Albicella: 15 Jahre alter Weingarten auf Kalkboden in 450 Metern Höhe. Der kühlere Wein von den beiden. Duftig, zart und einladend. Frische rote Frucht, Rosen, Macchia. Reife, mürbe Tannine. Animierend und elegant.

Rossese di Dolceacqua Pinella: 100 Jahre alte Reben auf Flysch in 200 Metern Höhe. Dunkler, weicher, Waldbeeren, Rosen, Pfeffer. Elegant und samtig. Säure und Tannin geben dem Wein Richtung, stehen allerdings nie im Vordergrund. Endet würzig und nachhaltig.

Rosmarinus

Adresse: Località Trume 3, Perinaldo
Telefon: 3284639158 
E-mail: info@rosmarinus.it

1 2 3 4 11
Newsletter