Pacina ist vielmehr als nur ein Weingut. Es ist ein kleiner, in einem Wald versteckter Ort nahe Castelnuovo Berardenga, wo BIODIVERSITÄT groß geschrieben wird und neben Reben auch noch Dinkel, Oliven und Kichererbsen kultiviert werden. Es ist – als Agriturismo – auch ein Rückzugsort für all jene, die lieber die Crete Senesi erforschen als die Uffizien (wobei Florenz auch nur eine Stunde entfernt liegt), vor allem aber ist es das Lebensprojekt von Giovanna und Stefano Tiezzi, die gemeinsam mit ihren erwachsenen Kindern Maria und Carlo, Pacina bewirtschaften.

Pacinas noch immer bestens erhaltene Mauern wurden im zehnten Jahrhundert errichtet und damals von Mönchen bewohnt. Weinbau auf den umliegenden Feldern dürfte allerdings schon zu Zeiten der Etrusker betrieben worden sein, von deren Gott des Weins, Pacna, sich auch der Name des heutigen Guts ableitet.

Die Familie von Giovanna Tiezzi hat das Anwesen dann vor gut einem Jahrhundert übernommen und die Acker- und Rebflächen stets ohne den Einsatz von Pestiziden oder anderweitiger, in der Landwirtschaft verwendeter Chemikalien gepflegt. Im Gegenteil: Ihr Vater Enzo, ein Naturschützer und Umweltaktivist bevor es die Wörter überhaupt gab, veranstaltete 1980 auf Pacina das erste Treffen von Legambiente, einer der führenden italienischen Umweltorganisationen; und Giovannas Mutter war eine Biologin, die in diversen Schriften schon früh auf die elementare Bedeutung der Biodiversität für das natürliche Gleichgewicht in einer zunehmend auf Monokulturen basierenden Landwirtschaft hinwies.

Giovanna und Stefano (ein diplomierter Landwirt) haben im Sinne der beiden weitergemacht. In den 10 Hektar Rebfläche, deren geologisches Fundament größtenteils auf von Kalk durchsetzten Sanden und Ton basiert, wurzelt größtenteils Sangiovese, ergänzt von Ciliegiolo, Canaiolo, Syrah und den beiden weißen Sorten Trebbiano di Toscana und Malvasia di Chianti. Die Interventionen im Weingarten beschränken sich auf bewusste Interaktionen zwischen den Winzern und ihren Rebstöcken, wobei einzig und allein, die aus Beobachtung des eigenen Territoriums entwickelte Erfahrung zählt.

Im Keller setzt sich diese Erfahrung fort. Man verzichtet auf das stets umfangreicher werdende Arsenal intervenierender und manipulierender Produkte und lässt den Wein einfach werden. Dabei setzt man nach einer durch wilde Hefen initiierte Gärung in Zementzisternen auf verhältnismäßig lange Ausbauzeiten, die mit Ausnahme des Il Secondo, Pacinas Einstiegswein, in gebrauchten Holzfässern stattfinden.

ps: Pacina war bis vor kurzem Mitglied des Chianti Konsortiums. Aufgrund von Regulativen, die die lange Tradition des Chianti in immer stärker werdendem Maße durch internationale Rebsorten und Trends ersetzt und manipuliert, beschlossen Giovanna und Stefano jedoch aus dem Konsortium auszutreten. Ihre eigentlich klassischen Chiantis sind der Pacina (der einer Chianti Classico Riserva entspricht) und der Il Secondo.

Pacina

Via Pacina 2 –
53019 Castelnuovo Berardenga (SI)

TELEFON

+39 0577-352040
+39 335-6657449
+39 335-5448565

FAX

+39 0577-352040
 
pacinatiezzi@gmail.com

Datenblatt

Jahresproduktion: ca. 50000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Chianti, Trebbiano di Toscana; Sangiovese, Ciliegiolo, Canaiolo, Syrah
Rebfläche: 10  ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Die Weine

Il Secondo: Junge Reben, die 2005 bzw. 2008 ausgepflanzt wurden, sind die Basis für Pacinas Einstiegswein. Die Rebsorten sind Sangiovese, Canaiolo, Colorino, der Boden Tufo di Siena, der übrigens während des Palio in Siena über die Pflasterstein der Piazza del Campo gestreut wird. Die Aromen sind rotbeerig, erdig und von Blüten geprägt, die Textur ist geradliniger als beim Pacina, die Säure wirkt frischer, der Gerbstoff rustikaler. Wer mag, kann darauf warten, dass er weicher und mürber wird, gelegentlich ist es allerdings auch schön einen Wein mit seinen noch jugendlichen Ecken und Kanten zu trinken.

Pacina: Der Pacina besteht zu 95% aus Sangiovese und zu 5% aus Ciliegiolo und Canaiolo, wächst auf Tufo di Siena, dem klassischen Untergrund des südlichen Teils der Region und wird über 14 Monate in Holzbottichen unterschiedlicher Größe (500-2500 l) und danach noch für weitere 12 Monate in der Flasche ausgebaut. Er hat Kraft & Säure, ist profund und dicht, ausgewogen und druckvoll und hat Aromen, die rote Frucht, Pfeffer und Lakritze integrieren.

La Malena: reinsortiger Syrah, dunkelfruchtig, erdig; sehr kraftvoll

La Sorpresa: Trockenfrüchte, Marmelade, ölig, saftig, puffert mit einer erstaunlich lebhaften Säure die immense Süße, brillant.

La Cerrettina: Pacinas Weißwein aus Trebbiano Toscano & Malvasia – noch nicht probiert

Die beiden erstgenannten Rotweine von Pacina gibt es bei vinonudo

Hintergrund

Vermentino ist die große weiße Sorte des westlichen Mittelmeers. Sie findet sich in der Provence, wo die Sorte Rolle heißt (und nichts mit der gleichnamigen ligurischen Sorte zu tun hat, die lange für Vermentino gehalten wurde, allerdings nichts mit ihm zu tun hat), auf Korsika, wo man sie unter dem Namen Malvasia Grosso vermarktet, auf Sardinien, wo sie in der Gallura DOCG-Status genießt und natürlich auch entlang der gesamten ligurischen und toskanischen Küste, wo einige ihre besten Beispiele gekeltert werden (allen voran Antonio Perrinos Testalonga Vermentino, Massavecchias Ariento und BioVio Pigato).

Beppe Ferruas Vermentinostöcke befinden sich ein wenig im Landesinneren, in den Hügeln nördlich von Lucca, einem der ruhigeren Landstriche der Toskana (wobei – abgesehen von den Städten – im Landesinneren der Toskana generell wenig los ist). Alles entscheidend für die Dynamik und das Temperament der besten Weine der Gegend ist das Zusammentreffen von zwei Klimaeinflüsse: mediterranen aus dem Westen und alpinen aus dem Norden, wo der Apennin auf nur wenigen Kilometern auf 2000 Meter ansteigt. Sie sorgen für ein fortwährendes Spannungsverhältnis zwischen warmer und kalter Luft, dass sich letztlich auch in den Weinen manifestiert. 

Der Vermentino der Fabbrica di San Martino wird von ein wenig Trebbiano und Malvasia unterstützt, spontan vergoren, in großen Holzfässern ausgebaut und ungefiltert gefüllt.

Stil

Dicht, animierend, mundfüllend. Zum Gaumen hin zunehmend druckvoll. Schlägt einen aromatischen Bogen von reifen Früchten über Honig hin zu Kräuternoten. Bekömmlich, saftig und dynamisch. 

Hintergrund

Alles an Carmignano ist alt. Oder um es besser zu sagen, alles ist, bis ins Detail, mit Geschichte aufgeladen. Selbst Cabernet Sauvignon, der in diesem Teil der Welt eigentlich nichts verloren hat, laut Rosella Bencini Tesi, der Besitzerin der Fattoria di Bacchereto allerdings auch schon seit 500 Jahren in der Gegend zu finden ist. Schuld daran hatte Caterina di Medici, die Tochter Lorenzo Magnificos, die nachdem sie Königin Frankreichs geworden war, ihre Leidenschaft für Cabernet Sauvignon entdeckte und meinte, dass man die Sorte gefälligst auch in der Peripherie von Florenz anpflanzen sollte – was dann in Carmignano auch schlagartig umgesetzt wurde.

200 Jahre später (aber 100 Jahre früher als in Frankreich und 287 Jahre früher als in Österreich), genauer im Jahr 1716 war es dann Cosimo III Medici, der Carmignano als eine von vier toskanischen Regionen unter Gebietsschutz stellte – das bedeutete, dass der Name Carmignano aufgrund der hohen Qualität der Weine nur dann verwendet werden durfte, wenn die Weine auch in der Region produziert worden waren.

Heute ist Carmignano etwas in Vergessenheit geraten und steht ganz eindeutig im Schatten der Chianti-Gebiete oder Montalcinos. Was allerdings nicht heißt, dass in seinen Kellern (und vor allem in dem der Fattoria di Bacchereto) nicht auch heute noch exzellente Weine entstehen. Warum auch nicht – die natürlichen Voraussetzungen sind schließlich die gleichen geblieben. Die Böden basieren auf Alberese, einem stark kalkhaltigem Gestein und das Klima ist den Sommer über warm und trocken und im Winter kalt und feucht. 

Rosella Bencini Tesis ganz einfach Carmignano getaufter Rotwein besteht zu 75% aus Sangiovese, 10% Canaiolo und 15% Cabernet Sauvignon. Die Bewirtschaftung der leicht abfallenden Hügelflächen ist biologisch. Vergoren werden die drei Sorten allesamt spontan jedoch separat, da sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausreifen. Der Ausbau erfolgt dann gemeinsam in großen Holzfässern, wo der Wein über die folgenden 18 Monate bleibt. Interveniert wird davor und danach so wenig wie möglich. Der Carmignano wird vor der Abfüllung nicht gefiltert, bekommt jedoch eine kleine Menge SO2 mit auf den Weg in die Flasche.

Stil

Kraftvoll, konzentriert und dicht. Eleganz spielt im Carmignano nur die zweite Geige. Die Tannine machen Dampf und auch die Säure trägt ihren Teil zur Struktur des Weins bei. Die Aromen schlagen Anfang einen fleischigen und animalischen Ton an, werden mit der Zeit aber etwas sanfter und fruchtiger. Fließt trotz seiner Kraft recht ruhig und ausgewogen über den Gaumen. Eignet sich definitiv dafür, für ein paar Jahre im Keller vergessen zu werden.

Daten & Fakten

  • Rebsorten: 75% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon, 10% Canaiolo
  • Rebalter: ca. 20 Jahre
  • Boden: Alberese (Kalkstein) & Mergel
  • Ertrag: 3300 kg/ha
  • Gärung: spontan/wilde Hefen in innen verglastem Zement
  • Ausbau: über 18 Monate in Holzfässern
  • Filterung: nein
  • SO2: < 70mg/l

Oktober und November sind zwei Monate, in denen eine Verkostung die nächste jagt. Die erste fand am letzten Wochenende im Castello di Levizzano statt und war, anders als die meisten, die noch folgen werden, ausgesprochen entspannt. Grund dafür war vor allem die Auswahl der Winzer, die kaum bekannt, nicht allzu viele Besucher anlockten. Zwar befand sich mit Lino Maga (bzw. seinem Biographen, der für den betagten und zu Hause gebliebenen Winzer die Weine ausschenkte), dem Schöpfer des Barbacarlo, einem der großen Rotweine Italiens, auch ein zugegebenermaßen eher Insidern bekanntes Zugpferd unter den teilnehmenden Winzern, generell war der Bekanntheitsgrad aber eher gering. Das Niveau allerdings war es nicht.

Das lag unter anderem an einer Truppe junger Winzer aus dem Valtellina, die das bestätigte, was die Weine von Ar.Pe.Pe, dem besten Produzenten der Region (und einem der besten Italiens) seit Jahren ohnehin nahelegen – dass die Nebbiolos des Valtellina (die man im Valtellina übrigens Chiavennasca nennt) eine kühle aber profunde Alternative zu jenen des Piemonts darstellen. Sympathisch ist dabei, dass es auch eine, unter dem Namen Rosso di Valtellina gekelterte Einstiegsvariante gibt, die zeigt, dass Nebbiolo auch als leichter Wein mit subtilen Aromen bestens funktioniert. Die länger ausgebauten Weine waren quasi durch die Bank druckvoll, saftig, vielschichtig und elegant. Um sich und ihren Weinen mehr Gewicht zu verleihen, haben sich insgesamt acht Winzer aus unterschiedlichsten Orten der Region zu der Gruppe Veltliner („den Namen haben uns die Österreicher geklaut“) zusammengeschlossen – nähere Portraits einzelner Winzer folgen mit Sicherheit. Bis es soweit ist, lohnt es sich allemal die Namen der anwesenden Winzer zu erwähnen: Barbacàn, Boffalora (beide exzellent), Pizzo Coca, Franzina, Terra Alta und Fondo Bozzole.

Bestätigt wurde im Castello auch die Vermutung, dass Croatina eine ganz fantastische Rebsorte ist. Bisher kannte ich die Sorte reinsortig ausgebaut nur von Walter Massa, dem Castello di Stefanago und Daniele Ricci, über dessen beiden Interpretationen, Elso und El Matt, es auch zwei ausführlichere Beschreibungen gibt. Hinzu kamen nun der brillante  OPPure von Stefano Milanesi, einem Winzer aus dem Oltrepo Pavese, dessen komplette Kollektion (mit Ausnahme eines recht ausladenden Pinot Nero) schwer beeindruckend ist und der Croatina von der Cantina del Castello Conti, einem Weingut aus Boca im nördlichen Piemont – auch hier lohnt sich der ganze Rest, inklusive einer Cuvée aus 14 unterschiedlichen Rebsorten, die seit Jahrzehnten wild verstreut in den Weingärten des Castello wachsen und gemeinsam gelesen und vinifiziert werden.

Die Cantina del Castello Conti ist auch Teil des I AM AGRICOLO-Projekts, dem acht kleine Weingüter rund um Biella angehören – Fabio Zambolin, Andrea Manfrinati, Vino del Sorriso, Massimo Pastoris, La Riviera, Madonna dell’Uva und die Azienda Agricola Ilaria Salvetti – letztere wiederum widmet sich ausschließlich der Erbaluce, einer ziemlich in Vergessenheit geratenen Rebsorte, die aufgrund ihrer intensiven Säure und zurückhaltenden und feinen Aromatik seit jeher vor allem zu Süßwein verarbeitet wird. Nachdem Süßwein (und mag er noch so gut sein) zurzeit ungefähr so populär ist wie ein Dieselmotor in deutschen Innenstädten macht Ilaria Salvetti mittlerweile auch einen exzellenten Schaumwein (metodo classico) und einen Stillwein, den sie allerdings nicht mit im Gepäck hatte.

Einen Schaumwein gab es auch am Stand der Tenuta Montagnani, die im Jahr 2014 gegründet, ihre ersten Weine präsentierte. Nachdem das Weingut seine Heimat in San Gimigniano hat, gab es naheliegenderweise und ausschließlich Vernaccia. Der schmeckt durch die Bank gut, der Frammenti, eine in Zement ausgebaute, druckvolle und vitale Version auch noch besser. Wer in die Gegend kommt (und die Wahrscheinlichkeit ist größer als bei den oben genannten Orten) kann ruhigen Gewissens dort vorbeischauen.

Hintergrund

Das Chianti ist eine heikle Zone. Zum einen gibt es da das offizielle Chianti, dem in den letzten Jahren wenig eingefallen ist, um die etwas angeschlagene Reputation ihrer Regionen (das Classico und die sieben, an das Kerngebiet angrenzenden Zonen) zu verbessern. Zum anderen aber verfügt das Chianti über ein tausende Jahr alte Geschichte, die belegt, dass sich nur wenig Gegenden in Italien derart für die Produktion exzellenter Weine eignen wie jene zwischen Florenz und Siena und rund um die beiden Städte herum. Nun kann man sich dieser langen Historie verweigern, Merlot und Cabernet in die Weingärten setzen und die Keller aufrüsten, um damit mit einem international kompatiblen Stil in den unzähligen Exportmärkten der Welt zu punkten. Oder aber, man kann sich mit der Geschichte des Chiantis auseinandersetzen und sich überlegen, warum die Gegend immer wieder im Mittelpunkt vinophilen Interesses stand.

Lucia Bozzano tat letzteres. Die junge Önologin, die nach Jahren in Montalcino vor einigen Jahren das elterliche Weingut nahe Asciano, südöstlich von Siena übernahm, stand gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit vor der Aufgabe einen brachliegenden Weingarten neu zu bestocken. Sie beschloss, neben den in der Gegend omnipräsenten Sangiovese, auch ein paar Reihen Fogliatonda auszusetzen. Die alte Sorte war lange Zeit quasi vergessen, erfährt allerdings seit kurzem eine kleine Renaissance. Sie reift etwa zur gleichen Zeit wie Sangiovese, hat aber im Gegensatz zu ihr eine etwas mildere Säure und weichere Tannine und ergänzt die große Sorte der Toskana ideal.

Lucia liest die Trauben für den Chianti A Vento e Sole für gewöhnlich im frühen Oktober, vergärt sie spontan und presst sie nach 10 Tagen ab, um vor allem die feine und elegante Seite der beiden Sorten in den Mittelpunkt zu stellen. Danach ruht der Wein für 18 Monate im Stahltank. Ungefiltert abgefüllt reift er daraufhin für ein weiteres halbes Jahr in der Flasche weiter.

Stil

Ich kenne keinen anderen Basischianti, der so viel Eleganz, Finesse und aromatische Vielfalt in sich birgt und sich nebenbei so ausgewogen und einladend präsentiert. Er vereint frische rote Frucht und intensive Blütennoten mit einer saftigen und kühlen Textur. Er ist lang und geradlinig und hat wesentlich mehr Potenzial als man es von Einstiegsweinen gewohnt ist.

Datenblatt

Rebsorte: Sangiovese 90% & Fogliatonda 10%
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Auf ca. 400 Metern. Die Reben wurzeln in Tuffstein und Ton. Der Weingarten schaut in die Morgensonne.
Lese: Per Hand in 15 kg Kisten. Ca. 5000 kg/ha
Vergärung: spontan | wilde Hefen
Ausbau: Im Stahltank
Filtration: ja
SO
: < 50 mg
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2026

Lucia Bozzano steht paradigmatisch für eine junge Winzergeneration, die der gerne ignorierten Zone zwischen Chianti Classico und Montalcino mit immer besseren Weinen neues Leben einhaucht. Lucia studierte erst Weinbau und Önologie in Mailand und vertiefte danach ihre Kenntnisse in Montalcino, wo sie für einige Jahre arbeitete. Nebenbei begann sie, gemeinsam mit ihrem Partner Fabio Romegialli (ebenfalls ein Önologe, der in seinem mikroskopischen Weingut Monte Isi, einen exzellenten Sangiovese-Schaumwein produziert) die drei Hektar Weingärten zu bewirtschaften, die sich auf gut 500 Metern rund um den Agriturismo ihrer Eltern befinden.

MARIENKÄFER vs. BLATTLÄUSE

Vor wenigen Jahren entschied sie sich, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich ausschließlich um ihre eigenen Reben zu kümmern, ein Schritt, der gleichsam auch einen qualitativen Sprung bedeutete. Von Anfang an konsequent biologisch arbeitend, konnte sie sich nun auch auf die Details und die individuelle Pflege der einzelnen Reben fokussieren. Sie veränderte den Rebschnitt, belebte die Böden mit unterschiedlichsten Einsaaten und ließ in kürzester Zeit neue Lebenswelten für die darin lebenden Insekten und andere Kleinsttiere entstehen (mit der erfreulichen Konsequenz, dass seit einiger Zeit Marienkäfer marodierenden Blattläusen den Garaus machen).

Gleichzeitig hielt sie Ausschau nach alten Weingärten, die sie pachten oder kaufen konnte und stockte in den Folgejahren ihre Rebfläche sukzessive auf 8,5 Hektar auf. Darin wurzeln größtenteils Sangiovesereben, die fast allesamt in den 1970er Jahren gepflanzt wurden, flankiert von Canaiolo und Trebbiano. Einen Weingarten pflanzte sie neu aus, wobei sie neben etwas mehr Sangiovese, die alte aber extrem spannende Sorte Fogliatonda setzte, die nun ihren Basischianti (einen der besten, den ich kenne) aufpeppt.

DER WEG IST DAS ZIEL

Lucia und Fabio wissen zwar ganz genau, wohin der Weg führen soll, sie gehen ihn allerdings langsam. Deutlich wird das vor allem in ihrer Kellerarbeit. Sie üben Jahr für Jahr etwas mehr Verzicht und beobachten wie sich die Weine ohne Eingriffe und Zugaben entwickeln. Seit einigen Jahren vertrauen sie ausschließlich auf die wilden Hefen ihrer Umgebung, schwefeln ihren Most nicht mehr, schönen nicht und filtern nur noch ihren Weißwein. Das Resultat sind Weine, die vital und dynamisch, gehaltvoll und doch geradlinig immer mehr den Ideen der beiden entsprechen und neben ihrer persönlichen Handschrift auch die Essenz ihrer Umgebung immer deutlicher wiedergeben.

Zur Zeit keltert man in der Podere Alberese vier Weine: mit dem Jahrgang 2017 gab es erstmals einen nach der metodo ancestrale gekelterten Frizzante aus Trebbiano und Malvasia. Quicklebendig, straff und aromatisch erstaunlich vielschicht verdeutlicht er, dass man viel öfter zu Schaumweinen greifen sollte, auf denen nicht Prosecco draufsteht. Der Aprilante ist ein klassischer Weißwein aus Trebbiano, der dank einer sehr sanften und langsamen Pressung auch ein paar strukturierende Tannine in seine saftige und sehr direkte Textur integriert. Kräuter, Salz und Tonic (dem Kalk geschuldet?) prägen das Aromaprofil. Der beste Wein der Podere Alberese ist derzeit ihr Chianti A Vento il Sole (2015), der ausgeglichen und unbeschwert feine rote Frucht in einen ätherischen aber doch profunden Körper bettet (und für € 10 ab Hof viel zu billig ist). Etwas müde wirkt dagegen die Chianti Riserva 2012 – wobei ich felsenfest davon überzeugt bin, dass die, sich noch im Fass oder in der Flaschenreifephase befindlichen Interpretationen zunehmend von der immer persönlicheren Herangehensweise der beiden profitieren werden.

Podere Alberese di Bozzano Lucia
Loc. Casabianca – 53041 Asciano (SI)
Tel. +39 0577 705089 oder 0577 704572
info@poderealberese.it
www.poderealberese.it

WEINE

Aprilante
Chianti A Vento e Sole
Chianti Podere Alberese Riserva

Die Weine kosten zwischen € 10 und € 17 (Stand 2018). Leider sind sie, meines Wissens, derzeit nur in Italien erhältlich.

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Sangiovese, Fogliatonda, Canaiolo, Malvasia, Trebbiano
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Via Malafrasca 216 –  San Casciano in Val di Pesa, Florenz
Telefon: 329.3253058 Dario –  339.3770699 Matteo
E-mail: laginestrafarm@gmail.com
www.laginestra.toscana.it

WEINE

Sant’ellero
Jun
Sangio Panza
La Vale del Vento
Habemus
Chioccia (Trebbiano)

Die Weine kosten ab Hof zwischen 10-18 Euro.

La Ginestra ist Mitglied bei den Vignaioli Artigiani Naturali

La Ginestra ist vielmehr als nur ein Weingut. Es ist zuallererst eine Idee, an deren Verwirklung man sich 1978 gemacht hat. Damals lieh sich eine Gruppe junger Menschen das Land eines enteigneten Adeligen südlich von Florenz, um dort alternativen Lebensentwürfe Realitität werden zu lassen. Vom ursprünglichen Kollektiv ist zwar heute niemand mehr dabei, La Ginestra gibt es allerdings noch immer – betrieben von zwei Urgesteinen, die in den 80er Jahren in das Projekt einstiegen und einem guten Dutzend junger Leute aus unterschiedlichsten Ländern und Kontinenten.

Weinbau spielt im Konzept von La Ginestra nur eine untergeordnete Rolle. Er ist Teil eines auf Ganzheitlichkeit setzenden Denkweise, in der eine Handlung in die nächste greift und alle Produkte und Leistungen sich gegenseitig ergänzen. La Ginestra besteht aus einem Agriturismo (5 Appartements), einem Restaurant und einem Bauernhof auf dem Schweine gezüchtet und verarbeitet und Hühner artgerecht gehalten werden, wo man Weizen, Hafer, Dinkel und Saubohnen in Rotationswirtschaft anbaut, Olivenöl, Mehl und Honig herstellt, eine Baumschule betreibt und eben auch Reben kultiviert und daraus Wein keltert und Grappa destilliert. 100 Hektar stehen dafür insgesamt zur Verfügung, allesamt biologisch zertifiziert. La Ginestra steht exemplarisch dafür wie Landwirtschaft sein könnte und sollte.

Insgesamt keltert man auf La Ginestra 6 Weine. Da man sich mitten im Chianti befindet, kommt dem Sangiovese tragende Bedeutung zu. Gleich in vier Weinen gibt er ganz alleine den Ton an: im exzellenten, geradlinigen und saftigen La Vale del Vento, im fruchtbetonten, einfach gestrickten und einladenden Sant’ellero und in den ambitionierten, kräftigten und gut strukturierten Versionen Jun und Sangio Panza. Dazu kommt noch eine Cuvèe in dem er zwar die Hauptrolle gibt, allerdings von Cabernet Sauvignon, Alicante und Canaiolo unterstützt wird und wo Kräuternoten, die klassischen roten Fruchtnoten und floralen Nuancen ergänzen. Abgerundet wird das Sortiment von einem gelbfruchtigen, weichen und trinkigen Trebbiano. Sämtliche Weine wurzeln in Alberese, einem Kalk-Mergelgemisch mit einem hohem Calciumcarbonatanteil, ein geologischer Fakt, der für gewöhnlich – und auch bei La Ginestra – eine feingliedrige Grundstruktur der Weine zeitigt. Da auf La Ginestra generell nicht geschwefelt wird, sind die Weine grundsätzlich früh zugänglich und offen.

Die Geschichte von Montesecondo, dem Weingut von Silvio Messana, reicht ins Jahr 1963 zurück. Damals beschloss sein Vater, seinen Besitzungen in Tunesien, wo die Familie damals lebte, noch ein Weingut in der Toskana anzuhängen. Land in den Ausläufern des Chianti Classico war damals günstig. Der Toskana-Tourismus ließ noch ein paar Jahre auf sich warten und mit dem Wein, den man damals produzierte – und meist an die Genossenschaften ablieferte – wurde man auch nicht reich. Silvios Vater setzte dennoch Reben in die Erde, seine Idee in der Toskana Wein zu produzieren, konnte er allerdings nicht umsetzen. Er starb zu früh.

Nachdem Silvio damals in Florenz studierte und der Großteil der Familie weiterhin in Tunesien lebte, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Geschäfte fürs erste selbst zu übernehmen. Lust darauf hatte er wenig. Er versuchte das Weingut zu verkaufen. Das funktionierte allerdings nicht wie gewünscht, doch fand er immerhin jemanden, der für ihn die Weingarten bewirtschaftete. So konnte er sich für die nächsten 15 Jahre nach New York verabschieden, wo er zum einen als Musiker zum anderen aber auch als Weinhändler arbeitete.

BIODYNAMIK

Im Jahr 2000 zog er einen Schlussstrich unter Amerika und kehrte in die Toskana zurück. Er hatte, pünktlich zum Jahrtausendwechsel, beschlossen Winzer werden. Die ersten beiden Jahre sammelte er Erfahrungen. Er sprach mit Winzern der Umgebung, pflanzte – wie das damals üblich war – Cabernet Sauvignon neben die schon vorhandenen Sangiovese, Canaiolo und Colorino und kaufte sich sukzessive einen kleinen Keller zusammen. Die große Zäsur fand im Jahr 2003 statt. Der konventionellen Landwirtschaft nicht nur überdrüssig, sondern auch gesundheitlich von ihr angegriffen, besuchte er ein Seminar von Nicolas Jolys über biodynamischen Weinbau in Bologna. Wieder zu Hause angekommen, entsorgte er seinen Giftschrank und startete umgehend mit der Demeter Zertifizierung.

In den nächsten 10 Jahren folgte dann ein Schritt auf den nächsten: dabei wurde ihm der Einfluss seines Terroirs immer deutlicher bewusst und die Notwendigkeit es so präzis wie möglich in Wein zu übersetzen. Der Blick zurück in die Geschichte des Chianti Classico gewann folglich ebenso an Bedeutung wie die Erkenntnis seinen Weinen im Keller die Freiheit zu lassen, die sie brauchten, um ihr Potenzial auf den Punkt zu bringen.

CHIANTI WIRKLICH CLASSICO

Er setzte auf klassische Alberello-Erziehung in den Weingärten, spontane Vergärung im Keller und den Ausbau in Zement und Holzbottichen. Er fuhr den Schwefeleinsatz zurück, vertraute auf die natürliche Klärung der Moste und filterte nicht mehr. Und schaffte es damit sukzessive, seinen Weinen immer mehr Identität und Individualität zu verleihen.

Silvios Weine haben mit den meisten zeitgenössischen Versionen, die man aus der Gegend kennt, wenig zu tun. Es sind radikale Gegenentwürfe zu einer verfehlten Vorstellung dessen, was Chianti heute definiert. Den weichgespülten, braven und von internationalen Rebsorten geprägten Versionen vieler Winzer, setzt er Interpretationen entgegen, die puristisch, kühl und geradlinig mit jeder Gefälligkeit dem Chianti-Konsortium gegenüber kompromisslos aufräumen und gerade deswegen dem Konsumenten wieder Trinkfluss und – wenn man sich darauf einlässt – auch Authentizität bescheren.

Silvios Chianti Classico (2015) entsteht aus Sangiovese, Canaiolo und Colorino und wird teils in großen Holzfässern, teils in Zement ausgebaut: er trägt seine Blässe mit Würde, auch deswegen, weil er weiß, dass es nicht um Äußerlichkeiten geht. Erde, Laub und frische rote Fruchtaromen prägen das Aromaprofil, Dynamik, Energie und Vitalität den Gaumen. Die Struktur ist gebündelt und druckvoll, dabei allerdings nie streng. Eleganz weist den Weg.

Dem Chianti Classico zur Seite steht der Montesecondo (2015), ein reinsortiger Sangiovese, der zur Gänze in Zement ausgebaut wird. Klar, geradlinig, feingestrickt und lebhaft zeigt er, dass Sangiovese auch im Basisbereich blendend funktioniert und keine Verstärkung von Cabernet & Co. braucht.

Der Cabernet, den er Anfang der 2000er ausgesetzt hat, spielt die Hauptrolle im Rospo (2014): im Zement ausgebaut setzt er einen Kontrapunkt zu quasi allen Cabernets, die mir je untergekommen sind. Elegant, zurückhaltend und fruchtpräzis schafft er es völlig eigenständige Aroma- und Texturwelten für sich zu reklamieren. Bleibt der TÏN (2013), Silvios Opus Magnum: über 10 Monate in der Amphore ausgebaut ist er die Quintessenz dessen, was Sangiovese im nördlichen Chianti Classico zu leisten und zu repräsentieren vermag. Er ist pulsierend und animierend und dabei doch profund und gehaltvoll. Er ist luftig und zart und dabei doch vollmundig und saftig. Er hat Trinkfluss und doch Aura. Seine Aromen spannen Bögen, die sowohl Frucht wie auch Erdnoten Platz einräumen und sich wohl mit der Zeit noch wandeln werden.

Zu guter Letzt  vinifiziert Silvio auch noch einen weißen TÏN: Die Basis bildet Trebbiano toscano und wie schon das rote Pendant wird auch hier in der Amphore vergoren und ausgebaut. Das Ergebnis ist ähnlich spektakulär. Nach 6 Monaten auf den Schalen hat der TÏN bianco (2014) eine einladende , vibrierende und saftige Textur, enormen Zug und eine gebündelte, gelbfruchtige Direktheit, die sich durch den Mund bis zum Gaumen zieht. Steinige und feinkräutrige Aromen sorgen für zusätzliche Komplexität, eine ausgewogene Säure- und Gerbstoffachse liefern Struktur und gleichzeitig die Garantie für ein langes Leben.

12 Dez 2017

LuccaBiodinamica

Tenuta Lenzini
Nicobio
Al Podere di Rosa
Macea
Calafata
Maesta‘ della formica
Fabbrica di San Martino
Fattoria Sardi Giustiniani
Podere Concori
Fattoria Collaverde
Tenuta Mareli
Valle del Sole
Tenuta di Valgiano

LuccaBiodinamica ist eine der agilsten und spannendsten landwirtschaftlichen Vereinigungen der Toskana. Offiziell gegründet wurde LuccaBiodinamica am 20. Juli 2016, nachdem man sich bereits im Jahr 2013 zusammensetzte, um ein adäquates Programm zu entwerfen. Tragende Säulen sind die Prinzipien der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft. Dabei geht es den derzeit 13 Mitgliedern nicht nur um die Anwendung biologischer und biodynamischer Prinzipien in ihren Weingärten, sondern auch um deren Verbreitung. Ein positiv missionarischer Gedanke, der zwar auch anderen Vereinigung innewohnt, jedoch nicht so dezidiert im Programm verankert ist. Erwähnenswert ist zudem die Idee, dass Landwirtschaft den Boden nicht ausnutzen, sondern ihn vielmehr bereichern soll.

Sämtliche Mitglieder stammen aus der Provinz Lucca, genauer aus den Gemeinden Borgo a Mozzano, Camaiore, Capannori, Careggine, Gallicano und Lucca. Dabei vereint LuccaBiodinamica sowohl eine Handvoll exzellenter Winzer (kaum sonstwo in der Toskana finden sich mit der Podere Concori, Tenuta di Valgiano, Calafata, Macea, Al Podere di Rosa und der Fabbrica di San Martino so viele exzellente Winzer auf so engem Raum) wie auch Olivenöl- und Honigproduzenten und Gemüsebauern (ganz fantastische verarbeitete Produkte hat die Maesta‘ di Formica). Mehrere Prduzenten (Nicobio, die Fabbrica di San Martino, Macea und Al Podere di Rosa) bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Erst Botticelli, danach eine Flasche Pugnitello. Roberto Moretti und Lucia Mori kriegen beides ganz entspannt in ein paar Stunden hin (sofern sie vor den Uffizien nicht einen halben Tag in der Schlangen stehen  müssen). Ihr Weingut, die Podere Casaccia, liegt so nah am Zentrum vom Florenz, dass sie sogar das Auto zu Hause lassen können. Ein zehnminütiger Spaziergang, vorbei an Olivenhainen, einem kleinen See, ein bisschen Wald und ein paar Rebstöcken bringt sie hinunter zur Stadtbahnstation im Vorort Scalette und von dort sind es dann knapp 20 Minuten ins Zentrum von Florenz. Man kann diesen Weg natürlich auch in umgekehrter Richtung antreten und Roberto und Lucia auf ihrem Weingut besuchen. Es lohnt sich.

Weingut: Roberto Moretti gründete La Casaccia 1999 (Lucia kam dann später dazu). 12 Hektar Land besitzt er seitdem, wobei gut die Hälfte davon dem Weinbau gewidmet ist. Die Bewirtschaftungsart ist seit vielen Jahren dezidiert biodynamisch (zertifiziert), er setzt auf Kompost und die klassischen Präparate und verzichtet so weit wie möglich auch auf den Einsatz von Kupfer. Ziel ist es den Rebstöcken ein biodiverses Umfeld zu bieten, ihre Resistenzen zu forcieren und ihr oft ohnehin bereits reifes Alter zu prolongieren.

Protagonistin unter den Rebsorten ist Sangiovese. Seit 2011 forciert Roberto allerdings zudem ein Projekt, dass autochthone Sorten zunehmend in den Mittelpunkt rückt. Akribisch suchte er nach geeigneten Stellen, um darin Canaiolo, Malvasia nera, Foglia tonda und Pugnitello anzupflanzen, alte Sorten, die laut Roberto, bis vor der Reblaus den gleichen Stellenwert genossen wie Sangiovese. Die baut er dankenswerterweise allesamt reinsortig aus, sodass man auf La Casaccia die seltene Möglichkeit bekommt, sich – zumindest partiell – durch das kulturelle Rebsortenerbe einer Region trinken zu können.

Ein eminenter Vorteil ist dabei, dass die beiden bei der Vinifizierung auf die Spompernadeln moderner Kellertechnologien verzichten und abgesehen von den ohnehin notwendigen Entscheidungen (Gär- und Ausbaugebinde, Länge des Schalen- und Hefekontakts, Dauer der Reifezeit etc.) auf Eingriffe verzichten. Das Vertrauen in die Qualität ihrer Trauben ist mittlerweile so groß, dass sie – zwar nicht dogmatisch aber eben doch – auch auf den Einsatz von Schwefel verzichten.

Der Ausbau findet generell in Holzfässern statt, wobei im Keller sowohl kleine wie auch größere Gebinde rumstehen. Das breite Sortiment wird von einem einfachen Chianti Colli Fiorentini angeführt, der all das erfüllt, was man sich von einem Basischianti wünscht: Trinkfluss, Saftigkeit, Säure, ein paar erdige Noten und viel rote, frische, säuerliche Frucht. Größere Schwierigkeiten bereitet (zumindest mir) die Chianti Riserva. Wie fast überall, wo Riserva draufsteht, merkt man auch hier, dass eine Menge Ambition in dem Wein steckt und wie so oft ist es ein bisschen zu viel davon. Das Holz ist spürbar im Vordergrund, die Frucht wirkt überreif und der Trinkfluss ist so reißend wie der Po im August.

Dafür sind die vier Rebsorten-Projekte allesamt spannend, allen voran Foglia tonda und Pugnitello. Letzteres hat Druck, Power und eine Menge Pfeffer. Der Gerbstoff gibt Gas und gibt dem profunden Körper ordentlich kontra.  Der Foglia tonda setzt auf Samt. Säure und Tannin sind – widersprüchlich zu ihren analytischen Werten – erstaunlich weich (was die Sorte – zumindest theoretisch – dann auch zu einem idealen Cuvèepartner für Sangiovese macht), die Frucht ist rot, die Würze weihnachtlich (Zimt?), der Körper rund und üppig.

Neben all den roten Klassikern und Experimenten (es gibt auch noch zwei Cuvèes) findet sich auch noch eine gelungene mazerierter Malvasia/Trebbiano Cuvèe, die lebhaft, frisch und saftig, vor allem auf Kräuter und Blütennoten setzt.

Lucia Mori und Roberto Moretti
Strada Vicinale delle Querce
50018 Scandicci (FI)
Tel. e fax +39 055 7300419
Mobil +39 335 6560522
http://www.agricolamoretti.it/
email: sinefelle@libero.it

WEINE

  • Chianti Colli Fiorentini DOCG
  • Chianti Riserva DOCG
  • IGT Toscana rosso – Cuvèe aus alten Sorten
  • Malvasia nera 100%
  • Pugnitello 100%
  • Foglia tonda 100%
  • Canaiolo 100%
  • IGT Toscana bianco – mazeriert
  • IGT Toscana bianco passito
  • IGT Toscana rosso passito

Die Preise der Weine liegen zwischen € 10 und € 25 (2017)

Podere Casaccia ist Mitglied bei La Renaissance des Terroir und den Vignaioli Artigiani Naturali 

Jahresproduktion: ca. 20000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia, Trebbiano, Sangiovese, Canaiolo, Malvasia nera, Foglia tonda, Pugnitello
Rebfläche: 6 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Colombaia ist ein relativ junges Projekt, das in den 1970er Jahren in den Hügeln des Colle Val d’Elsa etwas südlich von Florenz seinen Ursprung hat. Obwohl man sich relativ nahe an San Gimignano befindet, ist man vielmehr den Traditionen des Chianti verpflichtet, ohne auch nur einen Wein zu keltern, der den Namen der Region trägt. Dante Lomazzi, Winzer in dritter Generation und seine Partnerin Helena Variara, haben sich bereits 2006 von den Fesseln der DOC & DOCG-Regulative befreit und keltern seither Weine (IGT), die ihre Vorstellung von der Gegend und ihrem Terroir widerspiegeln. Dabei setzt man auf Sorten, die seit jeher in der Gegend angebaut werden, allen voran Sangiovese aber auch Colorino, Malvasia nera, Canaiolo, Trebbiano und Malvasia bianco. Schon 2003 hat man begonnen, einen der vier Hektar biodynamisch zu bewirtschaften, ab 2005 hat man dann das ganze Weingut umgestellt und aus einer invasiven Monokultur eine blühende und gartenähnliche Polykultur kreiert. Fünf Weine haben darin ihre Wurzeln, wobei man bei Colombaia vor allem zwischen jungen und alten Weingärten unterscheidet.

WEINE: Letzterer ist die Basis für ihren Colombaia Rosso Toscano, der in Zementbottichen spontan vergoren wird – da diese in die Erde eingegraben sind, kommt es zu einer natürlichen Temperaturkontrolle. Nach der Gärung wird der Wein für 18-24 Monaten in große Holzfässer umgezogen und das war es dann für gewöhnlich auch – gefiltert wird grundsätzlich, geschwefelt nur dann, wenn man es für notwendig hält. Beim Colombaia Vigna Nuova geht man ganz demokratisch genauso vor, was letztlich dazu führt, dass sich zwar beiden Weine von Anfang offen (kein Schwefel), ausgewogen und vital präsentieren, sich allerdings in punkto Aromen in unterschiedliche Richtungen aufmachen.

Auch wenn die Latte durch die beiden Rotweine hoch gelegt ist, ist der vielleicht spannendste Wein von Colombaia die weiße Cuvèe aus Trebbiano und Malvasia, die klar, druckvoll, dicht, zupackend, gelbfruchtig und steinig zeigt, was passiert, wenn man kerngesunde Trauben für ein paar Tage mit Butz und Stingl vergärt.  Seit nicht allzu langer Zeit beschäftigen sich die beiden auch mit alten Schaumweintechniken und haben mittlerweile zwei nach der methode ancestral gekelterte Weine im Programm, die sich mit Sicherheit lohnen – ich kenne sie allerdings (noch) nicht.

COLOMBAIA 2009

Lage/Böden: Lehm und Kalk
Rebsorte: Sangiovese, Colorino, Malvasia Nera, Canaiolo
Mazeration: ja
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in 26-hl Holzfässern für 18 Monate
Schönung: nein
SO₂ total: 28mg/l
Gefiltert: nein

Dichtung: warm, intensiv, dicht und mit einer ordentlichen Portion Pfeffer, dunkle Beeren und Würze. Im Mund ist das alles nicht viel anders, allerdings wird es hier sehr druckvoll, Sangiovese für Erwachsene, das Tannin ist präsent und die Säure dito, der Körper ist kompakt uns saftig und insgesamt ist das alles sehr beeindruckend lang und jung.

Wahrheit: Colombaia ist eine Idylle. Die Weingärten liegen zu Füßen eines wunderschönen Anwesens und fallen recht elegant den Hang hinab. Die Bestockung ist dicht, der Boden belebter als ein Zoo. Sangiovese gibt in diesem Utopia den Ton an, alte Weggefährten stehen ihr zur Seite: Colorino. Malvasia Nera und Canaiolo, allesamt autochtone Sorte der Zentraltoskana. Der Ausbau fand über 36 Monate in 26hl-Fässern statt, für weitere 6 Monate geht es dann noch in die Flasche, das wars dann auch. Gefiltert wird nicht, geschönt auch nicht, nur vor der Füllung gab es 28 mg/l Schwefel.

Colombaia
Località Mensanello, 24
53034 Colle di Val d’Elsa
Tel: 0039 393 36 23 742
www.colombaia.it

Besuche bitte NACH VORANMELDUNG

Colombaia ist Mitglied bei Renaissance des Terroir Italia

WEINE

Colombaia Rosso Toscano
Colombaia Rosso Vigna Nuova
Colombaia Bianco Toscano
Colombaia Bianco ancestral
Colombaia Rosato ancestral

Die Preise der Weine liegen zwischen € 15 und € 20 (2016)

Andrea Zanfei ist zwar kein Winzer klassischen Schlags, das ändert aber nichts daran, dass er Weine keltert, die klassisch und paradigmatisch für eine Region stehen. In seinem Fall und in dem seiner Frau Valeria Baldini Libri, der eigentlichen Besitzerin des Weinguts ist das das Chianti Rufina, jener Hügelkette im Osten von Florenz, das heute (und eigentlich immer schon) eindeutig im Schatten des Chianti Classico steht. Der große Unterschied zwischen Rufina und dem Classico ist – laut Andrea – das spezielle Mikroklima in Rufina, das eminent durch den Sieve, den die ganze Region durchziehenden Fluss geprägt ist. Zum einen ist es dadurch meistens recht feucht, zum anderen, ergeben sich daraus, ziemlich spürbare Tag-Nacht Unterschiede. Die kommen im Fall von Andrea und Valeria vor allem Canaiolo (ihre Lieblingssorte), Sangiovese, Colorino, Trebbiano und Malvasia zu Gute, die seit über 40 Jahren in den insgesamt 10 Hektar Weingärten wurzeln und seit 20 Jahren biodynamisch bewirtschaftet werden. Seit 1997, dem Jahr als Valeria das Weingut übernahm und Andrea seinem Job als Geschichts- und Philosophieprofessor auch noch den des Winzers hinzufügte. Anfangs half ihnen Leonello Anello, ein Önologe, später wussten sie auch selbst, was wann und warum zu tun ist. Im Weingarten sowieso, aber auch im Keller.

Dort setzen die beiden auf a. wilde Hefen & spontane Vergärung, b. den Verzicht von jeglichen Additiven außer SO₂ vor der Füllung, c. Zement und d. Holz. Mehr Zement als Holz. Letzteres sehen einzig der Chianti Rufina, dem 90% Sangiovese feine Blüten und Fruchtaromen verleihen und der Padronale, ebenfalls hauptanteilig Sangiovese, doch ein wenig fülliger, runder und ausladender. Im Zement landet dagegen der Podernovo, den 40% Canaiolo in eine fleischige und saftige Richtung lenken und der Canestrino, eine Cuvèe aus Trebbiano und Malvasia, die wieder einmal zeigt, warum es Sinn macht, gewisse Weißweine auf den Schalen zu vergären. Speziell der Trebbiano gewinnt dadurch an Substanz und Tiefe, an Aromintensität und Dynamik.

ps: Cerreto Libri ist Mitglied bei Renaissance del Terroir Italia.

pps: bei Cerreto Libri weiß man auch ganz genau, wie man Grappa brennt und Olivenöl herstellt

ppps: Außerdem kann man bei Cerreto Libri wohnen, was angesichts der Tatsache, dass man es mit einer 220 Jahre alten toskanischen Villa zu tun hat, ein Erlebnis sein sollte.

Fattoria Cerreto Libri

Valentina Baldini Libri
Via Aretina 96
50065 Pontassieve (FI)
Tel. 055/8314528
Fax 055/3909840
fattoria@cerretolibri.it
www.cerettolibri.it

WEINE

Chianti Rufina
Padronale
Podernovo
Canestrino

Die Preise der Weine liegen zwischen € 12 und € 18 (2017)

Ceretto Libri ist Mitglied bei Renaissance del Terroir 

Jahresproduktion: ca.15000 Flaschen
Rebsorten: Sangiovese, Colorino, Canaiolo, Malvasia, Trebbiano
Rebfläche: 10 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Manfredis Paradies ist klein. Aber das haben Paradiese vermutlich so an sich. Das erste Paradies war ja auch nur für zwei Personen, eine Schlange und einen Apfelbaum (eine Feigenbaum muss es auch gegeben haben) konzipiert. Manfredis Paradies umfasst 2,5 Hektar. Anstatt des Apfelbaums pflanzte er Sangiovese Grosso, den speziellen Sangiovese-Biotypus, der im nördlichen Teil von Montalcino für die feine, ziselierte Textur und die roten Fruchtaromen (im Süden wird es opulenter und dunkler) mitverantwortlich ist. Statt ein paar Schlangen und Feigen gibt es eine üppige Flora und Fauna und im Gegensatz zum ursprünglichen Paradies ist es bestens lokalisierbar – Via Canalicchio 305, Montalcino.

Das Weingut – dessen Mauern seit dem 8. Jahrhundert bestehen – erwarben Manfredi Martini und seine Frau Fortunata (ein Name, der ins Paradies passt) Anfang der 1950er Jahre und aus dieser Zeit stammen auch noch immer viele Rebstöcke, die heute von der zweiten (Florio und Rosella) und dritten Generation (Gioia und Silvia) so akribisch weitergepflegt werden, wie Manfredi es vorlebte. Die Bewirtschaftung basiert auf Handarbeit und auch wenn nicht zertifiziert biodynamisch gearbeitet wird, integriert man doch diverse Prinzipien. Ansonsten geht man extrem selektiv und penibel vor und versucht den Weingarten vom Rebschnitt bis zur Lese in perfekter Balance zu halten – viel Arbeit, weshalb man auch nicht vorhat, das Paradies zu vergrößern.

Das Terroir ist anspruchsvoll: die Topographie ist hügelig und steil, die Exposition nordöstlich, der Boden von unzähligen Fossilien und viel Konglomerat geprägt und das Klima ist – dank der Lage in den Hügeln – immer wieder von kühlen Nächten beeinflusst. All das wirkt sich auf die Weine aus, die zweifellos zum besten gehören, was Italien an puristischen, filigranen, leicht ätherischen, eleganten und auch komplexen Rotweinen zu bieten hat. Alle drei Weine (Rosso, Brunello & Brunello Riserva) entstammen derselben Vinifikation – sie unterscheiden sich lediglich durch die Länge des Ausbaus.

Keller & Weine: Die Akribie der Weingartenarbeit findet im Keller ihre Fortsetzung, wobei das nicht bedeutet, dass hier groß eingegriffen wird. Im Gegenteil. Man schuf einzig das ideale Umfeld, um Weine zu keltern, die sowohl Herkunft wie auch Sorte bis ins Detail wiedergeben. Die Gärung findet in Zementbottichen statt, die innen mit einer Keramikschicht ausgekleidet sind: ideale Voraussetzungen für einen langsamen und relativ kühlen Verlauf. Danach wird der Wein (es ist immer noch ein Wein, der erst durch den Ausbau seine Verwandlung in Rosso, Brunello & Riserva di Brunello erfährt) in große Holzfässer aus slawonischer Eiche (25-30hl) gefüllt. Und danach wird gewartet: 12 Monate auf den Rosso, der filigran, belebend und animierend ist und rote Früchte, ein wenig Zitrus, florale und erdige Noten und erste Anzeichen eines großen Weins in sich trägt.

36 Monate (+ Flschenreife/je nach Jahrgang) auf den Brunello, einem der großen Meisterwerke der italienischen Rotweinwelt: ähnlich filigran, elegant und dynamisch ist er – anders als der Rosso – doch in sich ruhend (drücke ich mich klar aus?), gelassen & entschleunigt, ein Wein, der sich prinzipiell ein wenig Beschäftigung verdienen würde und doch soviel Trinkfluss besitzt, dass man aufpassen muss, ihn nicht in einer Viertelstunde auszutrinken. Die ätherische Textur ist bestens und völlig unaufdringlich von lebendiger Säure und griffigem Gerbstoff gepuffert. Die Aromenvielfalt ist groß, wobei es Sinn macht, hier jeden für sich auf die sensorische Reise zu schicken – zwischen Rosen, Laub, Erde, roten Beeren, Steinen usw. kann jeder seine eigene Auswahl treffen.

Auf die Brunello Riserva muss man 48 Monate (+Flaschenreife) warten und vermutlich lohnt sich das auch – ich würde es auch gerne wissen.

Alle drei Weine sind ungefiltert und nicht geschönt.

Il Paradiso di Manfredi

Via Canalicchio 305
53024 Montalcino
Tel: 0039 0577848478
www.ilparadisodimanfredi.com

Jahresproduktion: 9000 Flaschen
Rebsorten: Sangiovese
Rebfläche: 2,5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer, Schwefel
Biodynamisch: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein
On the road: selten, mit TRIPLE A

WEINE

Rosso
Brunello di Montalcino
Riserva di Brunello

Ganze 2,2 Hektar bewirtschaften Giuseppe Ferrua und seine Frau Giovanna Tronci in den Hügeln nördlich von Lucca (DOC Colline Lucchesi), wobei Wein nur ein kleiner Bestandteil des 20 Hektar großen Anwesens ist – Olivenöl kommt ein ähnlicher Stellenwert zu, der Rest ist Wald und ein Agriturismo, dessen Zimmer in dicken, altehrwürdigen Mauern aus dem 18. Jahrhundert untergebracht sind. Die Fabbrica di San Martino ist ein Rückzugsort, eine Enklave der Ruhe, die neben Giuseppe Ferruas Familie auch noch ein paar Esel, Bienen, Katzen und Rinder beherbergt.

Weingärten: Letztere haben auch für die Weingärten Bedeutung, liefern sie doch den Dung für das Präparat 500, das den biodynamischen Prinzipien gemäß zur Aktivierung der Bodenfruchtbarkeit eingesetzt wird. Und biodynamische Prinzipien werden auf San Martino intensiv gelebt. So verwendet man zum einen die diversen Präparate zur Stärkung der Pflanzen und des Bodens, zum anderen arbeitet man im Garten wie im Keller auch nach den kalendarischen Vorgaben der Biodynamik. Das kommt den bisweilen sehr alten Rebstöcken zu Gute, die in sandig geprägten Böden wurzeln und trotz der eher geringen Speicherfähigkeit ausreichend Nährstoffe akkumulieren können. Das Klima ist mediterran geprägt, wobei es an Regen nicht mangelt, ein Umstand, der die Hänge von Giuseppe oft in ein dunkles Grün verwandelt. In den Gärten wachsen – oft durchbrochen von Olivenbäumen – durchwegs autochthone Sorten, allen voran, wie könnte es anders sein, Sangiovese. Der bildet die Basis für die beiden Rotweine, den Arcipressi Rosso, der zudem Ciliegiolo, Colorino, Canaiolo, Malvasia Nera, Aleatico enthält.

Keller & Weine: Gelesen wird stets per Hand, wobei unreifes oder faules Material direkt am Stock selektiert wird, vergoren wird spontan, der Ausbau passiert im Edelstahl mit der Intention einen leichten und lebendigen Wein zu keltern. Der macht Spaß, liefert jedoch nur die Einleitung für den Fabbrica di San Martino Rosso, der strukturiert, dicht, fokussiert und vielschichtig sicher zu den besten roten Interpretationen der nördlichen Toskana gehört. Ausgebaut wird über 2 Jahre in 1000 Liter Holzfässern, gefiltert und geschönt wird gar nicht, geschwefelt kaum.

Dieser Ansatz minimalster Interventionen lässt sich auch auf die beiden Weißweine übertragen, den Arcipressi Bianco (saftig, bekömmlich, vital) und den Fabbrica di San Martino Bianco, mit dem Giuseppe, die Möglichkeiten von Vermentino und Trebbiano auslotet. Die Textur ist dabei eher weich, saftig und konzentriert, die Aromen sind vor allem gelben Früchten und von Kräutern geprägt.

Abgerundet wird das Sortiment von einem mehr als ernsthaften Rosé (reinsortig Sangiovese), dessen einziger Nachteil darin besteht, dass ihn meistens die Gäste des Agriturismo mehr oder weniger paritätisch unter sich aufteilen. Die Fabbrica di San Martino ist demeterzertifiziert und Mitglied bei Renaissance del Terroir und Lucca biodinamica.

Fabbrica di San Martino

Frazione San Martino/Lucca
Via Pieve Santo Stefano 2511
Tel:+39 0583 394284
E-Mail: info@fabbricadisanmartino.it
www.fabbricadisanmartino.it

Weine

Arcipressi bianco
Arcipressi Rosso
Fattoria di San Martino Bianco
Fattoria di San Martino Rosso
Rosé

Jahresproduktion: 12000 Flaschen
Rebsorten: Sangiovese, Canaiolo, Ciliegiolo, Malvasia Nera, Aleatico; Vermintino, Trebbiano Toscano
Rebfläche: 2,5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: biodynamisch, Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zerifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Der Macea Bianco 2014 ist und bleibt vermutlich ein Unikat. Wobei natürlich alle einigermaßen natürlich hergestellten Weine in gewisser Hinsicht Unikate sind, ist doch jeder Jahrgang anders als der davor. 2014 war dann halt so anders, dass man bei Macea gleich zu gravierenderen Maßnahmen greifen musste und für genau einen Jahrgang einen neuen Wein ins Leben rief.

Grund dafür war ganz simpel gesagt mieses Wetter – das machte Cipriano Barsanti und seinem Bruder Antonio von Anfang Januar bis Ende September nur Arbeit, mit dem Resultat, dass man am Ende halb so viel hatte wie normal. Und da die Mengen der beiden ohnehin minimal sind, beschlossen sie aus normalerweise zwei Weißweinen – Sauvignon Blanc & Pinot Grigio – einen einzigen zu machen. Die Farbe wird definitiv von letzterem bestimmt, wobei das feine orange lediglich vom langsamen Abpressen der  Trauben herrührt – mazeriert wird bei Macea nie.

Aromatisch stehen Steine, Kräuter und exotische Aromen im Vordergrund und wer daran wie viel Anteil hat, ist müßig zu klären. Fakt ist jedoch, dass die tendenziell ohnehin kühlen natürlichen Voraussetzungen durch den regnerischen Sommer und Herbst die Stilistik nochmals engmaschiger und strukturierter erscheinen lassen. Der Alkohol liegt bei gerade mal 12%, wobei es trotzdem an Textur und Dichte nicht mangelt – der Grund dafür liegt neben gesunden Trauben vor allem an einer langen Hefestandzeit. Abgepresst wird manuell mit einem alten Holzkelter, die Gärung verläuft wild (keine Reinzuchthefen) und ohne weitere Eingriffe, der Ausbau erfolgt über ein Jahr in kleinen, gebrauchten Holzfässern. Gefiltert & geschönt wird nicht, geschwefelt (< 10mg) einzig vor der Flaschenfüllung.

Macea


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